Green Lantern
Kaum ein Comic-Konzept verspricht so viel kosmisches Pathos wie das der Green Lanterns: ein intergalaktisches Polizeikorps, gespeist aus der Kraft des Willens, ausgerüstet mit Ringen, die Gedanken in Materie verwandeln. Wenn Hollywood diesen Stoff auf die Leinwand hebt, steht und fällt alles mit der Balance. Zwischen Bodenhaftung und Weltraumoper. Zwischen Pathos und Augenzwinkern. „Green Lantern“ aus dem Jahr 2011 wagt genau diesen Spagat – und tut sich schwer damit, einen sicheren Stand zu finden.

| Dauer: | 114 Min. |
|---|---|
| FSK: | 12 (DE) |
| Jahr: | 2011 |
| Kategorien: | Action, Science-Fiction |
| Regie: | Martin Campbell |
| Produzenten: | Greg Berlanti, Donald De Line, Geoff Johns |
| Hauptdarsteller: | Ryan Reynolds, Blake Lively, Peter Sarsgaard |
| Nebendarsteller: | Mark Strong, Tim Robbins, Angela Bassett, Taika Waititi |
| Studio: | De Line Pictures, Warner Bros. Pictures, DC |
Martin Campbell, damals als Bond-Retter gefeiert, übernahm die Aufgabe, ein neues DC-Franchise zu begründen. Ryan Reynolds sollte als Hal Jordan zum Gesicht eines geplanten Universums werden, das später nie entstand. Stattdessen geriet der Film zur Vorlage für allerlei Spott, nicht zuletzt aus der Feder des Hauptdarstellers selbst. Was bleibt, ist ein visuell ambitioniertes, dramaturgisch widersprüchliches Werk. Lohnt eine nüchterne Wiederbegegnung – jenseits von Häme und Kultstatus?
Besetzung, Regie und Drehorte
Regie führte Martin Campbell, der mit „Green Lantern“ nach zwei gefeierten Bond-Arbeiten erstmals das Superhelden-Genre betrat. Das Drehbuch entstand aus der Feder eines Quartetts: Greg Berlanti, Michael Green, Marc Guggenheim und Michael Goldenberg zeichneten gemeinsam verantwortlich. Berlanti produzierte zusammen mit Donald De Line. Für den Bildaufbau sorgte Dion Beebe, den Schnitt übernahm Stuart Baird. Die Filmmusik komponierte James Newton Howard, eingespielt von der Hollywood Studio Symphony unter der Leitung von Pete Anthony. Das Produktionsbudget betrug 200 Millionen Dollar.
Ryan Reynolds verkörpert Testpilot Hal Jordan und dessen Alter Ego Green Lantern. An seiner Seite spielt Blake Lively die Ferris-Erbin Carol, während Peter Sarsgaard den zunehmend entstellten Wissenschaftler Hector Hammond gibt. Mark Strong tritt als Lantern-Anführer Sinestro auf. Weitere Rollen übernahmen Tim Robbins als Senator Hammond, Angela Bassett als Amanda Waller und Temuera Morrison als sterbender Abin Sur. Geoffrey Rush leiht dem computeranimierten Tomar-Re seine Stimme, Taika Waititi ist als Thomas Kalmaku zu sehen.
Gedreht wurde von März bis August 2010 in Louisiana, vor allem in New Orleans, das als Kulisse für das fiktive Coast City herhielt. Die Kinofassung läuft 114 Minuten, der später auf Blu-ray veröffentlichte Extended Cut bringt es auf 123 Minuten. Die FSK gab den Film ab 12 Jahren frei. Die deutsche Synchronisation entstand unter der Dialogregie von Sven Hasper.
Handlung & Inhalt vom Film „Green Lantern“
Zwei Erzählstränge laufen zu Beginn parallel. Auf der Erde lernt das Publikum Hal Jordan kennen, einen waghalsigen Testpiloten bei Ferris Aircraft, dessen Privatleben jedoch chaotisch verläuft. Seine Chefin und zugleich einstige Jugendliebe Carol Ferris rügt ihn für sein Draufgängertum. Rückblenden zeigen außerdem, wie der kleine Hal den Flugzeugabsturz seines Vaters mitansehen musste. Fernab der Erde agieren unterdessen die Wächter, uralte Wesen, die das Universum seit Äonen schützen. Ihre Waffe ist die grüne Kraft des Willens, gebündelt in Ringen und Laternen. Ausgewählte Träger dieser Ringe verteidigen dabei je einen von 3.600 Sektoren.
Aus dieser Ordnung bricht jedoch ein alter Feind aus. Parallax, einst selbst ein Wächter namens Krona, wollte die Angst als Energie nutzbar machen und unterlag ihr schließlich. Nach seiner Flucht tötet er vier der stärksten Green Lanterns und zerstört außerdem zwei Planeten. Abin Sur, schwer verwundet, kann Oa dennoch alarmieren und notlandet auf der Erde. Im Sterben überreicht er sein Ringsymbol an Hal, der durch seine Willenskraft ausgewählt wurde. Der junge Pilot wird daraufhin nach Oa geschleudert, dem Heimatplaneten des Korps. Dort soll er schließlich lernen, seinen neuen Kräften gerecht zu werden.
Zwischen Heimatplanet und Abgrund
Das Training auf Oa bringt Hal an seine Grenzen. Als Nachfolger einer Legende und zugleich erster menschlicher Green Lantern spürt er die Last der Erwartung. Er zweifelt an seiner Furchtlosigkeit und bricht schließlich die Ausbildung ab. Zurück auf der Erde spitzt sich die Lage unterdessen zu. Bei der Obduktion von Abin Sur kommt der Wissenschaftler Hector Hammond mit Parallax-Substanzen in Berührung. Er entwickelt dadurch parapsychische Fähigkeiten und verfällt zugleich zusehends dem Wahn. Eine Dinnerparty von Ferris Aircraft wird schließlich zum Wendepunkt, als Hector einen Hubschrauberabsturz auslöst.
Hal greift sofort ein. Erstmals nutzt er seinen Ring öffentlich und rettet dabei Gäste, Carol sowie Hectors Vater. Auf Oa offenbart sich unterdessen der volle Umfang der Bedrohung. Sinestro, Anführer des Korps, lässt einen gelben Ring schmieden, um Furcht mit Furcht zu begegnen. Er wäre sogar bereit, die Erde zu opfern. Hal bittet deshalb um Beistand für seinen Heimatplaneten, findet jedoch kein Gehör. Die Wächter lassen ihn stattdessen allein zurückkehren. In Coast City stellt er sich schließlich dem deformierten Hector und bietet ihm seinen Ring an, um Carol zu retten.
Parallax stößt schließlich hinzu und vernichtet seinen gescheiterten Handlanger Hector. Danach fällt er über Coast City her. Hal lockt das Ungetüm schließlich in die Anziehungskraft der Sonne und bringt es dort zum Verglühen. Bewusstlos treibt er durchs All, ehe ihn schließlich drei Kollegen bergen. Sinestro betraut ihn anschließend offiziell mit dem Schutz des Sektors, in dem die Erde liegt. Eine Szene während des Abspanns zeigt außerdem, wie Sinestro heimlich den gelben Ring aufsetzt und sein Kostüm die Farbe wechselt. So ist die Saat eines künftigen Konflikts gelegt, auch wenn sie filmisch nie aufgehen sollte.
Filmkritik und Fazit zum Film „Green Lantern“
„Green Lantern“ scheitert vor allem an einer grundlegenden Entscheidungsschwäche. Martin Campbell, dessen körperlich geerdete Inszenierung von „Casino Royale“ in Erinnerung bleibt, wirkt hier sichtlich fremd im Element. Die Greenscreen-Choreografien entfalten keine Wucht, die Bildregie bleibt funktional, selten inspiriert. Dion Beebes Kamera gewinnt den terrestrischen Szenen wenig Atmosphäre ab, während die Weltraumpassagen auf Oa von computeranimierter Pracht leben. Das Drehbuch eines Vierer-Teams verrät seine Ursprünge. Ryan Reynolds‘ jungenhafter Charme hält das Gefüge zusammen, ohne es zu tragen.
Das Tempo schwankt zwischen Eile und Stillstand. Hals Training auf Oa ist nach wenigen Einstellungen erledigt, dabei liegt gerade dort die mythologische Substanz des Stoffes. James Newton Howards Partitur arbeitet zuverlässig, erreicht aber nie die Signatur-Wirkung vergleichbarer Genrebeiträge. Die Konstrukte aus dem Ring, ein Oldtimer samt schwebender Rennbahn etwa, besitzen einen charmant absurden Witz. Mark Strongs sinister-würdevoller Sinestro bildet den stärksten Ruhepunkt des Films. Peter Sarsgaards Hector wiederum scheint aus einem düstereren Werk hinübergewandert, ein Körperhorror-Echo, das im umgebenden Blockbuster-Sound nie recht auflöst.
Was bleibt, ist ein Film mit klaren Einzelqualitäten und einem uneingelösten Gesamtversprechen. Reynolds beweist Format, Strong gibt eine Ahnung vom möglichen Folgeband, die Comic-Absurditäten finden gelegentlich echte Bildkraft. Dem Ganzen fehlt jedoch ein erzählerisches Zentrum, das Ton, Tempo und Tiefe verbindet. Genre-Liebhaber mit Sinn für den kurios Gescheiterten finden hier ein lohnendes Studienobjekt. Wer große Comic-Oper sucht, wird anderswo fündiger.