2016 war das Jahr, in dem DC sein dunkleres Reservoir öffnete: Keine Superhelden, sondern Kriminelle sollten die Welt retten – oder zumindest Midway City. „Suicide Squad" unter Regisseur David Ayer trat an mit einem neonbunten Ensemble, einem wilden Soundtrack und dem Versprechen, die Regeln des Blockbusterkinos zu brechen. Das Ergebnis spaltete Kritiker und Publikum auf eine Art, die selbst für das umstrittene DC Extended Universe ungewöhnlich war.
Seit Jahren schwankt das Marvel Cinematic Universe zwischen Selbstbehauptung und Erschöpfung. Nun kommt ein Film, der diesen Widerspruch nicht löst, sondern feiert. Wade Wilson und Logan treffen im Multiversum aufeinander – zwei Figuren, die ihre Abschlüsse längst gefunden hatten und dennoch zurückgekehrt sind. Shawn Levy inszeniert dabei nicht einfach ein weiteres Franchise-Kapitel, sondern einen seltenen Fall: einen Blockbuster, der seinen eigenen Kalkül offen zur Schau stellt.
James Gunn hatte eine Rechnung offen – mit den großen Studios, mit dem Superheldenkino, vielleicht auch mit sich selbst. Als Warner Bros. ihn 2019 für einen neuen Suicide-Squad-Film verpflichtete und ihm dabei vollständige kreative Freiheit ließ, nutzte Gunn diese Chance auf seine eigene Art: radikal, blutig und mit einer Gleichgültigkeit gegenüber Blockbuster-Konventionen, die in einem Studiofilm dieser Größenordnung kaum zu erwarten war. Was entsteht, wenn ein Regisseur keine Rücksicht nehmen muss?