Snow White and the Huntsman
Das Märchen verliert seinen Platz in der Zeit. Schneewittchen kennt jeder, denn die vergiftete Frucht, der gläserne Sarg und die sieben Zwerge prägen die Vorlage. Was geschieht, wenn man den Stoff aus seinem kindlichen Gehäuse befreit? Man hüllt ihn in das Kleid eines mittelalterlichen Epos. „Snow White and the Huntsman“ greift genau das auf und übersetzt die Grimm’sche Vorlage in eine dunkle Welt aus Asche, Blut und zerfallender Herrschaft. Das Resultat zeigt einen Film, der zwischen Ambition und Ausführung taumelt und dabei dennoch Momente von unerwarteter visueller Wucht erzeugt.

| Dauer: | 127 Min. |
|---|---|
| FSK: | 12 (DE) |
| Jahr: | 2012 |
| Kategorien: | Fantasy |
| Regie: | Rupert Sanders |
| Produzenten: | Joe Roth, Sam Mercer |
| Hauptdarsteller: | Kristen Stewart, Chris Hemsworth, Charlize Theron |
| Nebendarsteller: | Sam Claflin, Ian McShane, Ray Winstone, Nick Frost |
| Studio: | Universal Pictures, Roth Films |
2012 brachte gleich mehrere Schneewittchen-Adaptionen hervor. Mehrere Produktionen beanspruchten denselben Stoff für sich und setzten dabei jeweils einen anderen Tonfall. Rupert Sanders‘ Version wählt die härteste Gangart und verzichtet bewusst auf Märchenschimmer sowie auf ironisches Augenzwinkern, während sie stattdessen eine Welt erschafft, die sich dem Fantasy-Epos verpflichtet fühlt. Was dieser Ansatz tatsächlich leisten kann und wo er zugleich an seine Grenzen stößt, stellt der Film als zentrale Frage in den Raum.
Besetzung, Regie und Drehorte
„Snow White and the Huntsman“ ist ein US-amerikanischer Fantasyfilm aus dem Jahr 2012, inszeniert von Rupert Sanders in seinem Spielfilm-Debüt. Das Drehbuch stammt von Evan Daugherty, John Lee Hancock und Hossein Amini, die Kamera führte Greig Fraser, der später für seine Arbeit an „Dune“ international bekannt werden sollte. Die Filmmusik komponierte James Newton Howard, und der Schnitt lag in den Händen von Conrad Buff IV und Neil Smith. Produziert wurde der Film von Roth Films, der Verleih oblag Universal Pictures.
In den Hauptrollen sind Kristen Stewart als Snow White, Charlize Theron als die böse Königin Ravenna und Chris Hemsworth als der Huntsman Eric zu sehen. Für die Rolle der Ravenna war zunächst Winona Ryder vorgesehen, bevor Theron verpflichtet wurde. Die Rolle des Huntsman lehnte eine Reihe prominenter Schauspieler – darunter Johnny Depp und Hugh Jackman – ab, bevor sie Mitte 2011 an Hemsworth ging. Die sieben Zwerge werden von einem namhaften Ensemble britischer Charakterdarsteller verkörpert, darunter Ian McShane, Bob Hoskins, Nick Frost, Ray Winstone, Eddie Marsan und Toby Jones.
Der Film hat eine Laufzeit von 127 Minuten und ist in Deutschland ab 12 Jahren freigegeben. Gedreht wurde überwiegend in Großbritannien, unter anderem in den Pinewood Studios, in Bourne Woods und an der walisischen Küste in Marloes Sands. „Snow White and the Huntsman“ erhielt zwei Oscar-Nominierungen – für das Kostümdesign von Colleen Atwood und für die visuellen Effekte –, konnte jedoch in keiner Kategorie gewinnen. Im Jahr 2016 folgte mit „The Huntsman & The Ice Queen“ eine Fortsetzung, in der Kristen Stewart nicht mehr mitwirkte.
Handlung & Inhalt vom Film „Snow White and the Huntsman“
In einer Rückblende erzählt der Jäger Eric, genannt „the Huntsman“, von Snow Whites Geburt. Königin Eleanor wünscht sich ein Kind mit schneeweißer Haut, blutrotem Mund und rabenschwarzem Haar. Ihr Wunsch erfüllt sich, und Snow White wächst als Tochter von König Magnus auf. Sie freundet sich früh mit dem Herzogssohn William an. Als die Mutter stirbt, gerät das Königreich in Schwäche, und eine dunkle Armee greift an. Der König besiegt ihre gläsernen Kämpfer und befreit dabei eine scheinbare Gefangene namens Ravenna.
König Magnus heiratet Ravenna noch am nächsten Tag – ein verhängnisvoller Irrtum. Sie entpuppt sich als mächtige Zauberin, die über jene dunkle Armee herrscht. Noch in der Hochzeitsnacht tötet sie den König. Ihr Bruder Finn nimmt Snow White gefangen, während Herzog Hammond und William rechtzeitig fliehen. Ravenna befragt ihren magischen Spiegel nach der Schönsten im Land und erhält die gewünschte Antwort. Fünfzehn Jahre verbringt Snow White daraufhin in einem Turm. Das Königreich verfällt, denn Ravenna saugt die Lebensenergie junger Frauen auf, um jung zu bleiben. Als der Spiegel verkündet, dass Snow White sie übertreffen wird, lässt Ravenna das Mädchen holen. Doch Snow White flieht durch einen Abwasserkanal in den gefürchteten Dunklen Wald.
Flucht, Verfolgung und das Erwachen der Königin
Ravenna schickt den Huntsman Eric in den Wald, um Snow White zu finden. Sie lockt ihn mit dem Versprechen, seine tote Frau wiederzubeleben. Eric findet Snow White rasch, doch Finns Männer überraschen die beiden kurz darauf. Als der Verrat an Erics Frau ans Licht kommt, wechselt er die Seiten. Gemeinsam fliehen sie in ein Sumpfdorf, dessen Bewohnerinnen sich selbst entstellen, um Ravennas Jagd zu entgehen. Finn greift das Dorf an, aber Eric rettet Snow White erneut. Inzwischen hat sich William verkleidet Finns Truppe angeschlossen, um die Prinzessin zu finden.
Im Wald überwältigt eine Gruppe Zwerge die beiden. Der blinde Muir erkennt in Snow White die Einzige, die Ravennas Herrschaft beenden kann. Er führt die Gruppe tief in ein leuchtendes Feenreich, wo ein weißer Hirsch die Prinzessin segnet. Doch dann greift Finn an, und der Zwerg Gus stirbt beim Schutz der Prinzessin. Eric tötet Finn, nachdem dieser gesteht, Erics Frau ermordet zu haben. Durch den Verlust ihres Bruders ist Ravenna bereits geschwächt.
Ravenna nimmt Williams Gestalt an und reicht Snow White einen vergifteten Apfel. Die Prinzessin fällt daraufhin in einen todesähnlichen Schlaf. Weder William noch der herbeigeeilte Huntsman können sie erwecken. Eric hält Wache, erzählt der Bewusstlosen von seiner Frau und küsst sie zum Abschied. Eine Träne fällt auf Snow Whites Gesicht, und der Zauber bricht sofort. Sie erwacht, hält eine mitreißende Rede vor Hammonds Gefolge und führt ein Heer gegen die Burg. Im Thronsaal täuscht Snow White die Königin geschickt und tötet sie mit einem Messerstich ins Herz. Ravenna stirbt, ihre Armee löst sich auf, und Snow White wird zur Königin gekrönt.
Filmkritik und Fazit zum Film „Snow White and the Huntsman“
„Snow White and the Huntsman“ trägt seine Ambitionen offen zur Schau – und scheitert genau daran halb. Rupert Sanders, zuvor ausschließlich aus der Werbewelt bekannt, inszeniert mit sicherem Blick für das großformatige Bild. Er verliert jedoch den Rhythmus, sobald die Erzählung Figuren und Gefühle entwickeln müsste. Greig Frasers Kameraarbeit liefert starke Kompositionen, besonders in den düsteren Sequenzen rund um Ravennas Machtapparat. Charlize Theron verleiht der Königin eine starke körperliche Präsenz, die zwischen Eiseskälte und theatralischer Verzweiflung wechselt. Diese Leistung trägt den Film über weite Strecken. Kristen Stewart bleibt als Snow White dagegen eine Leerstelle: zu wenig Ausdruck, zu selten eine innere Regung spürbar.
Das Tempo des Films offenbart ein strukturelles Ungleichgewicht. Der erste Akt besticht durch eine konsequent dunkle Tonalität; die Verfall-Ästhetik des Königreichs, die Szenen im Dunklen Wald, der surrealistische Zauber des Feenreichs – hier arbeiten Bild, Musik und Inszenierung kohärent zusammen. James Newton Howards Score unterstreicht das epische Register, ohne es zu überladen. Im zweiten Akt aber beginnt der Film sich selbst im Weg zu stehen: Figuren wie William und die Zwerge verbleiben im Skizzenstadium, die aufkeimende Verbindung zwischen Eric und Snow White erhält nicht genug Raum, um wirklich zu greifen. Das große Finale wirkt dann weniger verdient als herbeigeführt.
Für Liebhaber des dunklen Fantasy-Genres bietet „Snow White and the Huntsman“ trotz aller Schwächen einiges, denn eine außergewöhnliche Antagonistin, starke Bilder und ein ernster Grundton prägen den Film. Wer epische Erzähldichte erwartet, wird enttäuscht werden. Wer sich mit atmosphärisch dichter Inszenierung und einer der prägenderen Schurkinnen des Genres begnügt, findet hier einen Film, der mehr ist als sein unausgeschöpftes Potential vermuten lässt.