Heart of Stone
Netflix wollte einen neuen Agenten-Star etablieren. Gal Gadot, weltweit bekannt als Wonder Woman, sollte mit „Heart of Stone“ ein eigenes Franchise begründen, vergleichbar mit dem, was Tom Cruise seit Jahrzehnten mit Mission: Impossible aufgebaut hat. Das Vorhaben war ambitioniert, das Budget mit 150 Millionen Dollar entsprechend üppig und die Erwartungen hoch.

| Dauer: | 122 Min. |
|---|---|
| FSK: | 12 (DE) |
| Jahr: | 2023 |
| Kategorien: | Action, Thriller |
| Regie: | Tom Harper |
| Produzenten: | Dana Goldberg, David Ellison, Don Granger, Gal Gadot, Jaron Versano, Bonnie Curtis, Julie Lynn, Jaron Varsano |
| Hauptdarsteller: | Gal Gadot, Jamie Dornan, आलिया भट्ट |
| Nebendarsteller: | Sophie Okonedo, Matthias Schweighöfer, Paul Ready, Jing Lusi |
| Studio: | Skydance Media, Pilot Wave Motion Pictures, Mockingbird Pictures |
Ob Gadot als Rachel Stone das Publikum tatsächlich für sich gewinnen kann, ist dabei keine triviale Frage. Sie spielt eine Frau mit doppelter Identität, eingebettet in ein globales Netzwerk aus Geheimdienst, KI und moralischer Grauzone. Was der Film daraus macht und ob das reicht, ist die eigentliche Geschichte.
Besetzung, Regie und Drehorte
„Heart of Stone“ ist ein US-amerikanischer Action-Agentenfilm aus dem Jahr 2023, inszeniert von Tom Harper nach einem Drehbuch von Greg Rucka und Allison Schroeder. Harper, bekannt für das Musikdrama Wild Rose, tritt hier erstmals mit einem hochbudgetierten Actionfilm vor die Kamera. Produziert wurde der Film von David Ellison und Gal Gadot selbst. Die Musik stammt von Steven Price, die Kamera führte George Steel, den Schnitt verantwortete Mark Eckersley. Netflix übernahm den Vertrieb und veröffentlichte den Film am 11. August 2023.
In der Hauptrolle ist Gal Gadot als Rachel Stone zu sehen, an ihrer Seite agieren Jamie Dornan als Doppelagent Parker und die indische Filmikone Alia Bhatt, die hier ihr Hollywood-Debüt gibt, als Hackerin Keya Dhawan. Sophie Okonedo verkörpert die Charter-Chefin Nomad mit strenger Autorität, während Matthias Schweighöfer als Herzbube den operativen Kopf der Organisation spielt. Weitere Rollen übernehmen Jing Lusi, Paul Ready, BD Wong, Mark Ivanir und Glenn Close.
Die Dreharbeiten starteten am 26. Januar 2022 an der Schnalstaler Gletscherbahn in Südtirol und führten anschließend nach London, Reykjavík und Lissabon. Abgeschlossen wurden sie am 28. Juli 2022. Mit einem Produktionsbudget von rund 150 Millionen Dollar zählt der Film zu den teuersten Netflix-Eigenproduktionen. Bei den People’s Choice Awards 2024 erhielt Gal Gadot eine Nominierung als beste Darstellerin in einem Actionfilm.
Handlung & Inhalt vom Film „Heart of Stone“
Rachel Stone arbeitet als vermeintliche Technik-Spezialistin für ein MI6-Team, bestehend aus den Agenten Parker und Yang sowie dem Fahrer Bailey. Tatsächlich ist sie jedoch Feldagentin der geheimen Friedensorganisation The Charter, einem nationenlosen Zusammenschluss ehemaliger Geheimdienstler, unterteilt in vier Bereiche nach Kartenfarben. Stone trägt den Codenamen Herz Neun und gehört zum Herz-Bereich, der von der Chefin Nomad geleitet wird. Alle Einsätze werden vom Herzbuben koordiniert, unterstützt vom KI-System Das Herz, das Sicherheitssysteme knackt, Szenarien berechnet und optimale Handlungsoptionen aufzeigt. Im winterlichen Schnalstal soll das Team den Waffenhändler Mulvaney lokalisieren. Stone muss ihre Tarnung riskieren, um dessen Mobiltelefon zu hacken, und ermöglicht so Parker und Yang den Zugang zu einem gesicherten Glücksspielbereich.
Als die Mission zu eskalieren droht, greift sie eigenständig ein und schaltet Mulvaneys Sicherheitsteam aus. Parallel infiltriert die junge Hackerin Keya Dhawan den Funkkontakt des Teams. Mulvaney nimmt sich das Leben. Zurück in London wird Stone von Nomad für ihr eigenmächtiges Handeln kritisiert, doch die Chefin schickt das Team umgehend weiter nach Lissabon, wo Keya lokalisiert werden soll. In Lissabon gerät das Team in einen Hinterhalt. Stone muss wählen: Flucht oder Rettung ihrer Kollegen. Sie entscheidet sich zu bleiben und enttarnt dabei ihre wahre Identität als Charter-Agentin. Parker reagiert mit dem Erschießen von Bailey und Yang. Er ist ein Doppelagent und arbeitet mit Keya zusammen. Sein Motiv ist eine tief sitzende Rache an MI6 und Charter, nachdem er bei einer tschetschenischen Mission zurückgelassen und schwer verletzt wurde. Stone wird gelähmt und Parker implantiert ihr einen Chip, der Das Herz infiltrieren soll.
Verrat, Eskalation und der Kampf ums Herz
Als Stone im Charter-Hauptquartier wieder zu sich kommt, aktiviert sich der Chip. Sie schneidet ihn rechtzeitig heraus. Daraufhin entlässt Nomad sie aus dem Team. Keya und Parker schaffen es dennoch, den Satelliten mit Das Herz aus seiner Umlaufbahn zu manövrieren. Stone springt per Stratosphärensprung in das Raumfahrzeug, verliert aber Parker, der mit der KI flieht. Stone und Keya landen per Fallschirm in der senegalesischen Wüste. Dort greifen gekaufte Einheimische sie an, doch Stone kann mit Keya entkommen. Keya verrät ihr, dass sich Das Herz nur mit ihren biometrischen Daten entsperren lässt.
Parker bringt Keya nach Island, wo er die Charter-Mitglieder vernichten will. Mit Das Herz schaltet er die Karokönigin und ihre Familie aus und lockt den Pikkönig in eine tödliche Falle. Anschließend will er Nomad und die verbliebenen Charter-Mitglieder töten, indem er die Belüftung ihres Bunkers unterbricht. Doch Keya stellt sich gegen ihn und deaktiviert Das Herz. Beim Showdown an der Universität Reykjavík erschießt Stone Parker.
Keya startet Das Herz neu und rettet damit die verbliebenen Charter-Mitglieder. Damit verhindert sie die Katastrophe. Einige Wochen später bildet sich ein neues Team: Stone, Keya und der Herzbube arbeiten fortan gemeinsam und nutzen Das Herz erneut als zentrales Werkzeug. Stone lässt ihre belastende doppelte Identität hinter sich. An ihre Stelle tritt eine neue Allianz, fragil, aber funktional.
Filmkritik und Fazit zum Film „Heart of Stone“
„Heart of Stone“ trägt den Ehrgeiz, ein Franchise zu begründen, so offen vor sich her, dass er die eigentliche Erzählung zeitweise überlagert. Tom Harper inszeniert routiniert, aber ohne den kinetischen Instinkt, den das Genre verlangt. Die Actionsequenzen, darunter ein Fallschirmsprung über den Alpen und eine Verfolgungsjagd durch Lissabons Kopfsteinpflaster-Gassen, sind konzeptuell reizvoll, verlieren jedoch durch übermäßigen CGI-Einsatz und eine Kameraführung an Präzision, die zwischen zu enger Nähe und zu großer Distanz pendelt. Gal Gadot gelingt es, zwischen Tarnung und Kompetenz eine glaubwürdige Trennlinie zu ziehen, doch das Drehbuch lässt ihr kaum Raum zur Entfaltung.
Der Score von Steven Price treibt das Tempo verlässlich voran, kann aber über die Schwächen des Skripts nicht hinwegtäuschen. Greg Rucka und Allison Schroeder schaffen mit The Charter eine interessante strukturelle Prämisse, vernachlässigen dabei aber die Charaktertiefe. Parker bleibt als Antagonist eine Funktion, ein Rächer ohne echte Kontur. Alia Bhatt gelingt als Keya Dhawan ein authentischer, vielschichtiger Auftritt, der Figur und Funktion verbindet. Sophie Okonedo verleiht der Charter-Chefin eine kühle Autorität. Das KI-Element Das Herz wird als moralisches Sujet angeschnitten, dann jedoch zugunsten des nächsten Einsatzes fallengelassen. Das ist eine vergebene Chance.
Wer nach einem kurzweiligen Agenten-Spektakel sucht, wird mit Heart of Stone solide bedient, nicht mehr und nicht weniger. Der Film funktioniert als Streaming-Abend mit Genre-Anspruch, scheitert aber daran, eine eigenständige Handschrift zu entwickeln. Gadot trägt das Material mit Überzeugung, doch ein Franchise braucht mehr als eine charismatische Hauptfigur. Es braucht eine Welt, in der man verweilen möchte. Diese Welt ist hier erst angedeutet.