Die Croods

Was hält eine Familie zusammen, wenn die Welt buchstäblich unter ihr zerbricht? „Die Croods“ stellt diese Frage nicht philosophisch, sondern mit lautem Krachen: Ein Erdbeben zerstört das einzige Zuhause, das die Höhlenmenschen je kannten, und zwingt sie in eine Welt voller Farbe, Gefahr und fremder Ideen. DreamWorks Animation schickt 2013 eine prähistorische Familie auf einen Weg, der weniger Abenteuer als innere Wandlung verspricht.

Die Croods
Dauer: 98 Min.
FSK: PG (US)
Jahr: 2013
Kategorien: Animation
Regie: Kirk DeMicco, Chris Sanders
Produzenten: Kristine Belson, Jane Hartwell
Hauptdarsteller: Nicolas Cage, Emma Stone, Ryan Reynolds
Nebendarsteller: Catherine Keener, Cloris Leachman, Clark Duke, Chris Sanders
Studio: DreamWorks Animation

Das Regie-Duo Kirk DeMicco und Chris Sanders verpackt darin eine vertraute Botschaft in ein ungewöhnliches Gewand. Väter und Töchter, Tradition und Aufbruch, Angst und Neugier – diese Gegensätze treiben den Film an. Ob das Resultat über das Erwartbare hinausgeht oder genau darin verbleibt, was sein Sujet verspricht?

Besetzung, Regie und Drehorte

Die Croods“ entstand unter der Regie von Kirk DeMicco und Chris Sanders, der zuvor mit „Lilo & Stitch“ bei Disney Erfahrungen im Animationsbereich gesammelt hatte. Das Drehbuch schrieben beide gemeinsam, die Produktion übernahm DreamWorks Animation. Der Film hatte seine Weltpremiere im Februar 2013 auf der Berlinale, wo er außer Konkurrenz gezeigt wurde. In den amerikanischen Kinos startete er am 22. März 2013 über 20th Century Fox – dem ersten Film im Rahmen einer neuen Vertriebsvereinbarung zwischen beiden Studios.

Die Originalstimmen verliehen dem Film ein hochkarätiges Ensemble. Nicolas Cage sprach den übervorsichtigen Familienvater Grug, Emma Stone übernahm die neugierige Tochter Eep und Ryan Reynolds gab dem erfinderischen Außenseiter Guy seine Stimme. Catherine Keener, Cloris Leachman und Clark Duke vervollständigten die Familie. In der deutschen Synchronfassung, betreut von der FFS Film- & Fernseh-Synchron GmbH, sprach Uwe Ochsenknecht den Patriarchen, während Janin Reinhardt und Kostja Ullmann die Rollen von Eep und Guy übernahmen.

Der Film läuft 98 Minuten und trägt die Altersfreigabe FSK 0. Die Musik komponierte Alan Silvestri, der dafür 2013 den BMI Film & TV Award gewann. Das Werk war 2014 für den Oscar als bester animierter Spielfilm nominiert und erhielt den Annie Award in drei Kategorien. Ein Nachfolger erschien 2020, dazu entstanden zwei Zeichentrickserien.

Handlung & Inhalt vom Film „Die Croods“

Die Familie Crood lebt in einer Steinzeithöhle, streng abgeschottet von der Außenwelt. Vater Grug regiert mit einem einfachen Prinzip: Wer sich nicht bewegt, stirbt nicht. Die Familie hat Erdbeben, Raubtiere und alle Launen der Natur überlebt, weil Grug stets auf Sicherheit durch Stillstand setzte. Tochter Eep leidet unter diesen Regeln. Sie ist neugierig, impulsiv, lebenshungrig – und damit in ihrer eigenen Familie eine Fremde. Als sie eines Nachts einem Lichtschein folgt, trifft sie auf Guy, einen jungen Nomaden mit einem Haustier-Faultier namens Klammer und einer Fähigkeit, die in der Welt der Croods geradezu magisch wirkt: Er denkt in die Zukunft.

Guy warnt Eep vor einer nahenden Katastrophe. Sie kehrt dennoch zur Familie zurück – und kurz darauf bewahrheitet sich seine Warnung. Ein gewaltiges Erdbeben zerstört die Höhle der Croods und reißt die vertraute Landschaft auf. Die Familie flieht in eine fremdartige Dschungelwelt, die nichts mit ihrem bisherigen Leben gemein hat. Dort lauern fantastische Mischwesen: ein Säbelzahn namens Chunky, Piranhavögel, geflügelte Bären und andere Kreaturen, die aussehen, als hätte die Evolution mehrere Experimente gleichzeitig gestartet. Grug lässt Guy als Führer mitlaufen, hält ihn aber zunächst buchstäblich in einem Baumstamm gefangen.

Aufbruch in unbekanntes Terrain

Mit zunehmender Dauer der Reise gewinnt Guy das Vertrauen der Familie. Er erfindet primitive Schuhe, legt Fallen für Beutetiere und spricht von einem Ort namens Morgen – einer lichtdurchfluteten Zukunft jenseits der Angst. Während die übrige Familie sich auf diese Idee einlässt, wächst Grugs Unbehagen. Er erkennt, dass nicht er es ist, der seine Familie führt, sondern ein Fremder. Seine Versuche, selbst erfinderisch zu werden, scheitern kläglich und distanzieren ihn von den Menschen, die er schützen will. Der Konflikt zwischen dem Patriarchen und dem Ideengeber spitzt sich zu, bis beide in einen Teerfluss stürzen.

In dieser erzwungenen Zweisamkeit öffnet sich Guy: Er verlor seine eigene Familie durch genau solch ein Unglück. Grug, bewegt von dieser Geschichte, schlägt einen gemeinsamen Ausweg vor. Mit einer List, die Chunky einschließt, entkommen beide. Doch die Erde bricht weiter auseinander. An einer riesigen Kluft, wo Kontinente auseinanderdriften, muss Grug eine Entscheidung treffen: Er schleudert Frau, Kinder, Schwiegermutter und Guy auf die sichere Seite – und bleibt allein zurück.

Allein mit Chunky, der sich als ebenso ängstlich erweist wie er selbst, entwickelt Grug seinen bisher kühnsten Einfall. Aus Teer, Feuer, Walknochen und den gefräßigen Piranhavögeln baut er ein behelfsmäßiges Luftschiff, das ihn und Chunky über die Kluft zur Familie trägt. Auf der anderen Seite erwartet ihn fruchtbares Land, das Meer in der Ferne und eine Familie, die ihn willkommen heißt. Eep gibt ihm das zurück, was er ihr zuvor erstmals geschenkt hatte: eine Umarmung. Die Croods beginnen ein neues Leben – diesmal unter freiem Himmel.

Filmkritik und Fazit zum Film „Die Croods“

Die Croods“ trägt seinen zentralen Konflikt offen vor sich her: der ängstliche Bewahrer gegen den neugierigen Erneuerer. Chris Sanders und Kirk DeMicco lösen diesen Gegensatz nicht mit subtiler Charakterentwicklung, sondern mit kinetischer Energie. Die Verfolgungssequenzen gehören zu den handwerklich stärksten Momenten des Films – insbesondere der Eröffnungs-Eierraub, der eine familiäre Chaos-Choreografie entfaltet, die rasant und präzise zugleich wirkt. Alan Silvestris Filmmusik trägt diese Sequenzen mit perkussiver Wucht, ohne je in sentimentale Untermalung zu verfallen. Das Sounddesign folgt der gleichen Logik: laut, direkt, effektiv.

Wo die Inszenierung überzeugt, schwächelt das Drehbuch in seiner Figurenzeichnung. Grug ist interessanter als die meisten Väter ähnlicher Familienanime, weil sein Konservatismus nicht Bösartigkeit, sondern Trauma entspringt. Eep hingegen bleibt trotz Emma Stones lebhafter Stimme oft auf die Rolle der aufbegehrenden Tochter reduziert. Die farbenfrohe Fantasiefauna, die zwischen Avatar-Ästhetik und LSD-Biologie changiert, liefert die stärksten visuellen Akzente des Films und kommt der technischen Sorgfalt in der Ausleuchtung zugute – ein Aspekt, der dem Animationskino dieser Ära deutlich mehr Tiefe verleiht als bloße Farbsättigung.

Wer DreamWorks-Produktionen dieser Ära kennt, wird „Die Croods“ als solide Familienunterhaltung mit echten Höhenmomenten einordnen – nicht als Meilenstein des Genres, aber auch nicht als enttäuschtes Versprechen. Der Film lohnt sich besonders für ein junges Publikum und alle, die Freude an überdrehter Prähistorik haben. Wer Tiefe in der Figurenentwicklung sucht, findet sie in Ansätzen – und wird die turbulenten Actionsequenzen als angemessene Entschädigung akzeptieren.

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