Papillon

Es gibt Stoffe, die scheinen abgeschlossen. Henri Charrières Fluchtgeschichte aus der Strafkolonie von Cayenne gehört dazu – spätestens seit Franklin J. Schaffner sie 1973 mit Steve McQueen und Dustin Hoffman zum Mythos erhoben hat. Nun wagt der dänische Regisseur Michael Noer eine zweite Runde. Sein „Papillon“ tritt gegen ein Monument an. Das ist mutig. Und riskant zugleich.

Papillon
Dauer: 133 Min.
FSK: 12 (DE)
Jahr: 2017
Kategorien: Abenteuer, Drama
Regie: Michael Noer
Produzenten: Ram Bergman, David Koplan, Roger Corbi, Joey McFarland
Hauptdarsteller: Charlie Hunnam, Rami Malek, Christopher Fairbank
Nebendarsteller: Eve Hewson, Michael Socha, Brian Vernel, Nicholas Asbury
Studio: Red Granite Pictures, Czech Anglo Pictures, FishCorb Films

Noer interessiert sich weniger für die Ikonografie des Ausbruchs als für die Mechanik einer Zweckgemeinschaft, die sich erst spät als Freundschaft zu erkennen gibt. Zwischen dem Pariser Tresorknacker Papillon und dem schmalbrüstigen Fälscher Louis Dega entsteht ein Zweckbündnis, das die Hölle überdauern soll. Der Regisseur erzählt diese Annäherung in kühlen, erdigen Bildern. Er vertraut seinen Schauspielern. Was bleibt, wenn der Mythos verblasst und nur zwei Männer übrig sind?

Besetzung, Regie und Drehorte

Der 2017 entstandene Spielfilm „Papillon“ wurde von Michael Noer inszeniert und feierte am 7. September 2017 beim Toronto International Film Festival seine Premiere. Das Drehbuch stammt in seinen Grundzügen bereits von Dalton Trumbo und Lorenzo Semple Jr., die die literarische Vorlage schon für die Verfilmung von 1973 adaptiert hatten. Die Musik komponierte David Buckley. Hinter der Kamera stand der Berliner Hagen Bogdanski, bekannt für „Das Leben der Anderen“. Für den Schnitt zeichnen John Axelrad und Lee Haugen verantwortlich.

Charlie Hunnam übernimmt die Rolle des Henri Charrière und verleiht der Figur eine physisch präsente Härte. Rami Malek spielt den Fälscher Louis Dega als fragilen, hochintelligenten Gegenentwurf. Eve Hewson ist als Nenette zu sehen, Roland Møller verkörpert den eiskalten Mitflüchtling Celier. In weiteren Rollen agieren Tommy Flanagan als Breton, Michael Socha als Julot und Joel Basman als Maturette. Yorick van Wageningen spielt den sadistischen Direktor Barrot. Die deutsche Synchronregie übernahm Christoph Cierpka.

Mit einer Laufzeit von 117 Minuten und einer Altersfreigabe ab zwölf Jahren kam der Film am 26. Juli 2018 in die deutschen Kinos, einen knappen Monat vor dem US-Start am 24. August 2018. Gedreht wurde ab September 2016 in Belgrad sowie in den montenegrinischen Städten Ulcinj, Kotor und Niksic. Weitere Drehtage führten das Team nach Kalkara und Rabat auf Malta.

Handlung & Inhalt vom Film „Papillon“

Paris zu Beginn der 1930er Jahre: Henri Charrière, genannt Papillon, verdient sein Geld als Safeknacker im Schatten der Halbwelt. Dabei lebt er mit seiner Geliebten Nenette, tanzt in Nachtclubs und glaubt sich unverwundbar. Doch schließlich stürzt ihn ein Verrat aus den eigenen Reihen jäh ins Unglück. Infolgedessen hängt man ihm einen Mord an, den er nicht begangen hat. Daraufhin fällt das Urteil hart aus: lebenslange Zwangsarbeit in der berüchtigten Strafkolonie Französisch-Guayanas. Auf dem Schiff nach Südamerika begegnet er außerdem dem fragilen Fälscher Louis Dega, der Geldröhrchen verschluckt hat und dadurch sofort zur Zielscheibe wird.

Schon in der ersten Nacht an Bord eskaliert die Gewalt, denn ein Mitgefangener wird aufgeschlitzt, um an sein Geld zu gelangen. Dadurch erkennt Papillon rasch den Wert Degas in dieser Welt. Folglich bietet er ihm Schutz an, während Dega im Gegenzug die Finanzierung einer möglichen Flucht verspricht. Aus dieser Zweckbeziehung entwickelt sich allmählich eine stille Annäherung. In der Strafkolonie St. Laurent herrscht anschließend ein System aus Gewalt, Demütigung und Willkür: Die Wärter schlagen, die Aufseher guillotinieren, und der Dschungel verschluckt jeden Fliehenden. Dennoch scheitert Papillons erster Ausbruch bereits nach wenigen Stunden, woraufhin zwei Jahre Einzelhaft folgen.

Zwischen Dunkelzelle und offenem Meer

Währenddessen werden seine Rationen halbiert, sobald die Aufseher von der Zusatzversorgung erfahren. Dennoch verrät er den Namen seines Unterstützers – Dega – nicht. Nach seiner Rückkehr ist er zwar ausgemergelt, aber innerlich ungebrochen. Daraufhin entsteht der zweite Fluchtversuch aus der Krankenstation, wo Papillon Wahnsinn vortäuscht. Gleichzeitig arbeitet Dega, inzwischen Buchhalter des Direktors, heimlich an der Beschaffung von Geld und Medikamenten. Schließlich verspricht der skrupellose Celier ein Boot, während sich der missbrauchte Mithäftling Maturette anschließt. Gemeinsam brechen vier Männer in einer undichten Nussschale auf, während ein Sturm aufzieht.

An Bord eskaliert die Situation jedoch schnell, denn Celier will den verletzten Dega über Bord werfen. Deshalb stellt sich Papillon schützend dazwischen. Im darauffolgenden Gerangel sticht Dega schließlich zu und tötet Celier, während der Sturm das restliche Chaos verstärkt und das Boot sinken lässt. Danach finden die Überlebenden kurzzeitig Zuflucht in einem kolumbianischen Nonnenkloster, doch schon bald rücken die Behörden an. Infolgedessen wird Maturette erschossen, während Papillon erneut in Ketten auf die Îles du Salut gebracht wird – diesmal für fünf Jahre Einzelhaft. Gleichzeitig wird Dega auf die Teufelsinsel verlegt, von der angeblich niemand entkommt.

Als Papillon schließlich dort ankommt, ist er ein gealterter, ausgezehrter Mann. Dennoch findet er Dega wieder, der sich längst mit dem Gefängnis arrangiert hat und Flucht für unmöglich hält. Trotzdem beginnt Papillon erneut zu planen, indem er Kokosnüsse zu einem Floß verbindet. Schließlich wartet er auf die richtige Welle und springt von den Klippen ins Meer. Letztlich trägt ihn das Wasser in die Freiheit. Nach seiner Rückkehr verfasst er seine Memoiren, die später zum Bestseller werden, während ein Nachspann daran erinnert, dass über 80.000 Häftlinge verschleppt wurden – und dass Papillon als einer der wenigen überlebte.

Filmkritik und Fazit zum Film „Papillon“

Michael Noers „Papillon“ steht unter einem doppelten Druck. Er muss sich gegen Schaffners Klassiker behaupten und zugleich eigenständig wirken. Das gelingt ihm am überzeugendsten dort, wo er die Figuren vom Mythos befreit. Hunnam spielt Papillon weniger als unbezähmbaren Rebell denn als Mann, der sein Überleben in körperlicher Arbeit organisiert. Malek gibt Dega eine eigene, zerbrechliche Note, jenseits der bekannten Nickelbrille. Hagen Bogdanskis Kamera findet erdige Farben, feuchte Hitze, einen grünlichen Schimmer des Verfalls.

Die Inszenierung bleibt dennoch merkwürdig distanziert. Wo Schaffner körperlich spürbar machte, was Jahre der Isolation mit einem Menschen anstellen, wahrt Noer Abstand. Die Folterszenen wirken inszeniert, die Einzelhaft zu ästhetisch ausgeleuchtet. David Buckleys Musik unterstreicht das Geschehen solide, ohne eigene Akzente zu setzen. Stärke zeigt der Film in den ruhigen Momenten: im stillen Wortwechsel zwischen zwei Männern, die sich ihre Verwundbarkeit eingestehen. Der schwebende Kokossack-Sprung von der Klippe fängt etwas ein, das über den Genrerahmen hinausweist.

Noer legt ein handwerklich sicheres, schauspielerisch getragenes Gefängnisdrama vor. Die existenzielle Wucht des Vorgängers erreicht er nicht, dafür verschiebt er den Fokus glaubwürdig auf die Freundschaft zweier Ungleicher. Wer die Vorlage von 1973 nicht im Kopf trägt, wird einen würdigen Überlebensfilm sehen. Genrefreunde finden ein stilvolles Remake, das sich vorsichtig der Figur nähert, statt sie zu verklären.

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