Ich – Einfach unverbesserlich 4
Franchises neigen dazu, sich mit der Zeit selbst zu überholen. Was einst frisch und überraschend war, wird zur Formel – vertraut, verlässlich, aber selten noch wirklich aufregend. Das gilt für Blockbuster-Reihen genauso wie für Animationsfilme, deren Zielgruppe zwar wächst, deren Erwartungen jedoch nicht zwingend sinken. „Ich – Einfach unverbesserlich 4“ tritt genau in dieses Spannungsfeld: Er ist der sechste Film eines Universums, das längst mehr Marke als Erzählung ist.

| Dauer: | 95 Min. |
|---|---|
| FSK: | 6 (DE) |
| Jahr: | 2024 |
| Kategorien: | Animation |
| Regie: | Chris Renaud |
| Produzenten: | Chris Meledandri, Brett Hoffman |
| Hauptdarsteller: | Steve Carell, Kristen Wiig, Will Ferrell |
| Nebendarsteller: | Sofía Vergara, Miranda Cosgrove, Dana Gaier, Madison Polan |
| Studio: | Universal Pictures, Illumination |
Seit dem ersten Teil im Jahr 2010 hat sich das Franchise von einer Schurkenkomödie zur wohl erfolgreichsten Animationsmarke der Gegenwart entwickelt. Die Minions sind Popkultur. Gru ist Ikone. Und nun kommt der vierte Hauptfilm – sieben Jahre nach Teil drei. Die Frage ist nicht, ob das Publikum kommt. Die Frage ist, was es bekommt.
Besetzung, Regie und Drehorte
„Ich – Einfach unverbesserlich 4“ entstand als US-amerikanisch-französische Co-Produktion zwischen Illumination Studios Paris und Universal Pictures. Regie führte Chris Renaud, der bereits die ersten beiden Teile der Reihe verantwortet hat. Das Drehbuch stammt von Mike White und Ken Daurio, der die Reihe seit ihren Anfängen begleitet. Produziert wurde der Film von Chris Meledandri und Brett Hoffman, die Musik komponierten Heitor Pereira und Pharrell Williams.
In der Originalfassung kehren Steve Carell als Gru und Kristen Wiig als Lucy zurück. Neu zur Besetzung hinzugestoßen sind Will Ferrell als Antagonist Maxime Le Mal, Joey King als Poppy Prescott sowie Sofía Vergara als Valentina. Stephen Colbert übernimmt die Rolle von Perrys Nachbarsvater. Pierre Coffin leiht erneut den Minions seine unverwechselbare Stimme. In der deutschen Synchronfassung sind unter anderem Oliver Rohrbeck als Gru und Martina Hill als Lucy zu hören. Jens „Knossi“ Knossalla spricht den Bösewicht Maxime.
Der Film hat eine Laufzeit von 95 Minuten und ist ab FSK 6 freigegeben. Seine Kinopremiere feierte er am 9. Juni 2024 im Jazz at Lincoln Center in New York, der reguläre US-Start folgte am 3. Juli 2024. In Deutschland startete er am 11. Juli 2024. Trotz gemischter Kritiken spielte der Film weltweit rund 972 Millionen US-Dollar ein und rangiert damit unter den vier erfolgreichsten Kinofilmen des Jahres 2024.
Handlung & Inhalt vom Film „Ich – Einfach unverbesserlich 4“
Felonious Gru, ehemaliger Superschurke und mittlerweile Agent der Anti-Verbrecher-Liga AVL, besucht ein Klassentreffen seiner alten Schule, dem Lycée Pas Bon. Dort begegnet er Maxime Le Mal wieder, einem früheren Rivalen. Dieser hat ihm nie verziehen, dass Gru ihm bei einem Schultalentshow-Auftritt das gleiche Lied wegschnappte. Maxime ist seither nicht untätig geblieben: Er hat seinen Körper mit Kakerlakenteilen modifiziert, besitzt übermenschliche Kräfte und plant die Weltherrschaft. Gru gelingt es zwar, ihn gemeinsam mit der AVL festzunehmen – doch der Aufenthalt hinter Gittern währt nicht lange.
Als Maxime aus dem Gefängnis ausbricht, sieht sich die AVL unter der Leitung von Silas Ramspopo gezwungen zu handeln. Maxime hat in einer Videobotschaft angekündigt, Grus kleinen Sohn Gru Jr. mit einer Verwandlungsmaschine in ein Kakerlakenwesen zu transformieren. Die Familie Gru wird daraufhin ins Zeugenschutzprogramm versetzt und in die Vorstadt Mayflower umgesiedelt. Neue Namen, neue Identitäten, neue Berufe: Gru soll Solarmodule verkaufen, Lucy als Friseurin arbeiten. Die Mädchen – Margo, Edith und Agnes – leiden unter der erzwungenen Trennung von Freundinnen und Haustieren.
Kakerlaken, Superhelden und ein bissiger Dachs
Parallel dazu ergibt sich für die AVL ein unerwartetes Experiment: Da die meisten Minions nicht mit nach Mayflower ziehen konnten, statten sie fünf von ihnen – Dave, Mel, Gus, Tim und Jerry – mit einem Superserum aus. Als sogenannte Megaminions verfügen sie über Lasersicht, Flugfähigkeit, extreme Stärke, Körperflexibilität und außergewöhnliche Robustheit. Ihr erster Einsatz in einer Stadt richtet jedoch mehr Schaden als Nutzen an, woraufhin die AVL das Programm einstellt. Die fünf behalten ihre Kräfte und nutzen sie fortan für Freizeitaktivitäten – einer etwa, um Löcher in Käse zu brennen.
In Mayflower lernt Gru seine Nachbarsfamilie kennen: Perry Prescott, erfolgreichster Autoverkäufer des Landes, seine Frau Patsy und ihre Tochter Poppy. Poppy durchschaut Grus Tarnung sofort. Sie kennt ihn aus seiner Karriere als Schurke und erpresst ihn: Wenn er ihr nicht bei einem Diebstahl hilft, fliegt seine Identität auf. Sie will das Maskottchen der Lycée Pas Bon stehlen – einen Honigdachs namens Lenny –, um an der Schule aufgenommen zu werden. Der Raubzug mit Gru, den verbliebenen Minions und dem Baby Gru Jr. verläuft zunächst erfolgreich, doch ein Peilsender am Halsband des Tieres verrät Maxime ihren Aufenthaltsort.
Als Schuldirektorin Übelschlecht das Haus der Grus aufsucht, um nach dem Dachs zu fragen, entbrennt ein Kampf, während Gru Jr. unbemerkt verschwindet und von Maxime entführt wird. Im Finale verfolgt Gru gemeinsam mit Poppy den Bösewicht in seinem käferförmigen Fluggerät, bringt es auf einem Hochhaus zum Stillstand und erfährt, dass sein Sohn bereits in einen Kakerlakenhybriden verwandelt wurde. Erst Grus Worte lösen den Bann, die Megaminions besiegen Maxime, die Familie kehrt heim, Gru Jr. wird zurückverwandelt und Gru gesteht im Gefängnis den gestohlenen Talentshow-Auftritt, was in einem gemeinsamen Bühnenauftritt endet.
Filmkritik und Fazit zum Film „Ich – Einfach unverbesserlich 4“
Chris Renaud kehrt zur Reihe zurück, die er miterfunden hat – und man merkt, dass er ihre Mechanismen kennt. „Ich – Einfach unverbesserlich 4“ ist handwerklich tadellos: Das Animationsniveau ist noch einmal gestiegen, die Bildsprache präziser, die Detaildichte beeindruckend. Feine Gesichtshärchen der Schuldirektorin und das choreografierte Chaos der Actionsequenzen stechen besonders hervor. Technisch bewegt sich der Film auf einem Niveau, das Konkurrenten neidisch machen dürfte. Heitor Pereira und Pharrell Williams liefern eine Partitur, die den Rhythmus des Films trägt, ohne sich als eigenständige musikalische Stimme aufzudrängen.
Das Drehbuch von Mike White und Ken Daurio jongliert gleichzeitig mit mindestens vier Handlungssträngen, was dem Film ein rastloses Tempo verleiht. Der Einbruchssequenz rund um den Honigdachs gelingt dabei etwas Seltenes: Sie ist komisch und kinematisch zugleich, mit präzisem Timing und einem Ensemble, das seine Rollen mit Verve ausfüllt. Agnes‘ verzweifelter Kampf gegen die eigene Lügenunfähigkeit liefert dabei ebenso verlässliche Lacher wie die Megaminions-Parodie auf aktuelle Superheldentropen. Schwächer fällt der Antagonist aus: Maxime Le Mal bleibt trotz seines grotesken Designs eine Randfigur, die mehr Konzept als Charakter ist. Seine Kakerlakenmutationen hätten für die Actiondramaturgie mehr Potenzial gehabt, als der Film ihnen letztlich zugesteht.
Was bleibt, ist ein Film, der sein Publikum versteht und es zuverlässig unterhält – ohne den emotionalen Kern der früheren Teile vollständig zu erreichen. Die Patchworkfamilie, die einst den Reihen ihre Wärme gab, rückt zugunsten von Episodenhaftigkeit in den Hintergrund. Für Fans der Reihe und ein jüngeres Publikum ist das kein Hindernis. Wer jedoch die ruhigeren, herzlicheren Momente des ersten Teils vermisst, findet sie hier nur in Ansätzen.