American Beauty

Manche Filme kündigen ihre eigene Bedeutung mit großer Geste an. Andere schleichen sich ein, tarnen sich als Gesellschaftskomödie, bevor sie das Fundament des Zuschauers unterhöhlen. „American Beauty“ gehört zur zweiten Sorte. Sam Mendes wählte für sein Regiedebüt eine Kulisse, die aus Werbebroschüren stammen könnte. Genau diese Vertrautheit macht die Demontage so präzise. Was wie ein Porträt suburbaner Langeweile beginnt, entpuppt sich als anatomische Studie.

American Beauty
Dauer: 122 Min.
FSK: 16 (DE)
Jahr: 1999
Kategorien: Komödie, Romantik
Regie: Sam Mendes
Produzenten: Bruce Cohen, Dan Jinks
Hauptdarsteller: Kevin Spacey, Annette Bening, Thora Birch
Nebendarsteller: Wes Bentley, Mena Suvari, Peter Gallagher, Allison Janney
Studio: DreamWorks Pictures, Jinks/Cohen Company

Die eigentliche Provokation liegt nicht im Stoff, sondern im Ton. Mendes erzählt die Geschichte eines Mannes, der bereits tot ist, und verleiht ihr eine merkwürdige Leichtigkeit. Zwischen Blutrot und Plastikgrün entsteht eine visuelle Signatur, die sich ins Gedächtnis brennt. Thomas Newmans Score trägt das Geschehen mit federleichter Melancholie. Der Film wurde 1999 zum Kulturereignis und räumte bei der Oscar-Verleihung vier der Big Five ab. Was macht diesen Blick auf die Vorstadt heute noch so unbequem?

Besetzung, Regie und Drehorte

American Beauty“ entstand 1999 unter der Regie des britischen Theatermachers Sam Mendes in Steven Spielbergs DreamWorks-Studios. Das Originaldrehbuch stammt von Alan Ball. Als Kameramann holte sich Mendes den damals 72-jährigen Conrad L. Hall an die Seite, dessen Bildsprache den Film maßgeblich prägte. Die Komposition übernahm Thomas Newman. Für den Schnitt zeichneten Tariq Anwar und Christopher Greenbury verantwortlich. Produziert wurde das Drama von Bruce Cohen und Dan Jinks.

Kevin Spacey verkörpert Lester Burnham, den erzählenden Protagonisten in der Midlife-Crisis. An seiner Seite spielt Annette Bening die karriereorientierte Gattin Carolyn. Thora Birch gibt die Tochter Jane, Wes Bentley deren mysteriösen Nachbarjungen Ricky Fitts. Mena Suvari verleiht der Cheerleaderin Angela Hayes ihre ambivalenten Züge. Chris Cooper übernimmt die Rolle des autoritären Colonel Frank Fitts, Allison Janney spielt dessen abwesend wirkende Ehefrau Barbara. Peter Gallagher, Scott Bakula und Sam Robards komplettieren das Ensemble.

Mit 121 Minuten Laufzeit und einer FSK-Freigabe ab zwölf Jahren in der Kinofassung richtet sich das Drama an ein erwachsenes Publikum. Gedreht wurde überwiegend in den Warner Bros. Studios in Burbank sowie in Hancock Park und Brentwood. Der Film gewann fünf Oscars, drei Golden Globes und sechs BAFTAs. Die Deutsche Film- und Medienbewertung vergab das Prädikat „besonders wertvoll“.

Handlung & Inhalt vom Film „American Beauty“

Lester Burnham erzählt seine eigene Geschichte aus dem Jenseits, wodurch der Zuschauer bereits in den ersten Minuten erfährt, dass dieser Mann in weniger als einem Jahr sterben wird. Zunächst lebt er gemeinsam mit seiner Frau Carolyn und seiner Tochter Jane in einem gepflegten Vorstadthaus. Dabei arbeitet Carolyn als ehrgeizige Immobilienmaklerin und pflegt ihren Rasen mit nahezu zwanghafter Akribie, während Jane sich in der Pubertät befindet und ihren Vater zunehmend verachtet. Gleichzeitig schleppt sich Lester durch einen Verlagsjob, der ihn innerlich längst ausgehöhlt hat, sodass sein Alltag immer bedeutungsloser wirkt. Schließlich findet der Höhepunkt seines Tages nur noch in der morgendlichen Dusche statt, weshalb der Erzähler sich selbst konsequent als bedeutungslos bezeichnet.

Die entscheidende Zäsur folgt jedoch bei einer Schulsportveranstaltung, als Lester plötzlich Angela, die Schulfreundin seiner Tochter, erblickt und sich augenblicklich in sie verliebt. Obwohl sie deutlich jünger ist, kokettiert Angela mit sexuellen Erfahrungen und träumt gleichzeitig von einer Modelkarriere, was Lesters Obsession zusätzlich verstärkt. Daraufhin beschließt er, sich körperlich und äußerlich radikal zu verändern. Parallel dazu lernt er Ricky Fitts kennen, den stillen Nachbarsjungen, der bei einer Gala kellnert und zudem Marihuana verkauft. Infolgedessen wird Ricky nicht nur sein Dealer, sondern öffnet ihm auch eine Tür zu einer längst vergessenen Leichtigkeit, während sich gleichzeitig zwischen Ricky und Jane eine stille, fast seelenverwandte Verbindung entwickelt.

Der Weg in die Katastrophe

Im weiteren Verlauf eskaliert die Situation zunehmend, denn Lester provoziert bewusst seinen Rauswurf im Verlag und erpresst zusätzlich ein Jahresgehalt. Anschließend beginnt er in einem Fast-Food-Restaurant zu arbeiten und kauft sich schließlich einen Pontiac Firebird, um seine neu gewonnene Freiheit zu symbolisieren. Währenddessen beginnt Carolyn eine Affäre mit dem Immobilienkönig Buddy Kane, was Lester jedoch überraschenderweise kaltlässt. Gleichzeitig wächst zwischen Jane und Ricky eine stille Liebe heran, während sich auf der anderen Seite die Dynamik in Ricks Familie zuspitzt. Denn sein Vater Frank, ein pensionierter Marine-Offizier und Waffensammler, beobachtet eine Szene falsch und interpretiert sie als homosexuelle Beziehung zwischen seinem Sohn und Lester.

Daraufhin eskaliert die familiäre Situation vollständig, als Frank Ricky schlägt und dieser aus Trotz die Vorwürfe bestätigt, woraufhin er aus dem Haus geworfen wird. Gleichzeitig entscheidet Jane, mit Ricky nach New York zu gehen, während Frank Lester in dessen Garage aufsucht und versucht, ihn zu küssen, woraufhin Lester ihn zurückweist. Enttäuscht verlässt Frank daraufhin das Haus im Regen. Parallel dazu fährt Carolyn mit einer Pistole in ihrer Handtasche nach Hause und spricht dabei innerlich über das bevorstehende Ende ihres Lebens.

Schließlich kommt es im Haus der Burnhams zum finalen Zusammentreffen, als Lester der wartenden Angela begegnet. Zunächst nähern sich beide an, doch dann gesteht sie ihm ihre Jungfräulichkeit, wodurch Lester inne hält und von ihr ablässt. Stattdessen sprechen die beiden miteinander, und Lester erfährt, dass seine Tochter glücklich verliebt ist. Währenddessen betrachtet er ein altes Familienfoto, bevor schließlich der tödliche Schuss fällt. Obwohl der Täter unsichtbar bleibt, kehrt Frank mit blutverschmiertem Hemd nach Hause zurück, während Carolyn bei ihrer Ankunft zusammenbricht. Dennoch zeigt der tote Erzähler keinen Groll, sondern spricht stattdessen von Dankbarkeit und der Schönheit des scheinbar Nebensächlichen.

Filmkritik und Fazit zum Film „American Beauty“

American Beauty“ verdankt seinen Rang einer seltenen Balance zwischen Schärfe und Zärtlichkeit. Alan Balls Drehbuch seziert die Vorstadt, ohne ihre Bewohner zu verachten. Sam Mendes übersetzt diese Ambivalenz in ruhige, beinahe meditative Einstellungen. Kevin Spacey spielt Lester mit einer Mischung aus Resignation und befreiter Ironie, die jeder Szene Gewicht verleiht. Annette Bening balanciert Carolyns hysterische Panzerung auf dem schmalen Grat zwischen Karikatur und Tragik. Wes Bentley wiederum verleiht dem scheinbaren Außenseiter Ricky eine hypnotische Präsenz.

Conrad L. Halls Kamera arbeitet mit einer geometrischen Strenge, die an Hopper und Magritte erinnert. Rot durchzieht den Film wie eine Signatur – Rosen, Blut, das Kleid der Cheerleaderin. Thomas Newmans Score trägt diese Bildwelt mit perkussiver Zurückhaltung. Das Tempo wirkt zunächst gemächlich, entwickelt jedoch eine Sogwirkung, die den Betrachter fast unmerklich in die Katastrophe hineinzieht. Die berühmte Plastiktütensequenz bleibt ein Paradebeispiel dafür, wie der Film das Triviale ins Transzendente hebt. Das Finale überrascht durch seine Stille.

Manche Schwächen bleiben. Die Zeichnung Angelas wirkt im dritten Akt etwas schematisch, und Colonel Fitts gerät an die Grenze der Typisierung. Diese Einwände schmälern den Rang des Films nicht. Wer psychologisch dichte Dramen mit visueller Präzision schätzt, findet hier einen modernen Klassiker. Das Werk lohnt sich für Liebhaber ambitionierter Erzählkunst.

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