Das Vermächtnis der Tempelritter
Schätze, die sich über Generationen vererben, sind selten Gold. Manchmal sind es Geschichten. „Das Vermächtnis der Tempelritter“ nimmt diese Idee beim Wort und schickt seinen Protagonisten auf eine Schnitzeljagd, die tief in die Gründungsgeschichte der Vereinigten Staaten führt. Jon Turteltaub inszeniert 2004 einen Abenteuerfilm, der von Jerry Bruckheimer produziert wurde und das historische Erbe Amerikas in einen spannungsgeladenen Unterhaltungsapparat verwandelt.

| Dauer: | 131 Min. |
|---|---|
| FSK: | 12 (DE) |
| Jahr: | 2004 |
| Kategorien: | Abenteuer |
| Regie: | Jon Turteltaub |
| Produzenten: | Jon Turteltaub, Jerry Bruckheimer |
| Hauptdarsteller: | Nicolas Cage, Diane Kruger, Justin Bartha |
| Nebendarsteller: | Sean Bean, Jon Voight, Harvey Keitel, Christopher Plummer |
| Studio: | Walt Disney Pictures, Jerry Bruckheimer Films, Saturn Films, Junction Entertainment |
Was den Film dabei von generischer Agentenware unterscheidet, ist sein eigentümlicher Tonfall: halb Verschwörungsroman, halb Familiengeschichte, durchzogen von einem fast kindlichen Glauben an die Magie verborgener Wahrheiten. Die amerikanische Unabhängigkeitserklärung als Schatzkarte – das klingt absurd. Kann ein Film aus dieser Prämisse tatsächlich dramatisches Gewicht ziehen?
Besetzung, Regie und Drehorte
„Das Vermächtnis der Tempelritter“ entstand 2004 unter der Regie von Jon Turteltaub, der für Walt Disney Pictures arbeitete. Das Drehbuch stammt von Jim Kouf sowie dem Autorenpaar Cormac und Marianne Wibberley. Hinter der Kamera stand Caleb Deschanel, den Schnitt übernahm William Goldenberg. Die Filmmusik komponierte Trevor Rabin, der den Abenteuertonus des Films musikalisch trägt.
Nicolas Cage verkörpert den Historienschatzjäger Benjamin Franklin Gates, an seiner Seite agieren Diane Kruger als Historikerin Dr. Abigail Chase und Justin Bartha als Computerexperte Riley Poole. Sean Bean spielt den Antagonisten Ian Howe mit routinierter Kälte. Jon Voight gibt den desillusionieren Vater Patrick Henry Gates, Harvey Keitel den FBI-Agenten Sadusky, Christopher Plummer den Großvater John Adams Gates.
Der Film wurde in den USA produziert, mit einem Budget von 100 Millionen US-Dollar. An den Kinokassen spielte er weltweit rund 347 Millionen US-Dollar ein, davon 173 Millionen in den USA allein. Die FSK gab eine Freigabe ab 12 Jahren, die Laufzeit beträgt 126 Minuten. Im Jahr 2007 folgte mit „Das Vermächtnis des geheimen Buches“ eine direkte Fortsetzung.
Handlung & Inhalt vom Film „Das Vermächtnis der Tempelritter“
Benjamin Franklin Gates wächst mit einer Familienlegende auf. Sein Großvater John erzählt ihm als Kind von einem sagenhaften Schatz, den die Tempelritter einst in Amerika vergruben und den die Gründerväter der Vereinigten Staaten hüteten. Den entscheidenden Hinweis darauf hatte einst Charles Carroll, der letzte lebende Unterzeichner der Unabhängigkeitserklärung, dem Vorfahren Thomas Gates übergeben: „The secret lies with Charlotte.“ Die meisten halten dies für Mythos. Ben Gates nicht. Jahrzehnte später finanziert der dubiose Geschäftsmann Ian Howe eine Expedition, um das Schiff namens Charlotte in der Arktis aufzuspüren – und engagiert Gates und seinen Freund Riley Poole für das Unternehmen.
Im Wrack der Charlotte finden sie eine Meerschaumpfeife, deren eingravierte Verse zudem auf eine Schatzkarte auf Rückseite der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung verweisen. Ian offenbart sich anschließend als skrupelloser Krimineller und will daher das Dokument stehlen. Ben und Riley entkommen zwar, warnen jedoch FBI und Nationalarchiv, allerdings ohne Erfolg. Deshalb entschließt sich Ben, die Unabhängigkeitserklärung selbst zu stehlen, um sie vor Ian zu schützen. Mit einem ausgeklügelten Plan gelingt ihm schließlich beim Festakt im Nationalarchiv tatsächlich der Diebstahl. Dabei kreuzen sich überraschend seine Wege mit Archivarin Dr. Abigail Chase, die folglich das Dokument zurückfordert. Ian entführt sie jedoch, doch Ben und Riley befreien sie schließlich und entkommen Ian mit einer Fälschung.
Verfolgung durch Geschichte und Gewölbe
Gemeinsam entschlüsseln Ben, Riley und Abigail die Ottendorf-Verschlüsselung mithilfe der Silence-Dogood-Briefe Benjamin Franklins. Dabei führt die Spur zunächst zum Glockenturm der Independence Hall, wo exakt um 14:22 Uhr ein Schatten den Hinweis auf eine versteckte Brille Franklins offenbart. Diese wiederum zeigt auf der Rückseite der Unabhängigkeitserklärung den nächsten Hinweis „Here at the wall“, der schließlich zur Trinity Church in New York führt. Währenddessen hat Ian bereits Bens Vater Patrick als Geisel genommen, um die Gruppe unter Druck zu setzen.
Unter der Trinity Church stoßen die Schatzjäger anschließend auf ein weit verzweigtes unterirdisches Labyrinth. Dort täuscht Patrick Ian und lenkt ihn mit einem falschen Hinweis zur Old North Church in Boston. Ian glaubt der Spur und lässt die Gruppe zunächst zurück. Ben erkennt jedoch die wahre Bedeutung der Meerschaumpfeife als Schlüssel zu einer verborgenen Kammer. Schließlich öffnet sich dort das geheime Versteck, in dem der legendäre Schatz der Tempelritter verborgen liegt.
Ben stellt sich freiwillig dem FBI. Er erkennt Agent Sadusky anhand seines Rings als Freimaurer und handelt Straffreiheit aus, indem er den Schatz den Museen der Welt überlässt – und Ian Howe als alleinigen Schuldigen für den Diebstahl benennt. Das FBI verhaftet Ian in Boston auf frischer Tat. Der Gates-Familie und Riley wird die Entdeckung offiziell zugeschrieben. Ben und Abigail werden ein Paar. Von den wertvollen Fundstücken behält das Trio ein Prozent – genug, um Multimillionäre zu werden.
Filmkritik und Fazit zum Film „Das Vermächtnis der Tempelritter“
„Das Vermächtnis der Tempelritter“ ist ein Film, der seine eigene Unwahrscheinlichkeit sehr genau kennt – und ihr mit vollem Tempo zu entkommen versucht. Turteltaubs Inszenierung setzt auf Bewegung statt Reflexion: Die Kamera von Caleb Deschanel folgt dem Geschehen mit einem zügigen, manchmal atemlosen Rhythmus, der Logiklücken im Handlungsgefüge systematisch überspielt. Trevor Rabins Musik verstärkt diesen Effekt, sie drängt vorwärts, wo das Drehbuch ins Stocken gerät. Nicolas Cage gibt seinem Benjamin Gates eine kauzige Ernsthaftigkeit, die den absurden Prämissen eine eigentümliche Glaubwürdigkeit verleiht – auch wenn seine Figur emotional flach bleibt.
Die dramaturgische Schwäche des Films liegt weniger in seinen historischen Freiheiten als im Rhythmus der Enthüllungen. Jede Rätsellösung wird sofort von einer neuen überschrieben, ohne dass die Figuren Zeit gewinnen, den Moment zu tragen. Die Liebesgeschichte zwischen Ben und Abigail wirkt aufgesetzt, da Diane Kruger kaum Raum bekommt, ihre Figur zu entfalten. Justin Bartha als Riley Poole liefert dagegen das komödiantische Gegengewicht, das dem Film an seinen besten Stellen Leichtigkeit gibt. Die Szene im unterirdischen Gewölbe, als Bens Vater den falschen Hinweis erfindet, zählt zu den wenigen Momenten echter Spannung durch menschliche Cleverness statt technischen Aufwands.
Wer Abenteuerfilme schätzt, die ihr historisches Material lustvoll und ohne Scheu vor Anachronismen verarbeiten, findet hier kurzweilige Unterhaltung. Der Film fordert keine kritische Distanz – er belohnt Bereitschaft zur Mitspiellaune. Für Genre-Liebhaber, die solides Tempo mehr schätzen als emotionale Tiefe, lohnt sich das Vermächtnis der Tempelritter durchaus.