The Suicide Squad

Als James Gunn im Jahr 2019 das Drehbuch zu einem neuen Suicide-Squad-Film übernahm, war das eine Konstellation, die im Hollywoodbetrieb selten bleibt: ein Regisseur, der von einem Studio gefeuert, vom nächsten aufgefangen und dann mit vollem kreativem Freiraum ausgestattet wurde. Was er daraus machte, ist „The Suicide Squad“ – ein Film, der den Superheldenkosmos nicht reformieren will, sondern ihn kurzerhand in Stücke reißt. Keine Selbstkorrektur, kein Kompromiss, kein Blick auf das nächste Sequel.

The Suicide Squad
Dauer: 132 Min.
FSK: 16 (DE)
Jahr: 2021
Kategorien: Action, Komödie
Regie: James Gunn
Produzenten: Charles Roven, Peter Safran
Hauptdarsteller: Margot Robbie, Idris Elba, John Cena
Nebendarsteller: Joel Kinnaman, Sylvester Stallone, Viola Davis, David Dastmalchian
Studio: DC Films, Atlas Entertainment, The Safran Company, Warner Bros. Pictures

Seit Jahren hat das DC Extended Universe mit einem Grundproblem zu kämpfen: Es versucht, eine Formel zu bedienen, die dem Konkurrenten Marvel so gut gelungen ist, und scheitert dabei mit schöner Regelmäßigkeit an sich selbst. „The Suicide Squad“ interessiert das nicht. Gunn tritt dieses Erbe mit demonstrativer Gleichgültigkeit an – und schafft genau dadurch etwas, das in einem Studioproduktion dieser Größenordnung eigentlich kaum möglich erscheint. Ob das reicht, um wirklich dauerhaft zu überzeugen?

Besetzung, Regie und Drehorte

The Suicide Squad“ entstand unter der Regie von James Gunn, der auch das Drehbuch verantwortete. Als Produzenten fungierten Charles Roven und Peter Safran. Die Kamera führte Henry Braham, für den Schnitt zeichnete Fred Raskin verantwortlich. John Murphy komponierte die Filmmusik. Gedreht wurde ab September 2019 in den Pinewood Studios bei Atlanta sowie in Panama.

Das Ensemble umfasst Idris Elba als Bloodsport, Margot Robbie als Harley Quinn und John Cena als Peacemaker. Daniela Melchior verkörpert Ratcatcher 2, David Dastmalchian den Polka-Dot Man. Sylvester Stallone leiht King Shark seine Stimme, Steve Agee übernahm die Motion-Capture-Darstellung der Figur. Joel Kinnaman ist als Colonel Rick Flag und Viola Davis als Amanda Waller zu sehen. Peter Capaldi spielt den Wissenschaftler Thinker.

Der Film hat eine Laufzeit von 132 Minuten und trägt in Deutschland die FSK-16-Freigabe. Er erschien am 5. August 2021 in den deutschen Kinos und zeitgleich auf HBO Max. Es handelt sich um den zehnten Film des DC Extended Universe und die zweite Realverfilmung des Suicide-Squad-Stoffs nach David Ayers Version von 2016. Comicautor John Ostrander, der als Erfinder des modernen Suicide Squad gilt, hat einen kurzen Cameo-Auftritt.

Handlung & Inhalt vom Film „The Suicide Squad“

Amanda Waller, die Leiterin der geheimen Regierungsorganisation A.R.G.U.S., rekrutiert aus dem Hochsicherheitsgefängnis Belle Reve eine Gruppe von Superschurken für die sogenannte Task Force X. Das Ziel ist die Insel Corto Maltese, wo ein Militärputsch die politische Ordnung zerstört hat. Dort soll die Geheimbasis Jotunheim zerstört und das mysteriöse Projekt Starfish vernichtet werden, bevor das neue Regime darauf zugreifen kann. Ein lokaler Wissenschaftler namens Thinker soll die Truppe dabei unterstützen. Waller schickt die Schurken los – unter dem Kommando von Colonel Rick Flag.

Die erste Welle landet katastrophal: Weasel ertrinkt bei der Ankunft, Blackguard versucht sein Team zu verraten und wird sofort erschossen, T.D.K. und Javelin sterben im Gefecht, Mongal und Captain Boomerang kommen beim Absturz eines Hubschraubers ums Leben. Savant versucht zu fliehen, Waller lässt ihn durch die implantierte Sprengladung töten. Harley Quinn und Flag sind die einzigen Überlebenden – Harley gerät in Gefangenschaft. Erst jetzt zeigt sich, dass diese erste Gruppe nur als Ablenkungsmanöver geopfert wurde. Ein zweites Team – Bloodsport, Peacemaker, Ratcatcher 2, Polka-Dot Man und King Shark – landet unbemerkt auf der Insel.

Chaos, Verrat und ein unmöglicher Auftrag

Das zweite Team kämpft sich durch den Dschungel und tötet dabei versehentlich einheimische Widerstandskämpfer. In deren Lager treffen sie auf Flag, der als einziger der ersten Gruppe die Landung überlebt hat. Harley Quinn befindet sich derweil in der Gewalt des Diktators Silvio Luna, der sie umwirbt. Sie verbringt Zeit mit ihm, tötet ihn dann überraschend und befreit sich selbst, bevor das Team überhaupt eingreifen kann. Die Gruppe dringt schließlich gemeinsam mit dem Thinker und dem Fahrer Milton in die Jotunheim-Basis ein.

Was sie dort finden, übersteigt jeden Auftrag: Seit Jahren wurden in den Tiefen der alten Nazi-Anlage grauenhafte Experimente an Menschen durchgeführt – an einem außerirdischen Seestern namens Starro, der einst von US-Astronauten gefunden und dem Thinker im Auftrag der USA zur Verfügung gestellt wurde. Starro selbst tötet den Thinker und bricht frei. Flag ist entsetzt über die amerikanische Mitschuld an den Experimenten und will die Wahrheit öffentlich machen. Peacemaker tötet ihn, bevor er kann. Als Peacemaker auch Ratcatcher 2 als Zeugin eliminieren will, erschießt Bloodsport ihn. Milton stirbt ebenfalls.

Die Sprengladungen zerstören Jotunheim planmäßig, doch Starro entkommt ins Freie und beginnt, die Bevölkerung von Corto Maltese zu versklaven. Die verbleibenden Mitglieder der Task Force X verweigern Wallers Befehl zum Rückzug und kämpfen gegen den Seestern. Als Waller die Sprengladungen der Teammitglieder zünden will, schaltet eine ihrer eigenen Mitarbeiterinnen sie aus. Bloodsports Waffen versagen gegen Starro, Polka-Dot Man wird zertrampft – doch Harley und Ratcatcher 2 besiegen den Gegner. Bloodsport sichert mit den belastenden Beweisen über die US-Beteiligung die Immunität der Überlebenden. Harley Quinn, Bloodsport, Ratcatcher 2 und King Shark kehren zum Festland zurück. Zwei Post-Credit-Szenen enthüllen, dass weder Weasel noch Peacemaker tot sind.

Filmkritik und Fazit zum Film „The Suicide Squad“

The Suicide Squad“ ist vor allem ein Regisseurfilm – und das spürt man in jeder Einstellung. Gunn inszeniert mit einer Energie, die sich nicht um Genrenormen schert, und schreibt Figuren, die weder Sympathieträger sein müssen noch Helden spielen wollen. Idris Elba gibt Bloodsport eine stoische Schwere, die gut gegen John Cenas ironisch aufgeblasenen Peacemaker kontrastiert. Margot Robbie verleiht Harley Quinn eine eigenständige Qualität, die über bloße Exzentrik hinausgeht. Daniela Melchiors Ratcatcher 2 überrascht mit einer emotionalen Klarheit, die dem Film in seinen stillen Momenten Halt gibt. Henry Brahams Kameraarbeit hält die wuseligen Actionsequenzen zusammen, auch wenn die Übersicht in besonders hektischen Momenten gelegentlich leidet.

Gunns Inszenierungsprinzip folgt einer konsequenten Eskalationslogik: Der Film etabliert früh, dass keine Figur unantastbar ist, und löst dieses Versprechen mit bemerkenswerter Konsequenz ein. Das erzeugt eine Spannung, die in vergleichbaren Produktionen selten zu finden ist. Zugleich birgt das Konzept ein strukturelles Problem. Das Tempo, das Gunn von der ersten Szene an aufrecht erhält, lässt kaum Raum zur Differenzierung. John Murphys Musik und die dichte Abfolge popkultureller Referenzen verstärken diesen Effekt. Der Film läuft Gefahr, seinen eigenen Lärm nicht mehr zu hören. Wer sich auf dieses Prinzip einlässt, erlebt ein Actionkino, das selten so ehrlich über seine eigene Absurdität war.

Für Liebhaber anarchischen Action Kinos, die bereit sind, sich auf einen Film einzulassen, der die eigenen Regeln höher bewertet als die des Studios, ist „The Suicide Squad“ eine seltene Gelegenheit. Gunn beweist, dass großes Budget und radikale Autorenhandschrift kein Widerspruch sein müssen. Wer hingegen erzählerische Konsequenz und emotionale Tiefe erwartet, wird feststellen, dass der Film diese Erwartung absichtlich unterläuft. Das ist keine Schwäche – es ist das Konzept.

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