Die Ritter der Kokosnuss

Es gibt Filme, die ihre Mittel zur Schau stellen, und solche, die aus dem Mangel eine Methode machen. „Die Ritter der Kokosnuss“ gehört zur zweiten Sorte, und das mit einer Konsequenz, die bis heute Maßstäbe setzt. Monty Python hatten 1975 weder das Geld noch den Ehrgeiz für ein klassisches Mittelalterepos. Was sie hatten, war ein gemeinsamer Instinkt für die produktive Sabotage. Das Ergebnis ist eine Komödie, die sich an der eigenen Armut entzündet.

Monty Python: Die Ritter der Kokosnuss
Dauer: 91 Min.
FSK: 12 (DE)
Jahr: 1975
Kategorien: Abenteuer, Komödie
Regie: Terry Gilliam, Terry Jones
Produzenten: Mark Forstater, Michael White
Hauptdarsteller: Graham Chapman, John Cleese, Eric Idle
Nebendarsteller: Terry Gilliam, Terry Jones, Michael Palin, Connie Booth
Studio: Python (Monty) Pictures, Michael White Productions, National Film Trustee Company, EMI Films

Wer die Truppe aus dem „Flying Circus“ kannte, war auf vieles vorbereitet, nur nicht auf diese sture Verweigerung jeder filmischen Konvention. Die Regie übernahmen Terry Gilliam und Terry Jones im Tandem, das Drehbuch entstand kollektiv. Schottische Burgen mussten als ganz Britannien herhalten, Pferde wurden durch Kokosnüsse ersetzt, der Erzählfluss durch Trickfilm und Sketchstruktur zerlegt. Was bleibt, wenn ein Historienfilm konsequent das Gegenteil eines Historienfilms sein will?

Besetzung, Regie und Drehorte

Die Ko-Regie führten Terry Gilliam und Terry Jones, das Drehbuch verfasste das gesamte Sextett gemeinsam. Produziert wurde „Die Ritter der Kokosnuss“ von Mark Forstater, John Goldstone und Michael White. Hinter der Kamera stand Terry Bedford, für den Schnitt zeichnete John Hackney verantwortlich. Die Musik stammt aus dem Archiv von De Wolfe, ergänzt durch eigene Kompositionen von Neil Innes. Zu den Geldgebern zählten unter anderem Pink Floyd, Led Zeppelin, Genesis und Elton John.

Graham Chapman übernimmt die Rolle des Königs Artus, John Cleese verkörpert Sir Lancelot, den schwarzen Ritter und Tim den Zauberer. Eric Idle agiert als Sir Robin, Michael Palin als Sir Galahad, Terry Jones als Sir Bedevere. Terry Gilliam erscheint als Diener Patsy. Auffällig ist die Doppel- und Dreifachbesetzung fast aller Figuren – Palin allein verantwortet neun Rollen. Connie Booth, Carol Cleveland und John Young komplettieren das Ensemble in Nebenpartien.

Die Laufzeit beträgt 91 Minuten, die FSK-Freigabe liegt bei zwölf Jahren. Gedreht wurde überwiegend in Schottland, vor allem rund um Doune Castle und Castle Stalker. Die deutsche Erstaufführung fand am 13. August 1976 statt, das Dialogbuch der hiesigen Synchronfassung schrieb Lutz Arenz. Die Musical-Adaption „Spamalot“ basiert direkt auf dem Film.

Handlung & Inhalt vom Film „Die Ritter der Kokosnuss“

England, im Jahre 932. König Artus durchquert das Land, während an seiner Seite der treue Diener Patsy zwei Kokosnusshälften aufeinanderschlägt, weil ein Pferd nicht zu finden ist. Sein Ziel ist es dabei, die tapfersten Recken für die Tafelrunde zu gewinnen. An einer Burgmauer scheitert er jedoch an einem Bauern, der die Existenz von Königen grundsätzlich infrage stellt. Kurz darauf trifft er schließlich auf Sir Bedevere, dessen abenteuerliche Beweisführung in einem Hexenprozess Artus überzeugt. Danach folgen Sir Lancelot, Sir Galahad, Sir Robin und der „Herr, der in diesem Film nicht erscheint“. Damit ist die Tafelrunde komplett, doch die Mission bleibt noch offen.

Aus den Wolken erteilt Gott persönlich den Auftrag: Die Ritter sollen den Heiligen Gral finden. Vor einer französisch besetzten Burg erleben sie jedoch ihre erste Demütigung – statt Kampf gibt es Beleidigungen, Diskussionen über die Flugbahn von Schwalben sowie einen Hagel aus Tieren. Daraufhin trennt sich die Gruppe, sodass jeder Ritter allein weiterzieht. Sir Robin begegnet einem dreiköpfigen Riesen und ergreift deshalb heimlich die Flucht. Der Sir Galahad gerät dagegen in das Schloss Dosenschreck, eine Festung voller Frauen, deren Aufmerksamkeit ihm sichtlich zusagt. Sir Lancelot wiederum stürmt eine Hochzeit, weil er in einem Hilferuf das Zeichen seines Lebens vermutet.

Höhle, Brücke und Polizeisirene

Artus und Bedevere verirren sich in einen Wald, dessen Durchquerung die „Ritter, die Ni sagen“ nur gegen ein Gebüsch gestatten. Ein alter Mann lenkt sie zur Höhle von Caerbannog, in der eine Inschrift den Ort des Grals offenbaren soll. Vor dem Eingang lauert ein zotteliges Killerkaninchen. Drei Ritter sterben, bevor Bruder Maynard die „Heilige Handgranate von Antiochia“ überbringt. Mit drei Sekunden – und nicht fünf – fliegt das Tier in Stücke. Die Inschrift verweist auf eine Burg jenseits der Brücke des Todes. Eine Trickfilmbestie unterbricht die Szene, bis der Zeichner einem Herzinfarkt erliegt.

An der Brücke des Todes verlangt der Wächter drei Antworten. Sir Lancelot besteht, während Sir Robin und Sir Galahad scheitern. Artus dreht die Logik um und stellt eine Gegenfrage, die den Wächter selbst in die Tiefe reißt. Im Nebel verlieren sie Lancelot, finden jedoch eine herrenlose Wikingerfähre und erreichen die letzte Burg. Dort residieren wieder die Franzosen, sodass Beleidigungen fallen und erneut Tiere fliegen. Daraufhin ruft Artus ein Heer aus dem Nichts.

Bevor der Sturmangriff beginnt, fahren Polizeiwagen vor. Die Beamten ermitteln im Mordfall eines Historikers, der zu Beginn des Films während eines Interviews von einem Reiter erschlagen wurde. Seine Witwe identifiziert Artus als Täter. Daraufhin werden die Ritter verhaftet, während ein Polizist die Hand vor das Kameraobjektiv hält. Der Film endet nicht, sondern bricht plötzlich ab. Damit fällt das Werk aus der Fiktion in eine groteske Gegenwart, die mit dem mittelalterlichen Plot kollidiert. Der Gral bleibt verschwunden, während die Pointe in der Auflösung der Form selbst liegt.

Filmkritik und Fazit zum Film „Die Ritter der Kokosnuss“

Was „Die Ritter der Kokosnuss“ so haltbar macht, ist nicht der Witz allein, sondern die formale Disziplin dahinter. Gilliam und Jones inszenieren das Mittelalter als materiell unzuverlässige Welt, in der Kostüme aus grobem Leinen, Nebel und Schlamm eine erstaunlich plausible Atmosphäre erzeugen. Die Kamera von Terry Bedford bleibt nah, fast dokumentarisch, was den Anachronismen ihre komische Wucht verleiht. Bedevere erklärt in der Hexenszene physikalische Gleichungen, als säße er in einem Seminar. Die Diskrepanz zwischen Setting und Sprache trägt den Film über weite Strecken.

Das Tempo ist konsequent uneben, und das ist Programm. Sketche enden ohne Pointe, Szenen brechen mitten im Satz ab, Zeichentricksequenzen übernehmen die Erzählarbeit, wo das Budget kapitulierte. Gerade diese Unfertigkeit erzeugt einen eigenen Rhythmus. Das Sounddesign arbeitet sparsam mit Blasinstrumenten, Mönchsgesang und dem ikonischen Kokosnussklappern, das längst zur Kulturchiffre geworden ist. Wer durchgängige Erzähllogik sucht, wird sie nicht finden. Der Verzicht auf Geschlossenheit ist hier keine Schwäche, sondern Methode.

Für Liebhaber britischer Komik bleibt der Film ein Pflichtprogramm. Die deutsche Synchronfassung verfälscht die feinere Tonlage des Originals spürbar, weshalb sich der Blick in die Originalsprache lohnt. Zwischen Kaninchen, Kokosnüssen und dadaistischer Selbstauflösung liegt mehr filmische Intelligenz, als manchem opulenten Historienfilm in zwei Stunden gelingt. Eine Komödie, die das Genre nicht bedient, sondern befragt.

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