Pets
Wenn Haustiere reden könnten – wirklich reden, nicht nur bellen oder schnurren –, dann wäre die Frage, was sie hinter geschlossenen Türen treiben, längst beantwortet. Illumination Entertainment hat sich dieser Neugier angenommen. Herausgekommen ist „Pets“ aus dem Jahr 2016, ein Computeranimationsfilm, der die vertraute Kulisse Manhattans zur Spielwiese für eine tierische Gesellschaftskomödie macht. Die Prämisse ist einfach, die Umsetzung temporeich.

| Dauer: | 87 Min. |
|---|---|
| FSK: | PG (US) |
| Jahr: | 2016 |
| Kategorien: | Animation |
| Regie: | Chris Renaud |
| Produzenten: | Chris Meledandri, Janet Healy |
| Hauptdarsteller: | Louis C.K., Eric Stonestreet, Kevin Hart |
| Nebendarsteller: | Jenny Slate, Ellie Kemper, Albert Brooks, Lake Bell |
| Studio: | Illumination, Universal Pictures |
Was lockt das Publikum in diesen Film? Es ist nicht die Originalität des Konzepts. Es ist der Versprechen, den Alltag aus einer Perspektive zu erleben, die wir uns täglich vorstellen, ohne sie je zu kennen. Was genau tun Max, Chloe und die anderen, wenn die Wohnungstür ins Schloss fällt – und wie viel Chaos verbirgt sich hinter dieser scheinbar harmlosen Frage?
Besetzung, Regie und Drehorte
„Pets“ entstand unter der Regie von Chris Renaud, bekannt durch die „Ich – Einfach unverbesserlich“-Reihe, und Yarrow Cheney. Das Drehbuch verfassten Brian Lynch, Cinco Paul und Ken Daurio. Produziert wurde der Film von Illumination Entertainment unter der Leitung von Chris Meledandri und Janet Healy, vertrieben von Universal Pictures. Die Musik stammt von Alexandre Desplat, den Schnitt übernahm Ken Schretzmann. Die Animation entstand vollständig in Frankreich bei Illumination Mac Guff.
Im englischsprachigen Original sprechen Louis C.K. als Terrier Max, Eric Stonestreet als Neufundländer Duke und Jenny Slate als Zwergspitz Gidget. Kevin Hart leiht dem Bösewicht-Kaninchen Snowball die Stimme, Albert Brooks spricht den Falken Tiberius. Die deutsche Synchronfassung entstand bei der Interopa Film nach Dialogbuch und Dialogregie von Frank Schaff, mit Jan Josef Liefers, Dietmar Bär und Jella Haase in zentralen Rollen. Fahri Yardim übernimmt die Rolle des Snowball.
Der Film feierte am 16. Juni 2016 Premiere beim renommierten Festival d’Animation in Annecy und kam am 28. Juli 2016 in die deutschen Kinos. Die Laufzeit beträgt 86 Minuten, die FSK-Freigabe gilt ab 0 Jahren. Weltweit spielte der Film rund 885 Millionen US-Dollar ein und zählte damit zu den kommerziell erfolgreichsten Produktionen des Jahres 2016. Eine Fortsetzung erschien 2019.
Handlung & Inhalt vom Film „Pets“
Manhattan, ein Herbsttag. Der Jack Russell Terrier Max bewohnt eine gemütliche Wohnung mit seiner Besitzerin Katie und führt ein Leben, das er als nahezu vollkommen betrachtet. Jeden Morgen verlässt Katie das Haus, und Max verbringt die Zeit mit seinen Nachbartieren: der Katze Chloe, der Zwergspitzdame Gidget, dem Mops Mel, dem Dackel Buddy und dem Wellensittich Sweetpea. Jeder hat seine Eigenarten, jeder seine Routinen. Die Gemeinschaft funktioniert nach eigenen Regeln – still, unbeobachtet, eingespielt.
Das Gleichgewicht bricht, als Katie einen zweiten Hund nach Hause bringt: Duke, einen wuchtigen Neufundländer-Mischling, frisch aus dem Tierheim. Max reagiert mit offener Eifersucht. Die beiden Hunde geraten schnell in Konkurrenz, und als sie gemeinsam in die Innenstadt geraten, endet der Ausflug abrupt. Straßenkatzen entreißen ihnen die Halsbänder. Tierfänger halten sie für herrenlose Streuner. Plötzlich stehen Max und Duke allein mitten in der Stadt, ohne Halsband, ohne Schutz – und ohne jeden Plan.
Flucht, Verfolgung und ein Kaninchen mit Agenda
Gerettet werden sie zunächst von Snowball, einem weißen Kaninchen mit messerscharfem Mundwerk und zugleich tief verwurzeltem Misstrauen gegenüber allem Menschlichen. Dabei führt Snowball die „Weggeworfenen Haustiere“ an, also eine Gruppe ausgesetzter Tiere, die Menschen grundsätzlich als Feinde betrachten. Max und Duke spielen zunächst mit und geben daher vor, ebenfalls auf Menschenhass zu setzen, doch die Tarnung hält nicht lange. Denn die Straßenkatzen verraten die beiden, woraufhin Snowball Rache schwört. Gleichzeitig sucht Duke zudem einen alten Bekannten auf, nämlich Fred, seinen früheren Besitzer, und das Haus ist tatsächlich noch da.
Fred jedoch ist tot, sodass Duke vor seiner leeren Vergangenheit steht und deshalb die neuen Bewohner anbellt. Währenddessen greifen Tierfänger ihn erneut auf, und zugleich versucht Max, zu retten, was zu retten ist, wird dabei jedoch schließlich von Snowball gestellt. Gleichzeitig handelt Gidget, die Zwergspitzdame aus der Nachbarschaft, die Max zudem in stiller Zuneigung verfehlt, und sie organisiert daraufhin einen Rettungstrupp, zieht außerdem Freunde sowie einen halb zahmen Rotschwanzbussard von einem Dachverschlag in die Aktion ein. So wird die Stadt schließlich zur Bühne für zwei gleichzeitig laufende Rettungsaktionen.
Snowballs eigene Gruppe gerät in die Hände der Tierfänger. Das zwingt ihn zum Kurswechsel. Er verbündet sich mit Max, um gemeinsam die Gefangenen zu befreien. Sie stehlen einen Stadtbus, rammen damit den Tierfänger-Transporter, und Chaos entfaltet sich mit vollem Einsatz auf einer Brücke über dem Fluss. Der Transporter stürzt ins Wasser – mit Max und Duke. Snowball springt hinterher und reicht Max die Schlüssel zum Entkommen. Alle werden gerettet. Snowball wird wenig später von einem kleinen Mädchen adoptiert und legt den Hass ab. Max und Duke kehren nach Hause zurück, wo Katie auf sie wartet.
Filmkritik und Fazit zum Film „Pets“
„Pets“ funktioniert am stärksten dort, wo Regie und Animation an einem Strang ziehen: in den kinetischen Großstadtsequenzen, die Manhattan als vertikale Spielwiese nutzen und Bewegung, Tiefe und Tempo im 3D-Raum virtuos ausreizen. Chris Renaud zeigt ein sicheres Gespür für das Timing von Slapstick – besonders in der Wurstfabrik-Sequenz, in der Max und Duke ein surreales Fressbündnis schließen, das fast musicalhafte Züge annimmt. Alexandre Desplats Score hält sich dabei klug zurück und verstärkt die Komik, ohne sie zu erklären.
Was der Film weniger souverän handhabt, ist die emotionale Substanz. Der Besuch bei Dukes früherem Zuhause versucht Tiefe anzubieten, bleibt aber zu kurz und zu unvorbereitet, um wirklich zu landen. Das Tempo, das den Film trägt, arbeitet hier gegen die eigene Absicht – wer nie pausiert, kann auch nicht berühren. Snowball als Antagonist ist dagegen eine der stärkeren Figuren: widersprüchlich, komisch und mit einem täuschend harmlosem Äußeren ausgestattet, das seinen Furor erst recht kontrastiert. Die Animationsarbeit an New York selbst verdient gesonderte Erwähnung – die Stadt leuchtet in einem künstlich warmen Herbstlicht, das an Technicolor-Ästhetik erinnert und der Handlung einen eigentümlichen Märchenton verleiht.
„Pets“ ist kein Film, der seinen Figuren viel Zeit zum Atmen lässt – und das ist sowohl Stärke als auch Grenze. Für Familien mit Kindern, die schnelle Handlung und visuellen Einfallsreichtum schätzen, liefert er zuverlässig. Wer darüber hinaus nach emotionaler Resonanz sucht, wird feststellen, dass das Tempo sie meistens überholt. Als kurzweiliges Großstadtabenteuer mit präzisem Animationshandwerk und einer Handvoll wirklich erfindungsreicher Szenen lohnt sich der Film – mit angepassten Erwartungen.