Hooligans
Das Phänomen der britischen Hooligan-Subkultur bleibt für kontinentale Betrachter ein Zerrspiegel aus Faszination und Abscheu. Lexi Alexander versucht in ihrem Regiedebüt „Hooligans“ aus dem Jahr 2005 eine Gratwanderung. Sie will die Rituale der Firms verständlich machen, ohne sie zu entschuldigen. Die gebürtige Mannheimerin kennt Kampfsport und Subkultur aus eigener Anschauung. Ihre Erzählperspektive setzt auf einen Außenseiter, der erst sehen lernen muss, was er betrachtet. Genau darin liegt der dramaturgische Schlüssel dieses Films.

| Dauer: | 109 Min. |
|---|---|
| FSK: | 16 (DE) |
| Jahr: | 2005 |
| Kategorien: | Krimi |
| Regie: | Lexi Alexander |
| Produzenten: | Gigi Pritzker, Deborah Del Prete, Donald Zuckerman |
| Hauptdarsteller: | Elijah Wood, Charlie Hunnam, Claire Forlani |
| Nebendarsteller: | Marc Warren, Leo Gregory, Geoff Bell, Ross McCall |
| Studio: | OddLot Entertainment, Yank Film Finance Limited, Senator International |
Elijah Wood als Matt Buckner verkörpert diesen fremden Blick mit bemerkenswerter Zurückhaltung. Charlie Hunnam hingegen liefert als Pete Dunham das emotionale Zentrum, um das sich alles dreht. Zwischen Straßenschlacht und Vaterschaft, Geschichtsunterricht und Lederfaust entfaltet sich ein Porträt widersprüchlicher Männlichkeit. Christopher Franke unterlegt die Bilder mit treibender Musik, die gelegentlich pathetisch entgleist. Alexanders Inszenierung schwankt zwischen dokumentarischer Wucht und videoclipartiger Stilisierung. Wie viel Glorifizierung verträgt ein Film, der Gewalt zeigen will, ohne sie zu feiern?
Besetzung, Regie und Drehorte
Lexi Alexander führt in „Hooligans“ Regie und schrieb das Drehbuch gemeinsam mit Dougie Brimson und Josh Shelov. Die Geschichte entstand als britisch-amerikanische Koproduktion unter der Produktion von Deborah Del Prete, Gigi Pritzker und Donald Zuckerman. Alexander Buono führte die Kamera, Paul Trejo verantwortete den Schnitt. Die Musik komponierte Christopher Franke, ehemals bei Tangerine Dream. Als Drehort diente nicht das tatsächliche West-Ham-Umfeld. Das Stammpub der Green Street Elite, im Film „The Abbey“ genannt, ist in Wirklichkeit das Lokal „The Griffin“ am Stadion des Brentford Football Club im Londoner Westen.
Elijah Wood spielt Matt Buckner, den amerikanischen Journalismusstudenten, der nach seinem Rauswurf aus Harvard nach London reist. Charlie Hunnam übernimmt als Pete Dunham die Rolle des charismatischen Anführers der Green Street Elite. Claire Forlani verkörpert Matts Schwester Shannon, Marc Warren den ehemaligen GSE-Chef Steve „Major Stevie“ Dunham. Leo Gregory steht als zerrissener Pete-Vertrauter Bovver vor der Kamera. Geoff Bell gibt den Millwall-Anführer Tommy Hatcher. Weitere Rollen übernehmen Ross McCall, Rafe Spall, Kieran Bew und Henry Goodman.
Der Film aus dem Jahr 2005 läuft 109 Minuten und ist in Deutschland ab 16 Jahren freigegeben. Alexander erhielt Auszeichnungen auf dem LA Femme Film Festival und dem Malibu Film Festival. Beim SXSW Film Festival wurde „Hooligans“ zusätzlich mit dem Special Jury Award und dem Publikumspreis bedacht. Die beiden Fortsetzungen von 2009 und 2013 erschienen direkt auf DVD und verzichteten weitgehend auf die ursprüngliche Besetzung.
Handlung & Inhalt vom Film „Hooligans“
Matt Buckner steht kurz vor seinem Journalismus-Abschluss in Harvard. Sein wohlhabender Zimmergenosse Jeremy versteckt eigenes Kokain in Matts Schrank. Matt schweigt dennoch und nimmt die Schuld auf sich. Dafür erhält er zehntausend Dollar Schweigegeld. Anschließend verweist ihn die Universität ohne Diplom. Mit dem Geld reist er daraufhin zu seiner Schwester Shannon nach London. Dort lernt er ihren Mann Steve Dunham und dessen jüngeren Bruder Pete kennen. Pete unterrichtet tagsüber Geschichte und Sport. An den Wochenenden führt er hingegen die Green Street Elite, die Hooligan-Firm von West Ham United.
Pete nimmt Matt zunächst widerwillig zum Spiel mit. Im Pub „The Abbey“ begegnet der Amerikaner den Mitgliedern der GSE. Nur Petes rechte Hand Bovver begegnet ihm jedoch mit offener Ablehnung. Nach dem Spiel gerät Matt in eine Schlägerei mit Birmingham-Anhängern. Er schlägt sich überraschend gut und gewinnt dadurch den Respekt der Gruppe. Bei einem Auswärtsspiel in Manchester trickst die GSE ihre Gegner außerdem mit einem umfunktionierten Transporter aus. Matt wird schließlich vollwertiges Mitglied und zieht bei Pete ein. Seine Nacherzählungen notiert er währenddessen heimlich in ein Tagebuch.
Verrat und tödliche Eskalation
Ein GSE-Mitglied beobachtet Matt beim Mittagessen mit seinem Vater, einem Journalisten der Times. Deshalb hält die Firm Matt nun für einen verdeckten Reporter. Der eifersüchtige Bovver verrät Pete daraufhin an Tommy Hatcher, den Chef der verfeindeten Millwall-Firm NGO. Dabei verschweigt er außerdem nicht, dass der zurückgezogene Steve im Pub ist. Zwischen Tommy und Steve besteht jedoch eine alte Rechnung. Vor zehn Jahren starb Tommys zwölfjähriger Sohn bei einer GSE-Aktion unter Steves Führung. Daraufhin stürmen die Millwall-Schläger den Pub und werfen Brandflaschen.
Tommy sticht Steve mit einem abgebrochenen Flaschenhals in den Hals. Bovver begreift daraufhin das Ausmaß seines Verrats und bringt Steve ins Krankenhaus. Pete stellt seinen ehemaligen Vertrauten anschließend zur Rede. Shannon entscheidet, mit ihrem Sohn in die USA zurückzukehren. Pete verabredet für den nächsten Morgen den finalen Kampf an den Docks beim Millennium Dome. Matt bleibt jedoch, um seinen Freunden beizustehen. Schließlich erscheint Shannon mit dem Kind am Kampfplatz. Tommys Stellvertreter greift daraufhin ihren Wagen an.
Matt und Bovver retten Shannon aus dem Auto. Tommy nähert sich jedoch dem Wagen und will weiter angreifen. Pete lenkt den rasenden Anführer ab und provoziert ihn mit dem Vorwurf, am Tod des eigenen Sohnes selbst schuld zu sein. Tommy schlägt Pete vor den Augen beider Firms zu Tode. Daraufhin brechen die Kämpfe ab. Matt kehrt anschließend nach Harvard zurück und konfrontiert Jeremy mit einem versteckten Aufnahmegerät. Jeremy gesteht schließlich. Die Schlussszene zeigt Matt auf einer amerikanischen Straße, während er die West-Ham-Hymne „I’m Forever Blowing Bubbles“ summt.
Filmkritik und Fazit zum Film „Hooligans“
„Hooligans“ gewinnt seine Kraft vor allem dort, wo Lexi Alexander ihren Figuren Raum gibt. Die erste Schlägerei an der U-Bahn-Station verzichtet auf Pathos und Heldenposen. Stattdessen zeigt sie Gewalt als improvisierte Ohnmacht und nicht als Choreografie. Charlie Hunnam trägt den Film mit einer Präsenz, die an den frühen McGregor erinnert. Elijah Woods geweitete Augen dienen als Prisma, durch das das Publikum die fremde Welt entdeckt. Weniger überzeugend wirkt dagegen die Wandlung vom schüchternen Studenten zum straßenfesten Kämpfer, weil sie dramaturgisch zu schnell erfolgt.
Problematischer bleibt der Umgang mit der Gewalt selbst. Alexander inszeniert die Prügeleien stellenweise in Zeitlupe und unterlegt sie mit pathetischer Musik. Dadurch überschreitet sie die Grenze zur Stilisierung. Die Ankunftssequenz in Manchester funktioniert zwar als Genre-Set-Piece, erinnert jedoch stärker an einen Musikclip als an eine Milieustudie. Demgegenüber zeigt sie Männer aus bürgerlichen Berufen innerhalb der Firm – etwa einen Geschichtslehrer oder einen Piloten. Diese Beobachtung wirkt differenzierter als manche sozialrealistische Milieuzeichnung, die sich auf die gewohnten Klischees der Unterschicht beschränkt.
Für Freunde harter Gesellschaftsdramen bleibt Alexanders Film trotz seiner Schwächen sehenswert. Er verweigert sich der moralischen Pose und vertraut auf die Widersprüche seiner Figuren. Die Schlusssequenz mit der gesummten Vereinshymne lässt zwei Lesarten zu – Erlösung oder Infizierung. Genau diese Ambivalenz rettet den Film vor dem Verdacht der Glorifizierung. Wer genaue Antworten auf die Frage nach den Ursachen der Gewalt erwartet, wird nicht fündig.