Bruce Allmächtig
Was wäre, wenn ein Mensch für eine Woche die Rolle Gottes übernähme – nicht aus Berufung, sondern aus Trotz? „Bruce Allmächtig“ stellt diese Frage mit einer Leichtigkeit, die täuscht. Tom Shadyac inszeniert 2003 eine Komödie, die sich hinter ihrer clownesken Fassade eine theologische Grundfrage bewahrt: Wer trägt Verantwortung für das Leid der Welt? Jim Carrey liefert dabei eine Vorstellung, die seinen ganz eigenen Aggregatzustand zwischen Körperkomik und verhaltener Melancholie zeigt.

| Dauer: | 101 Min. |
|---|---|
| FSK: | 6 (DE) |
| Jahr: | 2003 |
| Kategorien: | Fantasy, Komödie |
| Regie: | Tom Shadyac |
| Produzenten: | Michael Bostick, James D. Brubaker, Jim Carrey, Steve Koren, Mark O'Keefe, Tom Shadyac |
| Hauptdarsteller: | Jim Carrey, Morgan Freeman, Jennifer Aniston |
| Nebendarsteller: | Philip Baker Hall, Catherine Bell, Lisa Ann Walter, Steve Carell |
| Studio: | Pit Bull Productions, Spyglass Entertainment, Universal Pictures, Shady Acres Entertainment |
Der Film trifft einen Nerv, der über das bloße Lachen hinausgeht. Im Amerika des Jahres 2003 – mitten im Irak-Krieg, unter einem umstrittenen Präsidenten – fragt er, ob Gott seinen Job richtig macht. Das ist mutiger, als es zunächst scheint. Kann ein Hollywoodblockbuster aus dem Hause Universal diese Frage stellen, ohne die Antwort zu verkaufen?
Besetzung, Regie und Drehorte
„Bruce Allmächtig“ ist eine US-amerikanische Fantasykomödie aus dem Jahr 2003 mit einer Laufzeit von 101 Minuten. Regie führt Tom Shadyac, das Drehbuch stammt von Steve Oedekerk, Mark O’Keefe und Steven Wayne Koren. Produziert wurde der Film von Universal Pictures und Shadyacs eigener Produktionsfirma Shady Acres. Die Kamera verantwortet Dean Semler, den Schnitt Scott Hill. Die Filmmusik komponierte John Debney, aufgeführt vom Hollywood Studio Symphony.
Jim Carrey spielt die Titelrolle Bruce Nolan, einen Fernsehreporter, der an seinen Umständen verzweifelt. An seiner Seite steht Jennifer Aniston als seine Freundin Grace Connelly. Morgan Freeman übernimmt die Rolle Gottes. Steve Carell ist als Bruces Rivale Evan Baxter zu sehen, Catherine Bell als Co-Moderatorin Susan Ortega. Philip Baker Hall, Lisa Ann Walter und Nora Dunn vervollständigen das Ensemble. Tony Bennett hat einen Gastauftritt und singt sich selbst.
Der Film erhielt in Deutschland eine FSK-Freigabe ab 6 Jahren. Gedreht wurde unter anderem auf dem Gelände der Universal Studios Hollywood, wo die Kulissen für Buffalo entstanden. Der Soundtrack erschien am 3. Juni 2003 beim Label Varèse Sarabande und versammelt neben Debneys Orchestermusik Pop- und Rocktitel von Joan Osborne, Snap! und Fatboy Slim. Der Film spielte weltweit rund 484,5 Millionen US-Dollar ein.
Handlung & Inhalt vom Film „Bruce Allmächtig“
Bruce Nolan arbeitet als Außenreporter für den Lokalsender Channel 7 Eyewitness News in Buffalo, New York. Dabei berichtet er jedoch meist nur über Kleinigkeiten: den größten Keks der Stadt oder alte Schiffe an den Niagarafällen. Genau das macht ihn zunehmend unglücklich, denn eigentlich träumt er davon, Anchorman zu werden. Als schließlich der bisherige Hauptmoderator in Rente geht, erkennt Bruce seine Chance und ist überzeugt, der Richtige für den Job zu sein. Währenddessen liebt ihn seine Freundin Grace aufrichtig, sodass sein Leben von außen betrachtet eigentlich in Ordnung wirkt.
Doch während eines Live-Einsatzes erfährt Bruce plötzlich vor laufender Kamera, dass sein Kollege Evan Baxter die Anchorstelle bekommt. Daraufhin verliert er die Kontrolle und rastet aus, was ihn letztlich seinen Job kostet. In der Folge häufen sich an einem einzigen schwarzen Tag die Tiefschläge: ein Überfall, weitere Demütigungen und das Gefühl völliger Niederlage. Schließlich macht Bruce sogar Gott dafür verantwortlich und beschwert sich lautstark über sein Leben. Kurz darauf erhält er jedoch eine mysteriöse Pager-Nachricht mit einer Telefonnummer. Folglich folgt er ihr zu einem Lagerhaus, wo ihm ein älterer Mann im weißen Anzug begegnet – Gott, verkörpert von Morgan Freeman. Dieser bietet Bruce an, seinen Platz einzunehmen, und überträgt ihm tatsächlich göttliche Kräfte.
Macht, Chaos und die Grenzen des Willens
Zunächst nutzt Bruce diese Fähigkeiten ausschließlich für persönliche Zwecke. So verwandelt er seinen alten Datsun in einen Sportwagen, zieht den Mond näher zur Erde, um Grace zu beeindrucken, und demütigt Evan live im Fernsehen. Außerdem wird er bald als „Mr. Exclusive“ bekannt, da er selbst für Sensationsmeldungen sorgt: Er lässt den verschollenen Gewerkschaftsboss Jimmy Hoffa auftauchen und einen Meteoriten einschlagen. Gleichzeitig feiern die Buffalo Sabres überraschend den Stanley Cup, wodurch Bruce seinen neuen Einfluss voll auskostet.
Doch schon bald kippt die Situation, denn die Folgen seiner Entscheidungen häufen sich massiv. Da Bruce alle Gebete einfach mit „Ja“ beantwortet, gewinnen tausende Menschen gleichzeitig im Lotto, was jedoch nur zu geringen Auszahlungen führt und Chaos auslöst. Zusätzlich verursacht der Meteorit Stromausfälle, während der verschobene Mond Überschwemmungen auslöst. Parallel dazu entdeckt Grace Bruce in einer kompromittierenden Situation mit Kollegin Susan Ortega und verlässt ihn enttäuscht. Obwohl Bruce versucht, ihre Liebe mit seinen Kräften zurückzugewinnen, zeigt sich schnell, dass der freie Wille unantastbar bleibt und Buffalo zunehmend im Chaos versinkt.
Schließlich gibt Bruce auf und kehrt zu Gott zurück, um die Kräfte zurückzugeben. Kurz darauf wird er auf einer einsamen Straße von einem Lastwagen erfasst und erwacht in einem weißen Nichts, scheinbar tot. Dort erscheint ihm erneut Gott, und Bruce wünscht sich nur, dass Grace einen Mann findet, der sie wirklich glücklich macht. Daraufhin erwacht er am Straßenrand, wird gerettet und im Krankenhaus wiederbelebt. Schließlich besucht ihn Grace, und beide versöhnen sich. Am Ende kehrt Bruce als Außenreporter zurück – diesmal jedoch mit deutlich mehr innerem Frieden und Gelassenheit.
Filmkritik und Fazit zum Film „Bruce Allmächtig“
„Bruce Allmächtig“ ist ein Film, der sein Potenzial nie vollständig ausschöpft – und trotzdem funktioniert. Shadyac setzt auf Carrey, wie man auf eine Wettermaschine setzt: Man richtet die Kamera aus und lässt ihn laufen. Die Grimassen, das Gummigesicht, die Überdehnung des menschlichen Ausdrucks ins Clowneske – all das beherrscht Carrey mit einer Präzision, die man leicht unterschätzt. Morgan Freeman als Gott ist dagegen ein Kontrapunkt von seltenem Kaliber. Er spricht wenig, trägt viel. Jene Szenen, in denen Carrey und Freeman aufeinandertreffen, entwickeln eine seltene Energie aus Kontrast.
Das Drehbuch gliedert sich in drei erkennbare Phasen, und der Übergang vom zweiten zum dritten Teil ist die kritische Stelle. Die erste Hälfte funktioniert als Slapstick mit theologischer Rahmung: Wenn Bruce den Mond heranzieht oder Evan live auf Sendung sabotiert, bedient der Film jenen schuldlosen Wunschtraum, den das Publikum kennt. Das Tempo stimmt, der Rhythmus sitzt. Im letzten Drittel hingegen wechselt der Film seinen Tonfall. Die Moral drängt nach vorn. Das ist inhaltlich konsequent, erzählerisch aber weniger geschmeidig – die Komödie verliert ihre Leichtfüßigkeit, ohne echte dramatische Tiefe zu gewinnen. Dean Semlers Kamera bleibt dabei stets verlässlich, John Debneys Musik fügt sich unauffällig ins Geschehen.
Wer eine Komödie mit Tempo, einem unerschöpflichen Hauptdarsteller und einem Morgan Freeman in Bestform sucht, wird bei „Bruce Allmächtig“ gut unterhalten. Wer auf die theologische Frage eine ehrliche Antwort erwartet, wird mit einer freundlichen Lektion entlassen. Das ist kein Versagen – es ist eine Entscheidung. Für Fans des klassischen Hollywood-Komödienformats mit einem Hauch Metaphysik lohnt sich dieser Film.