Army of the Dead
In einer Branche, die das Genrekino längst zur Produktlinie degradiert hat, wirkt ein Film wie „Army of the Dead“ fast anachronistisch und zwar im besten Sinne. Zack Snyder, der mit seinem Dawn-of-the-Dead-Remake 2004 seinen eigenen Ruf als Zombie-Regisseur begründete, kehrt hier zu jenem Sujet zurück, das seine Karriere einst beflügelt hat. Das Ergebnis ist kein Heimkommen, sondern eine Neuverhandlung.

| Dauer: | 138 Min. |
|---|---|
| FSK: | 16 (DE) |
| Jahr: | 2021 |
| Kategorien: | Action, Horror |
| Regie: | Zack Snyder |
| Produzenten: | Zack Snyder, Deborah Snyder, Wesley Coller |
| Hauptdarsteller: | Dave Bautista, Ella Purnell, Omari Hardwick |
| Nebendarsteller: | Ana de la Reguera, Theo Rossi, Matthias Schweighöfer, Nora Arnezeder |
| Studio: | The Stone Quarry |
Siebzehn Jahre Entwicklungshölle, ein ausgetauschter Hauptdarsteller per CGI-Nachdreh, ein Budget zwischen 70 und 90 Millionen Dollar und schließlich Netflix als Heimkino-Retter: Die Produktionsgeschichte dieses Films liest sich wie das Treatment eines Katastrophenfilms. Was entsteht, wenn aus einem Projekt mit derart bewegter Vorgeschichte dennoch etwas Eigenständiges wird? Und wie viel Zombie braucht eigentlich ein Zombie-Heist-Movie?
Besetzung, Regie und Drehorte
„Army of the Dead“ ist ein US-amerikanischer Post-Apokalypse-Film aus dem Jahr 2021. Zack Snyder führte Regie und übernahm ungewöhnlicherweise auch die Kameraarbeit selbst als erste abendfüllende Produktion vollständig mit digitalen Kameras, eigens angepassten Red-Monstro-Geräten mit Vintage-Canon-Objektiven aus den 1960er-Jahren. Das Drehbuch entstand in Zusammenarbeit mit Shay Hatten und Joby Harold. Komponist Tom Holkenborg, bekannt als Junkie XL, verantwortet den Soundtrack.
Die Hauptrolle des Scott Ward übernahm Dave Bautista, der für dieses Projekt ein Angebot aus James Gunns The Suicide Squad ausschlug. An seiner Seite agieren Ella Purnell als seine Tochter Kate, Omari Hardwick als Vanderohe sowie Ana de la Reguera als Cruz. Matthias Schweighöfer spielt den deutschen Safeknacker Ludwig Dieter, Nora Arnezeder die Zombie-Kennerin Lily. Hiroyuki Sanada, Garret Dillahunt und Tig Notaro, Letztere ersetzte per CGI-Integration den wegen Missbrauchsvorwürfen entfernten Chris D’Elia vervollständigen das Ensemble.
Der Film wurde ab Juli 2019 in Albuquerque, Atlantic City und Las Vegas gedreht. Atlantic City bot mit dem geschlossenen Atlantic Club Casino Hotel den Rahmen für die Innenaufnahmen. Die Filmcrew verbrachte allein fünf Wochen für die Eröffnungssequenz. Am 14. Mai 2021 erschien der Film in US-Kinos, eine Woche später auf Netflix. Die Laufzeit beträgt 148 Minuten, die Altersfreigabe liegt bei 16 Jahren.
Handlung & Inhalt vom Film „Army of the Dead“
In der Wüste Nevadas endet ein Militärtransport mit einem Zusammenstoß auf dem Highway. Ein beschädigter Container gibt einen Alpha-Zombie frei und damit nimmt das Unglück seinen Lauf. Die Überlebenden des Unfalls werden infiziert, zieht die Horde weiter nach Las Vegas, verwandeln sie auch dort die Casinobesucher in Untote. Das Militär ist machtlos gegen die schiere Masse der Infizierten. Die Lösung: eine Containermauer um die ganze Stadt. Las Vegas wird aufgegeben und den Zombies überlassen.
Jahre später erhält der ehemalige Soldat und Restaurantbetreiber Scott Ward vom Casinobesitzer Bly Tanaka einen Auftrag: Er soll dessen Tresor im Innern der verseuchten Stadt plündern, bevor das Militär Las Vegas durch einen Atomschlag auslöscht. Scott stellt ein Team zusammen. Die Stadtkundige Lily hat bereits früher Gruppen in das Gebiet eingeschleust. Sie kennt die zwei Typen der Untoten: die langsamen, willenlosen „Shambler“ und die schnellen, intelligenten „Alphas“, die Horden anführen. Um freien Durchgang zu erhalten, opfert Lily den brutalen Lagerwächter Burt Cummings an die Alphas. Scotts Tochter Kate schließt sich dem Trupp an aus eigenem Antrieb, auf der Suche nach ihrer verschwundenen Freundin Geeta.
Zwischen Waffenstillstand und Zusammenbruch
Im Innern der Stadt bewegt sich die Gruppe durch verfallene Spielhallen und schlafende Zombiehorden. Als Chambers versehentlich eine Horde weckt, eskaliert die Lage sofort. Martin, der heimlich für Tanaka arbeitet, lässt sie zurück und verriegelt die Tür. Guzman beendet den Angriff schließlich mit einer Explosion. Im Casino entdeckt das Team Hinweise auf frühere Einsätze Tanakas. Während der Generator läuft, beginnen Vanderohe und Ludwig Dieter mit dem Tresor. Gleichzeitig treffen Lily und Martin auf die schwangere Zombie-Königin. Obwohl ein Waffenstillstand besteht, enthauptet Martin sie und bricht damit den Pakt.
Zeus hört den Todesschrei seiner Gefährtin. Er erreicht auf einem Zombiepferd den Tatort, trägt die Enthauptete in das Olympus-Casino zurück und entfernt das noch nicht lebensfähige Kind aus ihrem Leib. Von diesem Moment an marschieren sämtliche Zombiehorden auf das Casino zu. Das Team erfährt aus dem Radio, dass der Atomschlag vorgezogen wurde nur noch anderthalb Stunden bleiben. Ludwig Dieter öffnet unter enormem Druck den Tresor. Cruz gesteht Scott ihre Liebe. Dann bricht die Tür auf. Cruz stirbt im Zombiesturm. Martin sperrt die anderen ein und fällt kurz darauf dem Zombietiger Valentine zum Opfer. Dieter rettet Vanderohe, indem er ihn im Tresor einschließt und bezahlt dafür mit seinem Leben.
Kate findet inzwischen Geeta im leeren Zombie-Hauptquartier. Der zum Alpha mutierte Cummings tötet Sadie, Geetas Begleiterin, bevor Kate ihn erschießt. Scott und Zeus erreichen zeitgleich das Dach des Gebäudes. Peters kehrt im letzten Moment mit dem Helikopter zurück. Zeus springt in die Maschine. Im Kampf an Bord wird Scott gebissen, tötet Zeus aber per Kopfschuss. Die Bombe trifft Las Vegas. Die Druckwelle lässt den Helikopter abstürzen; ein Rotorblatt tötet Peters. Kate sieht sich gezwungen, ihren infizierten Vater zu erschießen. Vanderohe überlebt im Tresor, entkommt zu Fuß aus den Trümmern und mietet sich einen Privatjet. Auf dem Flug bemerkt er seinen Biss.
Filmkritik und Fazit zum Film „Army of the Dead“
Was „Army of the Dead“ von vergleichbaren Genre-Produktionen unterscheidet, liegt weniger im Plot als in seiner Haltung zur eigenen Prämisse. Snyder, der hier erstmals auch als Kameramann fungiert, inszeniert den Untergang Las Vegas‘ mit einer visuellen Konsequenz, die zwischen traumwandlerischer Entrücktheit und brachialer Körperlichkeit pendelt. Die Vintage-Optik der Canon-Objektive verleiht dem Film ein weiches, leicht unwirkliches Bild das passt zum Ort, der schon vor den Zombies eine Stadt der Illusionen war. Dave Bautista trägt die emotionale Last des Films mit überraschender Zurückhaltung; Matthias Schweighöfer und Omari Hardwick liefern als ungleiches Duo die notwendige tonale Entlastung, ohne die Atmosphäre zu brechen.
Das Sounddesign von Tom Holkenborg stützt das Tempo verlässlich: elektronische Dringlichkeit trifft auf die ikonische Lounge-Version von „Viva Las Vegas“ ein Kontrast, der das Grundthema des Films verdichtet. Das Drehbuch hält die Balance zwischen Heist-Logik und Zombiehorde erstaunlich lange, verliert sie jedoch im letzten Drittel stellenweise zugunsten eskalierender Actionblöcke. Die Entscheidung, die Zombies als intelligente, emotional handlungsfähige Wesen zu zeigen eine Allianz, eine schwangere Königin, ein Anführer mit Trauer ist konzeptuell reizvoll, bleibt aber in ihrer Konsequenz unterentwickelt. Hier wäre mehr Mut zur Fremdheit möglich gewesen.
Wer einen klassischen Zombiefilm erwartet, wird sich verrechnen. „Army of the Dead“ ist ein Genrefilm, der sein Genre als Vehikel benutzt, für Vaterschaft, Verlust und das amerikanische Versprechen des Neuanfangs, hier durch Atombombe beendet. Das ist stellenweise überladen, selten langweilig und in seinen besten Momenten von einer rohen, eigenwilligen Energie, die im Mainstreamkino selten geworden ist. Für Liebhaber des Zombie-Heist-Kinos ist dieser Film ein Pflichtstück.