The Ward

Es gibt Filme, die nicht durch das glänzen, was sie zeigen, sondern durch das, was sie verschweigen. Eine psychiatrische Station im ländlichen Oregon, ein Haus in Flammen, eine junge Frau ohne Gedächtnis: Mit diesen Zutaten betritt John Carpenter nach einem Jahrzehnt der Abstinenz erneut das Regiestudio. „The Ward“ ist sein bis heute letzter Kinofilm. Er erzählt von Trauma und Identität, von Erinnerung als Bedrohung und von Fluchtbewegungen, die ins Innere führen. Sein Schauplatz ist ein Ort, an dem Heilung selbst zur Gewalt werden kann.

The Ward
Dauer: 89 Min.
FSK: 18 (DE)
Jahr: 2010
Kategorien: Horror
Regie: John Carpenter
Produzenten: Peter Block, Doug Mankoff, Andrew Spaulding, Mike Marcus
Hauptdarsteller: Amber Heard, Mamie Gummer, Danielle Panabaker
Nebendarsteller: Jared Harris, Laura-Leigh, Lyndsy Fonseca, Mika Boorem
Studio: FilmNation Entertainment, Premiere Picture, Echo Lake Entertainment

Der Regisseur, der mit „Halloween“ und „The Thing“ das moderne Horrorkino mitprägte, kehrt hier zu einer kammerspielartigen Erzählform zurück. Sein Film verzichtet auf barocke Bilder und spektakuläre Kulissen. Stattdessen setzt er auf Enge, auf klinisches Weiß, auf die institutionelle Strenge einer Anstalt im Jahr 1966. Die Dramaturgie wandert zwischen Spukgeschichte und psychologischem Rätsel, ohne sich für eine Seite restlos zu entscheiden. Was bleibt am Ende vom Horror, wenn er sich als Selbstverteidigung der Seele entpuppt?

Besetzung, Regie und Drehorte

Bei „The Ward“ führt John Carpenter nach zehnjähriger Kinopause wieder Regie. Das Drehbuch stammt aus der Feder der Brüder Michael und Shawn Rasmussen. Produziert wurde der Film von Peter Block, Doug Mankoff und Mike Marcus. Die Kameraarbeit übernahm Yaron Orbach, den Schnitt besorgte Patrick McMahon. Für die Musik zeichnet Mark Kilian verantwortlich, womit ausnahmsweise nicht der Regisseur selbst den Score beisteuert. Das Budget betrug rund zehn Millionen US-Dollar.

In der Hauptrolle der gedächtnislosen Kristen ist Amber Heard zu sehen. An ihrer Seite agieren Mamie Gummer als wild-untergründige Emily und Danielle Panabaker als verführerische Sarah. Lyndsy Fonseca verkörpert die stille Iris, Laura-Leigh spielt die kindhafte Zoey. Mika Boorem übernimmt die zentrale Figur der Alice, während Sydney Sweeney in Rückblenden als junges Pendant auftritt. Jared Harris gibt den zwielichtigen Therapeuten Dr. Stringer. Jillian Kramer erscheint als deformierte Rachegestalt.

Gedreht wurde im US-Bundesstaat Washington, konkret in Spokane und dem Eastern State Hospital im Ort Medical Lake. Die echte, damals noch als Klinik betriebene Einrichtung verlieh dem Projekt eine authentische Schwere. Der Film feierte am 13. September 2010 beim Toronto International Film Festival Premiere. Die deutsche Kinoauswertung startete am 29. September 2011. Die Laufzeit beträgt 88 Minuten, die FSK-Freigabe liegt bei 18 Jahren.

Handlung & Inhalt vom Film „The Ward“

Oregon, im Jahr 1966. Im North Bend Psychiatric Hospital stirbt nachts eine junge Patientin namens Tammy durch eine unsichtbare Macht. Kurz darauf greift die Polizei eine verwirrte junge Frau auf, die soeben ein abgelegenes Farmhaus in Brand gesetzt hat. Sie nennt sich Kristen und erinnert sich an nichts. Man bringt sie in die geschlossene Abteilung der Klinik. Dort bezieht sie ausgerechnet jenes Zimmer, das kurz zuvor noch Tammy gehörte. Kristen begegnet vier Mitpatientinnen: Iris, Sarah, Zoey und Emily. Die erste therapeutische Sitzung bei Dr. Stringer verläuft ohne Ergebnis. Eine entstellte Gestalt taucht plötzlich im Korridor auf.

Kristen berichtet dem Personal von der Erscheinung. Statt ihr zu glauben, verabreicht man ihr Elektroschocks. Die Behandlung hinterlässt Spuren, verstärkt die Angst, schärft zugleich ihren Blick. In einer nächtlichen Hypnosesitzung bringt Dr. Stringer bei Iris verdrängte Erinnerungen ans Licht. Noch in derselben Nacht wird Iris durch einen transorbitalen Eingriff getötet. Kristen entdeckt eine Zeichnung der Toten, versehen mit einem Namen: Alice Hudson. Sie soll eine frühere Patientin sein. Gemeinsam mit Emily versucht Kristen, die Station zu verlassen. Der Fluchtversuch scheitert kläglich.

Der Geist der Vergangenheit

Die übernatürliche Bedrohung schreitet währenddessen immer weiter voran. Zunächst tötet Alice Sarah und anschließend Emily durch einen Schnitt mit einem Skalpell. Gleichzeitig rekonstruiert Kristen, was die Gruppe einst getan hat. Die Mädchen brachten Alice nämlich gemeinsam um, weil sie unter ihr gelitten hatten. Deshalb kehrt der Geist zurück, um jede Einzelne für diesen Akt zu bestrafen. Kristen versucht daraufhin einen erneuten Ausbruch, wobei Zoey ihr als vorgebliche Geisel dient. Doch auch Zoey wird von Alice getötet, allerdings außerhalb der Bildachse. Danach beginnt eine lange Verfolgungsjagd durch Flure, Waschräume und verlassene Behandlungszimmer.

Schließlich entkommt Kristen ihrer Zwangsjacke und greift den Geist mit einer Feuerwehraxt an. Dabei scheint sie Alice zunächst niederzuringen. Im Büro von Dr. Stringer findet sie Akten mit sämtlichen Namen der toten Mädchen, darunter außerdem ihren eigenen. Kurz darauf ertappt Dr. Stringer sie bei der Durchsicht. Unter Druck offenbart er schließlich die Wahrheit. Kristen ist nämlich eine von mehreren Persönlichkeiten der echten Alice Hudson, die mit elf Jahren entführt und zwei Monate lang im Keller jenes Farmhauses gefangen gehalten wurde. Dadurch spaltete das Trauma ihre Psyche.

Jede Mitpatientin war in Wahrheit außerdem eine Abspaltung ihrer selbst. Deshalb sollte Dr. Stringers experimentelle Therapie die Ursprungspersönlichkeit zurückbringen. Der Geist verkörpert wiederum jene verdrängte Alice, die sich ihre Seele zurückholt. Während eines halluzinatorischen Kampfes stürzt Kristen schließlich mehrere Stockwerke tief aus einem Fenster. Alice überlebt jedoch verletzt und erschüttert. Danach verblasst die Persönlichkeit Kristen, während Alice zu sich selbst zurückkehrt und ihre Eltern wiedererkennt. Tage später packt sie schließlich ihre Sachen und steht kurz vor der Entlassung. Doch als sie den Spiegelschrank öffnet, springt Kristen heraus und greift erneut an.

Filmkritik und Fazit zum Film „The Ward“

John Carpenters Rückkehr nach zehnjähriger Pause fällt in „The Ward“ eigentümlich gedämpft aus. Yaron Orbachs Kamera führt mit ruhiger Hand durch die Korridore des Eastern State Hospital und nutzt die authentische Kulisse als stummen Hauptdarsteller. Die Schocktherapie-Sequenz gehört zu den stärksten Momenten: nüchterne Apparaturen, mechanische Handgriffe, ein nahezu dokumentarischer Blick auf institutionelle Gewalt. Mark Kilians Score hält sich angenehm zurück. Amber Heard trägt die Hauptrolle mit solider Präsenz, ohne je jene nervöse Fragilität zu entfalten, die der Stoff verlangt. Jared Harris bleibt der heimliche Gewinner.

Das eigentliche Problem liegt im Drehbuch der Rasmussen-Brüder. Die Nebenfiguren sind zu skizzenhaft geraten, ihre Eigenarten wirken mehr ausgestellt als ausgelebt. Mamie Gummers Emily gerät in ihrer Überdrehtheit phasenweise zum Fremdkörper. Die Jump-Scares im Mittelteil ermüden durch Wiederholung, und die zeitliche Verortung im Jahr 1966 bleibt oberflächliche Dekoration. Der große Twist ist handwerklich sauber platziert. Er kommt nur leider Jahre nach „Shutter Island“ und „High Tension“, die vergleichbare Identitätsspiele bereits variiert haben. Carpenters Handschrift zeigt sich in den Breitwandkompositionen, nicht im Stoff selbst.

Für Genre-Liebhaber bleibt „The Ward“ ein lohnender, aber melancholischer Blick auf einen Altmeister im Spätwerkmodus. Wer präzise inszenierten Kammerhorror mit starkem Setting schätzt, findet hier durchaus Momente klassischer Carpenter-Strenge. Wer einen späten Paukenschlag erwartet hatte, wird den Film eher ratlos zurücklassen. Als Abschlussarbeit einer bedeutenden Regiekarriere wirkt er unterdimensioniert. Als eigenständiger Psychohorror hält er sich achtbar über seine 88 Minuten.

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