Hot Fuzz – Zwei abgewichste Profis
Wenn Genres aufeinanderprallen, entsteht selten Eleganz – meist nur Lärm. Das britische Kino des frühen 21. Jahrhunderts hat sich jedoch eine eigene Disziplin erarbeitet, in der die formale Strenge des Hollywood-Vorbilds und der trockene Selbstkommentar einander nicht ausschließen. Edgar Wrights zweiter Streich der sogenannten Cornetto-Trilogie steht exemplarisch für dieses Verfahren. „Hot Fuzz – Zwei abgewichste Profis“ verlegt das amerikanische Buddy-Cop-Movie in die englische Provinz. Was zunächst wie Kalauer klingt, entpuppt sich als präzise Genrearbeit.

| Dauer: | 121 Min. |
|---|---|
| FSK: | 16 (DE) |
| Jahr: | 2007 |
| Kategorien: | Abenteuer, Komödie |
| Regie: | Edgar Wright |
| Produzenten: | Eric Fellner, Tim Bevan, Nira Park |
| Hauptdarsteller: | Simon Pegg, Nick Frost, Jim Broadbent |
| Nebendarsteller: | Paddy Considine, Rafe Spall, Kevin Eldon, Olivia Colman |
| Studio: | Big Talk Studios, StudioCanal, Working Title Films, Ingenious Media |
Wright und Simon Pegg, die hier erneut gemeinsam am Drehbuch sitzen, treiben die Konventionen des Polizeifilms nicht in die Parodie, sondern an ihre logische Spitze. Die Folge ist eine Komödie, die ihre Lacher aus der Übererfüllung gewohnter Formeln zieht. Zugleich entsteht eine eigenwillige Liebeserklärung an das Hochglanz-Kino jener Regisseure, die der Film offen als Bezugspunkte benennt. Wie weit lässt sich ein Genre dehnen, bevor es kippt?
Besetzung, Regie und Drehorte
Die britisch-französische Koproduktion entstand 2007 unter der Regie von Edgar Wright, der auch das Drehbuch gemeinsam mit Hauptdarsteller Simon Pegg verfasste. Produziert wurde der Film von Tim Bevan, Nira Park und Eric Fellner. Für die Bildgestaltung zeichnet Jess Hall verantwortlich, den Schnitt besorgte Chris Dickens. David Arnold steuerte die Filmmusik bei. Bereits diese Konstellation verweist auf die Ambition, eine ausgesuchte Genrearbeit abzuliefern.
In der Hauptrolle des Sergeant Nicholas Angel agiert Simon Pegg, an seiner Seite spielt Nick Frost den ebenso enthusiastischen wie naiven Danny Butterman. Die übrigen Schlüsselrollen besetzte das Team mit einer Riege britischer Charakterköpfe: Jim Broadbent als Polizeichef Frank Butterman, Timothy Dalton als undurchsichtiger Supermarktbesitzer Simon Skinner, dazu Edward Woodward, Paddy Considine, Olivia Colman und David Bradley. Cameo-Auftritte von Bill Nighy, Martin Freeman, Steve Coogan, Stephen Merchant und – getarnt – Cate Blanchett ergänzen das Ensemble.
Der Film läuft 121 Minuten und ist in Deutschland ab 16 Jahren freigegeben. Die elfwöchigen Dreharbeiten begannen im März 2006. Als Hauptdrehort diente Wrights Heimatstadt Wells, die im Film zu Sandford wurde; die dortige Kathedrale musste für einige Einstellungen digital getilgt werden. Das Finale entstand auf dem Gelände von Hatfield House in Hertfordshire.
Handlung & Inhalt vom Film „Hot Fuzz – Zwei abgewichste Profis“
Sergeant Nicholas Angel ist der mit Abstand vorbildlichste Polizist Londons. Seine Verhaftungsquote übersteigt die seiner Kollegen um ein Vielfaches, seine Ausbildung schloss er mit Auszeichnung ab, und er gehört einer Spezialeinheit an. Was eine Karriere fördern sollte, wird zur Last. Seine Vorgesetzten erscheinen neben ihm als Faulpelze. Um den unbequemen Überflieger loszuwerden, befördern sie ihn weg – zum Sergeant in Sandford, einem Dorf in der Grafschaft Gloucestershire. Dieses Dorf verzeichnet die niedrigste Kriminalitätsrate des Landes. Angel reist widerwillig an und trifft auf eine Polizeitruppe, die den Begriff Dienst eher folkloristisch versteht.
An seine Seite wird Danny Butterman gestellt, der trottelige Sohn des gutmütigen Polizeichefs Frank Butterman. Danny verehrt Hollywoods Actionkino und hofft auf Verfolgungsjagden, die in Sandford partout nicht stattfinden wollen. Der Alltag besteht aus Geschwindigkeitskontrollen, Streifengängen und der vergeblichen Jagd auf einen entlaufenen Schwan. Erst das Ausheben der Waffensammlung eines hinterwäldlerischen Bauern bringt Spannung – inklusive einer ausrangierten Seemine, die fortan die zuvor leere Asservatenkammer füllt. Zur Feier des Erfolgs überredet Danny seinen Vorgesetzten zu einem gemeinsamen Filmabend. Auf dem Programm stehen Bigelows „Gefährliche Brandung“ und Bays „Bad Boys II“ – ein Hinweis, der sich später einlösen wird.
Vom Verdacht zur Verschwörung
Während Angel seine neue Umgebung sortiert, sterben mehrere Dorfbewohner unter scheinbar zufälligen Umständen. Ein Reporter, ein Anwalt, ein Floristenpaar – die Liste der Toten wächst. Angel erkennt ein Muster, doch niemand teilt seine Einschätzung. Nach einem selbst beobachteten Mord verfolgt er einen schwarz gewandeten Täter, kann ihn jedoch nicht stellen. Sein Verdacht richtet sich auf den Supermarktbesitzer Simon Skinner, dessen Alibi sich allerdings als wasserdicht erweist. Erst ein Anschlag auf sein Hotelzimmer bringt Angel auf die Spur einer kollektiv organisierten Säuberungsaktion.
Die örtliche Bürgerwehr, ein Zusammenschluss respektabler Bürger, beseitigt seit Jahren jeden, der die Idylle des Ortes stört. Ihr Ziel: die alljährliche Auszeichnung als „Dorf des Jahres“. Skinner, der Dorfarzt und weitere Honoratioren gehören dazu. Die Leichen verschwinden im Verlies der Burg. Beim Versuch, die Verschwörer bei einem nächtlichen Treffen festzusetzen, muss Angel feststellen, dass auch Frank Butterman, sein gutmütiger Vorgesetzter und Dannys Vater, zu den Anführern zählt. Mit Mühe entkommt er und macht sich zunächst auf den Weg zurück nach London – um an einer Tankstelle, vor einem Regal mit Actionfilmen, seine Entscheidung zu revidieren.
Angel kehrt nach Sandford zurück, plündert die Asservatenkammer und zieht gemeinsam mit Danny gegen die schwer bewaffnete Bürgerwehr ins Feld. Es kommt zu einem ausgedehnten Showdown, in dem auch der Rest der Polizeitruppe schließlich auf die Seite der Aufrechten wechselt. Skinner und Frank Butterman werden verhaftet, der entlaufene Schwan eingefangen. Ein nachgereichter Anschlag eines letzten Verschwörers im Polizeirevier löst die gelagerte Seemine aus und zerstört das Gebäude. Ein Jahr später dienen Angel und Danny gemeinsam als Inspektor und Sergeant. Als Streifenwagen nutzen sie einen Subaru Impreza WRX – das einstige Klischee ist Alltag geworden.
Filmkritik und Fazit zum Film „Hot Fuzz – Zwei abgewichste Profis“
Die Stärke von „Hot Fuzz – Zwei abgewichste Profis“ liegt in der Verschränkung zweier Erzählebenen, die einander nicht kommentieren, sondern tragen. Edgar Wrights Inszenierung arbeitet mit raschen, rhythmisierten Schnittsequenzen, die selbst banale Vorgänge wie das Ausschenken eines Bieres zu Aktionsmomenten verdichten. Jess Halls Kamera bleibt dabei kontrolliert, weicht harten Hollywood-Ästhetiken jedoch nicht aus. Pegg und Frost bilden ein präzise austariertes Duo: der eine trocken, der andere überschwänglich. David Arnolds Score zitiert das Genre, ohne sich darin zu erschöpfen.
Bemerkenswert ist die Geduld, mit der Wright und Pegg ihre Pointe vorbereiten. Über mehr als eine Stunde inszenieren sie eine englische Provinzkomödie, deren Witz aus Beiläufigkeit erwächst – die Schwanenjagd, die Bürgerwehr-Sitzungen, der nuschelnde Hundeführer. Der finale Showdown belohnt diese Zurückhaltung. Hier wird die ländliche Idylle in einen Gefechtsschauplatz verwandelt, in dem Senioren und Pfarrer zu Antagonisten werden. Der Stilbruch zwischen Setting und Aktionsregister erzeugt jene Komik, die keine zusätzlichen Gags benötigt. Die zuvor erwähnte Asservatenkammer wird dramaturgisch eingelöst.
Wer Genrekino schätzt, wird hier reichlich bedient. Die zweistündige Laufzeit des Films ist großzügig bemessen, der Schlussakt verlangt Bereitschaft zur kontrollierten Eskalation. Die deutsche Synchronfassung erhält dabei mehr vom Wortwitz, als man erwarten dürfte. Wer Wrights Methode sucht, findet einen klug konstruierten Genrekommentar mit Eigenwert – kein bloßes Zitatenbingo, sondern eine durchgearbeitete Hommage.