Tom & Jerry

Wenn ein Kater und eine Maus seit über achtzig Jahren durch die popkulturelle Erinnerung jagen, stellt sich bei jeder Neuauflage dieselbe Frage: Was bleibt übrig, wenn man das minimalistische Duell auf Spielfilmlänge dehnt? Tim Storys „Tom & Jerry“ aus dem Jahr 2021 versucht eine Antwort, die zwischen liebevoller Traditionspflege und modernem Hybridkino pendelt. Das Ergebnis bewegt sich auf schmalem Grat. Zwischen Nostalgie und Neuinszenierung muss sich die Produktion behaupten. Warner Animation Group wagt dabei einen alten Trick in neuem Gewand.

Tom & Jerry
Dauer: 101 Min.
FSK: PG (US)
Jahr: 2021
Kategorien: Animation, Komödie
Regie: Tim Story
Produzenten: Christopher DeFaria
Hauptdarsteller: Chloë Grace Moretz, Michael Peña, Colin Jost
Nebendarsteller: Rob Delaney, Ken Jeong, Pallavi Sharda, Jordan Bolger
Studio: Warner Animation Group, Turner Entertainment Co., The Story Company, Warner Bros. Pictures

Die Verbindung aus Realfilm und zweidimensional anmutender Computeranimation hat eine prominente Ahnenreihe, von Zemeckis bis Disney. Story reiht sich bewusst ein, ohne kopieren zu wollen. Das Manhattaner Luxushotel als Schauplatz verspricht Chaos mit Fallhöhe. Die Figuren bleiben stumm, das Tempo soll den Dialog ersetzen. Inszenatorisch setzt der Film auf Helligkeit, Farbe und ein fast pastelliges Setdesign. Ob daraus ein Film entsteht, der mehr ist als die Summe seiner Zitate?

Besetzung, Regie und Drehorte

Tom & Jerry“ startete in den Vereinigten Staaten am 26. Februar 2021 und erreichte deutsche Kinos pandemiebedingt erst am 12. August. Regie führte Tim Story, bekannt aus Komödienstoffen wie „Shaft“ und „Ride Along“. Das Drehbuch stammt von Kevin Costello, für den der Film nach „Brigsby Bear“ das erste Solo-Projekt darstellt. Produziert wurde die Warner-Animation-Group-Produktion unter anderem von Allison Abbate, Christopher DeFaria und Sam Register. Die Filmmusik komponierte Christopher Lennertz, langjähriger Weggefährte Storys. Für die Kamera zeichnete Alan Stewart verantwortlich.

In der Hauptrolle der Kayla Forester agiert Chloë Grace Moretz, die zuvor Konkurrenz durch Namen wie Zoey Deutch und Olivia Cooke hatte. Michael Peña verkörpert den misstrauischen Eventmanager Terence Mendoza. Rob Delaney spielt Hotelchef DuBros, Colin Jost und Pallavi Sharda geben das prominente Brautpaar Ben und Preeta. Ken Jeong erscheint als cholerischer Küchenchef Jackie, Jordan Bolger als Cameron. Die Sprecherriege der animierten Figuren umfasst Bobby Cannavale als Spike und Nicky Jam als Butch.

Die Dreharbeiten fanden zwischen Juli und September 2019 in den Warner Bros. Studios Leavesden in Hertfordshire statt. Die Animation übernahm Framestore mit rund einhundertzwanzig Mitarbeitern in London und Montreal. Die Laufzeit beträgt einhunderteins Minuten, die deutsche Altersfreigabe liegt bei FSK 0. 2022 folgten Nominierungen bei den Goldenen Himbeeren.

Handlung & Inhalt vom Film „Tom & Jerry“

Die kleine Maus Jerry streift auf der Suche nach einem neuen Zuhause durch New York. Ein parkender Wagen bietet kurz Unterschlupf, genügt aber nicht. Auf der Flucht vor einer Möwe landet Jerry in einem Park, wo Kater Tom als angeblich blinder Keyboardspieler Passanten um Almosen angeht. Jerry durchschaut die Masche sofort und wittert ein Geschäft. Gemeinsam spielen sie ein Straßenduo, bis der Schwindel auffliegt. Die Verfolgung führt die beiden ins feudale Royal Gate Hotel. Dort erschleicht sich parallel die junge Kayla mit einem geklauten Lebenslauf eine Anstellung. Hotelmanager Terence bleibt misstrauisch, doch DuBros entscheidet sich für sie.

Kurz darauf macht sich Jerry in einem leerstehenden Zimmer gemütlich. Tom erspäht ihn von außen, klettert über Stromleitungen und gelangt nach einer elektrisierenden Panne schließlich ins Zimmer. Ein verheerender Schlagabtausch verwüstet den Raum. Kayla wittert ihre Chance und verpflichtet Tom offiziell als Mäusefänger. Währenddessen kündigt sich das Hochpromipaar Preeta und Ben an, deren Traumhochzeit das Hotel ausrichten soll. Die Inszenierung verlangt höchste Diskretion. Kayla bekommt zusätzlich den delikaten Auftrag, Preetas verlorenen Ehering ausfindig zu machen. Jerry entdeckt den Ring zuerst und nutzt die Gelegenheit für einen Deal.

Eskalation zwischen Katz, Maus und Mensch

Spike, der Hund des Bräutigams, mischt sich ungewollt in den Krieg der beiden Erzrivalen ein. Eine Staubwolke aus Krallen, Zähnen und zerberstendem Porzellan fegt durch das Foyer und über das Dach. Mr. DuBros reagiert erzürnt und feuert Terence, da dieser den Schaden von zehntausend Dollar zu verantworten habe. Terence sinnt fortan auf Rache. Kayla indes stellt Tom und Jerry ein Ultimatum: Wer im Hotel bleiben will, muss einen Tag friedlich miteinander auskommen. Die beiden versuchen es tatsächlich, schlendern durch Manhattan und landen in einem Baseballstadion.

Dort entdeckt Terence sie und lässt die beiden ins Tierheim einliefern. Aus der Zelle heraus schmiedet er einen hinterhältigen Plan. Während im Hotel die orientalisch angehauchte Hochzeit mit Elefanten, Tigern und Gästeschar ihren Höhepunkt erreicht, schleust Terence den wütenden Tom zurück in den Festsaal. Die Maus taucht auf, die Elefanten panikartig in Bewegung, das Brautpaar stürzt, Spike und ein Tiger geraten aneinander. Das gesamte Fest kippt ins Chaos. Preeta trennt sich daraufhin von Ben.

Kayla wird des Betrugs überführt und fristlos entlassen, während Terence seinen Posten zurückerhält. Am nächsten Tag formieren Tom und Jerry einen Versöhnungsplan. Per Skateboard verfolgen sie Preeta, entführen mittels Drohne deren Katze Toots und bringen sie in den Park, wo Kayla den Schauplatz der Hochzeit kurzerhand unter freien Himmel verlegt hat. Ben hält ein zweites Mal um Preetas Hand an, und diesmal hält die Emotion. Mr. DuBros entschuldigt sich bei Kayla und stellt sie fest an. Tom und Jerry geraten zum Schluss prompt wieder aneinander, ganz wie es sein muss.

Filmkritik und Fazit zum Film „Tom & Jerry“

Tim Story gelingt mit „Tom & Jerry“ das handwerklich Schwierigste zuerst: Die zweidimensionale Anmutung der Titelfiguren bleibt auch im dreidimensionalen Raum bestehen, ohne bieder zu wirken. Framestores Animationsarbeit ist bemerkenswert präzise, jede Pose entspricht dem klassischen Figurenkanon. Alan Stewarts Kamera ahmt die Perspektivwechsel der alten Kurzfilme an, insbesondere in der Eröffnungssequenz im Central Park. Christopher Lennertz legt einen funktionalen, manchmal zu diensteifrigen Score darunter. Die Hotelkulissen wirken farbsatt, fast gemalt. Hier stimmt der visuelle Grundton.

Problematisch wird es, sobald das Drehbuch die Bühne freigibt. Kevin Costello verteilt das Gewicht erstaunlich schlecht. Die menschlichen Figuren, allen voran Kaylas Betrugsgeschichte und die matte Beziehungskrise des Brautpaars, verdrängen die Titelhelden regelmäßig an den Rand. Moretz spielt ihre Rolle mit spürbarem Einsatz, doch der Figur fehlt die Grundierung. Peñas Terence bleibt Schablone, Josts Ben Dekoration. Das rasante Staccato der klassischen Tom-und-Jerry-Gags kehrt nur sporadisch zurück, etwa in der Ballsaalzerstörung oder beim urbanen Skateboardchaos.

Für Nostalgiker bleibt der Film ein zwiespältiges Wiedersehen. Die Figuren wirken wie ein Versprechen, das der Plot nur halbherzig einlöst. Wer Hybridanimation als Technikschau goutiert, findet solide Handwerkskunst. Wer die anarchische Wucht der Originalkurzfilme sucht, wird häufig leer ausgehen. Als Familienunterhaltung für einen regnerischen Nachmittag funktioniert die Produktion dennoch ordentlich.

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