Smaragdgrün
Der Abschluss einer Trilogie trägt immer eine doppelte Last: Er muss eine Geschichte zu Ende erzählen und gleichzeitig das Versprechen einlösen, das seine Vorgänger aufgebaut haben. „Smaragdgrün„, der dritte Teil von Kerstin Giers Edelstein-Verfilmungen, nimmt diese Aufgabe ernst – zumindest in seinen ambitionierteren Momenten. Das Regieduo Felix Fuchssteiner und Katharina Schöde schickt Gwendolyn Shepherd auf eine finale Reise durch Zeit und Verrat, die mehr Action-Thriller als romantisches Jugenddrama ist.

| Dauer: | 112 Min. |
|---|---|
| FSK: | 12 (DE) |
| Jahr: | 2016 |
| Kategorien: | Fantasy |
| Regie: | Felix Fuchssteiner, Katharina Schöde |
| Produzenten: | Felix Fuchssteiner, Tom Blieninger, Hans W. Geißendörfer, Markus Zimmer, Katharina Schöde, Philipp Budweg |
| Hauptdarsteller: | Maria Ehrich, Jannis Niewöhner, Peter Simonischek |
| Nebendarsteller: | Josefine Preuß, Florian Bartholomäi, Laura Berlin, Johannes von Matuschka |
| Studio: | Geißendörfer Film-und Fernsehproduktion, Lieblingsfilm, mem-film, Tele München |
Zeitreise-Abenteuer im deutschen Kino sind eine Seltenheit. Noch seltener sind solche, die ein Massenpublikum ansprechen und dabei literarische Vorlage und Filmsprache ernsthaft miteinander verhandeln. Die Edelstein-Trilogie hat das mit beachtlichem Erfolg versucht – rund 500.000 Zuschauer besuchten jeweils Rubinrot und Saphirblau im Kino. Was macht diesen Abschluss aus, und hält Smaragdgrün das Niveau seiner Vorgänger?
Besetzung, Regie und Drehorte
„Smaragdgrün“ entstand unter der Regie von Felix Fuchssteiner und Katharina Schöde, die bereits die Vorgängerfilme verantworteten. Das Drehbuch schrieben Fuchssteiner und Schöde gemeinsam mit Barry Thomson. Für die Kamera zeichneten Ralf Schlotter und Florian Emmerich verantwortlich, den Schnitt übernahm Nicole Kortlüke. Komponist Philipp F. Kölmel steuerte die Filmmusik bei. Die Dreharbeiten fanden vom 14. April bis zum 11. Juni 2015 statt.
Maria Ehrich kehrt als Gwendolyn Shepherd in die Hauptrolle zurück, an ihrer Seite Jannis Niewöhner als Gideon de Villiers. Josefine Preuß spielt Leslie, Laura Berlin die Cousine Charlotte, und Katharina Thalbach gibt die Großtante Maddy. Peter Simonischek verkörpert den Antagonisten Graf von Saint Germain, Johannes von Matuschka dessen Handlanger Mr. Whitman. Florian Bartholomäi ist als Paul, Kostja Ullmann als der skurrile James A. P. Pimplebottom zu sehen.
Der Film wurde an zahlreichen Schauplätzen in Deutschland sowie in Schottland gedreht. Dreharbeiten fanden in Aachen, Jülich, Nordkirchen, Mühlhausen/Thüringen, Eisenach, Coburg und Bayreuth statt. Für die schottischen Sequenzen nutzte das Team unter anderem die Insel Skye, die Glenelg Ferry und die Klippen des Quiraing. Die Reihe besteht aus „Rubinrot“ (2013) und „Saphirblau“ (2014). „Smaragdgrün“ bildet dabei den dritten und abschließenden Teil. Der Film hat eine Laufzeit von 112 Minuten und ist ab FSK 12 freigegeben.
Handlung & Inhalt vom Film „Smaragdgrün“
Gwendolyn Shepherd hat die mysteriöse Geheimloge des Grafen von Saint Germain inzwischen hinter sich gelassen. Seit ihrem 16. Geburtstag trägt sie das Zeitreise-Gen in sich, das sie täglich für einige Stunden in die Vergangenheit schleudert. Dabei ist sie der zwölfte und letzte der zwölf Genträger, von der Loge „Rubin“ oder „Rabe“ genannt. Seither arbeitet sie deshalb mit dem sogenannten Chronografen, einer Zeitreiseapparatur in antiker Kiste, um kontrollierte Zeitsprünge zu vollziehen. Ihre leiblichen Eltern, die abtrünnigen Zeitreisenden Lucy und Paul, verstecken sich dagegen in der Vergangenheit. Mit Gideon de Villiers, dem männlichen Zeitreisenden ihrer Generation, verband sie zudem mehr als die gemeinsamen Missionen. Doch der Graf behauptete schließlich, Gideons Gefühle seien nur gespielt.
Zu Beginn des Films hat Gwen den Kontakt zur Loge jedoch abgebrochen. Stattdessen besucht sie heimlich täglich ihre Eltern in der Vergangenheit, unterstützt von ihrer besten Freundin Leslie, der Großtante Maddy und dem Butler Mr. Bernhard. Lucy und Paul haben inzwischen Hinweise gesammelt, die auf finstere Ziele der Loge deuten. Gideon studiert unterdessen Memoiren des Grafen, die ihn warnen: Gwens Liebe könnte schließlich zu ihrem Tod führen. Währenddessen bereitet die Loge das entscheidende Ritual vor. Mr. Whitman setzt sich dabei selbst als Logenmeister ein und eliminiert zugleich unbequeme Mitglieder. Gwens Cousine Charlotte meldet schließlich ihren Verdacht, dass Gwen den zweiten Chronografen heimlich benutzt.
Zwischen Verrat und Gegenwehr
Die Situation eskaliert, als Wächter der Loge Gwens Zimmer durchsuchen und in Gideons Wohnung einbrechen, wobei sie seinen Bruder Raphael niederschlagen. Mr. Bernhard, der sich als Gwens Neffe herausstellt, versteckt den Chronografen und bringt Gwen in das Cottage von Lucy und Paul. Charlotte beginnt, die Ziele der Loge zu hinterfragen. Gideon soll derweil dem Grafen in der Vergangenheit eine Nachricht überbringen. Doch der Graf lässt ihn einsperren. Gefesselt kehrt Gideon in die Gegenwart zurück, wo Mr. Whitman ihn als Druckmittel gegen Gwen einsetzt.
Mr. Whitman filmt ein Video, in dem er Gideons Leben gegen den zweiten Chronografen tauschen will. Diesem fehlt nur Gideons Blut, um das mystische Heilmittel – in Wahrheit ein Unsterblichkeitsserum – herzustellen. Gwen entwickelt deshalb mit ihren Eltern einen Plan, um Gideon zu retten und die Loge aufzuhalten. Sie willigt in die Übergabe ein, die während der Bonfire Night 1786 im Hause des Grafen stattfinden soll. Charlotte schmuggelt Gideon einen Schlüssel zu, damit er fliehen und Gwen helfen kann.
Der Plan gelingt jedoch nur teilweise. Gideon flieht zwar, kann aber nicht verhindern, dass der Graf ihm Blut abnimmt. Das Ritual wird vollendet, der Graf nimmt das Serum ein und verwandelt sich in seine jüngere Gestalt. Gwen und Gideon werden getötet. Doch Gwen erwacht wieder – denn als Kind zweier Genträger scheint sie unsterblich zu sein. Zudem entdeckt sie, dass sie ohne Chronografen gezielte Zeitsprünge vollziehen kann. In Krav Maga ausgebildet, kehrt sie zur Bonfire Night zurück, besiegt den Grafen und heilt Gideon mit dem Stein der Weisen. Später trinkt sie in einem Café der 1920er Jahre die rettende Tinktur und wird damit sterblich.
Filmkritik und Fazit zum Film „Smaragdgrün“
„Smaragdgrün“ markiert eine spürbare Akzentverschiebung innerhalb der Trilogie. Das Regieduo Fuchssteiner und Schöde verlagert den Schwerpunkt vom romantischen Jugenddrama zum Actionfilm – und diese Entscheidung trägt sowohl Stärken als auch Schwächen in sich. Maria Ehrich profitiert davon am deutlichsten: Ihre Gwendolyn entwickelt sich von der unsicheren Zeitreisenden zur handlungsfähigen Protagonistin, die im finalen Showdown im nächtlichen Schlosspark die Initiative ergreift. Kamera und Ausstattung bleiben auf dem bewährt hohen Niveau der Vorgänger, die schottischen Außenaufnahmen auf Skye fügen dem Film eine neue visuelle Qualität hinzu.
Die dramaturgischen Kosten dieser Verschiebung sind dennoch spürbar. Das Drehbuch weicht in zentralen Punkten erheblich von Kerstin Giers Romanvorlage ab und schafft dabei Inkonsistenzen, die selbst eingeführten Zuschauern auffallen. Charlottes Wandel von der Antagonistin zur Verbündeten vollzieht sich im Film ohne überzeugende Begründung, die Einführung von Weltherrschafts- und Überwachungsszenarien wirkt fremd im Kontext der vorherigen Teile. Philipp F. Kölmels Score bleibt funktional, und die Musik ist in den Schlüsselmomenten wirksam, ohne in Erinnerung zu bleiben. Das Tempo ist hoch – manchmal auf Kosten der emotionalen Glaubwürdigkeit.
Smaragdgrün ist ein kurzweiliger, visuell ansprechender Abschluss, der sein Zielpublikum versteht. Wer die Vorgänger kennt und sich auf die Geschichte einlassen möchte, findet hier einen befriedigenden Schluss. Für Einsteiger bleibt der Film weitgehend unzugänglich. Fantasy-Fans, die bereit sind, Logik gegen Tempo einzutauschen, kommen auf ihre Kosten.