Ostwind 2

Der Sommer riecht nach Kiefernharz, Pferdeschweiß und dem leisen Versprechen, dass alles gut wird. Mit „Ostwind 2“ kehrt Katja von Garnier 2015 nach Kaltenbach zurück – und nimmt das Publikum erneut mit in jene bayerische Landschaft, die im Vorgänger so überzeugend zwischen Idylle und Aufbruch changierte. Das Sequel sucht nach mehr: mehr Handlung, mehr Figuren, mehr Konflikte. Ob diese Ambition dem Film nützt oder schadet, ist dabei die entscheidende Frage.

Ostwind 2
Dauer: 108 Min.
Jahr: 2015
Kategorien: Abenteuer
Regie: Katja von Garnier
Produzenten: Andreas Ulmke-Smeaton, Ewa Karlström
Hauptdarsteller: Hanna Binke, Jannis Niewöhner, Amber Bongard
Nebendarsteller: Marvin Linke, Kenzie Dysli, Cornelia Froboess, Nina Kronjäger
Studio: Constantin Film, SamFilm

Von Garnier, die mit dem ersten Teil bewies, dass deutsches Jugendkino mehr sein kann als Formatware, steht hier vor der klassischen Sequel-Falle: Das Publikum kennt die Figuren, kennt den Zauber, kennt das Pferd. Wie hält man eine Geschichte lebendig, die eigentlich schon erzählt ist? „Ostwind 2″ versucht die Antwort mit Tempo, Turnierspannung und einer romantischen Nebenhandlung – doch das Gleichgewicht zwischen Stimmung und Story erweist sich als fragiler als erhofft.

Besetzung, Regie und Drehorte

Ostwind 2“ entstand unter der Regie von Katja von Garnier nach einem Drehbuch von Lea Schmidbauer und Kristina Magdalena Henn, den Autorinnen des Romanvorläufers. Die Produktion übernahmen Ewa Karlström und Andreas Ulmke-Smeaton, das Kamera-Team unter Torsten Breuer war erneut für die Bildgestaltung verantwortlich. Die Filmmusik stammt von Annette Focks, den Schnitt verantwortete Tobias Haas. Der Kinostart erfolgte am 14. Mai 2015, die Dreharbeiten fanden im Sommer 2014 statt.

Hanna Binke übernimmt erneut die Hauptrolle der Mika Schwarz und wird von Jannis Niewöhner als dem geheimnisvollen Milan ergänzt. Marvin Linke spielt Mikas Freund Samuel Kaan, Amber Bongard verkörpert die lebhafte Fanny. In tragenden Nebenrollen sind Cornelia Froboess als Großmutter Maria Kaltenbach sowie Nina Kronjäger und Jürgen Vogel als Mikas Eltern zu sehen. Tilo Prückner, Max Tidof und Walter Sittler runden das Ensemble ab.

Der Film läuft 108 Minuten und ist ohne Altersbeschränkung freigegeben (FSK 0). Bei der achten Verleihung des Drehbuchpreises Kindertiger, vergeben von Vision Kino und dem KiKA, gewann „Ostwind 2″ im November 2015 den mit 20.000 Euro dotierten ersten Preis. Seit September 2020 ist der Film auf Disney+ verfügbar.

Handlung & Inhalt vom Film „Ostwind 2“

Mika hat Pläne für ihre Sommerferien – Paris mit ihrer besten Freundin Fanny stand fest im Kalender. Dennoch lässt sie ein unbestimmtes Gefühl nicht los: Irgendetwas stimmt nicht mit Ostwind, nicht mit Kaltenbach. Also bricht sie heimlich auf, ohne Ankündigung, ohne Rücksicht auf die verabredete Reise. Als sie auf dem Hof ihrer Großmutter Maria ankommt, bestätigt sich die Ahnung. Ostwind trägt seltsame Kratzer am Körper, Maria weicht Fragen aus, und über dem Gestüt liegt eine Schwere, die Mika sofort spürt.

Ein Ausritt führt Mika und Ostwind tief in den Wald – der Hengst bricht plötzlich querfeldein aus, folgt einem Ruf, den nur er zu hören scheint. Mika findet ihn schließlich an der Seite einer geheimnisvollen weißen Stute. Gleichzeitig erfährt sie die bittere Wahrheit über Kaltenbach: Maria ist pleite. Viele Reiter sind zum moderneren Nachbargestüt von Leopold Sasse gewechselt, der nun erstmals ein Vielseitigkeitsturnier ausrichtet – das Sasseclassics. Kurz darauf taucht Fanny auf dem Hof auf. Sie wollte ohne Mika nicht nach Paris fahren.

Turnier, Verrat und eine Flucht im Wald

Mika entwickelt mit Fanny und Sam einen Plan: Am Sasseclassics teilnehmen, das hohe Preisgeld gewinnen, den Hof retten. Das Problem ist das Dressurreiten, das zu einem Vielseitigkeitsturnier gehört und Mikas Schwachstelle darstellt. Im Wald begegnet sie erneut der Schimmelstute – und diesmal auch Milan. Der junge Mann versucht die Stute, die er als Pferd Nummer 33 bezeichnet, für deren Besitzer namens Unger einzufangen. Ein Deal entsteht: Mika hilft Milan beim Einfangen, Milan trainiert Mika im Dressurreiten. Herr Kaan und Fanny unterstützen die Vorbereitung zusätzlich.

Das Turnier beginnt. Mika startet ohne Sattel und Zaumzeug und erzielt Bestpunktzahlen in der Dressur. Beim Geländeritt zuvor hatte sie sich allerdings eine schwere Gehirnerschütterung zugezogen, nachdem sie von einem tief hängenden Ast vom Pferd gerissen wurde. Benommen nimmt sie trotzdem teil, bis Ostwind sie schließlich ohnmächtig ins Ziel trägt. Der Gesundheitszustand zwingt Mika zum Abbruch, das Springreiten bleibt aus. Milan wird inzwischen verhaftet, Pferd 33 zum Unger gebracht.

Nach Milans Freilassung beschließen er, Mika, Fanny und Sam gemeinsam zu handeln. Sie befreien nicht nur Pferd 33, sondern zwei Dutzend weitere Tiere aus unwürdiger Haltung. Die Polizei verhaftet den Unger, auch Leopold Sasse gerät in Bedrängnis, da er Pferde an den Unger verkauft hatte. Ein Teil der geretteten Tiere wird zur Pflege auf Kaltenbach untergebracht – der Hof ist vorerst gerettet. Pferd 33 bekommt den neuen Namen 34. Mika und Milan werden ein Paar, ebenso Fanny und Sam.

Filmkritik und Fazit zum Film „Ostwind 2“

Was „Ostwind 2“ von seinem Vorgänger unterscheidet, ist zunächst eine gewisse dramaturgische Überfüllung. Das Drehbuch versucht gleichzeitig Hofretter-Melodrama, Romantik, Tierrechtsgeschichte und Turnierfilm zu sein – und verliert dabei gelegentlich den Faden, der all das zusammenhält. Kameramann Torsten Breuer gelingt es jedoch erneut, die Pferde mit einer Eleganz zu inszenieren, die den Zauber der Bewegung physisch spürbar macht. Szenen wie Mikas Dressurauftritt ohne Sattel und Zaumzeug haben eine visuelle Eigenlogik, die über Skriptprobleme hinwegträgt.

Hanna Binke wächst in ihrer Rolle sichtbar, und Jannis Niewöhner verleiht Milan eine zurückhaltende Präsenz, die dem Film eine zweite emotionale Achse gibt. Schwächer sind die Nebenfiguren gezeichnet: Die Antagonisten bleiben funktional statt greifbar, und starke Darsteller wie Cornelia Froboess wirken in schematischen Dialogen unterfordert. Die Musik von Annette Focks harmoniert diesmal organischer mit den Reitsequenzen als noch im ersten Teil, wenngleich der Zeitlupeneinsatz weiterhin großzügig ausfällt. Das Tempo ist stellenweise zu gehetzt, um Stimmungsmomente atmen zu lassen.

Für das junge Publikum, das mit dem ersten Teil aufgewachsen ist, bietet „Ostwind 2″ genug Substanz, um zu unterhalten und emotional mitzureißen. Pferdebegeisterte werden die Reitsequenzen schätzen, auch wenn die Messlatte des Vorgängers nicht ganz erreicht wird. Wer den Film jedoch als das nimmt, was er letztlich ist – einen soliden, herzlichen Jugendfilm mit echten Stärken in Bild und Darstellung –, findet hier zwei kurzweilige Kinostunden im besten Sinne.

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