Zodiac – Die Spur des Killers
Wenige Serienmörder haben sich so nachhaltig in die amerikanische Kulturgeschichte eingebrannt wie jener anonyme Briefeschreiber aus der San Francisco Bay Area. Zwischen 1968 und 1969 tötete er fünf Menschen, kommunizierte spöttisch mit Polizei und Presse und verschwand danach in der Stille. Die Identität blieb ungeklärt. Ein perfekter Stoff für das Kino – und zugleich der denkbar heikelste. David Fincher stellte sich 2007 mit „Zodiac – Die Spur des Killers“ genau dieser Herausforderung.

| Dauer: | 157 Min. |
|---|---|
| FSK: | 16 (DE) |
| Jahr: | 2007 |
| Kategorien: | Thriller |
| Regie: | David Fincher |
| Produzenten: | Mike Medavoy, Arnold Messer, Bradley J. Fischer, James Vanderbilt, Ceán Chaffin |
| Hauptdarsteller: | Jake Gyllenhaal, Mark Ruffalo, Anthony Edwards |
| Nebendarsteller: | Robert Downey Jr., Chloë Sevigny, Elias Koteas, John Carroll Lynch |
| Studio: | Paramount Pictures, Warner Bros. Pictures, Phoenix Pictures |
Dass er dabei bewusst die Konventionen des Serienkillerfilms unterläuft, überrascht zunächst. Finchers Werk verzichtet auf Katz-und-Maus-Dynamik und dramaturgische Erlösung. Stattdessen rückt er jene Männer ins Zentrum, die ihr Leben an den Fall verloren. Die Ermittlung wird zur Obsession, die Obsession zum eigentlichen Subjekt des Films. Wie inszeniert man den Verlust einer Wahrheit, die niemals gefunden wird?
Besetzung, Regie und Drehorte
David Fincher übernahm bei „Zodiac – Die Spur des Killers“ die Regie nach dem Drehbuch von James Vanderbilt, der die Bücher Robert Graysmiths adaptierte. Die Kamera führte Harris Savides, der bereits bei Sieben und The Game mit Fincher zusammenarbeitete. Für den Schnitt zeichnete Angus Wall verantwortlich, für die Filmmusik David Shire. Produziert wurde das Werk unter anderem von Phoenix Pictures. Die Dreharbeiten fanden von September 2005 bis Februar 2006 in Los Angeles und an Originalschauplätzen der San Francisco Bay Area statt.
In den Hauptrollen sind Jake Gyllenhaal als Karikaturist Robert Graysmith und Mark Ruffalo als Inspector Dave Toschi zu sehen. Robert Downey Jr. verkörpert den Journalisten Paul Avery, John Carroll Lynch den Hauptverdächtigen Arthur Leigh Allen. Anthony Edwards spielt den Ermittler Bill Armstrong, Brian Cox den prominenten Anwalt Melvin Belli. Weitere tragende Rollen übernehmen Chloë Sevigny, Philip Baker Hall und Elias Koteas. Die deutsche Synchronisation entstand unter der Dialogregie von Andreas Pollak bei Interopa Film.
Die Kinofassung läuft 158 Minuten, der Director’s Cut vier Minuten länger. Die FSK-Freigabe liegt bei 16 Jahren. Produziert wurde der Neo-Noir-Thriller mit einem Budget von 65 Millionen US-Dollar. Zodiac war 2007 im Hauptwettbewerb der Internationalen Filmfestspiele von Cannes vertreten und landete in einer BBC-Umfrage von 2016 auf Platz zwölf der bedeutendsten Filme des 21. Jahrhunderts.
Handlung & Inhalt vom Film „Zodiac – Die Spur des Killers“
Am amerikanischen Unabhängigkeitstag 1969 fährt ein unbekannter Angreifer auf einen Parkplatz im kalifornischen Vallejo. Dort schießt er auf die Teenager Darlene Ferrin und Mike Mageau. Während Darlene im Krankenhaus stirbt, überlebt Mike schwer verletzt und taucht wenig später unter. Kurz darauf meldet sich der Täter telefonisch bei der Polizei, bekennt sich zusätzlich zu einem Doppelmord aus dem Vorjahr und kündigt weitere Taten an. Wenige Wochen später erreichen den San Francisco Chronicle, den Examiner sowie den Vallejo Times Herald anonyme Briefe. Darin nennt sich der Absender „Zodiac“ und fordert die Veröffentlichung verschlüsselter Botschaften, die jedoch keinen Hinweis auf seine Identität liefern.
Im Herbst 1969 eskaliert die Mordserie weiter. Zunächst tötet Zodiac am Lake Berryessa im Napa County die Studentin Cecilia Shepard, während ihr Freund Bryan Hartnell schwer verletzt überlebt. Kurz darauf erschießt der Täter in San Francisco den Taxifahrer Paul Stine. Anschließend versetzt er mit der Drohung, wahllos Schulkinder zu ermorden, ganz Kalifornien in Angst. Infolgedessen werden Ausgangssperren verhängt, während gleichzeitig unzählige Hinweise bei den Behörden eingehen. Schließlich übernehmen beim San Francisco Police Department die Mordkommissare Dave Toschi und Bill Armstrong den Fall, doch zugleich erschweren Kommunikationsprobleme zwischen den Behörden die Ermittlungen erheblich.
Vom Einzelfall zur lebenslangen Obsession
Ende Oktober 1969 versucht Zodiac außerdem, in einer Morgensendung mit dem Anwalt Melvin Belli zu telefonieren. Allerdings bleibt der Anruf nicht zurückverfolgbar, und zudem erkennt der Überlebende Hartnell die Stimme nicht wieder. In den folgenden Briefen verliert Zodiac zunehmend an Substanz, denn neue Insider-Informationen bleiben aus, während stattdessen rätselhafte Andeutungen zunehmen. Daraufhin stellt der Chronicle den Druck der Briefe ein, während Journalist Paul Avery den Killer öffentlich herausfordert und daraufhin Morddrohungen erhält. Gleichzeitig führt ein anonymer Tipp zum ungelösten Mordfall Cheri Jo Bates, während Toschi über den Zeugen Donald Cheney den Namen Arthur Leigh Allen erhält.
Allen gilt als vorbestraft wegen Kindesmisshandlung, kennt zudem die Gegend um Lake Berryessa und soll laut Cheney bereits früh über Morde gesprochen haben. Zwar stoßen die Ermittler bei einer Vernehmung auf eine Zodiac-Uhr und auffällige Interessen, doch gleichzeitig liefert eine Hausdurchsuchung keine eindeutigen Beweise. Zudem entlastet ein Handschriftexperte den Verdächtigen offiziell. In der Folge verliert der Fall nach der Veröffentlichung von Dirty Harry medial an Aufmerksamkeit, während Armstrong sich zurückzieht und Avery zunehmend dem Alkohol verfällt.
Dennoch lässt der Fall Robert Graysmith nicht los. So recherchiert er intensiv, verfolgt Spuren und erhält sogar Drohanrufe, während gleichzeitig seine Ehe zerbricht. Schließlich identifiziert er Allen als wahrscheinlichsten Täter und konfrontiert ihn Jahre später. Obwohl 1991 ein Zeuge Allen wiedererkennt, stirbt dieser 1992 vor einer Anklage. Letztlich entlastet ein DNA-Abgleich ihn 2002 endgültig, und schließlich wird der Fall 2004 offiziell eingestellt.
Filmkritik und Fazit zum Film „Zodiac – Die Spur des Killers“
Fincher wagt mit „Zodiac – Die Spur des Killers“ den Verzicht auf jene Gratifikationen, die das Genre üblicherweise verlangt. Keine finale Ergreifung, kein triumphales Verhör, keine Verfolgungsjagd durch nächtliche Gassen. Stattdessen präsentiert der Regisseur eine akribisch rekonstruierte Fallakte in Bewegtbildern. Die digitale Kameraarbeit von Harris Savides simuliert die verwaschene Farbpalette der 1970er Jahre, während das Sounddesign von Ren Klyce und der reduzierte Score David Shires eine permanente Unterströmung der Unruhe erzeugen. Jake Gyllenhaals Graysmith beginnt als höflicher Außenseiter und verwandelt sich in einen Getriebenen, ohne je die Contenance zu verlieren.
Gerade in dieser Zurückhaltung liegt das Riskante und zugleich das Meisterliche des Films. Die Morde sind früh platziert und unsentimental gefilmt, die Sequenz am Lake Berryessa verzichtet bewusst auf Musik und Zeitlupe. Was folgt, sind 140 Minuten voller Telefonate, Akten, Handschriftenvergleiche und Zuständigkeitsdebatten. Wer auf ein Wiedersehen mit dem Tempo von Sieben hofft, wird enttäuscht. Wer sich einlässt, erlebt, wie Fincher die Ikonografie des Serienkillerkinos geduldig demontiert. Robert Downey Jr. steuert als abstürzender Paul Avery eine der feinsten Nebenrollen seiner Karriere bei, Mark Ruffalo verleiht Toschi eine leise, zermürbte Würde.
Diskutabel bleibt die auffällige Fixierung auf Arthur Leigh Allen. Fincher übernimmt hier Graysmiths These als dramaturgischen Fluchtpunkt, obwohl die Beweislage brüchig ist. Der Film gewinnt dadurch einen emotionalen Anker, verliert jedoch ein Stück seiner sonst so streng gewahrten Objektivität. Für Liebhaber anspruchsvoller Kriminalfilme, die Prozess vor Auflösung stellen, ist Zodiac dennoch unverzichtbar – ein sperriges, kluges und nachwirkendes Werk.