Rosemaries Baby

Kaum ein Horrorfilm hat das Genre so nachhaltig geprägt wie Roman Polańskis Verfilmung des gleichnamigen Ira-Levin-Romans. „Rosemaries Baby“ entstand 1968 in einer Phase gesellschaftlicher Umbrüche und traf einen Nerv. Der polnische Regisseur erzählt keine klassische Schauergeschichte. Er inszeniert das Grauen im Alltäglichen. Zwischen Geburtstagsküssen, Nachbarschaftsbesuchen und Schwangerschaftsratgebern entfaltet sich eine unheimliche Verschwörung.

Rosemaries Baby
Dauer: 138 Min.
FSK: 16 (DE)
Jahr: 1968
Kategorien: Drama, Horror
Regie: Roman Polanski
Produzenten: William Castle, Robert Evans
Hauptdarsteller: Mia Farrow, John Cassavetes, Ruth Gordon
Nebendarsteller: Sidney Blackmer, Maurice Evans, Ralph Bellamy, Victoria Vetri
Studio: William Castle Productions

Der Film verweigert sich den Konventionen seines Genres auf produktive Weise. Monster gibt es kaum, Special Effects bleiben sparsam, doch gerade diese Zurückhaltung schürt die Spannung. Polański arbeitet mit Andeutungen, mit Unsicherheiten, mit der Zerbrechlichkeit weiblicher Wahrnehmung in einer männerdominierten Umgebung. Mia Farrow trägt den Film als eine der eindringlichsten Frauenfiguren der Sechziger. Was bleibt am Ende: ein Schrecken, der nicht weicht. Lässt sich Paranoia noch von berechtigter Angst unterscheiden?

Besetzung, Regie und Drehorte

Rosemaries Baby“ wurde 1968 in den Vereinigten Staaten produziert. Roman Polański führte Regie und schrieb zugleich das Drehbuch nach der Romanvorlage Ira Levins. Produzent William Castle, selbst ein versierter Horror-Regisseur, überließ dem Polen die künstlerische Leitung. Die Kamera führte William Fraker. Für den Schnitt zeichneten Sam O’Steen und Bob Wyman verantwortlich. Die Musik komponierte Christopher Komeda, dessen unheimliches Wiegenlied zum akustischen Wahrzeichen des Films wurde.

In der Titelrolle überzeugt Mia Farrow als zerbrechliche Rosemarie Woodhouse, gefolgt von John Cassavetes als ihrem opportunistischen Ehemann Guy. Ruth Gordon und Sidney Blackmer verkörpern das schrullige Nachbarspaar Minnie und Roman Castevet. In Nebenrollen sind Maurice Evans als Hutch, Ralph Bellamy als Dr. Sapirstein sowie Charles Grodin, Victoria Vetri und Elisha Cook zu sehen. Tony Curtis übernahm ungenannt die Telefonstimme des Donald Baumgart.

Mit 137 Minuten Laufzeit und einer FSK-16-Freigabe zählt der Film zu den ausführlich erzählten Werken seiner Zeit. Ruth Gordon erhielt für ihre Rolle 1969 den Oscar sowie den Golden Globe als beste Nebendarstellerin. Polański wurde für das adaptierte Drehbuch oscarnominiert. 2014 wurde der Film in das National Film Registry der USA aufgenommen. Die Außenaufnahmen entstanden am New Yorker Dakota Building.

Handlung & Inhalt vom Film „Rosemaries Baby“

Guy und Rosemarie Woodhouse beziehen eine geräumige Wohnung im siebten Stock des traditionsreichen Bramford House am Central Park West. Guy ist ein erfolgloser Schauspieler, der sich mit Werbespots über Wasser hält. Rosemarie richtet das Heim voller Vorfreude ein. Ihr Freund Hutch warnt vor der düsteren Vergangenheit des Gebäudes. Mysteriöse Todesfälle und Geschichten über Hexerei prägen den Ruf des Hauses. Die beiden ziehen dennoch ein. In der Waschküche lernt Rosemarie die junge Terry kennen, die bei den Nachbarn Minnie und Roman Castevet wohnt und sich wenig später aus dem Fenster stürzt.

Die Castevets drängen sich nach dem Vorfall ins Leben des Paares. Besonders Guy freundet sich mit dem älteren Ehepaar an. Er verbringt auffällig viel Zeit bei den Nachbarn. Kurz darauf erblindet jener Schauspieler, dem Guy eine begehrte Rolle abtreten musste. Guy übernimmt den Part. Bald schlägt er seiner Frau vor, ein Kind zu zeugen. Am entscheidenden Abend bringt Minnie ein Mousse au Chocolat vorbei, das Rosemarie in tiefen Schlaf versetzt. Sie träumt von einer Vergewaltigung durch ein monströses Wesen, beobachtet von Guy und den Nachbarn.

Zwischen Verdacht und Verzweiflung

Am Morgen findet Rosemarie Kratzspuren an ihrem Körper. Guy erklärt beiläufig, er habe mit ihr geschlafen, während sie bewusstlos gewesen sei. Sie ist schwanger. Auf Drängen der Castevets wechselt sie zu Dr. Sapirstein, einem angesehenen Geburtshelfer aus dem Freundeskreis. Täglich trinkt sie nun Minnies Kräutertränke. Um ihren Hals trägt sie ein Amulett mit übelriechender Taniswurzel. Heftige Unterleibsschmerzen plagen sie über Monate, doch Sapirstein spielt sie herunter. Rosemarie magert ab und wird bleich.

Hutch erkennt die Bedrohung und verspricht Aufklärung über die mysteriöse Wurzel. Er fällt ins Koma und stirbt kurz darauf. Rosemarie erhält durch ihn ein Buch über Hexerei. Sie erfährt, dass Roman Castevet der Sohn eines bekannten Satanisten ist. Die Vermutung reift, dass die Nachbarn ihr Kind dem Teufel versprochen haben. Sie wendet sich an Dr. Hill, doch der verrät sie an Guy und Sapirstein. Die Satanisten bringen sie zurück. Während sie betäubt wird, kommt das Kind zur Welt.

Man erklärt Rosemarie, das Kind sei bei der Geburt gestorben. Ihre Milch wird dennoch regelmäßig abgepumpt. Sie hört ein Baby in der Nachbarwohnung schreien. Mit einem Küchenmesser bewaffnet dringt sie durch eine geheime Verbindungstür zu den Castevets. Dort findet sie die versammelten Satanisten um eine schwarze Wiege versammelt. Das Kind heißt Adrian. Roman verkündet triumphierend, der Junge sei von Satan gezeugt worden. Guy rechtfertigt seinen Pakt mit einer Karriereaussicht. Rosemarie spuckt ihm ins Gesicht. Doch als das Kind weint, wiegt sie es liebevoll.

Filmkritik und Fazit zum Film „Rosemaries Baby“

Polański inszeniert „Rosemaries Baby“ mit einer erstaunlichen Zurückhaltung. Das Grauen entsteht nicht aus Schockmomenten, sondern aus der systematischen Zersetzung einer jungen Frau. William Frakers Kamera verwandelt die Wohnung schrittweise von einem Zufluchtsort in einen Käfig. Mia Farrow spielt Rosemarie mit einer physischen Präsenz, die fast schmerzhaft ist. Ihre Abmagerung, ihre fahlen Züge, ihr Tastsinn für das Falsche – all das entsteht ohne groß angelegte Gesten. Ruth Gordon kontrastiert sie brillant als plappernde Nachbarin, deren Schrulligkeit ihre wahre Natur verdeckt.

Die Stärke des Films liegt in seinem Tempo. Polański nimmt sich Zeit, um das Unbehagen wachsen zu lassen. Jede Szene wirkt alltäglich und doch verschoben. Komedas minimalistisches Wiegenlied, von Farrow selbst gesungen, rahmt die Erzählung und hinterlässt einen akustischen Nachhall. Die wenigen offenen Horror-Momente – die Traumsequenz, der finale Blick in die Wiege – gewinnen ihre Wirkung gerade durch die Sparsamkeit ihres Einsatzes. Der Film liest sich zudem als scharfsinniger Kommentar über die Kontrolle weiblicher Körper und die Ohnmacht zwischen wohlmeinenden Ärzten, pragmatischen Ehemännern und zuvorkommenden Nachbarn.

Auch nach über fünf Jahrzehnten verliert der Film nichts von seiner Wirkung. Wer Horror jenseits von Splatter und Jumpscares sucht, findet hier ein Werk von beklemmender Präzision. Polański traut dem Zuschauer zu, selbst die Zeichen zu lesen. Das mag Geduld erfordern, belohnt diese jedoch mit einem Unbehagen, das lange nachhallt. Für Genre-Liebhaber mit Sinn für psychologischen Schrecken ist dieses Werk unverzichtbar.

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