Pain & Gain

Wenn Wahrheit die absurdeste Fiktion überbietet, entsteht zuweilen Kino, das den Zuschauer in einen Zustand des ungläubigen Staunens versetzt. „Pain & Gain“ von Michael Bay ist genau so ein Fall. Der Film erzählt von der Sun Gym Gang, einer Bande muskelbepackter Kleinkrimineller aus Miami, die in den 1990er-Jahren durch Entführung, Erpressung und Mord auf sich aufmerksam machte – und dabei an Inkompetenz kaum zu überbieten war. Bay inszeniert dieses Panoptikum menschlicher Verblendung mit grellen Farben, überdrehtem Tempo und einem Bekenntnis zur schwarzhumorigen Überwältigungsstrategie, die gleichermaßen belustigend und beunruhigend wirkt.

Pain & Gain
Dauer: 130 Min.
FSK: 16 (DE)
Jahr: 2013
Kategorien: Komödie
Regie: Michael Bay
Produzenten: Michael Bay, Ian Bryce, Donald De Line
Hauptdarsteller: Mark Wahlberg, Dwayne Johnson, Anthony Mackie
Nebendarsteller: Tony Shalhoub, Ed Harris, Rob Corddry, Bar Paly
Studio: Paramount Pictures, De Line Pictures, Bay Films

Das zentrale Unbehagen des Films liegt nicht in der Gewalt, sondern in der Frage, wie ernsthaft das Sujet behandelt werden darf, wenn echte Opfer existieren. Bay löst dieses Dilemma auf seine eigene Art: Er lässt die Täter in ihrer Dummheit so konsequent auflaufen, dass moralische Distanz entsteht, ohne dass der Zuschauer je vergisst, womit er es zu tun hat. Sympathie bleibt verwehrt, Lachen gestattet. Ob dieses Kalkül aufgeht, ist die eigentliche Frage, um die der Film kreist.

Besetzung, Regie und Drehorte

Pain & Gain“ entstand im Jahr 2013 unter der Regie von Michael Bay, der für das Projekt auf das Drehbuch von Christopher Markus und Stephen McFeely zurückgriff. Die Vorlage bildete eine dreiteilige Artikelserie des Journalisten Pete Collins, erschienen 1999 in der Miami New Times. Bay produzierte den Film gemeinsam mit Ian Bryce und Donald De Line; das Budget belief sich auf rund 26 Millionen US-Dollar, was für Bay-Verhältnisse einer bewussten Zurückhaltung entsprach. Steve Jablonsky, ein langjähriger Weggefährte des Regisseurs, komponierte den Filmscore.

Die Hauptrollen übernahmen Mark Wahlberg als Anführer Daniel Lugo, Dwayne Johnson als bekehrter Ex-Häftling Paul Doyle sowie Anthony Mackie als Adrián Doorbal. Tony Shalhoub verkörpert das primäre Entführungsopfer Victor Kershaw, während Ed Harris den hartnäckigen Privatermittler Ed Du Bois spielt. Weitere Rollen bekleiden Rob Corddry als Fitnessstudio-Inhaber John Mese, Bar Paly als rumänische Immigrantin Sorina sowie Rebel Wilson in der Rolle von Doorbal’s Freundin Robin Peck. Das gesamte Ensemble agiert auf Schauplätzen in und um Miami, Florida.

Der Film hat eine Laufzeit von 129 Minuten und trägt in Deutschland eine FSK-16-Freigabe. Die Weltpremiere fand am 11. April 2013 in Miami statt; der US-Start folgte am 26. April über Paramount Pictures. In Deutschland, Österreich und der Schweiz lief der Film ab dem 22. August 2013. Mit einem weltweiten Einspielergebnis von rund 86 Millionen US-Dollar erwies sich die Produktion als kommerzieller Erfolg.

Handlung & Inhalt vom Film „Pain & Gain“

Miami in den frühen 1990er-Jahren: Daniel Lugo arbeitet als Personal Trainer im Sun Gym und entwickelt eine Überzeugung, die ihn ins Verderben führt. Er sieht sich als Macher und glaubt, ihm stehe mehr zu. Nach einem Motivationsseminar beschließt er, den wohlhabenden Klienten Victor Kershaw zu entführen und zu berauben. Als Komplizen gewinnt er Adrian Doorbal, dessen Steroidkonsum ihn destabilisiert, sowie Paul Doyle, einen Ex-Häftling mit religiösem Selbstbild. Sein Plan wirkt in seinen Augen wie der erste Schritt zu einem längst verdienten Aufstieg.

Die ersten Entführungsversuche scheitern grotesk und wirken wie Slapstick. Erst später gelingt es, Kershaw zu überwältigen. Er erkennt Lugo am Parfüm. Unter Zwang unterschreibt er Vermögensdokumente. Als eine Beglaubigung fehlt, wird John Mese hinzugezogen. Das Trio lebt anschließend im Luxus, während alle Mordversuche an Kershaw scheitern. Dabei verlieren sie zunehmend den Bezug zur Realität und steigern sich in ihre eigene Illusion von Kontrolle.

Gier, Gewalt und das Ende der Kontrolle

Kershaw überlebt und wird im Krankenhaus ignoriert. Er engagiert den Ermittler Ed Du Bois. Währenddessen ist das Geld verbraucht, und die Männer planen ihr nächstes Opfer: Frank Griga. Sie locken ihn und seine Freundin Krisztina in Adrians Wohnung. Dort eskaliert die Situation, Griga wird erschlagen, Furton mit Betäubungsmitteln ruhiggestellt. Die Gewalt entlädt sich dabei völlig außer Kontrolle und lässt keine Rückkehr mehr zu einem einfachen Betrug zu.

Der Versuch, Informationen zu erpressen, scheitert. Furton stirbt bei einer Überdosis. Die Beseitigung der Leichen wird chaotisch und brutal. Schließlich werden die Überreste in Säurefässern entsorgt. Die Tat hinterlässt eine nüchterne, verstörende Spur. Mit jedem Schritt wird deutlich, wie sehr die Täter die Kontrolle über ihr eigenes Handeln verloren haben.

Ed Du Bois infiltriert das Sun Gym und informiert die Polizei. Paul wird in der Kirche verhaftet, Adrian und Mese ebenfalls. Lugo flieht auf die Bahamas, wird jedoch von Kershaw gestellt und gefasst. Paul wird Kronzeuge, die anderen erhalten lange Haftstrafen oder die Todesstrafe. Der American Dream der drei endet im vollständigen moralischen und persönlichen Zusammenbruch. Am Ende bleibt nur die Konsequenz einer Geschichte, die von Anfang an auf Eskalation ausgelegt war.

Filmkritik und Fazit zum Film „Pain & Gain“

Pain & Gain“ ist ein Film, der sich selbst permanent kommentiert – und darin liegt sein eigentümlicher Reiz. Bays Inszenierung greift auf sein gesamtes handwerkliches Arsenal zurück: Zeitlupen, die zwischen Selbstparodie und Ernst pendeln, Kamerafahrten von Ben Seresin, die Miami in ein Hochglanz-Aquarell verwandeln, und Steve Jablonskys Musik, die das Geschehen mit einem Hochgefühl unterlegt, das der moralischen Realität bewusst widerspricht. Der entscheidende erzählerische Kniff liegt im Voice-over, das nicht zur Identifikation einlädt, sondern die blinde Selbstgerechtigkeit der Täter seziert: Jede Stimme verrät mehr über die Verblendung ihrer Figur, als sie selbst realisiert.

Das Tempo des Films ist unerbittlich, und der Schnitt von Joel Negron und Thomas Muldoon lässt kaum Luft zum Durchatmen. Wahlberg spielt Lugo als jemanden, der sich selbst zutiefst für den Protagonisten seiner eigenen Geschichte hält – eine Leistung, die gerade durch ihre Eindimensionalität verstört. Dwayne Johnsons Paul Doyle hingegen liefert die einzige Figur mit echtem emotionalem Widerhall: ein Mann, der das Gute will und das Schlechte tut, ohne je zu begreifen, warum. Die grellen Farben und der sonnendurchflutete Miami-Look erzeugen einen Kontrast zur dargestellten Brutalität, der nicht zufällig wirkt. Dass der Film mit dieser Ästhetik geschmackliche Grenzen ausreizt, ist unbestreitbar – doch er tut es mit einem Kalkül, das zumindest konsequent ist.

Wer Bays übliches Spektakel-Kino erwartet, findet hier etwas anderes: einen Film, der trotz allem Lärm eine pointierte, wenn auch unbequeme These über Gier und Selbstbetrug formuliert. Für Liebhaber schwarzer Komödien mit dokumentarischem Hintergrund lohnt sich der Film unbedingt – vorausgesetzt, man hält das moralische Unbehagen aus, das er bewusst provoziert. Pain & Gain ist kein leichtes Vergnügen. Aber es ist ein ehrliches.

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