Das Vermächtnis des geheimen Buches
Sequels entstehen selten aus künstlerischer Notwendigkeit. Sie entstehen aus Kassenerfolgen. Das weiß die Filmindustrie, und das weiß auch das Publikum – und dennoch kehrt man zurück, wenn der erste Teil eine Qualität hatte, die das Versprechen einer Fortsetzung plausibel macht. „Das Vermächtnis des geheimen Buches“ trat 2007 genau dieses Erbe an: ein Abenteuerfilm, der mit historischer Kulisse, globalem Tempo und einem Ensemble aus Charakterköpfen funktionieren wollte. Die Frage war nicht, ob ein zweiter Teil kommen würde, sondern ob er seiner Vorlage würdig sein konnte.

| Dauer: | 124 Min. |
|---|---|
| FSK: | 12 (DE) |
| Jahr: | 2007 |
| Kategorien: | Abenteuer |
| Regie: | Jon Turteltaub |
| Produzenten: | Jon Turteltaub, Jerry Bruckheimer |
| Hauptdarsteller: | Nicolas Cage, Diane Kruger, Justin Bartha |
| Nebendarsteller: | Ed Harris, Jon Voight, Helen Mirren, Harvey Keitel |
| Studio: | Walt Disney Pictures, Jerry Bruckheimer Films, Saturn Films, Junction Entertainment, Sparkler Entertainment, NT2 Productions |
Regisseur Jon Turteltaub hatte mit dem Vorgängerfilm Das Vermächtnis der Tempelritter bewiesen, dass Entertainment und historische Versatzstücke sich wirkungsvoll verbinden lassen. Nun stand er vor der typischen Sequel-Frage: Wie wiederholt man einen Erfolg, ohne ihn bloß zu kopieren? Das Drehbuchduo Cormac und Marianne Wibberley lieferte erneut das Skript. Produzent Jerry Bruckheimer blieb dem Projekt treu. Was entstand, war ein Film, der seine eigene Natur kennt – und damit sowohl seinen Reiz als auch seine Grenzen offenbart. Welches Maß an Eigenständigkeit gelingt diesem Nachfolger wirklich?
Besetzung, Regie und Drehorte
„Das Vermächtnis des geheimen Buches“ ist ein US-amerikanischer Abenteuerfilm aus dem Jahr 2007, inszeniert von Jon Turteltaub nach einem Drehbuch von Cormac und Marianne Wibberley. Die Produktion lag erneut in den Händen von Jerry Bruckheimer und Turteltaub selbst. Die Kameraarbeit teilten sich John Schwartzman und Amir M. Mokri, den Schnitt verantworteten William Goldenberg und David Rennie. Die Musik komponierte Trevor Rabin, der bereits den Vorgänger musikalisch begleitet hatte.
Nicolas Cage kehrt in der Hauptrolle als Schatzjäger und Historiker Benjamin Franklin Gates zurück. An seiner Seite agieren Justin Bartha als Computerexperte Riley Poole und Diane Kruger als Archivarin Dr. Abigail Chase. Jon Voight spielt erneut Bens Vater Patrick. Neu im Ensemble sind Helen Mirren als Bens Mutter und Ex-Frau Patricks, sowie Ed Harris als undurchsichtiger Schwarzmarkthändler Mitch Wilkinson. Harvey Keitel ist als FBI-Agent Peter Sadusky wieder dabei, Bruce Greenwood verkörpert den US-Präsidenten.
Der Film hat eine Laufzeit von 124 Minuten und ist in Deutschland ab FSK 12 freigegeben. Gedreht wurde an realen historischen Schauplätzen, darunter Mount Vernon, Mount Rushmore und London. Die Dreharbeiten am Mount Rushmore verzögerten sich durch widrige Wetterbedingungen. Das Ensemble erhielt Razzie-Nominierungen für Nicolas Cage und Jon Voight, konnte die Kategorien jedoch nicht gewinnen. Eine Serienfortsetzung folgte 2022.
Handlung & Inhalt vom Film „Das Vermächtnis des geheimen Buches“
Kurz nach dem Ende des amerikanischen Bürgerkriegs sucht der Attentäter John Wilkes Booth den Ururgroßvater von Benjamin Gates auf. Thomas Gates erhält ein Tagebuch mit verschlüsselter Botschaft. Er erkennt die enthaltene Playfair-Chiffre und beginnt mit der Entschlüsselung. Dabei entdeckt er Hinweise auf eine Schatzkarte. Gleichzeitig verübt Booth das Attentat auf Präsident Lincoln. Thomas erkennt die dunklen Absichten der Männer, reißt entscheidende Seiten aus dem Tagebuch und wirft sie ins Feuer. Er wird erschossen, stirbt aber im Bewusstsein, das Richtige getan zu haben – im Angesicht seines kleinen Sohnes, der die Tat bezeugen muss. Viele Jahrzehnte später trägt Benjamin Gates diese Familiengeschichte als Vermächtnis mit sich. Bei einer Konferenz präsentiert Schwarzmarkthändler Mitch Wilkinson eine der achtzehn vermissten Tagebuchseiten – mit Thomas Gates‘ Namen darauf, als vermeintlichem Kopf hinter dem Lincoln-Attentat.
Ben will die Unschuld seines Vorfahren beweisen. Er gewinnt seinen Freund Riley Poole und seine entfremdete Freundin Abigail Chase als Verbündete. Gemeinsam entdecken sie auf der Rückseite der Seite einen Code, der auf eine Verbindung zum französischen Intellektuellen Édouard de Laboulaye verweist. Die Spur führt nach Paris, wo eine Freiheitsstatue einen verschlüsselten Hinweis auf zwei identische Schreibtische verbirgt – sogenannte Resolute Desks, gefertigt aus dem Holz der britischen HMS Resolute. Einer steht im Buckingham Palace, einer im Oval Office. Im Londoner Schloss gelingt es Ben und Abigail, eine vorkolumbische Holzplanke aus einem Geheimfach zu entwenden. Wilkinson verfolgt die Gruppe. Eine wilde Verfolgungsjagd endet damit, dass die Planke in der Themse versinkt – doch ein Blitzerfoto sichert die entscheidende Inschrift. Riley beschafft das Bild per Hacker-Zugriff auf die Londoner Polizeidatenbank.
Jagd bis ins Oval Office
Bens Mutter Emily, Expertin für olmekische Schriften, entziffert die Inschrift und stellt fest, dass Teile fehlen. Die fehlende Planke muss im Schreibtisch des Oval Office verborgen sein. Mit Hilfe eines Bekannten von Abigail, der im Weißen Haus arbeitet, gelingt der Zugang. Statt der Planke findet Ben jedoch das Siegel des geheimen Präsidentenbuchs. Um dessen Inhalt einzusehen, inszeniert die Gruppe einen Coup: Die Geburtstagsparty des Präsidenten wird durch Manipulation aller anderen Veranstaltungsorte nach Mount Vernon gedrängt. Dort lockt Ben den Präsidenten in einen Geheimgang. Die Tür lässt sich von innen nicht öffnen – ein unfreiwilliges Tête-à-tête. Der Präsident verrät den Aufbewahrungsort des Buches.
In der Library of Congress findet Ben den entscheidenden Eintrag: Präsident Coolidge ließ 1924 das Mount-Rushmore-Memorial errichten, um die Entdeckung einer verborgenen Stadt zu verschleiern. Am Monument trifft das Team auf Wilkinson, der Bens Mutter als Geisel genommen hat. Gemeinsam finden sie den Eingang zu einer Höhle, die die sagenhafte Goldstadt Cibola birgt. Das Wasser steigt. Alle Ausgänge scheinen versperrt.
In der zentralen Pyramide der Höhle entdeckt die Gruppe einen Ausgang, der nur durch manuelles Festhalten eines Mechanismus offen bleibt. Wer bleibt, ertrinkt. Wilkinson bedroht Abigail. Ben erklärt sich freiwillig bereit zu opfern. Das einbrechende Wasser schleudert ihn jedoch an den Ausgang – Wilkinson bleibt zurück. Mit der Entdeckung des Schatzes ist der Familienname rehabilitiert. Der Präsident deckt Ben, indem er die Begegnung in Mount Vernon als versehentliches Einschließen darstellt. Ben sorgt dafür, dass Wilkinsons Name als Mitentdecker der Stadt festgehalten wird. Was auf Seite 47 des Präsidentenbuchs stand, bleibt das Geheimnis des Films.
Filmkritik und Fazit zum Film „Das Vermächtnis des geheimen Buches“
„Das Vermächtnis des geheimen Buches“ verfolgt konsequent die Dramaturgie seines Vorgängers: globale Schatzjagd, historische Codierung, ein Ensemble aus verlässlichen Typen. Turteltaubs Regie setzt dabei auf Tempo als Schutzschild gegen Logik – und das mit Kalkül. Nicolas Cage navigiert durch das Geschehen mit einer Energie, die das Konstruierte des Plots erträglich macht. Ed Harris verleiht dem Antagonisten eine stille Ambivalenz, die über das bloße Klischee des Bösewichts hinausgeht. Helen Mirren und Jon Voight dagegen nutzen ihre knappe Leinwandzeit für Momente echter Charaktertiefe, die im Vergleich zur übrigen Hochglanzkulisse umso mehr auffallen.
Das Drehbuch häuft Verschwörungsebenen aufeinander – Lincoln, Area 51, ein geheimes Präsidentenbuch – und verwebt sie mit erfundenen historischen Lücken. Das funktioniert als Unterhaltungsmechanismus, solange man bereit ist, die Prämisse zu akzeptieren. Die Kamera von Schwartzman und Mokri nutzt die Schauplätze effektvoll, ohne sie je wirklich atmen zu lassen. Mount Rushmore erinnert an Hitchcocks Bildsprache, ohne dessen subversive Präzision zu erreichen. Das Sounddesign Trevor Rabins unterstreicht das Geschehen mit verlässlichem Druck, meidet aber jeden eigenständigen Akzent. Die Verfolgungsjagd durch Londons Straßen hat kinetische Kraft; die Höhlensequenz am Ende hingegen verliert das Tempo, das den Film bis dahin trägt.
Wer Abenteuerfilme schätzt, die ihr eigenes Genre mit leichter Hand bedienen, findet hier ein unterhaltsames, wenn auch nicht überraschendes Angebot. Der Film liefert, was er verspricht – nicht mehr, aber auch nicht weniger. Für ein entspanntes Unterhaltungserlebnis ohne analytischen Anspruch ist er gut geeignet. Wer den ersten Teil mochte, wird auch diesen mit Vergnügen verfolgen, sollte jedoch keine inhaltliche Tiefenschärfe erwarten.