Kick-Ass
Was passiert, wenn ein ganz gewöhnlicher Teenager beschließt, Superheld zu werden – ohne Kräfte, ohne Geld, ohne Schicksal? „Kick-Ass“ stellt diese Frage mit einer Ernsthaftigkeit, die dann doch immer wieder von Blut, Witz und schwarzer Ironie überlagert wird. Matthew Vaughn liefert 2010 eine Superheldenkomödie ab, die das Genre von innen heraus demontiert – und dabei selbst zum spektakulärsten Vertreter seiner eigenen Zielscheibe wird.

| Dauer: | 117 Min. |
|---|---|
| FSK: | 16 (DE) |
| Jahr: | 2010 |
| Kategorien: | Action, Komödie |
| Regie: | Matthew Vaughn |
| Produzenten: | David Reid, Tarquin Pack, Kris Thykier, Adam Bohling, Brad Pitt, Matthew Vaughn |
| Hauptdarsteller: | Aaron Taylor-Johnson, Chloe Grace Moretz, Nicolas Cage |
| Nebendarsteller: | Lyndsy Fonseca, Mark Strong, Deborah Twiss, Christopher Mintz-Plasse |
| Studio: | Plan B Entertainment, Marv |
Der britisch-amerikanische Produktionshybriden hat seinen Ursprung in einer anderen Zeit: produziert unabhängig, finanziert mit privaten Mitteln, abgelehnt von jedem großen Studio. Genau diese Außenseiterposition gibt dem Film seine spezifische Energie. Dabei stellt sich schon beim Anschauen die Frage: Ist „Kick-Ass“ das ehrlichste Superheldenfilm-Experiment seit Jahren – oder sein schlauester Opportunist?
Besetzung, Regie und Drehorte
„Kick-Ass“ entstand unter der Regie von Matthew Vaughn, der auch das Drehbuch gemeinsam mit Jane Goldman verfasste. Als Vorlage diente die gleichnamige Comicserie von Mark Millar und John Romita Jr. Die Kamera führte Ben Davis, den Schnitt verantworteten Pietro Scalia, Jon Harris und Eddie Hamilton. Die Filmmusik entstand unter Beteiligung mehrerer Komponisten, darunter John Murphy und Henry Jackman, eingespielt vom London Metropolitan Orchestra in den Abbey Road Studios.
Aaron Johnson trägt als Dave Lizewski alias Kick-Ass die Hauptlast des Films. Nicolas Cage spielt den rachsüchtigen Ex-Polizisten Damon Macready, besser bekannt als Big Daddy. Chloë Grace Moretz gibt in der Rolle der Hit-Girl ihr eindringlichstes frühes Lebenszeichen. Christopher Mintz-Plasse ist als Chris D’Amico alias Red Mist zu sehen, Mark Strong als Mafiaboss Frank D’Amico.
Der Film wurde ab September 2008 über sieben Monate lang gedreht, mit Außenaufnahmen in London, Toronto und Hamilton sowie Studiodrehs in den Elstree und Pinewood Studios. Die Laufzeit beträgt 117 Minuten, die FSK-Freigabe liegt bei 16 Jahren. „Kick-Ass“ gewann den Empire Award als bester britischer Film und erhielt den Scream Award für den besten Comicfilm.
Handlung & Inhalt vom Film „Kick-Ass“
Dave Lizewski ist zwar kein Held. Er ist vielmehr ein unauffälliger Teenager in New York, der Comics liest, an seiner Schule kaum wahrgenommen wird und bei Mädchen keinerlei Glück hat. Dennoch fragt er sich eines Tages, warum eigentlich niemand wirklich Superheld werden will. Deshalb bestellt er sich kurzerhand über das Internet einen grünen Neoprenanzug, gibt sich den Namen Kick-Ass und zieht mit Schlagstöcken und einem Taser auf Verbrecherjagd. Doch sein erster Einsatz endet in einer Katastrophe: Er wird niedergestochen, von einem Auto erfasst und landet schwer verletzt im Krankenhaus.
Nach seiner Genesung – nun versehen mit Metallimplantaten und einem reduzierten Schmerzempfinden – gibt Dave jedoch nicht auf. Bei einem zweiten Einsatz verteidigt er einen Einzelnen gegen drei Angreifer, während jemand die Szene filmt und ins Netz stellt. Dadurch wird Kick-Ass über Nacht berühmt. Derweil werden auch zwei andere maskierte Kämpfer auf ihn aufmerksam: Damon Macready und seine Tochter Mindy, die als Big Daddy und Hit-Girl seit Jahren den Drogenboss Frank D’Amico verfolgen. Damon wurde einst von D’Amico zu Unrecht ins Gefängnis gebracht, während seine schwangere Frau Selbstmord beging – doch das Baby überlebte. Daraufhin formte er aus der Tochter eine Killermaschine.
Rache, Falle und die letzte Konfrontation
Als Dave versucht, seiner Schwärmerei Katie einen Gefallen zu tun und deshalb den Dealer Rasul aus ihrem Leben zu entfernen, gerät er in D’Amicos Einflussbereich. Doch Hit-Girl rettet ihn in letzter Sekunde. Anschließend bieten die Macreadys Dave eine Partnerschaft an. Parallel dazu plant D’Amico, Kick-Ass zu eliminieren – erschießt dabei jedoch irrtümlich einen kostümierten Schauspieler. Sein Sohn Chris schmiedet deshalb eine List und tritt als vermeintlicher Superheld Red Mist in Erscheinung, um Dave schließlich in eine Falle zu locken.
Red Mist gewinnt zunächst Daves Vertrauen, und tatsächlich führt er ihn schließlich gemeinsam mit Big Daddy in einen Hinterhalt. Daraufhin werden beide gefangen genommen. D’Amico plant nun eine öffentliche Demaskierung und den Foltertod der beiden als Warnsignal. Hit-Girl, die den Anschlag dank einer kugelsicheren Weste überlebte, greift zwar ein – kann jedoch nicht verhindern, dass ihr Vater seinen Verletzungen erliegt. Sein Tod wird deshalb zum Wendepunkt: Die junge Mindy beschließt nun, sein Rachewerk zu vollenden.
Hit-Girl kämpft sich daraufhin allein durch D’Amicos Residenz. Als sie schließlich in Bedrängnis gerät, erscheint Kick-Ass – mit einem Jet-Pack samt eingebauten Gatlings, das Big Daddy kurz zuvor angeschafft hatte. Nach dem gemeinsamen Showdown steht fest: Frank D’Amico stirbt durch eine Bazooka. Chris, der wieder zu sich kommt, kann dagegen den Kampf nicht mehr fortführen. Mit D’Amicos Tod endet schließlich auch Hit-Girls Mission. Mindy beginnt daraufhin ein neues, normales Schulleben. Dave legt das Kostüm zwar nicht ab, doch seine Heldenpopularität inspiriert viele Nachahmer. Chris hingegen schwört Rache und kündigt als Superschurke einen neuen Krieg an.
Filmkritik und Fazit zum Film „Kick-Ass“
„Kick-Ass“ ist ein Film, der seinen Widerspruch zur Methode macht. Matthew Vaughn inszeniert mit Ben Davis eine Bildsprache zwischen schmutzigem Realismus und grellbunter Comic-Ästhetik. Dabei greift diese Mischung nur selten ins Leere. Chloë Grace Moretz als Hit-Girl ist das Gravitationszentrum des Films. Mit bemerkenswerter Kälte erledigt sie Szene für Szene ihre Gegner. Nicolas Cage grundiert Big Daddy dagegen mit einer feinen Adam-West-Parodie. Johnson als Kick-Ass selbst bleibt dabei oft das schwächste Glied. Strukturell wirkt das durchaus gewollt. Sein Charme liegt schließlich im Scheitern und nicht im Triumph.
Was das Drehbuch hingegen weniger souverän bewältigt, ist der Übergang zwischen den beiden Tonlagen. Die frühe Sozialsatire behandelt YouTube-Ruhm, Online-Anonymität und den Wunsch nach Bedeutsamkeit. Doch diese Themen verlieren sich nach dem ersten Drittel zunehmend. Die Liebesgeschichte zwischen Dave und Katie entwickelt sich ebenfalls schematisch und hinterlässt wenig. John Murphys Musikmotive setzen dagegen deutliche emotionale Akzente. Dazu gehört sein bereits aus anderen Vaughn-nahen Produktionen bekanntes Adagio in d-Moll. Allerdings trägt der Film diese Akzente dramaturgisch nicht immer. Rund 820 CGI-Shots kamen schließlich zum Einsatz. Das waren mehr als dreimal so viele wie ursprünglich geplant. Das ist stellenweise sichtbar. Die Dachfluchten New Yorks wirken dadurch clean und fast steril.
Wer Superheldenfilme als Genre schätzt und zugleich für Dekonstruktion offen ist, wird hier viel finden. „Kick-Ass“ ist kein Film ohne Makel, jedoch einer mit echtem Charakter. Die Selbstironie sitzt tief und der Mut zur Zumutung bleibt konsequent. Chloë Grace Moretz liefert zudem eine Leistung, die allein den Kinobesuch rechtfertigt.