Das Leben des Brian

Die Komödie behauptet ihre Freiheit dort, wo das Heilige sich versperrt. Wenige Filme haben diese Grenze so präzise befragt wie „Das Leben des Brian„. Monty Pythons zweite Kinoarbeit aus dem Jahr 1979 bewegt sich auf vermintem Terrain. Sie zielt nicht auf den Glauben, sondern auf seine Verwalter und Verzerrer. Aus dieser Schärfe gewinnt der Film seine bis heute irritierende Aktualität. Religiöser und politischer Dogmatismus stehen gleichermaßen im Visier.

Monty Pythons - Das Leben des Brian
Dauer: 94 Min.
FSK: 12 (DE)
Jahr: 1979
Kategorien: Drama, Komödie
Regie: Terry Jones
Produzenten: John Goldstone
Hauptdarsteller: Graham Chapman, John Cleese, Terry Gilliam
Nebendarsteller: Eric Idle, Terry Jones, Michael Palin, Terence Bayler
Studio: Handmade Films, Python (Monty) Pictures

Regisseur Terry Jones inszeniert eine Geschichte, die parallel zur biblischen Erzählung verläuft, ohne sie zu spiegeln. Brian Cohen wird zur selben Stunde geboren wie Jesus – und zur Projektionsfläche einer Menge, die ihren Messias selbst herstellt. Der Film verwebt sketchhafte Strukturen mit einer durchgängigen Handlung. Dabei bleibt er stets seiner satirischen Haltung treu. Wie weit darf Komik gehen, wenn sie sich an heiligem Stoff reibt?

Besetzung / Schauspieler, Regie und Drehorte

Das Leben des Brian“ entstand 1979 als britische Produktion unter der Regie von Terry Jones. Das Drehbuch verfasste die Komikergruppe Monty Python kollektiv, bestehend aus Graham Chapman, John Cleese, Terry Gilliam, Eric Idle, Terry Jones und Michael Palin. John Goldstone übernahm die Produktion. Die Musik komponierten Geoffrey Burgon und Eric Idle gemeinsam. Hinter der Kamera stand Peter Biziou, für den Schnitt zeichnete Julian Doyle verantwortlich. Das Produktionsdesign verantwortete Terry Gilliam.

Graham Chapman spielt die Titelrolle des Brian Cohen sowie den Weisen aus dem Morgenland. Michael Palin verkörpert unter anderem Pontius Pilatus mit auffälligem Sprachfehler. John Cleese tritt als Reg, Centurio und Hohepriester auf. Terry Jones übernimmt die Rolle der Mutter Cohen, Eric Idle ist als Mr. Cheeky und Loretta zu sehen. Sue Jones-Davies spielt Judith Ischariot, Kenneth Colley verkörpert Jesus. Spike Milligan und Ex-Beatle George Harrison absolvieren kurze Cameo-Auftritte.

Gedreht wurde fünf Wochen lang in Tunesien, vor allem in Monastir und Karthago, wo Terry Gilliam Kulissen aus Franco Zeffirellis Bibelverfilmung weiterverwendete. Der Film läuft 94 Minuten und ist ab zwölf Jahren freigegeben. Das British Film Institute platzierte ihn auf Rang 28 der besten britischen Filme. Das Magazin Empire wählte ihn 2016 auf Platz zwei. George Harrison gründete für die Finanzierung die Firma HandMade Films.

Handlung vom Film „Das Leben des Brian“

Brian ist der uneheliche Sohn der Jüdin Mandy Cohen und eines römischen Centurio. Er kommt in derselben Nacht zur Welt wie Jesus, allerdings nur einen Stall weiter. Schon die ersten Weisen aus dem Morgenland verirren sich deshalb an seiner Krippe. Unter der Fuchtel seiner herrischen Mutter wächst Brian dennoch zu einem unauffälligen jungen Mann heran. Bei einer öffentlichen Steinigung zeigt sich dabei früh die Lust der Massen am Spektakel. Brian arbeitet schließlich als Verkäufer im Kolosseum und verachtet zugleich die römische Besatzung. Dort begegnet er der idealistischen Judith. Er verliebt sich sofort in sie und schließt sich deshalb ihrer Widerstandsgruppe an, der Volksfront von Judäa.

Die Gruppe um den geschwätzigen Anführer Reg debattiert mehr, als sie tatsächlich handelt. Endlose Sitzungen über die richtige Bezeichnung von „Geschwistern“ prägen deshalb den Alltag der Revolutionäre. Schließlich wird dennoch ein konkreter Plan gefasst. Brian beteiligt sich daraufhin am Einbruch in den Palast des Pontius Pilatus, dessen Frau entführt werden soll. Die Aktion endet jedoch im Chaos, als eine konkurrierende Splittergruppe denselben Plan verfolgt. Beide Trupps bekämpfen sich daraufhin gegenseitig bis zur Auslöschung. Brian überlebt als Einziger und wird schließlich verhaftet. Vor Pilatus rettet ihn jedoch der Sprachfehler des Statthalters, dessen Namen Lachanfälle bei der Wache auslösen.

Vom Flüchtigen zum Heiland

Auf seiner Flucht über die Dächer stürzt Brian schließlich von einem Turm. Ein vorbeirasendes Raumschiff fängt ihn jedoch auf, liefert sich eine kurze Weltraumschlacht und stürzt schließlich in Jerusalem ab. Brian steigt dennoch unverletzt aus dem Wrack. Auf dem Marktplatz mischt er sich anschließend unter die Propheten und stammelt halbverstandene Botschaften. Seine Verlegenheit deuten die Zuhörer allerdings als göttliche Tiefe. Als er daraufhin flieht, folgen sie ihm. Jeder Stolperer wird nun zum Wunder erklärt und jede Banalität zum Zeichen.

Eine Nacht mit Judith bringt zunächst kurze Erfüllung. Am nächsten Morgen drängt sich seine Anhängerschar jedoch bereits unter dem Schlafzimmerfenster. Brian beschwört die Menge daraufhin, selbständig zu denken. Die Worte verhallen allerdings ungehört. Selbst seine nackte Erscheinung am Fenster wird deshalb als heiliges Zeichen gedeutet. Römische Soldaten ergreifen ihn schließlich erneut. Diesmal lautet das Urteil jedoch Tod am Kreuz.

Die Begnadigung durch Volksentscheid scheitert schließlich an einem Scherzbold, der sich ebenfalls Brian nennt und freikommt. Statt einer Rettung erhält Brian am Kreuz jedoch die Beglückwünschung seiner Genossen. Die Volksfront feiert nämlich sein selbstloses Martyrium und liest ihm dabei eine ausgefeilte Erklärung vor. Auch das Suizidkommando der Judäischen Volksfront erscheint schließlich und nimmt sich das Leben. Brians Mutter und Judith verabschieden sich daraufhin. Schließlich stimmt ein gut gelaunter Mitgekreuzigter ein Lied an. Die Reihe der Sterbenden singt sofort mit. Am Ende fällt sogar Brian in den fröhlichen Refrain ein.

Filmkritik und Rezension von „Das Leben des Brian“

Das Leben des Brian“ verbindet eine kohärente Erzählung mit der sketchhaften Tradition der Pythons. Terry Jones inszeniert mit erstaunlicher Disziplin, ohne den anarchischen Geist der Truppe zu domestizieren. Die Kamera von Peter Biziou bleibt bewusst zurückhaltend. Sie zoomt nicht, betont nicht, sondern dient der Pointe. Der Verzicht auf Nahaufnahmen lässt das Spiel der Figuren in seiner ganzen Absurdität atmen. Aus diesem Verfahren gewinnt der Film seine ungewöhnliche Ruhe inmitten des Wahnsinns.

Die Bildsprache borgt sich bei den Bibelepen ihre satten Farben und staubigen Kulissen. Tunesische Drehorte verleihen der Komödie eine epische Anmutung, die sich an Genrekonventionen reibt. Das Klangbild bleibt sparsam, gewinnt aber im Schlusslied seine eigentliche Stärke. Eric Idles unbekümmert vorgetragenes „Always Look on the Bright Side of Life“ hebt die Hinrichtung in eine philosophische Sphäre. Tempo und Rhythmus halten die einzelnen Episoden zusammen. Gilliams improvisierte Weltraumszene wirkt wie ein bewusst gesetzter Bruch im sonst stringenten Ablauf.

Wer Komödien mit intellektuellem Unterbau und satirischer Schärfe sucht, findet hier einen Bezugspunkt des Genres. Der Film fordert Aufmerksamkeit, belohnt sie aber mit jeder erneuten Sichtung. Manche kindischen Pointen wirken neben den geschliffenen Dialogen unbeholfen, doch dieser Bruch gehört zur Handschrift der Pythons. Für Liebhaber sprachlich pointierter Gesellschaftssatire bleibt der Film unverzichtbar.

X