Shooter
Es gibt Filme, die sich als Polit-Thriller tarnen, in Wirklichkeit aber etwas anderes im Schilde führen. „Shooter“ von Antoine Fuqua aus dem Jahr 2007 gehört zu dieser Kategorie. Der Film beginnt mit dem Versprechen einer komplexen Verschwörungsgeschichte, liefert jedoch schrittweise das, wofür Fuqua schon immer stand: konsequent inszenierte Männlichkeit im Ausnahmezustand. Mark Wahlberg spielt einen Scharfschützen, der das System, dem er einst diente, nun mit dessen eigenen Mitteln bekämpft.

| Dauer: | 125 Min. |
|---|---|
| FSK: | 18 (DE) |
| Jahr: | 2007 |
| Kategorien: | Action, Thriller |
| Regie: | Antoine Fuqua |
| Produzenten: | Lorenzo di Bonaventura, Ric Kidney |
| Hauptdarsteller: | Mark Wahlberg, Michael Peña, Danny Glover |
| Nebendarsteller: | Kate Mara, Elias Koteas, Rhona Mitra, Jonathan Walker |
| Studio: | Paramount Pictures, di Bonaventura Pictures, Grosvenor Park Impact Productions |
Das Sujet des verratenen Soldaten ist so alt wie das Kino selbst. Was „Shooter“ dennoch von beliebigen Genre-Varianten unterscheidet, ist die Genauigkeit, mit der Fuqua die Figur des Bob Lee Swagger einführt: als Mann, der nach dem Tod seines Kameraden in die Isolation flüchtete und dort nicht Frieden, sondern Erstarrung fand. Kann ein Film, der dieses emotionale Fundament früh legt, es über 121 Minuten tragfähig halten?
Besetzung, Regie und Drehorte
„Shooter“ ist ein US-amerikanischer Action-Thriller, der am 23. März 2007 in den Vereinigten Staaten und am 19. April 2007 in Deutschland anlief. Regie führte Antoine Fuqua, der bereits mit „Training Day“ (2001) seinen Ruf als Regisseur glaubwürdiger, figurengetriebener Spannungsfilme festigte. Das Drehbuch verfasste Jonathan Lemkin nach dem Roman „Point of Impact“ von Stephen Hunter aus dem Jahr 1993. Produziert wurde der Film von Lorenzo di Bonaventura und Ric Kidney; für die Musik zeichnet Mark Mancina verantwortlich, die Kamera führte Peter Menzies Jr.
Mark Wahlberg verkörpert die Hauptrolle des ehemaligen Marine-Scharfschützen Bob Lee Swagger. An seiner Seite spielt Michael Peña den FBI-Agenten Nick Memphis, der sich widerwillig zum Verbündeten entwickelt. Danny Glover gibt den undurchsichtigen Colonel Johnson, Ned Beatty den skrupellosen Senator Meachum. Kate Mara übernimmt die Rolle der Sarah, Witwe von Swaggers gefallenem Kameraden Donnie Fenn. Elias Koteas und Rade Šerbedžija komplettieren das Ensemble in den Rollen des Schurken Jack Payne und des Scharfschützen Sczerbiak.
Gedreht wurde der Film überwiegend in der kanadischen Provinz British Columbia, darunter in New Westminster, Kamloops und in der Nähe des Skiorts Whistler. Die Attentatsszenen entstanden vor dem historischen Independence Hall in Philadelphia. Das abschließende Finale wurde in Mammoth Lakes, Kalifornien, realisiert. Der Film trägt in Deutschland eine FSK-18-Freigabe und spielte weltweit rund 95,7 Millionen US-Dollar bei einem Budget von 61 Millionen Dollar ein.
Handlung & Inhalt vom Film „Shooter“
Gunnery Sergeant Bob Lee Swagger befindet sich mit seinem Kameraden Donnie Fenn auf einer Anhöhe im Grenzgebiet zwischen Äthiopien und Eritrea. Ihr Auftrag: einen Straßenabschnitt für den Rückzug eigener Truppen freihalten. Als feindliche Kräfte auftauchen und ein Hubschrauber die Stellung beschießt, bricht der Funkkontakt zur Basis ab. Fenn verlässt die Deckung, um den Hubschrauber zu bekämpfen, und stirbt. Swagger schaltet das Gerät mit einem gezielten Schuss auf den Rotorkopf aus und überlebt. Zurück in den USA zieht er sich aus dem Marine Corps zurück und lebt seither als Einsiedler in den Bergen von Wyoming.
Drei Jahre nach dem Einsatz sucht Colonel Johnson Swagger in seiner Abgeschiedenheit auf. Er offenbart, dass ein Anschlag auf den US-Präsidenten geplant sei, und bittet Swagger um Hilfe bei der Gefahrenabwehr. Swagger zögert, erklärt sich dann aber bereit und kundschaftet mögliche Schützenstandorte in mehreren Städten aus. Bei einer öffentlichen Veranstaltung in Philadelphia fällt schließlich ein Schuss – doch das Ziel ist nicht der Präsident, sondern ein äthiopischer Erzbischof. Johnson zeigt nun sein wahres Gesicht: Swagger soll als vermeintlicher Attentäter erschossen werden. Mit zwei Schusswunden enkommt er knapp, überwältigt den FBI-Agenten Memphis und flüchtet.
Jagd, Täuschung und die Wahrheit dahinter
Auf der Flucht versorgt Swagger zunächst notdürftig seine Wunden und sucht anschließend Sarah auf, die Witwe seines gefallenen Kameraden. Sie kümmert sich um ihn und übermittelt Memphis zugleich entscheidende Hinweise, darunter die Fahrgestellnummer von Johnsons Fahrzeug. Währenddessen beginnt Memphis, die offiziellen Darstellungen zunehmend zu hinterfragen. Ungereimtheiten bei den Beweisen sowie ungewöhnliche Behördenkooperationen lassen ihn zweifeln. Zudem unterstützt ihn eine ihm wohlgesonnene FBI-Kollegin heimlich. Kurz darauf wird Memphis jedoch entführt und soll als Selbstmord getarnt beseitigt werden. Doch rechtzeitig greift Swagger ein, befreit ihn und verbündet sich mit ihm.
Daraufhin spürt Swagger den Scharfschützen Sczerbiak auf, der den tödlichen Schuss in Philadelphia abgefeuert hatte. Im Gespräch erklärt dieser, dass auch er ähnlich wie Swagger angeworben worden sei. Darüber hinaus enthüllt er den wahren Hintergrund der Verschwörung: Der Erzbischof musste sterben, weil er ein Massaker an äthiopischen Zivilisten öffentlich machen wollte. Verantwortlich dafür ist ein einflussreicher US-Senator, dem Swagger und Fenn damals unwissentlich den Rückzug gesichert hatten. Noch bevor Swaggers Gegner eintreffen, nimmt sich Sczerbiak das Leben. Anschließend entbrennt ein heftiges Feuergefecht, in dem Swagger und Memphis mithilfe improvisierter Spreng- und Rauchvorrichtungen sämtliche Angreifer ausschalten.
Swagger zwingt einen Treffen auf einem verschneiten Berggipfel herbei, auf dem der Senator persönlich anwesend sein muss. Er eliminiert aus der Distanz alle versteckten Schützen, zerstört die Waffe des Entführers und stellt Senator wie Piloten. Sarah tötet ihren Entführer in Selbstjustiz. Der Senator spricht offen über das Massaker, doch der Generalstaatsanwalt sieht keine rechtliche Handhabe, da die Verbrechen außerhalb amerikanischer Jurisdiktion begangen wurden. Swagger vernichtet sein Diktiergerät, um sich und Sarah zu schützen, wird verhaftet und später freigelassen – sein Scharfschützengewehr war nachweislich schussunfähig. Er fährt anschließend zu einem Treffen der Verschwörergruppe und tötet alle Anwesenden, darunter Johnson und den Senator, bevor das Haus in die Luft fliegt. Sarah wartet auf ihn.
Filmkritik und Fazit zum Film „Shooter“
„Shooter“ beginnt als präzises Instrument und entwickelt sich zur Schrotflinte. Fuqua inszeniert die Eröffnungssequenz in Eritrea mit beachtlicher Ruhe und handwerklicher Sorgfalt: Peter Menzies Jr. hält die Kamera nah an Wahlberg, der die körperliche Disziplin eines Scharfschützen glaubhaft verkörpert. Mark Mancinas Score bleibt in diesen Momenten zurückhaltend und verstärkt die Spannung ohne aufzudrängen. Die Verschwörungsarchitektur des ersten Akts ist solide gebaut, und Wahlberg vermittelt die emotionale Erstarrung seiner Figur mit sparsamer Wirkung. Peñas FBI-Agent Memphis bringt dabei die einzige echte Entwicklungskurve des Films mit.
Der zweite und dritte Akt zeigen jedoch, wie wenig dem Film an seiner eigenen politischen Substanz liegt. Die Verschwörung um den äthiopischen Erzbischof und das Massaker enthält durchaus Züge eines ernsthaften Politthrilers – doch Fuqua nutzt sie lediglich als Vorwand für eine Vendetta-Eskalation. Das Finale auf dem verschneiten Berggipfel ist handwerklich kompetent, wirkt aber wie ein Videospiel-Level: Swagger eliminiert Gegner Position für Position, ohne dass die Inszenierung Konsequenz oder moralisches Gewicht spürbar werden lässt. Die Romanze mit Sarah entwickelt sich ohne überzeugende dramatische Grundlage.
Für Liebhaber des amerikanischen Scharfschützen-Thrillers liefert „Shooter“ dennoch, was das Genre verspricht: sauber fotografierte Actionsequenzen, ein glaubwürdiges Waffen- und Taktikbild, einen stoischen Hauptdarsteller und ein befriedigendes, wenn auch moralisch unkompliziertes Ende. Fuqua versteht sein Handwerk, auch wenn er diesmal auf die thematische Tiefe verzichtet, die „Training Day“ auszeichnete. Wer das Kino als Raum der moralischen Reibung sucht, wird enttäuscht. Wer einen soliden Action-Thriller erwartet, bekommt sein Geld durchaus wert.