(500) Days of Summer
Manche Filme lieben das Genre, das sie bedienen. Andere misstrauen ihm. „(500) Days of Summer“ gehört in die zweite Kategorie, und genau daraus bezieht er seine Reibung. Marc Webbs Regiedebüt aus dem Jahr 2009 zerlegt das romantische Schema in seine Einzelteile. Aus diesen Splittern setzt der Film eine Erzählung zusammen, die weniger Liebesgeschichte als Nachlassverwaltung eines Gefühls ist. Das Ergebnis wirkt leichtfüßig und zugleich tief melancholisch.

| Dauer: | 95 Min. |
|---|---|
| FSK: | PG-13 (US) |
| Jahr: | 2009 |
| Kategorien: | Drama, Romantik |
| Regie: | Marc Webb |
| Produzenten: | Mason Novick, Jessica Tuchinsky, Steven J. Wolfe, Mark Waters |
| Hauptdarsteller: | Joseph Gordon-Levitt, Zooey Deschanel, Geoffrey Arend |
| Nebendarsteller: | Chloë Grace Moretz, Matthew Gray Gubler, Clark Gregg, Patricia Belcher |
| Studio: | Fox Searchlight Pictures, Watermark Pictures, Dune Entertainment III |
Erzählt wird die Begegnung zwischen einem Glückwunschkarten-Texter und einer Frau, die nicht an die Liebe glaubt. Der Film springt durch die 500 Tage ihrer Bekanntschaft, mal vorwärts, mal zurück, selten chronologisch. Diese fragmentierte Form ist kein bloßer Effekt. Sie verweist auf die Art, wie Erinnerungen arbeiten, wenn ein Herz sortiert, was geblieben ist. Was davon ist wahr gewesen? Was davon war immer schon Projektion?
Besetzung, Regie und Drehorte
Die Regie zu „(500) Days of Summer“ übernahm Marc Webb, der bis dahin vor allem Musikvideos inszeniert hatte. Das Drehbuch stammt von Scott Neustadter und Michael H. Weber, die nach eigener Aussage autobiografische Erfahrungen verarbeiteten. Produziert wurde der Film von Mason Novick, Jessica Tuchinsky, Mark Waters und Steven J. Wolfe. Für die Musik zeichnen Mychael Danna und Rob Simonsen verantwortlich. Die Kamera führte Eric Steelberg, den Schnitt besorgte Alan Edward Bell. Als Produktionsland sind die Vereinigten Staaten ausgewiesen.
Joseph Gordon-Levitt spielt Tom Hansen, den melancholischen Protagonisten mit dem Architektentraum. Zooey Deschanel verkörpert die rätselhafte Summer Finn. Chloë Grace Moretz übernimmt die Rolle von Toms jüngerer Schwester Rachel. Geoffrey Arend ist als Kollege McKenzie zu sehen, Matthew Gray Gubler spielt Toms Freund Paul. Weitere Rollen übernahmen Clark Gregg als Vance, Minka Kelly als Autumn sowie Patricia Belcher als Millie. Die Chemie zwischen Gordon-Levitt und Deschanel bildet das Zentrum des Films.
Die Laufzeit beträgt 95 Minuten, die FSK-Freigabe lautet ohne Altersbeschränkung. Das Budget belief sich auf 7,5 Millionen US-Dollar, das weltweite Einspielergebnis auf rund 61 Millionen. Bei den Golden Globes 2010 erhielt der Film eine Nominierung als bester Film in der Kategorie Komödie oder Musical. Gordon-Levitt und Deschanel wurden ebenfalls für Darstellerpreise nominiert. Neustadter und Weber erhielten den Hollywood Breakthrough Screenwriter Award.
Handlung & Inhalt vom Film „(500) Days of Summer“
Tom Hansen hat Architektur studiert. Dennoch spielt sich sein Alltag in einer Glückwunschkartenfirma in Los Angeles ab, wo er Texte für gedruckte Gefühle verfasst. An einem 8. Januar begegnet er Summer Finn, der neuen Assistentin seines Chefs Vance. Sofort entwickelt sich eine Anziehung, die Tom früh als Schicksalsbegegnung deutet. Beim Karaoke-Abend verrät sein Kollege McKenzie ihre Nähe zueinander, während Summer selbst deutlich reservierter bleibt. Außerdem stellt sie unmissverständlich klar, nicht an die wahre Liebe zu glauben und keine feste Beziehung zu suchen. Tom hört diese Worte zwar, ignoriert sie jedoch weitgehend, wodurch aus dieser Diskrepanz der zentrale Konflikt der folgenden Monate entsteht.
Daraufhin führt Tom Summer zu seinem Lieblingsort, einer Parkbank mit Blick auf eine besondere Gebäudekonstellation in Los Angeles. Zwischen den Parkhäusern erkennt er Architektur, die andere übersehen, wodurch diese Szene zum emotionalen Fixpunkt der Beziehung wird. Kurz darauf gerät Tom bei einem Date in ein Handgemenge, das durch Summer ausgelöst wird. Zwar folgt der erste Streit, dennoch versöhnen sich beide rasch wieder. Gleichzeitig strukturieren Zeitsprünge den Film, die durch Animationen eines Baumes dargestellt werden, dessen Vegetationsphasen Anfang und Ende des Gefühls spiegeln.
Zwischen Projektion und Ernüchterung
Schließlich endet die Beziehung am Tag 290. Nach einem Kinobesuch, bei dem sie „Die Reifeprüfung“ sehen, trennt sich Summer von Tom. Dadurch trifft ihn die Trennung besonders hart, weshalb sein Freund Rachel informiert, um ihn zu stabilisieren. Kurz darauf kündigt Summer ihre Stelle, während Toms Chef ihm vorschlägt, nun traurige Karten zu gestalten. Außerdem scheitert ein Blind Date mit Alison, da Tom ausschließlich über Summer spricht.
Monate später treffen sich beide erneut auf Millies Hochzeit. Zunächst sprechen sie im Zug, anschließend tanzen sie miteinander, und schließlich fängt Summer den Brautstrauß. Danach lädt sie Tom zu einer Party ein, ignoriert ihn jedoch weitgehend. Als Tom erkennt, dass sie einen Verlobungsring zeigt, verlässt er die Feier. In der Folge stürzt er in eine tiefe Depression, verlässt kaum noch die Wohnung und kündigt schließlich seine Stelle.
Erst ein Gespräch mit Rachel verändert seine Sichtweise. Dadurch erkennt er, dass seine Sehnsucht auf idealisierten Erinnerungen basiert. Im Rückblick versteht er zudem die Widersprüche, die er zuvor ignoriert hat. Schließlich bewirbt er sich wieder als Architekt. Am Tag 488 trifft er Summer zufällig erneut an der Parkbank, wo sie ihr Vergangenes reflektieren. Danach wünscht er ihr alles Gute zur Ehe, und nur wenige Tage später, am 23. Mai, sitzt er in einem Vorstellungsgespräch neben einer Frau namens Autumn und lädt sie spontan auf einen Kaffee ein.
Filmkritik und Fazit zum Film „(500) Days of Summer“
„(500) Days of Summer“ verweigert dem Publikum die romantische Beruhigung und gewinnt gerade dadurch an Haltung. Marc Webbs Regie verrät seine Herkunft aus dem Musikvideo, ohne darin zu verharren. Die Bildsprache Eric Steelbergs nutzt warme, leicht verwaschene Farben, die eine Erinnerungsqualität erzeugen. Das Sounddesign arbeitet mit präzise gesetzten Songs von The Smiths, Regina Spektor und Hall & Oates. Die Split-Screen-Sequenz zwischen Erwartung und Realität gehört zu den analytisch schärfsten Momenten des Films. Hier wird sichtbar, wie Wunsch und Wahrnehmung auseinanderfallen.
Joseph Gordon-Levitt trägt die emotionale Last des Films mit einer Mimik, die zwischen Euphorie und Erschöpfung oszilliert. Zooey Deschanel bleibt in ihrer Rolle bewusst unzugänglich, was dramaturgisch notwendig und zugleich problematisch ist. Summer existiert fast ausschließlich als Projektionsfläche. Die fragmentierte Erzählstruktur wirkt anfangs spielerisch, entfaltet ihre Logik jedoch erst rückblickend. Die animierte Musical-Sequenz nach der ersten gemeinsamen Nacht übersetzt Toms Hochgefühl in ein visuelles Crescendo, ohne in bloße Albernheit zu kippen. Tempo und Tonfall bleiben durchgehend kontrolliert.
Webbs Debüt gelingt das Schwierige: Er erzählt vom Scheitern einer Liebe, ohne in Zynismus oder falsche Tröstung zu verfallen. Wer das Genre liebt und zugleich seine Konventionen hinterfragt findet hier ein kluges, sprachlich wie visuell stimmiges Werk. Kleinere Schwächen, etwa die etwas eindimensional gezeichnete Summer, fallen im Gesamtgefüge kaum ins Gewicht. Ein Film für kulturinteressierte Zuschauer mit Sinn für melancholische Romantik.