Minions
Es gibt Figuren im Kino, die von Anfang an als Beiwerk gedacht sind – und die dennoch alle anderen überstrahlen. Die kleinen gelben Wesen aus „Minions“ gehören seit ihrem ersten Auftritt in der Filmreihe um den Superschurken Gru zu jenen seltenen Ausnahmen, die ein Publikum schlicht um den Verstand bringen. Ihr Kauderwelsch, ihre Tollpatschigkeit, ihre unerschütterliche Loyalität gegenüber dem jeweils schrecklichsten Bösewicht der Epoche – all das hat längst Kultstatus erreicht. Nun bekommen die Gelblinge einen eigenen Film.

| Dauer: | 91 Min. |
|---|---|
| FSK: | PG (US) |
| Jahr: | 2015 |
| Kategorien: | Animation |
| Regie: | Kyle Balda, Pierre Coffin |
| Produzenten: | Janet Healy, Chris Meledandri |
| Hauptdarsteller: | Sandra Bullock, Jon Hamm, Michael Keaton |
| Nebendarsteller: | Allison Janney, Steve Coogan, Jennifer Saunders, Geoffrey Rush |
| Studio: | Illumination, Universal Pictures |
Was passiert, wenn die Sidekicks zur Hauptsache werden? Diese Frage stellt sich bei jedem Spin-off mit Berechtigung. Das Animationskino kennt dabei den schmalen Grat zwischen klugem Eigenformat und bloßer Merchandising-Verlängerung besser als jedes andere Genre. Ob „Minions“ diesen Grat mit Würde beschreitet oder von ihm herunterstolpert – das ist eine Frage, die der Film selbst mit wachsender Ambiguität beantwortet.
Besetzung, Regie und Drehorte
„Minions“ ist ein US-amerikanischer 3D-Animationsfilm aus dem Jahr 2015, produziert von Illumination Entertainment für Universal Pictures. Regie führten Pierre Coffin, der auch beiden Vorgängerfilmen der Reihe „Ich – Einfach unverbesserlich“ vorstand, und Kyle Balda. Das Drehbuch stammt von Brian Lynch. Produziert wurde der Film von Chris Meledandri und Janet Healy, die musikalische Untermalung übernahm Heitor Pereira, den Schnitt verantwortete Claire Dodgson.
Die wichtigste menschliche Rolle des Films, Superschurkin Scarlet Overkill, wird im Original von Sandra Bullock gesprochen; ihr Ehemann Herb Overkill erhält die Stimme von Jon Hamm. Die Synchronisation für den deutschen Markt übernahm die FFS Film- & Fernseh-Synchron GmbH in Berlin; Comedian Carolin Kebekus leiht Scarlet Overkill ihre Stimme. Fast alle Minion-Figuren werden im Original von Pierre Coffin selbst gesprochen. Die Handlung spielt im Jahr 1968 und führt von einer Eishöhle über New York und Orlando bis nach London.
Der Film hatte am 11. Juni 2015 in London Weltpremiere und wurde wenige Tage später beim Festival d’Animation Annecy präsentiert. In Deutschland startete er am 2. Juli 2015. Die Laufzeit beträgt 91 Minuten, die FSK-Freigabe gilt ab 0 Jahren. „Minions“ ist der erste nicht von Disney produzierte Animationsfilm, der weltweit mehr als eine Milliarde US-Dollar einspielte.
Handlung & Inhalt vom Film „Minions“
Seit der Frühzeit der Erde existieren die Minions – kleine, gelbe, pillenförmige Wesen mit einem einzigen Antrieb: dem gefährlichsten Schurken der jeweiligen Epoche zu dienen. Die Eröffnungssequenz des Films erzählt in rasantem Tempo von ihrer langen Geschichte als Gehilfen des Bösen. Ein Tyrannosaurus Rex, ein ägyptischer Pharao, Dschingis Khan, Graf Dracula und Napoleon Bonaparte – alle werden von den loyalen, aber unberechenbar tollpatschigen Minions bedient, und alle kommen durch ebenjene Diener zu Schaden. Nach dem letzten Missgeschick, dem Scheitern von Napoleons Russlandfeldzug, ziehen sich die führerlosen Minions in eine Eishöhle in der Antarktis zurück.
Die Isolation hat ihren Preis. Ohne Anführer verfallen die Minions in eine kollektive Depression, die sich in erschöpften Fußballspielen und antriebslosen Alltagsritualen äußert. Im Jahr 1968 fasst der überdurchschnittlich intelligente Kevin einen Plan: Er will in die Welt hinaus und einen neuen Meister finden. Der vorlaute Stuart und der kindliche Bob schließen sich ihm an – letzterer wider Kevins Willen. Die drei machen sich auf den Weg nach New York City, wo sie erfahren, dass in Orlando die sogenannte Villain-Con stattfindet, ein Treffen von Superschurken auf der Suche nach neuen Helfern. Eine kriminelle Familie nimmt die Minions als Anhalter mit und bringt sie ans Ziel.
Chaos in der Krone: Auftrag, Verrat und Verfolgung
Zunächst stehlen die drei Minions auf der Villain-Con Scarlets Rubin. Daraufhin nimmt Scarlet sie mit nach London und prüft sie. Anschließend befiehlt sie, die Krone der Königin zu stehlen. Gleichzeitig droht sie: Versagen bedeutet den sicheren Tod. Mit Herbs Waffen dringen Kevin, Stuart und Bob in den Tower ein. Doch die Krone entkommt, sodass sie erst bei Verfolgung zugreifen. Schließlich zieht Bob Excalibur und wird unerwartet König von England.
Doch Bobs Herrschaft endet schnell, denn die Minions bleiben loyal. Deshalb tritt Bob zurück, um weiterhin Scarlet zu dienen. Allerdings verrät Scarlet sie sofort und sperrt sie ein. Zwar scheitern die Foltergeräte, dennoch bleiben sie gefangen. Daraufhin fliehen sie durch die Kanalisation zurück zur Abbey. Dort stören sie die Krönung und lösen Chaos aus. Schließlich fällt ein Kronleuchter auf Scarlet und unterbricht alles.
Im Finale bricht Kevin in Herbs Labor ein und wächst riesig. Er rettet Stuart und Bob vor der drohenden Hinrichtung. Die gesamte Minions-Schar erreicht London und lenkt Scarlet ab. Kevin schrumpft, landet sicher und dient als improvisierter Fallschirm. Elisabeth II. wird wieder Königin, doch Gru stiehlt die Krone. Die Minions erkennen in ihm ihren neuen Meister und folgen.
Filmkritik und Fazit zum Film „Minions“
„Minions“ ist ein Film, der konsequent das einlöst, was sein Titel verspricht – und genau darin liegt sowohl seine Stärke als auch seine Grenze. Pierre Coffin und Kyle Balda haben mit dem Eröffnungsabschnitt, der die evolutionäre Geschichte der Gelblinge in schnellen, pointierten Episoden erzählt, eine der dichtesten Komiksequenzen des Animationskinos der 2010er Jahre geschaffen. Die visuelle Präzision dieser ersten Minuten – die Mimik der Figuren, das Timing der Slapstick-Gags, die Farbdramatik der verschiedenen historischen Epochen – zeigt, dass Illumination Entertainment handwerklich auf höchstem Niveau arbeitet. Heitor Pereiras Soundtrack, der geschickt Original-Evergreens der 1960er Jahre einbindet, verleiht dem Film eine eigene, charmante Identität.
Das Tempo des Films ist erratisch, aber selten langweilig. Sobald jedoch die drei Protagonisten Kevin, Stuart und Bob auf sich allein gestellt agieren müssen, zeigt sich eine strukturelle Schwäche: Die Minions funktionieren in der Masse, weniger als individuelle Helden einer klassisch erzählten Geschichte. Die Kanalisation, die Verfolgungsjagd durch London, der Auftritt in Westminster Abbey – diese Szenen sind reich an Einfällen, aber arm an emotionaler Bindung. Scarlet Overkill, gesprochen von Carolin Kebekus mit beachtlicher Energie, bleibt trotz ihrem Charisma eine funktionale Antagonistin ohne echte Tiefe. Ihr Fehlen eines ernsthaften Motivs – und damit das Fehlen eines richtigen Gegenpols – kostet den Film das emotionale Gewicht, das etwa Gru in den Vorgängerfilmen mühelos vermittelte.
Dennoch bleibt „Minions“ ein Animationsfilm mit echtem Unterhaltungswert – für ein Publikum, das bereit ist, Substanz gegen Tempo einzutauschen. Kinder werden von der Bildsprache und dem Körperhumor begeistert sein, Erwachsene von den kulturellen Anspielungen, sei es die Beatles-Szene oder die Mondlandungs-Satire. Wer von einem Spin-off keine eigenständige Erzähltiefe erwartet, sondern eine gut geölte Gasmaschinerie mit gelbem Lack, findet hier genau das.