Konferenz der Tiere

Wenn der europäische Animationsfilm seine Stimme sucht, tut er dies oft im Schatten amerikanischer Vorbilder. Im Herbst 2010 wagte sich das deutsche Kino erstmals an die dritte Dimension. „Konferenz der Tiere“ markierte einen technischen Wendepunkt. Das Studio Ambient Entertainment aus Hannover verknüpfte Erich Kästners humanistische Erzählung lose mit einer ökologischen Gegenwartsfrage. Herausgekommen ist ein Film, der zugleich Meilenstein und Bauchlandung ist – je nachdem, auf welcher Seite der Leinwand man steht.

Konferenz der Tiere
Dauer: 93 Min.
FSK: G (US)
Jahr: 2010
Kategorien: Animation
Regie: Holger Tappe, Reinhard Klooss
Hauptdarsteller: Christoph Maria Herbst, Ralf Schmitz, Thomas Fritsch
Nebendarsteller: Bastian Pastewka, Oliver Kalkofe, Nana Spier, Constantin von Jascheroff
Studio: Ambient Entertainment, Constantin Film

Die Produktion verschlang über eineinhalb Jahre und dürfte Bilanzen anderer deutscher Trickfilme in den Schatten stellen. Reinhard Klooss und Holger Tappe, bereits durch ihre Urmel-Adaptionen bekannt, setzten auf die Strahlkraft einer Stimmriege aus Ralf Schmitz, Thomas Fritsch und Bastian Pastewka. Xavier Naidoo und Naturally 7 lieferten mit „Wild vor Wut“ den titelgebenden Song. Über fünf Millionen europäische Zuschauer strömten in die Kinos. Bleibt die Frage, ob jenseits der Rekorde auch erzählerische Substanz die Leinwand erreicht?

Besetzung, Regie und Drehorte

Konferenz der Tiere“ entstand zwischen November 2008 und Juni 2010 als erster europäischer Animationsfilm in stereoskopischem 3D. Die Regie übernahmen Reinhard Klooss und Holger Tappe gemeinsam. Das Drehbuch verfassten Klooss und Oliver Huzly, lose inspiriert vom gleichnamigen Kästner-Roman aus dem Jahr 1949. Die Animation stammt vom niedersächsischen Studio Ambient Entertainment, das bereits „Back to Gaya“ realisiert hatte. Produziert wurde der Film von Reinhard Klooss, den Schnitt verantwortete Alexander Dittner.

In den Hauptrollen sprechen Ralf Schmitz das tollpatschige Erdmännchen Billy und Thomas Fritsch den vegetarischen Löwen Sokrates. Bastian Pastewka leiht der Elefantendame Angie seine Stimme, Christoph Maria Herbst dem gallischen Hahn Charles. Oliver Kalkofe verkörpert den profitorientierten Hotelbesitzer Smith. Die Synchronisation entstand bei RC Production Berlin unter der Dialogregie von Frank Schaff. Für den englischsprachigen Markt wurden James Corden, Stephen Fry und Andy Serkis verpflichtet – ein bemerkenswertes Ensemble.

Mit einer Laufzeit von 93 Minuten und der Altersfreigabe FSK 0 richtet sich der Film ausdrücklich an Familien. David Newman komponierte den Score. Das Werk wurde 2009 mit dem Deutschen Animationsdrehbuchpreis in Stuttgart sowie 2010 mit dem Bayerischen Filmpreis in der Kategorie Kinderfilm ausgezeichnet. Die FBW Wiesbaden verlieh das Prädikat besonders wertvoll.

Handlung & Inhalt vom Film „Konferenz der Tiere“

Das Okavangodelta in Botswana liegt trocken. Die jährliche Flut bleibt aus, und wo sonst Wasser die Savanne belebte, staubt nur noch der Boden. Um das letzte Wasserloch liefern sich Nashörner und Büffel erbitterte Kämpfe, allen voran das Duell zwischen Biggie und Chino. Inmitten dieser Krise beschließen zwei ungleiche Freunde, der Sache auf den Grund zu gehen. Billy, ein ängstliches, aber gutherziges Erdmännchen mit einer Kürbisflasche, bricht gemeinsam mit dem vegetarischen Löwen Sokrates auf. Ihr Weg führt sie durch eine unheimliche Schlucht, die die Tiere nur das Tal des Todes nennen. Dort erwartet sie eine kleine Gruppe, die von weit her gekommen ist.

Der gallische Hahn Charles hat eine bunte Schar zusammengeführt. Die Eisbärin Sushi floh vor dem schmelzenden Eis, das Känguru Toby und der tasmanische Teufel Smiley verloren ihre Heimat durch Buschbrände. Zwei uralte Galapagos-Schildkröten, Winston und Winifred, komplettieren die Reisegemeinschaft. Gemeinsam entdecken sie die Ursache der Dürre. Ein gewaltiger Staudamm versorgt das Luxushotel Eden Paradise mit Energie. Dort residiert Hotelbesitzer Smith, dessen Tochter Maya allein auf Seiten der Tiere steht. Ausgerechnet in diesem Refugium tagt eine Umweltkonferenz der Menschen.

Zwischen Damm und Konfrontation

Im Hotel erwartet die Gruppe ein alter Bekannter mit blutiger Vergangenheit. Der Sicherheitschef Hunter ist kein gewöhnlicher Wachmann, sondern jener Wilderer, der einst Sokrates‘ Bruder Mambo tötete. Der Schimpanse Toto, als tierisches Maskottchen beim Hotel gefangen, wird zum heimlichen Verbündeten. Er versucht, die Freunde zu verstecken. Doch Hunter entdeckt Sokrates und nimmt ihn gefangen. Die übrigen Tiere entkommen knapp und müssen mit ansehen, wie ihre Welt immer weiter zerbricht. Kurz darauf sterben die betagten Schildkröten Winston und Winifred – ein Moment der Trauer mitten im Widerstand.

Nun ruft Billy die namensgebende Konferenz ein. Tiere aus der gesamten Savanne versammeln sich und beschließen gemeinsames Handeln. Selbst die zerstrittenen Büffel und Nashörner schließen sich an. Der Rückweg durch das Tal des Todes wird zum Marsch einer Armee. Hunter versucht, den Zug mit einem Doppeldecker aufzuhalten. Toto stoppt den Jäger in der Luft. Ein Heuschreckenschwarm fällt über den Konferenzsaal der Menschen her und verschlingt Dokumente wie Kleidung.

Billy befreit Sokrates aus seinem Gefängnis, mit Totos Hilfe entkommen sie durch einen Schacht. Die Tiere stellen Hunter und drohen ihm mit der Grube der Tiger, bis Billy ihn schließlich niederstreckt. Gemeinsam bringen die Tiere den Staudamm zum Einsturz. Das Wasser kehrt in die Savanne zurück, die Wiese grünt wieder, Smiths Hotel geht bankrott. Toto wird von der Gemeinschaft aufgenommen. Die Geschichte endet nicht in Afrika. In den Mäulern von Blauwalen reisen die Tiere nach New York, um die dort tagende Klimakonferenz an ihre Verantwortung zu erinnern.

Filmkritik und Fazit zum Film „Konferenz der Tiere“

Konferenz der Tiere“ demonstriert vor allem eines: handwerkliche Ambition. Die Animationen aus Hannover halten einem Vergleich mit Produktionen aus Kalifornien erstaunlich gut stand. Licht, Fellstrukturen, Weitwinkelpanoramen – das Studio Ambient Entertainment arbeitete sichtlich am oberen Rand seiner Möglichkeiten. Die 3D-Inszenierung wirkt jedoch stellenweise wie ein Diorama. Vorder- und Hintergrund bleiben auffällig getrennt, statt zu einer räumlichen Einheit zu verschmelzen. David Newmans Score trägt die Bilder zuverlässig, bleibt aber dienend. Wirklich elektrisch wird der Soundtrack nur im Naidoo-Titelsong.

Erzählerisch zerfasert der Film. Figuren wie der Vater-Sohn-Konflikt der Erdmännchen oder Sokrates‘ Trauma um seinen Bruder werden angerissen, ohne wirklich zu wirken. Der Tod der Schildkröten soll Gewicht erzeugen, bleibt jedoch seltsam beiläufig im Fluss des Abenteuers. Das Tempo wirkt ungleichmäßig. Szenen von beträchtlichem visuellen Reiz wechseln mit Momenten, in denen die Regie sichtlich auf Effekt zielt statt auf Erzählung. Die ökologische Botschaft wird weniger entwickelt als verkündet. Kästners ursprünglicher Pazifismus weicht einer plakativen Umweltpredigt.

Als Familienfilm funktioniert das Werk trotz seiner Schwächen. Die Figuren sind liebevoll gezeichnet, der Humor altersgerecht, die Bildsprache farbenfroh. Erwachsene Zuschauer werden die erzählerischen Lücken und den erhobenen Zeigefinger bemerken. Für Kinder bietet der Film kurzweilige Unterhaltung mit Herz. Ein Meilenstein technisch, ein Achtungserfolg erzählerisch – mehr nicht, aber auch nicht weniger.

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