Legend of Tarzan

Der Mythos des Dschungelmannes hat viele Gesichter. Seit Edgar Rice Burroughs ihn 1912 ersann, wurde Tarzan verfilmt, verharmlost, gezeichnet und wieder neu erfunden. „Legend of Tarzan“ aus dem Jahr 2016 unternimmt einen weiteren Anlauf – und wählt dabei einen ungewöhnlichen Weg. Regisseur David Yates erzählt keine schlichte Ursprungsgeschichte, sondern greift tiefer in die Biografie seiner Figur hinein. Was ihn interessiert, ist der Mann, der Tarzan einmal war.

Legend of Tarzan
Dauer: 105 Min.
FSK: 12 (DE)
Jahr: 2016
Kategorien: Abenteuer, Action
Regie: David Yates
Produzenten: Jerry Weintraub, David Barron, Alan Riche, Tony Ludwig
Hauptdarsteller: Alexander Skarsgård, Christoph Waltz, Samuel L. Jackson
Nebendarsteller: Margot Robbie, Djimon Hounsou, Jim Broadbent, Casper Crump
Studio: Village Roadshow Pictures, Dark Horse Entertainment, Beagle Pug Films, Jerry Weintraub Productions, RatPac Entertainment, Riche Productions, Warner Bros. Pictures

Der zivilisierte Lord Greystoke und der wilde Tarzan – sie bewohnen denselben Körper, teilen sich dieselbe Erinnerung, aber keinen Frieden miteinander. Diese innere Spannung ist der eigentliche Motor des Films. Ob er sie konsequent genug ausschöpft, ob er ihr den Raum lässt, den eine solche Geschichte verdient – das ist die Frage, die den Zuschauer durch 109 Minuten begleitet.

Besetzung, Regie und Drehorte

Legend of Tarzan“ ist ein US-amerikanischer Abenteuerfilm aus dem Jahr 2016. David Yates führte Regie, der sich zuvor mit vier Filmen der Harry-Potter-Reihe einen Namen gemacht hatte. Das Drehbuch stammt von Adam Cozad und Craig Brewer, basierend auf Edgar Rice Burroughs‘ Roman „Tarzan bei den Affen“ von 1912. Die Produktion verantworteten unter anderem Jerry Weintraub und David Barron, die Kamera lag in den Händen von Henry Braham. Die Filmmusik komponierte Rupert Gregson-Williams.

Die Hauptrolle des Tarzan übernahm Alexander Skarsgård, nachdem zuvor Tom Hardy und Henry Cavill für die Rolle im Gespräch gewesen waren. Margot Robbie spielt Jane Porter, Christoph Waltz den Antagonisten Captain Léon Rom. Samuel L. Jackson verkörpert den US-Gesandten George Washington Williams, Djimon Hounsou den Stammesführer Mbonga. John Hurt ist als Professor Archimedes Q. Porter zu sehen, Jim Broadbent als britischer Premierminister.

Die Dreharbeiten fanden von Juni bis Oktober 2014 überwiegend in den Warner Bros. Studios Leavesden statt. Außenaufnahmen entstanden in Gabun. Alle Tiere im Film, von den Mangani bis zur Gnu-Herde, wurden vollständig am Computer generiert. Die ursprünglich auf 65 Millionen US-Dollar veranschlagten Produktionskosten stiegen schließlich auf 180 Millionen US-Dollar. Der Film trägt die FSK-Freigabe ab 12 Jahren und wurde bei den Saturn Awards 2017 als Bester Action-/Adventurefilm nominiert.

Handlung & Inhalt vom Film „Legend of Tarzan“

Ende des 19. Jahrhunderts stranden John Clayton II. und seine Frau Alice im Kongo. Sie bringen einen Sohn zur Welt, doch beide Eltern sterben früh – die Mutter eines natürlichen Todes, der Vater im Kampf mit den Mangani, einer fiktionalen, gorillaähnlichen Affenart. Das Weibchen Kala nimmt den Jungen auf und zieht ihn gemeinsam mit ihrem leiblichen Sohn Akut als Tarzan groß. Der Junge wächst in der Sprache der Tiere auf, lernt den Dschungel kennen und besteht seine Bewährungsproben. Als Erwachsener begegnet er Jane Porter, der Tochter eines Gelehrten, die bei einem Eingeborenenstamm lebt. Er tötet den Sohn des Häuptlings Mbonga – als Reaktion darauf, dass dieser zuvor Kala getötet hatte, um seine Männlichkeit zu beweisen.

Acht Jahre später lebt John Clayton III. als Lord Greystoke in London – weit entfernt von Afrika und der Welt, die ihn geformt hat. Der belgische König Leopold II., finanziell am Ende, hat seinen Gefolgsmann Captain Léon Rom in den Kongo entsandt, um die Diamantminen von Opar ausfindig zu machen. Rom überlebt einen Überfall von Mbongas Kriegern und schließt einen finsteren Pakt mit dem Häuptling: Er werde Tarzan ausliefern – als Rache für den Tod von Mbongas Sohn – und dafür die Diamanten erhalten. Der Premierminister überredet John, als Sonderbotschafter in den Kongo zu reisen. Erst der US-Gesandte George Washington Williams, der Beweise für die Versklavung der Kongolesen sammeln will, bringt John dazu einzuwilligen. Er reist mit Williams und Jane in die Heimat seiner Kindheit.

Jagd durch den Dschungel

Als die Gruppe das Dorf erreicht, in dem Jane aufgewachsen ist, schlägt Rom zu. Er überfällt das Dorf, erschießt den Häuptling und nimmt Jane als Geisel auf sein Flussboot. John kann entkommen, doch seine Frau ist in Roms Händen. Gemeinsam mit Williams macht er sich auf den Weg, um Jane zu retten. Die beiden entern einen fahrenden Zug, befreien gefangene Eingeborene und erfahren von Roms eigentlichem Plan: Er will die Diamanten nutzen, um eine Söldnerarmee zu bezahlen, die den Kongo vollständig unter Leopolds Kontrolle bringen soll.

Um Rom schneller einzuholen, durchquert John das Territorium der Mangani. Akut, sein einstiger Ziehbruder, betrachtet ihn mittlerweile als Verräter und greift an. John unterliegt im Kampf und wird verletzt. Unterdessen erlebt Jane ihre eigene Odyssee an Bord von Roms Boot. Sie wird zum Dinner gezwungen, erfahre von Roms Plänen und flieht schließlich mit dem Krieger Wasimbu. Sie gelangt zu den Mangani, doch Rom erscheint mit seinen Männern und tötet mehrere der Tiere. John, durch den Lärm aufmerksam geworden, rettet Akut das Leben – ein Wendepunkt, der den Sinneswandel des Tieres einleitet.

In Opar stellt sich John Häuptling Mbonga, doch der Kampf endet ohne Sieger und mit gegenseitigem Verständnis. John gesteht frühere Schuld, während Williams Mbonga erklärt, dass Rom ihn nur ausnutzt. Akut wechselt die Seiten. In Boma lösen John, Williams, Akut und Löwen eine Gnu-Stampede aus, die das Militärlager zerstört; Sklaven werden befreit. Roms Flucht endet tödlich auf dem Fluss durch Krokodile. Frum zieht ab. Williams legt Beweise im britischen Parlament vor. John und Jane bleiben in Afrika, bekommen ein Kind. Am Ende kehrt John zu den Mangani zurück – Tarzan findet seine Heimat erneut.

Filmkritik und Fazit zum Film „Legend of Tarzan“

Legend of Tarzan“ versucht etwas, das im modernen Blockbusterkino selten gelingt: Er behandelt eine vertraute Figur als erwachsenes Sujet. Die Entscheidung, keine geradlinige Ursprungsgeschichte zu erzählen, sondern mit eingewobenen Rückblenden zu arbeiten, verleiht dem Film dramatische Substanz. Alexander Skarsgård trägt diese Konstruktion mit stiller Wucht; seine Melancholie wirkt organisch, nie gespielt. Christoph Waltz liefert in der Rolle des Captain Rom eine konzentrierte Bösewicht-Zeichnung ab – präzise kalibriert, wenn auch in gewohnten Bahnen. Margot Robbie gestaltet Jane mit spürbarem Eigensinn und entzieht sich damit dem Klischee der hilflosen Gesandtschaft.

Was David Yates an Inszenierung gelingt, ist nicht wenig. Die Sequenzen, in denen Tarzan sich von Liane zu Liane schwingt, verbinden Tempo und Eleganz zu einem visuellen Erlebnis, das den Saal in Bewegung versetzt. Rupert Gregson-Williams‘ Filmmusik atmet mit dem Rhythmus des Dschungels, ohne aufdringlich zu werden. Die computergenerierten Tiere halten einem Vergleich mit den besten CGI-Produktionen der Zeit stand. Dennoch bleiben Risse sichtbar: Wo Mensch und Rechentier aufeinandertreffen, wirken die Welten zuweilen inkompatibel, die Interaktion bleibt an einzelnen Stellen merklich künstlich. Der Showdown mit der Gnu-Stampede ist spektakulär konzipiert, leidet jedoch daran, dass er das eigentliche Drama unter seinen Hufen begräbt.

„Legend of Tarzan“ ist ein Film, der mehr Ambition trägt als er am Ende einlöst – und der dennoch mehr zu bieten hat als sein Genre-Ruf vermuten lässt. Er eignet sich für Zuschauer, die das Abenteuergenre mit Substanz schätzen und bereit sind, über Schwächen in der CGI-Integration und gelegentliche Drehbuch-Unebenheiten hinwegzusehen. Wer hingegen nahtlose Perfektion erwartet, wird an einzelnen Stellen zu kämpfen haben. Als Hommage an eine Figur, die das 20. Jahrhundert geprägt hat, findet dieser Film zu überraschenden Momenten – und hinterlässt, trotz allem, einen Abdruck.

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