Der Grinch

Weihnachten ist ein Fest der Wiederholungen. Geschichten kehren wieder, Motive kreisen, Figuren bekommen neue Kostüme. „Der Grinch“ von 2018 ist so eine Rückkehr – die dritte filmische Umsetzung des Dr.-Seuss-Klassikers aus dem Jahr 1957, diesmal als CGI-Animationsfilm des Illumination-Studios. Das Produktionshaus, bekannt für die Minions-Reihe und ihre Vorliebe für leicht verdauliche Familienunterhaltung, liefert eine Version des grummeligen Grünlings, die das Original nicht so sehr neu erfindet, als vielmehr glattschleift.

Der Grinch
Dauer: 82 Min.
FSK: PG (US)
Jahr: 2018
Kategorien: Animation
Regie: Yarrow Cheney, Scott Mosier
Produzenten: Chris Meledandri, Janet Healy
Hauptdarsteller: Benedict Cumberbatch, Rashida Jones, Kenan Thompson
Nebendarsteller: Cameron Seely, Angela Lansbury, Pharrell Williams, Ramone Hamilton
Studio: Illumination, Universal Pictures

Was bleibt, wenn man einer Geschichte ihre Reibungsflächen nimmt? Diese Frage stellt sich spätestens dann, wenn man „Der Grinch“ im Kontext seiner literarischen und filmischen Vorgänger betrachtet. Seuss‘ ursprüngliche Erzählung lebte von einer Ambivalenz, die Kinder und Erwachsene gleichermaßen beschäftigte. Der animierte Grinch von 2018 beantwortet die Frage auf seine eigene Art – und der Weg dorthin ist interessanter als das Ziel. Ob das reicht, um dem Stoff gerecht zu werden?

Besetzung, Regie und Drehorte

Der Grinch“ wurde unter der Regie von Scott Mosier und Yarrow Cheney produziert, wobei Mosier erst kurz vor Produktionsabschluss den ursprünglich vorgesehenen Co-Regisseur Peter Candeland ablöste. Das Drehbuch stammt von Tommy Swerdlow und Michael LeSieur. Die Animationsarbeit übernahm das französische Studio Illumination Mac Guff in Paris, das auf eine Reihe gängiger Software-Lösungen wie Maya, ZBrush und Nuke zurückgriff. Produziert wurde der Film von Chris Meledandri und Janet Healy für Illumination Entertainment.

Die Originalstimme des Grinch sprach Benedict Cumberbatch, der sich bewusst gegen seinen britischen Akzent entschied und dem Charakter eine amerikanische Färbung verlieh. Als Erzähler fungierte Pharrell Williams. Rashida Jones übernahm die Rolle von Cindy Lous überarbeiteter Mutter Donna, Kenan Thompson lieh dem gutmütigen Nachbarn Bricklebaum seine Stimme. Die Legende Angela Lansbury war als Bürgermeisterin zu hören. Die Musik stammt von Danny Elfman, der zusätzlich mit Tyler, the Creator an einer Neuinterpretation des Songs „You’re a Mean One, Mr. Grinch“ zusammenarbeitete.

Der Film läuft 90 Minuten und wurde in Deutschland mit FSK 0 freigegeben. Er startete am 29. November 2018 in den deutschen Kinos. Bei den Annie Awards 2019 erhielt er Nominierungen in den Kategorien Beste Musik, Bester Schnitt und Bestes Storyboard. Weitere Nominierungen folgten bei den Critics‘ Choice Movie Awards, den Saturn Awards und den Producers Guild of America Awards. Weltweit spielte er über 522 Millionen US-Dollar ein.

Handlung & Inhalt vom Film „Der Grinch“

Hoch oben auf dem Berg Crumpit, abseits von allem menschlichem Trubel, lebt der Grinch gemeinsam mit seinem Hund Max. Das Städtchen Whoville zu seinen Füßen ist das genaue Gegenteil seiner kargen Einsamkeit. Die Bewohner, die sogenannten Whos, bereiten sich das ganze Jahr über auf Weihnachten vor. Als die Bürgermeisterin ankündigt, das Fest in diesem Jahr dreimal so groß zu feiern, gerät der ohnehin fragile Seelenfrieden des Grinch vollends ins Wanken. Er hasst Weihnachten. Er hasst den Lärm, die Lichter, die Fröhlichkeit. Doch der Vorrat in seiner Höhle ist aufgebraucht, und er sieht sich gezwungen, ins Tal hinabzusteigen.

Parallel dazu spielt sich im Herzen Whovilles eine andere Geschichte ab. Die sechsjährige Cindy Lou bemerkt, dass ihre alleinerziehende Mutter Donna vollkommen erschöpft ist. Um ihr zu helfen, fasst sie den Plan, den Weihnachtsmann persönlich um Unterstützung zu bitten. Da eine Reise zum Nordpol nicht in Frage kommt, entscheidet sie sich für einen anderen Weg: Sie will Santa in eine Falle locken. Mit Hilfe ihrer Freunde beginnt sie, eine aufwendige Konstruktion zu bauen. Währenddessen versucht der Grinch, die Weihnachtsfeierlichkeiten zu sabotieren – zunächst mit einem misslungenen Angriff auf die Baumaufstellung, bei der er nichts als Spott erntet. Die Erinnerungen an eine einsame Kindheit, in der er Weihnachten stets allein verbrachte, brechen dabei in kurzen Rückblenden an die Oberfläche.

Der Plan und seine Risse

Der Grinch beschließt, das Fest ein für allemal zu beenden. Er klaut einen Schlitten bei seinem unfreiwilligen Nachbarn Bricklebaum und nimmt sich zusätzlich ein wohlgenährtes Rentier namens Fred als Zugtier. Die Vorbereitungen für den großen Diebstahl nehmen breiten Raum ein. Gadgets werden konstruiert, Probeläufe absolviert. Der Plan wirkt wasserdicht. Doch Fred hat eine Familie, und der Grinch lässt ihn gehen – eine kleine, aber bedeutsame Geste, die seinen inneren Widerspruch sichtbar macht. Max muss fortan allein ziehen.

In der Weihnachtsnacht dringt der Grinch in Whoville ein. Er stiehlt Geschenke, Schmuck, Lichterketten – alles, was mit dem Fest zu tun hat. Dabei tappt er in Cindy Lous Falle. Das Mädchen bittet ihn nicht um Stopp, sondern schildert den Wunsch, ihrer Mutter das Leben leichter zu machen. Diese Begegnung berührt ihn. Er macht dennoch weiter, schleppt die Beute zurück auf den Berg Crumpit. Kurz darauf erwachen die Whos und stehen vor leeren Häusern.

Was der Grinch nicht erwartet: Die Whos feiern trotzdem. Sie stehen zusammen, singen, lachen. Donna erklärt ihrer Tochter, dass Weihnachten nicht in Geschenken liegt. Vom Berg aus hört der Grinch den Gesang. Er erinnert sich an Cindy Lous Worte. Sein Herz, bislang auf zwei Größen geschrumpft, dehnt sich auf das Dreifache aus. Als der Schlitten zu rutschen beginnt, kommt Fred mit seiner Rentierfamilie zu Hilfe. Der Grinch gleitet zurück ins Tal, gibt alles zurück, entschuldigt sich. Cindy Lou lädt ihn ein, Weihnachten bei ihrer Familie zu verbringen. Beim gemeinsamen Essen erkennt er, dass es nicht Weihnachten war, das er hasste – sondern das Alleinsein.

Filmkritik und Fazit zum Film „Der Grinch“

Der Grinch“ von 2018 ist ein handwerklich gefälliger Film, der seine stärksten Momente dort hat, wo er sich auf das Visuelle konzentriert. Das Design von Whoville mit seinen funkelnden Lichtern, dem verschneiten Panorama und dem detailreichen Alltagstreiben der Whos ist von bemerkenswerter Sorgfalt. Die Animation wirkt lebendig, die Figuren haben Ausdruck. Danny Elfmans Partitur verbindet orchestrale Weihnachtsklassik mit modernen Einsprengseln, und Tylers eigens komponierter Song „I Am the Grinch“ gibt dem Charakter eine zeitgemäße Textur. Was jedoch auf der Strecke bleibt, ist die emotionale Fallhöhe der Vorlage.

Die Regisseure Cheney und Mosier entscheiden sich früh dafür, den Grinch zu einem Sympathieträger zu formen, der seine Bosheit kaum je wirklich auslebt. Er grummelt mehr, als er erschreckt. Die Slapstick-Sequenzen mit Max und dem Rentier Fred sind komödiantisch gelungen, ersetzen aber keine Charaktertiefe. Die Rückblende auf eine einsame Kindheit, die dem Grinch sein Misstrauen gegen Weihnachten erklären soll, bleibt auffällig kurz. Cindy Lous Geschichte verläuft parallel, aber die Verbindung beider Erzähllinien wirkt schematisch. Wer eine Weihnachtsfilm-Erfahrung sucht, die vor allem unterhält, findet hier solides Kino.

Für ein junges Publikum funktioniert der Film fraglos. Die Energie stimmt, die Optik ist einladend, und die Botschaft – Weihnachten ist Gemeinschaft, kein Konsum – klingt sympathisch, auch wenn sie kaum mit Konsequenz verfolgt wird. Wer die Ambivalenz des Originals oder die düstere Komik von Jim Carreys Interpretation sucht, wird hier nicht fündig. „Der Grinch“ 2018 ist ein ordentlicher, unkomplizierter Weihnachtsfilm – ideal für Kinobesuche mit Kindern, weniger geeignet als Anlass zur tieferen Auseinandersetzung.

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