King Arthur: Legend of the Sword

Wer eine Sage ins Kino bringt, muss sich zwischen Ehrfurcht und Eigensinn entscheiden. Guy Ritchie, ein Regisseur mit ausgeprägtem Gespür für Tempo und Attitüde, wählt die zweite Option. Sein „King Arthur: Legend of the Sword“ aus dem Jahr 2017 setzt die altbekannte Artussage einem stilistischen Drucktest aus. Was dabei herauskommt, ist ein Hybrid aus Historienfilm, Fantasy-Epos und urbaner Ganoven-Inszenierung. Der Sagenstoff dient hier weniger als Vorlage denn als Spielmaterial.

King Arthur: Legend of the Sword
Dauer: 127 Min.
FSK: 12 (DE)
Jahr: 2017
Kategorien: Action, Fantasy
Regie: Guy Ritchie
Produzenten: Steve Clark-Hall, Guy Ritchie, Joby Harold, Tory Tunnell, Akiva Goldsman, Lionel Wigram
Hauptdarsteller: Charlie Hunnam, Jude Law, Àstrid Bergès-Frisbey
Nebendarsteller: Djimon Hounsou, Eric Bana, Aidan Gillen, Freddie Fox
Studio: Village Roadshow Pictures, Weed Road Pictures, Wigram Productions, Safehouse Pictures, Warner Bros. Pictures

Die Ausgangslage klingt vertraut: Ein junger Mann erfährt von seiner königlichen Herkunft, zieht ein Schwert aus einem Stein und muss einen tyrannischen Onkel entmachten. Ritchie zerlegt diese Formel jedoch in ihre Bestandteile, mischt sie neu und klebt sie mit eigenwilliger Montagetechnik wieder zusammen. Das Ergebnis pendelt zwischen Blockbuster-Routine und stilistischer Neugier. Nicht jede Entscheidung zündet. Verliert sich ein Mythos in seiner eigenen Selbstinszenierung, wenn er zu laut wird?

Besetzung, Regie und Drehorte

Hinter der Regie steht Guy Ritchie, der auch am Drehbuch von „King Arthur: Legend of the Sword“ mitschrieb. Unterstützt wurde er dabei von Joby Harold und Lionel Wigram, die beide bereits in seinem Umfeld gearbeitet hatten. Produktionsseitig ist die Zusammenarbeit mit Akiva Goldsman und Tory Tunnell bemerkenswert. Die Filmmusik stammt von Daniel Pemberton, ein vertrauter Kollaborateur. Kameramann John Mathieson verantwortet die Bildsprache. James Herbert montierte das Material zu einer rhythmisch geschnittenen Erzählung.

In der Titelrolle ist Charlie Hunnam zu sehen, der den jungen König mit einer Mischung aus Schlitzohrigkeit und körperlicher Präsenz ausstattet. Jude Law gibt den machtversessenen Vortigern, Eric Bana den früh ermordeten Uther Pendragon. Àstrid Bergès-Frisbey spielt die rätselhafte Magierin. Djimon Hounsou verkörpert Sir Bedivere, Aidan Gillen den listigen Goosefat Bill. In Nebenrollen treten Annabelle Wallis, Mikael Persbrandt sowie der frühere Profifußballer David Beckham als Anführer der Blacklegs auf.

Mit 127 Minuten Laufzeit und einer FSK-12-Freigabe richtet sich der Film an ein breites Publikum. Gedreht wurde unter anderem auf der Isle of Skye, in Snowdonia und in den Leavesden Studios. Der Song „The Devil & The Huntsman“ schaffte es auf die Oscar-Vorauswahl 2018. Warner Bros. plante ursprünglich ein mehrteiliges Franchise rund um die Ritter der Tafelrunde.

Handlung & Inhalt vom Film „King Arthur: Legend of the Sword“

Im Britannien des fünften Jahrhunderts lebten Menschen und Magier lange in Frieden. Diese Ordnung zerbricht mit dem Aufstieg des Magiers Mordred, der Burg Camelot mit Feuerbällen und riesigen Kriegselefanten angreift. König Uther Pendragon schlägt die Invasion mit dem magischen Schwert Excalibur zurück. Der Triumph ist kurz. Sein eigener Bruder Vortigern verrät ihn und tötet Uthers Frau mit einem Speerwurf, bevor er auch den König ermordet. Uthers kleiner Sohn Arthur entkommt knapp per Boot. Damit beginnt der Stoff, aus dem die Legende entsteht.

Jahre später wächst Arthur in einem Bordell heran, erzogen von drei Prostituierten. Aus dem Jungen wird ein straßenkluger Überlebenskünstler, der von seiner Herkunft nichts ahnt. Vortigern hingegen festigt seine Schreckensherrschaft. Der Wendepunkt kommt unspektakulär und doch folgenschwer: Arthur zieht Excalibur aus einem Stein. Die Berührung des Schwertes löst quälende Visionen aus, die ihn bewusstlos werden lassen. Vortigern erkennt die Gefahr und plant eine öffentliche Hinrichtung, die seine Macht bekräftigen soll. Der Plan scheitert.

Zwischen Ohnmacht und Erwachen

Eine junge Magierin verhilft Arthur zur Flucht und schleust ihn zur Rebellion um Goosefat Bill und Sir Bedivere. Sie erkennt schnell, dass Arthur sich innerlich gegen Excalibur sträubt. In den Darklands konfrontiert sie ihn mit Visionen, die ihm endlich die Wahrheit offenbaren. Vortigern paktierte einst mit Mordred und entfesselte schwarze Magie gegen den eigenen Bruder. Merlin zerstörte daraufhin den magischen Turm, schmiedete aus Mordreds Stab das Schwert und band es an Uthers Blutlinie. Nun kennt Arthur seinen Auftrag.

Ein Attentat in Londinium soll den Tyrannen stürzen, scheitert jedoch an einer Verräterin am Hof. Auf der Flucht droht Arthur der Übermacht der Soldaten zu erliegen, bis er Excalibur erstmals vollständig annimmt und die Angreifer niederstreckt. Das Volk bemerkt die Szene und beginnt zu rebellieren. Vortigern schlägt den Aufstand brutal nieder. Angewidert wirft Arthur das Schwert ins Wasser. Die Herrin vom See gibt es ihm zurück, begleitet von einer Vision der kommenden Tyrannei.

Vortigern hat inzwischen das Versteck der Rebellen ausfindig gemacht und fast alle getötet. Im Tausch gegen Excalibur lässt er die Magierin frei. Bei der finalen Konfrontation in Camelot schickt sie eine Riesenschlange, die Arthur den Weg frei räumt. Vortigern opfert seine eigene Tochter für schwarze Magie, doch Arthur besiegt ihn im zerfallenden Turm. Nach der Bestattung der Toten kündigt er den Pakt mit den Wikingern und fordert ihre Unterwerfung. Vor seiner Krönung ernennen sich seine Gefährten zu Sirs und begründen die Tafelrunde.

Filmkritik und Fazit zum Film „King Arthur: Legend of the Sword“

Ritchie stempelt „King Arthur: Legend of the Sword“ mit seiner unverkennbaren Handschrift: schnelle Schnittfolgen, virtuose Split-Screen-Passagen, ein elliptisches Erzählen, das ganze Jahre in Sekunden bündelt. Besonders die Montage, die Arthurs Aufwachsen im Bordell zu einer rhythmischen Miniatur verdichtet, zeigt dieses Verfahren in Bestform. Daniel Pembertons perkussiver Score treibt die Bilder wie ein Pulsschlag. John Mathiesons Kamera findet in den schottischen Landschaften eine Wucht, die jenseits der digitalen Bombastik trägt. Das Handwerk überzeugt.

Problematisch wird das Verfahren dort, wo die Geschwindigkeit die Figuren überholt. Arthur bleibt als Charakter skizzenhaft, weil seine seelische Entwicklung zwischen Montagesequenzen zerschnitten wird. Jude Law hingegen entfaltet als Vortigern eine dunkle Theatralik, die an die Karikatur grenzt, ohne hineinzukippen. Àstrid Bergès-Frisbey nutzt ihre wenigen Momente mit nahezu hypnotischer Präsenz. Das Finale im Turm hält nicht, was der kreative Mittelteil verspricht, und fällt in die generischen Muster des CGI-Duells zurück. Ritchies Handschrift verblasst dort auffällig.

Als Fantasy-Actioner mit stilistischer Signatur bietet der Film mehr als Genre-Konvention. Wer Ritchies Tempo und seinen ironischen Blick schätzt, findet hier zwei kurzweilige Stunden mit visueller Opulenz. Für Puristen der Artussage bleibt die Neuinterpretation sperrig, weil sie den Mythos zerlegt statt ihn zu verklären. Genre-Freunden sei der Film dennoch empfohlen, solange sie sich auf einen Regisseur einlassen, der lieber spielt als verehrt.

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