Zombieland
Wenn ein Genre an seine Grenzen stößt, beginnt oft das interessantere Kino. Die Zombiekomödie war 2009 längst kein jungfräuliches Terrain mehr, als Ruben Fleischer mit „Zombieland“ sein Regiedebüt vorlegte. Edgar Wright hatte mit seinem britischen Vorgänger fünf Jahre zuvor die Latte gelegt. Fleischer nimmt die Herausforderung an. Er antwortet nicht mit Ehrfurcht, sondern mit amerikanischer Unbekümmertheit. Sein Film setzt auf Tempo, Pointen und eine erstaunlich lose Erzählhaltung.

| Dauer: | 87 Min. |
|---|---|
| FSK: | 16 (DE) |
| Jahr: | 2009 |
| Kategorien: | Horror, Komödie |
| Regie: | Ruben Fleischer |
| Produzenten: | Gavin Polone |
| Hauptdarsteller: | Jesse Eisenberg, Woody Harrelson, Emma Stone |
| Nebendarsteller: | Abigail Breslin, Amber Heard, Bill Murray, Derek Graf |
| Studio: | Columbia Pictures, Relativity Media, Pariah |
Das Ergebnis ist ein Roadmovie, das sich durch eine entvölkerte Nation bewegt. Vier Überlebende, vier Städtenamen, ein Vergnügungspark am Horizont. Fleischer arbeitet mit einer Figurenkonstellation, die zwischen Buddy-Film und dysfunktionaler Ersatzfamilie oszilliert. Dabei tritt eine Frage hervor, die sich durch das gesamte Genre zieht. Was bleibt vom Menschlichen, wenn die Menschheit verschwindet?
Besetzung, Regie und Drehorte
Ruben Fleischer inszeniert mit „Zombieland“ seinen ersten Langfilm überhaupt. Das Drehbuch stammt von Rhett Reese und Paul Wernick, die den Stoff ursprünglich als Pilotfolge für eine Fernsehserie konzipiert hatten. Michael Bonvillain, zuvor an „Cloverfield“ beteiligt, führt die Handkamera. Den Schnitt verantwortet Alan Baumgarten. Die Musik komponierte Dave Sardy. Produziert wurde der Film von Ryan Kavanaugh, Gavin Polone, Ezra Swerdlow sowie den beiden Drehbuchautoren. Das Make-up-Design übernahm Tony Gardner, der einst am Look des „Thriller“-Videos beteiligt war.
In den Hauptrollen agieren Jesse Eisenberg als ängstlicher Columbus und Woody Harrelson als draufgängerischer Tallahassee. Emma Stone verkörpert Wichita, die misstrauische ältere Schwester, deren bürgerlicher Name Krista erst am Ende fällt. Abigail Breslin, seinerzeit zwölf Jahre alt, spielt deren Schwester Little Rock. Amber Heard übernimmt eine kurze Rolle als Nachbarin 406. Der Cameo-Auftritt war ursprünglich für Patrick Swayze vorgesehen. Dessen Krebserkrankung verhinderte die Zusage. An seine Stelle trat Bill Murray.
Der Film läuft 88 Minuten und ist ab 16 Jahren freigegeben. Gedreht wurde in Georgia und Kalifornien, die Vergnügungsparkszenen entstanden größtenteils im Wild Adventures Theme Park in Valdosta. Bei einem Budget von 24 Millionen US-Dollar spielte der Film weltweit über 100 Millionen ein. Beim Filmfestival in Sitges gewann Fleischer den Publikumspreis. Zehn Jahre später folgte die Fortsetzung „Zombieland: Doppelt hält besser“.
Handlung & Inhalt vom Film „Zombieland“
Eine mutierte Variante des Rinderwahns hat Amerika in eine Brache verwandelt. Der ehemalige Student Columbus schlägt sich durch die verödeten Landstriche und hält sich dabei strikt an eine stetig wachsende Liste von Überlebensregeln. Kardio. Doppelter Kopfschuss. Niemals emotionale Bindungen eingehen. Auf der Suche nach seinen Eltern in Ohio begegnet er Tallahassee, einem unrasierten Zyniker im gepanzerten Escalade. Die beiden Männer beschließen deshalb eine Zweckgemeinschaft. Tallahassee sucht nichts Größeres als den letzten verbliebenen Twinkie. Columbus sucht dagegen nach Halt. Und unausgesprochen sucht jeder nach einem Gegenüber.
In einem Supermarkt geraten die beiden jedoch in eine Falle. Wichita und ihre jüngere Schwester Little Rock geben sich als Opfer aus und entwenden den Männern Waffen und Wagen. Die Trickbetrügerei wiederholt sich später, als sich alle vier erneut begegnen. Tallahassee reagiert sofort mit gezückter Waffe. Ein Patt entsteht. Columbus schlichtet allerdings. Aus der Feindschaft wird schließlich eine unbequeme Allianz. Die Schwestern nennen als Ziel Pacific Playland, einen Vergnügungspark in Kalifornien, der angeblich von Zombies verschont blieb. Nachdem Columbus erfährt, dass seine Heimatstadt zerstört wurde, schließt er sich daher dem Plan an.
Zwischen Illusion und Katastrophe
In Hollywood lenkt Tallahassee die Gruppe zur Villa von Bill Murray. Der Schauspieler hat überlebt, indem er sich als Zombie verkleidet. Aus einem Scherz wird allerdings ein Unglück. Columbus erschießt ihn aus Reflex. Bei einer Partie Monopoly offenbart sich zudem eine zweite Wahrheit. Tallahassees vermeintlicher Welpe Buck war sein Sohn. Der gepflegte Hass des Mannes auf die Untoten bekommt dadurch eine Geschichte. Und der Running Gag wird zur Tragödie.
Zwischen Columbus und Wichita entspinnt sich zudem eine zögerliche Annäherung. Die Nacht verspricht mehr, als der Morgen hält. Wichita flieht jedoch mit ihrer Schwester, getrieben von einer eigenen Regel. Vertrauen darf nur zwischen den beiden Schwestern existieren. Columbus überredet Tallahassee dennoch zur Verfolgung. Parallel erreichen die Mädchen den Vergnügungspark. Sie schalten Lichter und Fahrgeschäfte ein. Das Leuchten zieht dadurch die Zombies aus dem Umland an.
Die Schwestern stecken schließlich in einem Freifallturm fest. Unter ihnen brodelt eine Horde aus Infizierten. Tallahassee lockt die Masse derweil in eine Schießbude und zelebriert sein Massaker mit sichtlichem Vergnügen. Columbus muss jedoch seine größte Angst überwinden. Ein Zombie Clown versperrt den Weg. Er durchbricht deshalb die eigene Regel und wird zum Helden. Die Schwestern werden gerettet. Wichita küsst Columbus und verrät ihren wahren Namen. Aus vier Einzelgängern ist so eine zerbrechliche Gemeinschaft geworden, die weiterzieht.
Filmkritik und Fazit zum Film „Zombieland“
„Zombieland“ lebt von einer Doppelbewegung. Fleischer erzählt linear, aber er unterbricht sich ständig. Columbus‘ Regelwerk wird als dreidimensionaler Text in die Bildebene geschrieben und von Blutspritzern eingeholt, sobald die Realität die Theorie kommentiert. Dieses Verfahren entlehnt der Popkultur die Grammatik des Videospiels. Eisenberg spielt den Nerd mit einer Nervosität, die nicht gekünstelt wirkt. Harrelson dagegen lädt Tallahassee mit einer gefährlichen Lässigkeit auf, die kurz vor der Karikatur haltmacht.
Das Tempo ist die eigentliche Inszenierungsleistung. Bonvillains Handkamera verweigert sich dem bombastischen Kinobild und hält die Ereignisse auf Augenhöhe. Sardys Score bleibt zurückhaltend, während Metallicas „For Whom the Bell Tolls“ im Vorspann eine Superzeitlupen-Sequenz veredelt, die das Genre gleichzeitig ehrt und parodiert. Der Cameo im zweiten Akt öffnet einen weiteren Ton, der zwischen absurder Slapstick-Nummer und melancholischer Selbstreflexion schwebt. Nicht jede Pointe zündet. Die Figuren der Schwestern bleiben dünner gezeichnet als die der Männer.
Fleischer liefert keine Neuerfindung, sondern eine geschliffene Variation. Der Film zitiert, ohne zu huldigen, und unterhält, ohne zu verflachen. Wer die britische Vorlage vermisst, wird eine andere Sensibilität finden, die ebenfalls ihre Qualitäten hat. Für Genre-Liebhaber ist dieser Film eine lohnende Station. Für alle anderen immerhin eine kurzweilige Roadshow durch die amerikanische Dystopie.