Victoria, die junge Königin
„Victoria, die junge Königin“ verbindet historisches Drama mit persönlichen Konflikten am britischen Hof. Politische Interessen, familiäre Erwartungen und höfische Regeln bestimmen das Geschehen. Gleichzeitig rückt der Film eine junge Frau in den Mittelpunkt. Ihre Entscheidungen prägen früh ihren späteren Weg als Monarchin.

| Dauer: | 104 Min. |
|---|---|
| FSK: | 6 (DE) |
| Jahr: | 2009 |
| Kategorien: | Drama, Historisch |
| Regie: | Jean-Marc Vallée |
| Produzenten: | Martin Scorsese, Sarah Ferguson, Tim Headington, Graham King |
| Hauptdarsteller: | Emily Blunt, Rupert Friend, Paul Bettany |
| Nebendarsteller: | Miranda Richardson, Jim Broadbent, Thomas Kretschmann, Mark Strong |
| Studio: | GK Films, Mandate International, Sikelia Productions |
Victoria wächst unter strenger Kontrolle ihrer Mutter und Sir John Conroys auf. Gleichzeitig verfolgt König Leopold eigene Pläne für ihre Zukunft. Nach ihrer Thronbesteigung löst sie sich von alten Abhängigkeiten. Zugleich verändert Albert schrittweise ihren privaten und politischen Alltag. Ein Attentat stärkt schließlich ihre gemeinsame Verbindung dauerhaft. Wie verändert Verantwortung ihr Leben und ihre engsten Beziehungen?
Besetzung, Regie und Drehorte
„Victoria, die junge Königin“ (im Original mit dem Titel „The Young Victoria“) erschien 2009 und gehört zum historischen Drama sowie zum Liebesfilm. Jean-Marc Vallée führte Regie, während Julian Fellowes das Drehbuch schrieb. Ilan Eshkeri komponierte die Musik, und Hagen Bogdanski übernahm die Kamera. Jill Bilcock und Matt Garner verantworteten den Schnitt. Martin Scorsese, Graham King, Sarah Ferguson und Tim Headington produzierten den Film. Die Laufzeit beträgt 105 Minuten, zudem erhielt er die FSK-Freigabe ab null Jahren.
Emily Blunt spielt Königin Victoria, während Rupert Friend Prinz Albert verkörpert. Miranda Richardson übernimmt die Herzogin von Kent, und Mark Strong spielt Sir John Conroy. Jim Broadbent tritt als König William IV. auf, Harriet Walter als Königin Adelaide. Paul Bettany verkörpert Lord Melbourne, außerdem spielt Thomas Kretschmann König Leopold I. Jesper Christensen übernimmt Christian Friedrich von Stockmar, Jeanette Hain spielt Louise Lehzen. Julian Glover verkörpert den Duke of Wellington, während Michael Maloney Sir Robert Peel darstellt.
Die zehnwöchigen Dreharbeiten begannen im August 2007. Lincoln Cathedral ersetzte Westminster Abbey, während Osterley Park Innenräume des Buckingham Palace darstellte. Weitere Aufnahmen entstanden in Arundel Castle, Wilton House, Belvoir Castle und Ham House. Die Weltpremiere fand am 3. März 2009 in Bridport statt. Deutsche Kinos zeigten den Film ab 22. April 2010. Der Film gewann einen Oscar für das beste Kostümdesign. Außerdem erhielt er BAFTAs für Kostüme sowie Make-up und Haar.
Handlung & Inhalt vom Film „Victoria, die junge Königin“
Alexandrina Victoria wächst als voraussichtliche Thronfolgerin unter strenger Kontrolle im Kensington Palace auf. Ihre Mutter und Sir John Conroy bestimmen jeden Schritt ihres Alltags. Beide wollen ihre Abhängigkeit sichern und drängen sie zu einer Regentschaftserklärung. Diese Regelung würde Conroy bis zu ihrem fünfundzwanzigsten Geburtstag weitreichende Macht geben. Gleichzeitig verfolgt König Leopold von Belgien eigene politische Ziele. Er schickt seinen Neffen Albert nach England, damit dieser Victoria heiratet. Obwohl sie seine Absicht erkennt, entwickelt sich zwischen beiden ehrliche Zuneigung. Nach Alberts Rückkehr bleiben sie durch Briefe verbunden. Dennoch wahrt Victoria Abstand, weil sie künftig wirklich keine weitere Bevormundung mehr akzeptieren möchte.
Bei einem Empfang auf Windsor Castle beleidigt König William Victorias Mutter öffentlich. Zugleich erklärt er seinen Wunsch nach engerem Kontakt zur jungen Prinzessin. Conroy lehnt eine höhere finanzielle Unterstützung ab und bedrängt Victoria anschließend körperlich. Dadurch verschärft sich ihr Widerstand gegen ihn endgültig. Der König entsendet daraufhin Premierminister Lord Melbourne als politischen Berater. Victoria vertraut ihm und macht ihn zu ihrem Privatsekretär. Melbourne besetzt ihre Hofstellen jedoch mit Frauen aus whigtreuen Familien. Kurz nach Victorias achtzehntem Geburtstag stirbt William. Weil sie volljährig ist, entfällt jede Regentschaft. Als Königin entfernt sie Conroy sofort, hält Abstand zur Mutter und bezieht Buckingham Palace.
Politische Krise
Bei ihrer ersten Sitzung mit dem Kronrat verspricht Victoria lebenslangen Dienst am Land. Im neuen Palast erlebt sie erstmals persönliche Freiheit und politische Verantwortung. Königin Adelaide warnt sie jedoch vor einer zu starken Abhängigkeit von Melbourne. Während Alberts erneutem Besuch sprechen beide über soziale Missstände und gemeinsame Pflichten. Victoria weist eine engere Bindung trotzdem zurück, weshalb Albert England wieder verlässt. Bald verliert Melbourne die Mehrheit im Unterhaus und tritt zurück. Daraufhin bittet Victoria Robert Peel um die Bildung einer Regierung. Peel verlangt jedoch neue Hofdamen aus konservativen Familien. Victoria verweigert den Austausch, worauf Peel ablehnt. Deshalb beruft sie Melbourne erneut.
Die sogenannte Hofdamenkrise beschädigt Victorias Ansehen und löst Proteste vor dem Palast aus. Während dieser Belastung intensiviert sich ihr Briefwechsel mit Albert. Schließlich lädt sie ihn erneut persönlich nach Großbritannien ein. Da das Protokoll seinen Antrag verhindert, bittet Victoria selbst um seine Hand. Nach einer glücklichen Hochzeitsreise fühlt Albert sich am Hof zunehmend nutzlos. Königin Adelaide rät Victoria deshalb, ihm verantwortliche Aufgaben zu übertragen. Albert ordnet daraufhin den königlichen Haushalt neu und entlässt Conroy wegen finanzieller Unregelmäßigkeiten. Zugleich schützt er Victoria vor dem Einfluss Melbournes und Leopolds. Dennoch eskaliert ein Streit, als Albert eigenmächtig mit Peel über Victorias Hofdamen verhandelt.
Kurz darauf versucht ein Attentäter, Victoria während einer offenen Kutschfahrt zu erschießen. Albert wirft sich schützend vor sie und erleidet dabei eine Verletzung. Sein Einsatz beendet den Konflikt zwischen beiden und stärkt ihre Partnerschaft. Melbourne erkennt Alberts Bedeutung und ermutigt Victoria zu gemeinsamer Sozialarbeit. Später bringt Victoria ihr erstes Kind zur Welt. Dieses Ereignis führt auch zur Versöhnung mit ihrer Mutter. Zuvor hatte die Herzogin während der politischen Krise unterstützend geschrieben. In den folgenden Jahren arbeiten Victoria und Albert erfolgreich zusammen. Albert stirbt allerdings bereits mit zweiundvierzig Jahren. Victoria regiert dreiundsechzig Jahre und bleibt ihm bis zu ihrem Tod verbunden.
Filmkritik und Fazit zum Film „Victoria, die junge Königin“
„Victoria, die junge Königin“ verbindet Historienfilm und Charakterdrama mit kontrollierter Zurückhaltung. Jean-Marc Vallée vermeidet große Gesten und konzentriert sich auf Blicke, Pausen und Raumwirkung. Emily Blunt prägt jede Szene mit klarer Haltung und feinen Reaktionen. Rupert Friend ergänzt sie ruhig, glaubwürdig und ohne unnötige Betonung. Hagen Bogdanskis Kamera zeigt Paläste präzise, hält aber stets Nähe zu den Figuren. Dadurch wirkt die Ausstattung eindrucksvoll, jedoch nie bloß dekorativ.
Besonders stark gerät Victorias erste Sitzung vor dem Kronrat. Blunt zeigt Unsicherheit und Entschlossenheit zugleich, ohne den Moment zu überladen. Ebenso überzeugt die Kutschenszene nach dem Attentat durch knappe Bewegungen und kontrollierte Spannung. Ilan Eshkeris Musik unterstützt beide Szenen, ohne Gefühle vorzuschreiben. Schwächen entstehen vor allem durch ein gleichmäßiges Tempo und zu glatte Übergänge. Einige Konflikte verlieren dadurch an Schärfe und Gewicht. Dennoch bleibt die Figurenzeichnung geschlossen und glaubwürdig. Die Stärken überwiegen klar.
Vallée setzt weniger auf historische Größe als auf persönliche Abhängigkeiten und Machtverhältnisse. Das verleiht dem Film Ruhe, kostet jedoch stellenweise dramatische Energie. Die Inszenierung wahrt Distanz und schafft dennoch emotionale Nähe. Gerade Blunts Spiel verhindert jede starre Feierlichkeit. Friend entwickelt Albert als zurückhaltenden Gegenpol mit eigener Haltung. Wer rasantes Historienkino erwartet, könnte den Rhythmus als zu bedächtig empfinden. Für Liebhaber präziser Schauspielkunst funktioniert der „The Young Victoria“ jedoch überzeugend.