Assassin’s Creed
Das Kino und das Videospiel haben eine komplizierte Beziehung. Beide erzählen Geschichten mit Bildern, Musik und Figuren, und doch gehorchen sie einer grundlegend verschiedenen Logik. Mit „Assassin’s Creed“ wagte sich 2016 Regisseur Justin Kurzel an einen der aufsehenerregendsten Adaptionsversuche des Jahrzehnts. Er brachte Starbesetzung, ein Budget von 125 Millionen Dollar und ein visuelles Gespür mit, das sein Umfeld kannte.

| Dauer: | 115 Min. |
|---|---|
| FSK: | 16 (DE) |
| Jahr: | 2016 |
| Kategorien: | Abenteuer, Action |
| Regie: | Justin Kurzel |
| Produzenten: | Michael Fassbender, Jean-Julien Baronnet, Patrick Crowley, Gerard Guillemot, Frank Marshall, Conor McCaughan, Arnon Milchan |
| Hauptdarsteller: | Michael Fassbender, Marion Cotillard, Jeremy Irons |
| Nebendarsteller: | Brendan Gleeson, Charlotte Rampling, Michael Kenneth Williams, Ariane Labed |
| Studio: | New Regency Pictures, The Kennedy/Marshall Company, Ubisoft Film & Television, DMC Film |
Wohin aber führt cineastisches Können, wenn das Fundament – die Geschichte – zu schwach gebaut ist? Das ist die Frage, die sich beim Verlassen des Kinosaals hartnäckig aufdrängt. Denn „Assassin’s Creed“ ist ein Film, der mit beachtlicher Kraft nach Größe greift und dabei doch eine merkwürdige Leere hinterlässt. Er zeigt, was möglich wäre – und was davon eingelöst wird.
Besetzung, Regie und Drehorte
„Assassin’s Creed“ ist eine französisch-US-amerikanische Koproduktion aus dem Jahr 2016, entstanden unter der Regie von Justin Kurzel. Das Drehbuch verfassten Bill Collage, Adam Cooper und Michael Lesslie nach mehreren Überarbeitungsrunden. Die Filmmusik stammt von Jed Kurzel, dem Bruder des Regisseurs. Kameramann Adam Arkapaw, mit dem Kurzel bereits den Shakespeare-Film „Macbeth“ drehte, übernahm auch hier die Bildgestaltung.
Die Hauptrolle des Callum Lynch und seines Vorfahren Aguilar de Nerha spielt Michael Fassbender, der zugleich als Produzent fungierte. An seiner Seite agiert Marion Cotillard als Wissenschaftlerin Sofia Rikkin, Jeremy Irons verkörpert deren Vater und Abstergo-Chef Alan Rikkin. Weitere Rollen übernehmen Brendan Gleeson, Charlotte Rampling, Michael K. Williams und Ariane Labed. Die Dreharbeiten fanden in Malta, London, Spanien sowie in den Pinewood Studios statt.
Der Film hat eine Laufzeit von 115 Minuten und trägt in Deutschland die Freigabe FSK 16. Er startete hierzulande am 27. Dezember 2016. Obwohl ursprünglich als Auftakt einer mehrteiligen Reihe geplant, verhinderten schwache Einspielergebnisse von rund 241 Millionen Dollar weltweit bei einem Budget von 125 Millionen eine Fortsetzung.
Handlung & Inhalt vom Film „Assassin’s Creed“
Im Jahr 1492 kämpft die Bruderschaft der Assassinen in Andalusien gegen den Templer-Orden, der das Sultanat Granada unter Kontrolle bringen will. Im Zentrum steht Aguilar de Nerha, ein erfahrener Assassine, der den Apfel von Eden bewacht. Dieses Artefakt soll den Ursprung des freien Willens enthalten und gleichzeitig totale Kontrolle über die Menschheit ermöglichen. In der Gegenwart erlebt Callum Lynch als Kind das Trauma, Zeuge des Todes seiner Mutter zu werden. Viele Jahre später sitzt er im Todestrakt eines texanischen Gefängnisses und wartet dort auf seine Hinrichtung.
Die Exekution wird offiziell vollzogen, doch heimlich wird Callum von Abstergo Industries gerettet. Anschließend bringt man ihn in eine Forschungsanlage nach Madrid. Dort trifft er auf Dr. Sofia Rikkin, die Leiterin des Animus-Projekts, einer Technologie zur Aktivierung genetischer Erinnerungen. Da Callum ein direkter Nachfahre Aguilars ist, soll er mithilfe dieser Verbindung den Apfel von Eden aufspüren. Sofia präsentiert das Projekt als wissenschaftlich und humanitär, während sie die wahren Absichten des Templerordens zunächst verschweigt.
Vergangenheit und Gegenwart im Widerstreit
Unter Zwang beginnt Callum die Animus-Sitzungen. Dabei erlebt er Aguilars Leben während der Spanischen Inquisition in Granada und begleitet ihn auf gefährlichen Missionen durch die Stadt. Er kämpft auf Dächern, flieht durch enge Gassen und wird zunehmend Teil dieser Erinnerungen. Der sogenannte „Sickereffekt“ überträgt dabei Fähigkeiten aus der Vergangenheit auf Callum in der Gegenwart. Gleichzeitig begegnet er anderen Gefangenen in der Anlage, die ebenfalls Nachfahren der Assassinen sind und langsam beginnen, sich gegen ihre Situation aufzulehnen.
Im Verlauf der Erinnerungen offenbart sich schließlich der Standort des Apfels von Eden: die Kathedrale von Sevilla, in der Grabstätte von Christoph Kolumbus. Währenddessen reisen Alan Rikkin und Sofia selbst dorthin, um das Artefakt zu sichern. In der Forschungsanlage eskaliert die Situation, als Callum und die anderen Gefangenen gegen die Sicherheitskräfte des Templerordens aufbegehren. Sofia beginnt dabei erstmals, die wahren Konsequenzen des Plans ihres Vaters zu erkennen.
Beim finalen Treffen des Templerordens in London kommt es zur Eskalation. Während Alan Rikkin die Wiedererlangung des Apfels feiert, schlagen Callum und die Assassinen zu. In dem Chaos gelingt es Callum, Rikkin zu töten und den Apfel für die Bruderschaft zu sichern. Sofia, erschüttert vom Tod ihres Vaters, schwört daraufhin Rache und kündigt an, das Artefakt zurückzuholen. Der Film endet mit den Assassinen auf den Dächern Londons, während sich ein neuer Konflikt abzeichnet.
Filmkritik und Fazit zum Film „Assassin’s Creed“
„Assassin’s Creed“ ist in seinen stärksten Momenten ein Film von beachtlicher visueller Kraft. Regisseur Justin Kurzel, der mit seiner Shakespeare-Adaption „Macbeth“ seinen Sinn für düstere Bildsprache und historischen Bombast bereits unter Beweis gestellt hatte, überträgt dieses Gespür auch auf das Spieluniversum von Ubisoft. Besonders die Sequenzen im Spanien des 15. Jahrhunderts gewinnen an Wucht dadurch, dass Kurzel auf echte Stunts setzt – der freie Fall aus 38 Metern, von Stuntman Damien Walters ausgeführt, gehört zu jenen Szenen, bei denen das Kino seinen eigenen Atem anhält. Fassbender und Cotillard liefern souveräne Leistungen ab, können aber gegen ein Drehbuch nicht ankämpfen, das ihre Figuren nur als Vehikel behandelt.
Das zentrale Problem des Films ist ein strukturelles. Die Gegenwartsebene mit Callum und der Anlage in Madrid verbraucht unverhältnismäßig viel Zeit, während die historischen Rückblenden, die eigentlichen Energiequellen des Films, zu sparsam dosiert bleiben. Kameramann Adam Arkapaw liefert opulente Panoramen und dynamische Verfolgungssequenzen, die Adam Arkapaws Können deutlich zeigen; Jed Kurzels Soundtrack trägt die Atmosphäre zuverlässig. Doch das Drehbuch häuft Figuren und Subplots an, ohne einen einzigen davon konsequent zu entwickeln, und der finale Schwenk in die Londoner Gegenwart wirkt konstruiert, weil die emotionale Grundlage dafür fehlt.
Wer Action-Kino mit historischem Flair und aufwändiger Inszenierung schätzt, findet in „Assassin’s Creed“ durchaus Momente, die sich lohnen. Als Adaption hingegen bleibt der Film ein Versprechen ohne Einlösung: zu kühl für emotionale Bindung, zu überladen für erzählerische Klarheit. Das Konzept hätte das Potenzial für mehr gehabt.