The Raid

Ein Hochhaus in den Slums Jakartas. Fünfzehn Stockwerke. Hunderte Feinde. Was klingt wie die Prämisse eines Videospiels, entpuppt sich als einer der konzentriertesten Actionfilme der 2010er Jahre. „The Raid“ – im Original „Serbuan maut“ – erschien 2011 und veränderte, wie ein Independent-Actionfilm aussehen, klingen und sich anfühlen kann. Gareth Evans, ein Waliser in Indonesien, bewies damit, dass die Sprache des Körperkampfes keine nationale Herkunft braucht.

The Raid
Dauer: 101 Min.
FSK: 18 (DE)
Jahr: 2012
Kategorien: Action
Regie: Gareth Evans
Produzenten: Ario Sagantoro
Hauptdarsteller: Iko Uwais, Joe Taslim, Donny Alamsyah
Nebendarsteller: Yayan Ruhian, Pierre Gruno, Ray Sahetapy, Tegar Satrya
Studio: Celluloid Dreams, PT. Merantau Films, XYZ Films

Die Frage war damals berechtigt und lautet noch heute: Braucht ein Actionfilm eine Geschichte, wenn seine Choreographie selbst zur Erzählung wird? „The Raid“ wagt die Antwort. Er tauscht psychologische Tiefe gegen physische Präzision, narrative Komplexität gegen kompositorische Radikalität. Wer sich darauf einlässt, erlebt nicht nur einen Film über Überleben – er erlebt das Kino am Rand seiner eigenen Möglichkeiten.

Besetzung, Regie und Drehorte

The Raid“ entstand 2011 in Indonesien als Co-Produktion mit den USA unter der Regie des walisischen Filmemachers Gareth Evans, der gleichzeitig Drehbuch und Schnitt verantwortete. Evans war zuvor durch „Merantau“ mit der indonesischen Kampfkunst Pencak Silat in Berührung gekommen. Das Produktionsbudget von rund 1,1 Millionen Pfund war für einen Actionfilm dieser Intensität außergewöhnlich gering. Die Uraufführung fand am 8. September 2011 beim Toronto International Film Festival statt, der deutsche Kinostart folgte am 12. Juli 2012.

In der Hauptrolle des Polizisten Rama ist Iko Uwais zu sehen, der zugleich die Kampfchoreographie mitverantwortet. Yayan Ruhian spielt den gefürchteten Handlanger Mad Dog und war ebenfalls an der Choreographie beteiligt. Ray Sahetapy verkörpert den Verbrecherboss Tama, Pierre Gruno den zwielichtigen Lieutenant Wahyu und Joe Taslim den Sergeant Jaka. Donny Alamsyah übernimmt die Rolle von Andi, Ramas entfremdetem Bruder im Inneren der Gangwelt.

Der Film hat eine Laufzeit von 101 Minuten und ist in Deutschland ab 18 Jahren freigegeben. Der amerikanische Verleih Sony Pictures Classics veröffentlichte ihn unter dem Titel „The Raid: Redemption“. Für die US-Fassung komponierten Mike Shinoda und Joseph Trapanese einen neuen Score. Beim Toronto International Film Festival lief der Film noch mit der Originalkomposition von Aria Prayogi und Fajar Yuskemal. Eine Fortsetzung, „The Raid 2″, erschien 2014.

Handlung & Inhalt vom Film „The Raid“

In den Slums Jakartas kontrolliert der Verbrecherboss Tama Riyadi ein heruntergekommenes Hochhaus mit fünfzehn Stockwerken. Er hat das Gebäude zur Festung ausgebaut, und Kriminelle, Junkies sowie Kleingangster bezahlen mit Loyalität statt mit Miete. Eine zwanzigköpfige Polizeieinheit unter Lieutenant Wahyu und Sergeant Jaka soll das Haus stürmen und Tama festnehmen. Unter den Beamten befindet sich der junge Rekrut Rama, der einen sehr persönlichen Grund hat, diesen Einsatz anzunehmen. Das Team dringt zunächst unbemerkt ein und sichert die unteren Etagen. Doch als zwei jugendliche Aufpasser die Einheit entdecken, bricht die Kontrolle zusammen.

Tama aktiviert sofort seine Verstärkung. Scharfschützen eliminieren die Absicherung vor dem Gebäude, und bewaffnete Männer zerstören das Einsatzfahrzeug. Die Gangster befreien sich daraufhin und übernehmen die ersten fünf Stockwerke zurück. Tama schaltet das Licht aus und kündigt über die Hausanlage an, dass freie Unterkunft auf Lebenszeit warte, wer die verbliebenen Polizisten tötet. Wahyu gesteht Jaka in diesem Moment, dass der Einsatz nicht genehmigt ist, keine Verstärkung kommt und er selbst Tama als Ziel ausgewählt hat, weil dieser mit korrupten Polizeioffiziellen paktiert. Die Einheit ist damit auf sich gestellt, und zudem ist die Überzahl erdrückend. Die verbliebenen Beamten – darunter Rama, der verletzte Bowo, Jaka, Wahyu und Dagu – ziehen sich in eine leere Wohnung zurück.

Kein Ausweg, kein Erbarmen

Rama hackt ein Loch in den Boden, damit das Team ins darunter liegende Stockwerk entkommen kann. Im Kampf werden mehrere Kollegen getötet, und Bowo wird schwer verletzt. Rama konstruiert aus einem Propangastank und einem Kühlschrank eine improvisierte Sprengladung und eliminiert damit eine Welle heranstürmender Schergen. Das Team teilt sich anschließend auf: Während Jaka, Dagu und Wahyu ins fünfte Stockwerk fliehen, bringen Rama und Bowo den Verwundeten in Sicherheit. In der Wohnung eines gesetzestreuen Mieters namens Gofar verstecken sie sich, bis eine Macheten-Truppe das Zimmer erfolglos durchsucht.

Rama kämpft sich weiter durch das Haus und trifft im sechsten Stockwerk auf Andi, seinen entfremdeten Bruder, der es in Tamas Hierarchie bis zur Nummer zwei gebracht hat. Es war der Vater der beiden, der Rama zu diesem Einsatz drängte, um Andi zu finden. Dennoch trennen sich die Brüder erneut, und jeder geht seinen eigenen Weg. Unterdessen fordert Mad Dog Jaka zu einem Handkampf heraus und tötet ihn schließlich mit bloßen Händen. Er bricht dem Sergeant das Genick. Tama, der alles über seine Überwachungskameras beobachtet hat, erfährt außerdem von Andis Verrat und lässt ihn gefangen nehmen.

Rama, Dagu und Wahyu erreichen das fünfzehnte Stockwerk. Als Rama sieht, wie Mad Dog seinen Bruder foltert, trennt er sich von der Gruppe. Mad Dog lässt Andi los und stellt sich dem Kampf. Gemeinsam gelingt es den Brüdern, ihn mit einem Leuchtstoffröhren-Fragment zu töten. Währenddessen erschießt Wahyu Dagu, nimmt Tama als Geisel und erfährt, dass Reza ihn bewusst in die Falle gelockt hat. Daraufhin tötet er Tama und scheitert beim Selbstmordversuch. Andi ermöglicht Rama, Bowo und Wahyu die Flucht. Er übergibt Rama belastendes Material gegen die korrupten Beamten und schickt ihn zu Bunawar. Ramas Bitte, gemeinsam nach Hause zu gehen, lehnt Andi ab. Er kehrt ins Hochhaus zurück und lächelt zum ersten Mal.

Filmkritik und Fazit zum Film „The Raid“

The Raid“ ist ein Film, der seine ästhetische Entscheidung mit vollständiger Konsequenz durchzieht. Gareth Evans inszenierte nicht einfach Kampfszenen, sondern baute einen geschlossenen Suspense-Raum, in dem die Architektur selbst zur dramatischen Kraft wird. Die Kameraarbeit, die mit Handheld-Kameras im Quasi-Dokumentarstil gefilmt wurde, erzeugt dabei eine physische Nähe, die kein Steadicam-Glätter ersetzen könnte. Wenn ein Macheten-Angriff auf wenige Zentimeter an einem Körper vorbeifährt oder eine Kampfsequenz durch enge Flurgänge bricht, spürt man die Begrenztheit des Raumes nicht nur als Motiv, sondern auch als Körpergefühl. Iko Uwais und Yayan Ruhian choreographierten diese Sequenzen zudem mit einer Präzision, die handwerkliche Brillanz und athletische Ausdruckskraft verbindet.

Wo der Film an Grenzen stößt, ist allerdings in seiner narrativen Architektur. Die Enthüllungen im Schlussakt – Wahyus Doppelspiel, Andis Rolle, die korrupte Befehlskette – fügen inhaltliche Schichten hinzu, die das bis dahin so klarsichtig konzipierte Konstrukt vorübergehend belasten. Nicht weil diese Wendungen dramatisch uninteressant wären, sondern weil die erzählerische Raffinesse und das emotionale Gewicht dieser Szenen mit dem zuvor dominant physischen Kino-Modus konkurrieren, anstatt ihn zu ergänzen. Der Score von Mike Shinoda und Joseph Trapanese dagegen trifft die Tonlage des Films mit großer Treffsicherheit, denn die Musik treibt an, ohne zu erklären, und gibt den Kampfsequenzen zugleich eine rhythmische Struktur, die den Atem des Zuschauers kontrolliert.

„The Raid“ ist kein Film für alle – und will es auch nicht sein. Wer auf psychologische Charaktertiefe oder narrative Opulenz besteht, wird hier wenig finden. Wer jedoch bereit ist, Inszenierung als Argument zu akzeptieren, erlebt ein Werk, das die physischen Möglichkeiten des Actionkinos auf konzentrierte Weise neu vermisst. Für Genre-Liebhaber ist dieser Film Pflicht.

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