Resident Evil: Afterlife
Die Zombieapokalypse als Spektakel – das ist das Versprechen, mit dem „Resident Evil: Afterlife“ 2010 in die Kinos kam. Paul W. S. Anderson, Regisseur und Mastermind der Reihe, griff dabei tief in die Werkzeugkiste des modernen Blockbino-Kinos: 3D-Technologie, Zeitlupenästhetik, postapokalyptische Kulissen. Der vierte Teil der Realfilm-Adaption der gleichnamigen Capcom-Spielreihe versprach mehr von allem – mehr Action, mehr Effekte, mehr Alice.

| Dauer: | 97 Min. |
|---|---|
| FSK: | 16 (DE) |
| Jahr: | 2010 |
| Kategorien: | Action, Horror |
| Regie: | Paul W. S. Anderson |
| Produzenten: | Paul W. S. Anderson, Jeremy Bolt, Don Carmody, Bernd Eichinger, Samuel Hadida, Robert Kulzer, 小林裕幸 |
| Hauptdarsteller: | Milla Jovovich, Wentworth Miller, Ali Larter |
| Nebendarsteller: | Kim Coates, Kacey Barnfield, Shawn Roberts, Sergio Peris-Mencheta |
| Studio: | Screen Gems, Constantin Film, Davis Films/Impact Pictures |
Was dabei entstand, ist ein Film, der seinen eigenen Widerspruch mit sich trägt. Er ist technisch ambitioniert und dramaturgisch nachlässig zugleich, visuell mitunter beeindruckend und narrativ erschreckend dünn. Lässt sich ein Actionfilm allein durch die Kraft seiner Bilder tragen – oder braucht selbst das pulpigste Genre einen Funken Substanz?
Besetzung, Regie und Drehorte
„Resident Evil: Afterlife“ ist eine internationale Koproduktion unter Beteiligung von Deutschland, Frankreich, Kanada, dem Vereinigten Königreich, China und den USA. Regie führte Paul W. S. Anderson, der zugleich Drehbuch und Produktion verantwortete. Die Kamera übernahm Glen MacPherson, den Schnitt Niven Howie. Die Musik stammt vom Duo Tomandandy, ergänzt durch den markanten Einsatz von A Perfect Circles „The Outsider (Apocalypse Remix)“. Gedreht wurde hauptsächlich in den Cinespace Film Studios in Toronto sowie an diversen Locations in der Stadt, die als Los Angeles, Alaska und Tokio fungierten.
Milla Jovovich kehrt als Alice zurück, an ihrer Seite Ali Larter als Claire Redfield. Neu zur Besetzung stößt Wentworth Miller als Chris Redfield, der nach eigenen Angaben kaum mit der Spielvorlage vertraut war und sich die Figur aus dem Internet erschloss. Shawn Roberts verkörpert den Antagonisten Albert Wesker, Sienna Guillory kehrt als Jill Valentine zurück. Boris Kodjoe, Kim Coates und Spencer Locke komplettieren das Ensemble der Überlebenden.
Der Film entstand mit einem Budget von 60 Millionen US-Dollar und wurde als erster Teil der Reihe vollständig in 3D gedreht. Anderson verwendete dasselbe Kamerasystem wie James Cameron für „Avatar“. Die Laufzeit beträgt 96 Minuten, die FSK-Freigabe liegt bei 16 Jahren. Weltweit spielte der Film über 296 Millionen US-Dollar ein.
Handlung & Inhalt vom Film „Resident Evil: Afterlife“
Der Film beginnt mit einer atmosphärisch verdichteten Sequenz in Tokio: Eine reglose junge Frau steht im strömenden Regen auf einem belebten Platz in Shibuya, umgeben von ahnungslosen Passanten. Dann reißt sie den Kopf hoch – und die Katastrophe nimmt ihren Lauf. In einer Kamerafahrt nach oben erlischt die Stadt Licht für Licht, während sich das T-Virus unaufhaltsam ausbreitet. Es ist ein stiller, wirkungsvoller Auftakt, ehe die eigentliche Handlung einsetzt – ein Jahr nach den Ereignissen aus „Resident Evil: Extinction“. Alice und ihre Klone greifen das Tokioter Hauptquartier der Umbrella Corporation an. Der mutierte Albert Wesker entkommt mit einem Flugzeug, aktiviert einen Selbstzerstörungsmechanismus und vernichtet dabei halb Tokio.
An Bord befindet sich auch die echte Alice. Wesker injiziert ihr ein Serum, das den T-Virus in ihrem Blut eliminiert und sie ihrer übernatürlichen Kräfte beraubt. Im anschließenden Kampf verliert das Flugzeug die Kontrolle und stürzt ab. Alice überlebt. Sie macht sich auf die Suche nach Claire Redfield und den anderen Überlebenden, die nach Alaska geflogen sind, um den sagenumwobenen Zufluchtsort Arcadia zu finden. Sechs Monate später trifft Alice dort nur leere Flugzeuge an – und eine gedächtnislose Claire, die unter dem Einfluss eines spinnenförmigen Geräts steht. Alice überwältigt sie und entfernt das Gerät. Gemeinsam fliegen sie in einem Propellerflugzeug Richtung Süden, auf der Suche nach weiteren Überlebenden.
Zwischen Hoffnung und Falle
In Los Angeles entdecken sie einen Hilferuf auf dem Dach eines Hochsicherheitsgefängnisses, umringt von Zehntausenden Zombies. Nach einer Notlandung erfahren sie von den Gefangenen, dass Arcadia kein Ort, sondern ein Schiff ist – vor der Küste Los Angeles ankert es, doch seit zwei Tagen gibt es kein Lebenszeichen mehr. Unter den Eingeschlossenen findet sich auch Chris Redfield, Claires Bruder, der im Gefängnis festgehalten wurde. Als die Zombies schließlich eindringen, führt Chris die Gruppe durch die unterirdische Kanalisation. Nur Alice, Claire und Chris erreichen lebend die Küste.
An Bord der Arcadia entpuppt sich das vermeintliche Rettungsschiff als Falle der Umbrella Corporation. Die Menschen werden für Experimente missbraucht. Alice befreit die Gefangenen, darunter auch Überlebende aus dem Vorgängerfilm. Bei der Durchsuchung stoßen die drei auf Wesker, der ebenfalls den Absturz überlebt hat. Ein Kampf entbrennt, in dem Weskers übermenschliche Kräfte zur Geltung kommen. Er kann fliehen – doch Alice hat vorgesorgt.
Als Wesker das Schiff aus der Ferne zerstören will, explodiert stattdessen sein eigenes Flugzeug – denn Alice hatte den Sprengmechanismus bereits an Bord versteckt. Wesker scheint zu sterben, ein Fallschirm im Hintergrund deutet jedoch auf sein Überleben hin. Alice plant, die Arcadia tatsächlich zu dem zu machen, als was sie beworben wurde: ein letzter sicherer Ort für die verbliebene Menschheit. Doch kaum sendet sie wieder Funksprüche aus, nähert sich eine Staffel Umbrella-Flugzeuge. Im Nachspann zeigt sich, dass Jill Valentine an Bord der feindlichen Einheiten ist – auch sie unter dem Einfluss des spinnenförmigen Geräts.
Filmkritik und Fazit zum Film „Resident Evil: Afterlife“
„Resident Evil: Afterlife“ eröffnet mit einer Viertelstunde, die funktioniert – kompromisslos, kinetisch und im 3D-Raum spürbar. Die Zeitlupenaufnahmen von Patronenhülsen und Mörtelspritzern, realisiert mit einer Hochgeschwindigkeitskamera bei 200 Bildern pro Sekunde, verleihen der Action eine haptische Unmittelbarkeit. Anderson nutzt die Tiefenwirkung des 3D nicht allein als Gimmick, sondern als inszenatorisches Instrument. Sobald dieser furiose Auftakt jedoch endet, legt der Film sein stärkstes Argument ab – und findet kein zweites.
Dramaturgisch bewegt sich der Film auf vertrautem Terrain, das er weder neu vermisst noch kreativ unterläuft. Das Gefängnisszenario – Überlebende verschanzt, Untote drängen heran – ist eine ausgelutschte Genre-Konstellation, die hier ohne frische Nuancen abgespult wird. Die Dialoge bleiben blass, die Figuren jenseits von Alice schematisch. Shawn Roberts als Wesker kommt über eine überkalibrierte Coolness nicht hinaus, während Wentworth Millers Chris Redfield trotz körperlicher Präsenz wenig Kontur gewinnt. Das Sounddesign von Tomandandy hingegen trägt den Film mit druckvollem Score über manche Leerstelle hinweg, und der A-Perfect-Circle-Einsatz bei der Wesker-Konfrontation setzt einen der wenigen stilistisch stimmigen Momente.
Für eingefleischte Fans der Spielreihe hält der Film Referenzen bereit – von den tentakelartig mutierten Untoten bis zur direkten Adaption einer Kampfsequenz aus „Resident Evil 5″. Das reicht als Substanz für 96 Minuten jedoch nicht. Wer Action-Spektakel ohne Anspruch an Kohärenz schätzt, findet in der Eröffnungssequenz sein Geld wert. Alle anderen werden feststellen, dass die größte Bedrohung dieses Films nicht die Zombies sind – sondern das Drehbuch.