Deadpool & Wolverine
Das Marvel Cinematic Universe hat in den vergangenen Jahren viele Versuche unternommen, sich selbst zu erneuern. Keiner davon war so lautstark, so kalkuliert und dabei so überraschend ehrlich wie „Deadpool & Wolverine„. Shawn Levy inszeniert 2024 nicht einfach den nächsten Superhelden-Blockbuster, sondern eine Art filmisches Geständnis über Franchise-Erschöpfung und nostalgische Sehnsucht. Gleichzeitig versucht der Film, zwei Figuren zusammenzubringen, die eigentlich in unterschiedlichen Universen bereits ihren Abschluss gefunden hatten. Das Ergebnis ist rau, laut und absichtlich überdreht.

| Dauer: | 127 Min. |
|---|---|
| FSK: | 16 (DE) |
| Jahr: | 2024 |
| Kategorien: | Action, Komödie |
| Regie: | Shawn Levy |
| Produzenten: | Ryan Reynolds, Lauren Shuler Donner, Shawn Levy, Kevin Feige |
| Hauptdarsteller: | Ryan Reynolds, Hugh Jackman, Emma Corrin |
| Nebendarsteller: | Matthew Macfadyen, Dafne Keen, Jon Favreau, Morena Baccarin |
| Studio: | Marvel Studios, Maximum Effort, 21 Laps Entertainment, 20th Century Studios, Kevin Feige Productions, TSG Entertainment |
Was diesen Film von gewöhnlichen MCU-Produktionen unterscheidet, ist sein Verhältnis zum eigenen Erbe. Wade Wilson und Logan tragen nicht nur Kostüme, sie tragen die Last zweier Franchises mit sich. Deadpool steht für das R-rated-Kino, das Disney nach der Fox-Übernahme nicht begraben wollte. Wolverine steht für eine abgeschlossene, würdige Geschichte, die nun reaktiviert wird. Ob diese Reaktivierung als Gewinn oder Verlust zu werten ist, liegt letztlich im Auge des Betrachters – und genau diese Spannung macht den Film so schwer zu greifen.
Besetzung, Regie und Drehorte
„Deadpool & Wolverine“ entstand unter der Regie von Shawn Levy, der bereits mit Ryan Reynolds bei „Free Guy“ und „The Adam Project“ zusammengearbeitet hatte. Das Drehbuch verfassten Rhett Reese und Paul Wernick gemeinsam mit Zeb Wells, Reynolds und Levy selbst. George Richmond übernahm die Kamera, für Schnitt und Montage zeichneten Shane Reid und Dean Zimmerman verantwortlich. Die Dreharbeiten begannen im Mai 2023 in London sowie den Pinewood Studios in Buckinghamshire und endeten im Januar 2024, unterbrochen durch den SAG-AFTRA-Streik.
Ryan Reynolds kehrt in der Hauptrolle als Wade Wilson alias Deadpool zurück, an seiner Seite Hugh Jackman als Logan alias Wolverine. Emma Corrin verkörpert die Antagonistin Cassandra Nova, Matthew Macfadyen gibt Mr. Paradox. Zahlreiche Figuren aus früheren Deadpool-Filmen sind erneut vertreten, darunter Karan Soni, Morena Baccarin und Rob Delaney. Weitere Gastauftritte übernehmen Jennifer Garner als Elektra, Dafne Keen als X-23, Wunmi Mosaku als Hunter B-15 sowie Jon Favreau als Happy Hogan.
Der Film läuft 128 Minuten und trägt in Deutschland eine FSK-16-Freigabe – er ist der erste R-rated-Titel im MCU. Die Weltpremiere fand am 22. Juli 2024 im David H. Koch Theater in New York statt. Bei den Saturn Awards 2025 wurde der Film als bester Action-/Adventure-/Thriller-Film ausgezeichnet; Hugh Jackman erhielt den Preis als bester Nebendarsteller, Dean Zimmerman und Shane Reid wurden für den besten Schnitt geehrt.
Handlung & Inhalt vom Film „Deadpool & Wolverine“
Wade Wilson hat sein Leben als Deadpool hinter sich gelassen. Nach der Trennung von seiner Freundin Vanessa verdient er seinen Lebensunterhalt als Gebrauchtwagenhändler, weit entfernt von den Schlachtfeldern seiner Vergangenheit. Während seiner Geburtstagsfeier taucht die Time Variance Authority auf und bringt ihn zu Mr. Paradox, einem Agenten der Zeitbehörde. Paradox erklärt ihm, dass seine Zeitlinie – Erde-10005 – ohne das sogenannte Ankerwesen zerfallen wird, jenes individuelle Wesen, dessen Existenz die Integrität einer Zeitlinie sichert. Dieses Ankerwesen war Logan alias Wolverine. Er ist tot. Wilson stiehlt Paradox‘ TemPad und macht sich auf die Suche nach einer Wolverine-Variante, die seine Welt retten könnte.
Nach dem Durchstreifen mehrerer Zeitlinien findet Wilson eine Logan-Variante, die von der TVA als die schwächste aller Wolverines eingestuft wird. Er bringt ihn zur TVA, doch nach einem Streit teleportiert Paradox beide kurzerhand in die Leere – eine Art multiversales Jenseits, in dem ausrangierte Zeitlinienfiguren stranden. Dort begegnen sie Cassandra Nova, der Zwillingsschwester von Professor Charles Xavier, die einst von der TVA in die Leere verbannt wurde. Nova hat sich als Herrscherin dieses Ortes etabliert und tötet kurzerhand Johnny Storm, einen weiteren Gestrandeten. Wilson und Logan überleben knapp und schließen sich einer Widerstandsgruppe an.
Zwischen Allianz und Alioth
In den Grenzgebieten der Leere treffen sie auf X-23, Elektra Natchios, Blade und Gambit – eine Gruppe ausgestoßener Figuren, die gegen Novas Herrschaft kämpfen. Logan zögert, sich anzuschließen, ändert jedoch nach einem Gespräch mit Laura über seine Unfähigkeit, die X-Men zu retten, seine Haltung. Die Gruppe greift Novas Stellung an, Wolverine kämpft mit voller Wucht gegen ihre Anhänger. Der Schlüssel zur Niederlage der Antagonistin liegt in Juggernauts Helm, der ihre Kräfte blockieren kann. X-23 tötet Juggernaut und sichert den Helm – Nova wird vorübergehend gestoppt.
Der Kampf tritt in seine entscheidende Phase ein, als sich herausstellt, dass Paradox auf Erde-10005 eigenmächtig einen sogenannten Zeit-Ripper aktiviert, eine Maschine zur Auslöschung von Zeitlinien. Nova erfährt durch den Schläferagenten Pyro von diesem Verrat und will die Kontrolle über den Zeit-Ripper an sich reißen, um sämtliche Zeitlinien zu vernichten. Sie setzt das Deadpool Corps auf Wilson und Logan an – eine Schar von Deadpool-Varianten aus dem gesamten Multiversum. Die beiden besiegen das Corps, erhalten von Paradox die technischen Informationen zum Stopp der Maschine und erkennen, dass ein menschlicher Körper als Leiter verwendet werden muss – um den Preis des eigenen Lebens.
Logan ist bereit, sich zu opfern, doch Wilson überlistet ihn und schließt sich selbst in den Maschinenraum ein. Als Logan die Metalltür durchbricht, verbinden beide ihre Körper mit den Energieleitungen. Der Zeit-Ripper explodiert, Nova wird getötet. Wider Erwarten überleben beide. Hunter B-15 verhaftet Paradox, bestätigt Wilson, dass seine Zeitlinie stabil ist, und erklärt Logan, dass seine Vergangenheit ihn zum notwendigen Ankerwesen macht. Logan zieht sich in ein ruhiges Leben zurück. Wilson nimmt ihn und Laura mit zu seinen Freunden und, auf Logans Ermunterung hin, nimmt er schließlich auch Kontakt zu Vanessa wieder auf.
Filmkritik und Fazit zum Film „Deadpool & Wolverine“
„Deadpool & Wolverine“ betreibt eine Art offenherzigen Fanservice-Exzess, der seinen Kalkül nicht versteckt, sondern offen ausstellt. Shawn Levy inszeniert mit sicherem Gespür für Tempo und Witz. Die eigentliche Stärke liegt jedoch im Zusammenspiel von Reynolds und Jackman. Die Chemie zwischen dem schrillen Plauderer und dem schweigsamen Berserker funktioniert, weil beide ihre Rollen nicht nur spielen, sondern vollständig ausfüllen. Das über Jahre gewachsene Vertrauen ist dabei in jeder Szene spürbar. Die Eröffnungssequenz zu einem N*SYNC-Hit setzt den Ton: brutal, selbstironisch und vollständig absichtlich überdreht.
Was den Film handwerklich schwächt, ist seine visuelle Einfallslosigkeit. Viele Szenen spielen vor Kulissen, die nach Studio riechen – flach ausgeleuchtet, ohne atmosphärische Tiefe. Die Kampfchoreografien wirken mit einer Ausnahme, einem engen Zweikampf innerhalb eines fahrenden Fahrzeugs, in ihrer Unübersichtlichkeit erstaunlich uninspiriert. Trotz der deutlich blutigeren Inszenierung fehlt es vielen Szenen an Klarheit und Dynamik. Die Verwendung von Slow-Motion wird exzessiv, kalkulierte Memetauglichkeit überlagert bisweilen echte Inszenierungsarbeit. Dennoch: Die Gastkämpfe in der Leere haben Energie, und Rob Simonsens Musikarbeit fügt sich geschickt in den Rhythmus des Schnitts.
Wer mit dem Deadpool-Franchise vertraut ist und Freude an selbstreflexivem Comickino hat, findet hier ein kurzweiliges, stellenweise ehrlich berührendes Vergnügen. Wer hingegen dramatische Substanz sucht, stößt an klare Grenzen. „Deadpool & Wolverine“ ist kein Risikofilm – er ist ein sehr sorgfältig konstruiertes Geschenk an ein bestimmtes Publikum, das dieses Geschenk mit offenen Armen empfangen wird.