Duell der Magier

Als Walt Disney im Jahr 1940 einen unbeholfenen Zauberlehrling namens Micky Maus gegen einen Heerscharen von Besen antreten ließ, ahnte wohl niemand, dass diese kurze Filmsequenz sieben Jahrzehnte später als Blaupause für einen abendfüllenden Hollywood-Blockbuster dienen würde. „Duell der Magier“ aus dem Jahr 2010 nimmt diese Erbschaft ernst – und spielt zugleich unbekümmert damit. Der Film kondensiert Goethe, Fantasia und modernes Popcorn-Kino zu einem Amalgam, das weder literarischen noch cineastischen Anspruch erhebt, aber eben auch keinen verbirgt.

Duell der Magier
Dauer: 109 Min.
FSK: 12 (DE)
Jahr: 2010
Kategorien: Action, Fantasy
Regie: Jon Turteltaub
Produzenten: Jerry Bruckheimer
Hauptdarsteller: Nicolas Cage, Jay Baruchel, Alfred Molina
Nebendarsteller: Teresa Palmer, Toby Kebbell, Omar Benson Miller, Monica Bellucci
Studio: Walt Disney Pictures, Jerry Bruckheimer Films, Saturn Films, Broken Road Productions, Junction Entertainment

New York City als Schauplatz eines jahrtausendealten Magierkriegs – das ist ein Versprechen, das Jon Turteltaub mit ambitioniertem Produktionsaufwand und merkwürdiger Unaufgeregtheit zugleich einlöst. Wo andere Fantasykino auf maximale Ergriffenheit zielt, wählt dieser Film die Geste der Selbstdistanzierung. Was treibt einen Film an, der seinen eigenen Stoff mit spürbar leichter Hand trägt – und wann gerät diese Leichtigkeit zur Oberflächlichkeit?

Besetzung, Regie und Drehorte

Duell der Magier“ entstand unter der Regie von Jon Turteltaub, der bereits mit Nicolas Cage in den beiden „National Treasure“-Abenteuern zusammengearbeitet hatte. Das Drehbuch verfassten Lawrence Konner, Mark Rosenthal und Matt Lopez nach einer Idee, die maßgeblich auf Nicolas Cage selbst zurückgeht. Produzent Jerry Bruckheimer verantwortete die Produktion, Bojan Bazelli übernahm die Kameraarbeit, und William Goldenberg den Schnitt. Die Filmmusik komponierte Trevor Rabin, der das Werk durch seinen Einsatz von Paul Dukas‘ symphonischem Gedicht „Der Zauberlehrling“ bewusst an die Fantasia-Tradition anknüpft.

Nicolas Cage verkörpert den Jahrtausende alten Zauberer Balthazar Blake, sein Lehrling Dave Stutler wird von Jay Baruchel gespielt. Alfred Molina gibt den Antagonisten Maxim Horvath, Teresa Palmer übernimmt die Rolle der Becky als romantisches Gegengewicht. Monica Bellucci ist als Zauberin Veronica zu sehen, Alice Krige als die mächtige Morgana le Fay. Toby Kebbell besetzt den Showmagier Drake Stone, Omar Benson Miller Daves Mitbewohner Bennet. Ian McShane leiht dem Film seine Stimme als Erzähler – ungenannt im Abspann.

Die Dreharbeiten fanden überwiegend an Originalschauplätzen in New York City statt, darunter der Washington Square Park und Chinatowns Eldridge Street. Daves Labor entstand in einer aufgegebenen U-Bahn-Station unter dem New Yorker Rathaus sowie in einem Studioaufbau. Das Bedford Armory in Crown Heights beherbergte mehrere weitere Sets. Der Film läuft 109 Minuten und ist ab FSK 12 freigegeben.

Handlung & Inhalt vom Film „Duell der Magier“

Im Jahr 740 nach Christus tobt ein Krieg zwischen den Lagern des Zauberers Merlin und seiner Erzfeindin Morgana le Fay. Merlin hat drei Lehrlinge: Balthazar, Veronica und Horvath. Als Morgana Merlin tödlich verwundet und ihm einen vernichtenden Zauber entwendet, greift Veronica ein. Sie nimmt Morganas Seele in sich auf, um die Welt der Menschen zu schützen. Balthazar schließt die verschmolzenen Seelen Veronicas und Morganas in einem Seelengral in Form ineinander gesteckter Matrjoschka-Puppen ein. Im Laufe der Jahrhunderte gelingt es Balthazar, weitere Verbündete Morganas zu fangen – darunter Horvath, der sich gegen Merlin gewandt hatte. Rund zwölf Jahrhunderte später trifft Balthazar in New York City auf den zehnjährigen Dave Stutler. Ein Merlins Nachfolger kennzeichnender Drachenring reagiert auf das Kind. Dave scheint der lang gesuchte Erbe Merlins zu sein – doch die Begegnung endet mit einer Katastrophe.

Versehentlich befreit Dave Horvath aus dem Seelengral, und im anschließenden Zweikampf werden sowohl Balthazar als auch Horvath für ein Jahrzehnt in einem Behälter eingeschlossen. Die verstörende Erfahrung lässt Dave verändert zurück. Er wächst zu einem schüchternen, hochbegabten Physikstudenten heran, der in einer stillgelegten U-Bahn-Station mit Tesla-Transformatoren experimentiert. Mit Balthazars und Horvaths Befreiung nach zehn Jahren setzt die eigentliche Handlung ein. Dave entdeckt während einer Vorlesung seine Jugendliebe Becky wieder. Balthazar sucht ihn auf und beginnt, den widerstrebenden Dave zur Magie auszubilden. Horvath seinerseits verbündet sich mit dem Showzauberer Drake Stone, der als Mitglied von Morganas Partei fungiert. Gemeinsam bringen die beiden den Seelengral in ihre Gewalt. Balthazar und Dave versuchen, den Gral zurückzuholen, scheitern jedoch zunächst: Dave gibt Horvath den Drachenring, um Becky zu retten.

Zug um Zug in die Entscheidung

Während Horvath immer mächtiger wird, sammelt er zusätzliche magische Kräfte. Zunächst entmachtet er Drake Stone, anschließend auch die aus dem Gral befreite Hexe Abigail Williams mithilfe eines Parasitenzaubers. Dadurch verfügt er nun über mehrere zusätzliche Zauberkräfte sowie den Seelengral. Schließlich gelingt es ihm, Morgana aus ihrer Gefangenschaft zu befreien. Daraufhin manifestiert sich Morgana im Körper Veronicas und beginnt innerhalb eines Pentakels aus reiner Energie, eine Armee verstorbener Zauberer zu erwecken. Ihr Ziel ist die Vernichtung der Menschheit. Gleichzeitig unterliegt Balthazar Horvath im direkten Duell. Im letzten Moment rettet Dave ihn jedoch mit Plasmablitzen aus einem umgerüsteten Fahrzeug. Währenddessen gelingt es Becky, das Energiepentagramm zu unterbrechen.

Anschließend beschließt Balthazar, sich zu opfern, um Morgana erneut einzuschließen. Zwar gelingt der Plan teilweise, denn Veronicas Körper wird befreit, doch gleichzeitig entkommt Morgana und verletzt Balthazar schwer. Daraufhin stellt sich Dave der Hexe entgegen. Dabei errichtet er sogar ohne Zauberring eine Schutzwand gegen ihre Angriffe – etwas, das nur Merlins wahrer Nachfolger vollbringen kann. Im entscheidenden Finale verbindet Dave schließlich seine Physikkenntnisse mit seiner Magie. Zuerst leitet er Plasmablitze über die Straßenlaternen der Stadt, anschließend bündelt er deren Energie gegen Morgana. Dadurch vernichtet er die Hexe endgültig. Obwohl Balthazar kurz darauf seinen Verletzungen erliegt, gelingt es Dave schließlich, ihn wiederzubeleben.

Nach dem Showdown sind Balthazar und Veronica endlich vereint. Dave und Becky gestehen sich ihre Gefühle. Von Horvath bleibt nur sein Hut zurück. Im letzten Bild nach dem Abspann taucht eine Gestalt in Balthazars Laden auf, nimmt den Hut und verschwindet – ein Hinweis, der offen bleibt.

Filmkritik und Fazit zum Film „Duell der Magier“

Duell der Magier“ zeigt am deutlichsten dort seine Stärken, wo er auf Schablonen verzichtet. Nicolas Cage spielt Balthazar Blake mit einer abgeklärten Gleichmut, die seiner Figur mehr Kontur verleiht als jeder dramatische Ausbruch es könnte. Jay Baruchel besetzt den Archetyp des unwilligen Helden mit ehrlicher Nervosität, die den Figuren eine Bodenhaftung gibt. Alfred Molina als Horvath stellt beide mit einer Präsenz in den Schatten, die aus wenigen gezielten Gesten mehr Bedrohlichkeit schöpft als ganze Actionsequenzen. Regisseur Jon Turteltaub hält die Balance zwischen Selbstironie und Handlungsdruck erstaunlich lange aufrecht – und verliert sie erst im letzten Drittel.

Die Inszenierung setzt auf praktische Effekte mit CGI-Unterstützung: Echte Flammen, LED-Handschuhe als Lichtreferenz für Plasmablitze, Kabel und Chroma-Key-Anzüge für schwebende Objekte. Diese Entscheidung verleiht dem Geschehen eine haptische Qualität, die rein digitale Produktionen selten erreichen. Bojan Bazellis Kamera bewegt sich durch New Yorks Straßenschluchten mit sicherem Gespür für städtische Enge und architektonische Monumentalität. Trevor Rabins Partitur leistet ihren Dienst, bleibt aber hinter dem Moment zurück, in dem Paul Dukas‘ Original erklingt – der Putzszene mit Wischmop, Beil und Schatten an der Wand, die Fantasia respektvoll nachstellt, ohne sie zu überbieten.

Wer Fantasy-Abenteuer mit narrativer Konsequenz und emotionaler Tiefe sucht, wird hier nicht vollends fündig. Der Film ist ein Vergnügen, das sich seiner Grenzen bewusst scheint und diese Grenzen mit Charme trägt. Für Zuschauer, die Selbstironie höher bewerten als epische Ernsthaftigkeit, und für jüngere Genre-Einsteiger lohnt sich das Wiedersehen mit Goethes Lehrling im modernen Manhattan durchaus.

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