Kokowääh
Manchmal braucht es ein Kind, um einen Erwachsenen zu finden. „Kokowääh“ erzählt genau davon – und tut dies mit einer Direktheit, die im deutschen Komödienkino selten geworden ist. Til Schweiger, der seine Karriere als Regisseur mehrfach neu ausgerichtet hat, kehrt hier zu jenen Stärken zurück, die seinen früheren Erfolg begründeten: warmherzige Figuren, glaubwürdige Emotionen, und ein Gespür für den feinen Grat zwischen Humor und Rührung.

| Dauer: | 123 Min. |
|---|---|
| FSK: | 6 (DE) |
| Jahr: | 2011 |
| Kategorien: | Drama, Komödie |
| Regie: | Til Schweiger |
| Produzenten: | Tom Zickler, Til Schweiger |
| Hauptdarsteller: | Til Schweiger, Emma Schweiger, Jasmin Gerat |
| Nebendarsteller: | Samuel Finzi, Sanny van Heteren, Birthe Wolter, Friederike Kempter |
| Studio: | Barefoot Films, Béla Jarzyk Production, Sat.1, Warner Bros. Film Productions Germany |
Das Leben als Patchwork – mit all seinen Missverständnissen, ungewollten Vaterschaftsbeweisen und schlecht gebratenen Spiegeleiern – ist längst kein Nischenthema mehr. Wie ein Film damit umgeht, ob er das Thema ausschlachtet oder wirklich etwas zu sagen hat, entscheidet über seinen Wert. Was sagt also Til Schweiger, wenn er Regie, Hauptrolle und Drehbuch in Personalunion übernimmt?
Besetzung, Regie und Drehorte
„Kokowääh“ ist eine deutsche Filmkomödie aus dem Jahr 2011, entstanden unter der Regie von Til Schweiger, der das Drehbuch gemeinsam mit Béla Jarzyk verfasste. Produziert wurde der Film von Barefoot Films, mit Schweiger und Thomas Zickler als Produzenten. Die Musik stammt von Dirk Reichardt, Mirko Schaffer und Martin Todsharow, die Kamera führte Christof Wahl, der im Abspann auch als Co-Regisseur genannt wird. Gedreht wurde von Juli bis September 2010 in Berlin und Potsdam, mit einem geschätzten Budget von 5,65 Millionen Euro.
Die Hauptrolle des Drehbuchautors Henry übernimmt Til Schweiger selbst, seine Tochter Emma Schweiger spielt die achtjährige Magdalena. An ihrer Seite agieren Jasmin Gerat als Katharinas, Henrys Ex-Freundin, sowie Samuel Finzi als Tristian, der Ziehvater Magdalenas. Meret Becker ist als Magdalenas Mutter Charlotte zu sehen, ergänzt durch Friederike Kempter als Henrys Agentin und Katharina Thalbach in einer Nebenrolle. Der Kinostart in Deutschland war am 3. Februar 2011.
Mit über 4,2 Millionen Kinobesuchern im Jahr 2011 zählt der Film zu den erfolgreichsten deutschen Produktionen jenes Jahres. Er erhielt den Bogey in Gold für drei Millionen Besucher binnen 30 Tagen, den Deutschen Comedypreis 2011 als erfolgreichste deutsche Filmkomödie des Jahres, sowie die Goldene Leinwand 2011. Die Deutsche Film- und Medienbewertung FBW verlieh dem Film das Prädikat „wertvoll“. Die FSK-Freigabe liegt bei FSK 6.
Handlung & Inhalt vom Film „Kokowääh“
Berlin, Gegenwart. Henry ist Drehbuchautor – und kein besonders erfolgreicher. Seine letzte Arbeit, die Fernsehserie „Der Förster vom Spreewald“, wurde mangels Publikumsinteresse abgesetzt. Seitdem stagniert seine Karriere ebenso wie sein Privatleben, nachdem er sich von seiner Freundin Katharina getrennt hat. Er bewegt sich durch seinen Alltag mit jener Leichtfertigkeit, die Männer gelegentlich für Freiheit halten. Dann erhält er über seine Agentin ein unerwartetes Angebot: Er soll an der Verfilmung von Katharinas Bestsellerroman „Freiflug“ mitschreiben – gemeinsam mit der Autorin selbst.
Bevor Henry diese Wendung verdaut hat, steht ein kleines Mädchen vor seiner Tür. Magdalena ist acht Jahre alt, trägt einen Brief bei sich und hat keine Ahnung, wie ihr Leben gerade auf den Kopf gestellt wird. Der Brief ihrer Mutter Charlotte enthält eine schlichte Mitteilung: Henry sei Magdalenas leiblicher Vater. Charlotte befindet sich in New York und in einem Gerichtsverfahren verwickelt. Magdalena soll bis zu ihrer Rückkehr bei Henry bleiben. Dieser wendet sich an Tristian, Charlottes Ehemann und bisheriger Ziehvater des Mädchens – doch der weigert sich, Magdalena zurückzunehmen. Die Offenbarung, nicht der biologische Vater zu sein, hat ihn erschüttert. Er fordert von Henry, endlich Verantwortung zu übernehmen.
Zwischen Wahrheit und Vertrauen
Henry, der weder mit Kindern noch mit dem Konzept familiärer Pflicht vertraut ist, ist zunächst deutlich überfordert. Zunächst bleibt Magdalena häufig allein, bis schließlich ein Küchenunfall die Situation eskalieren lässt. Gleichzeitig entwickelt sich Schritt für Schritt eine Vertrautheit zwischen den beiden, die Henry selbst überrascht. Parallel dazu schreitet auch die Arbeit mit Katharina voran, wobei Henry zunehmend erkennt, dass seine alten Gefühle für sie keineswegs verschwunden sind. Dennoch hält er eine entscheidende Information zurück: Magdalena wurde gezeugt, während er noch mit Katharina zusammen war.
Schließlich kommt die Wahrheit ans Licht, als Katharina Henry unangemeldet besucht und dabei auf Magdalena trifft. In diesem Moment erzählt das Mädchen, ohne die Tragweite zu verstehen, offen von ihrer Herkunft. Daraufhin fühlt sich Katharina tief hintergangen. Folglich beendet sie nicht nur die persönliche Beziehung zu Henry, sondern bricht auch die berufliche Zusammenarbeit ab. Kurz darauf fordert zudem Tristian Magdalena zurück, wodurch Henry erkennt, wie sehr er das Mädchen inzwischen vermisst. Dadurch spitzt sich der Konflikt zwischen den beiden Männern weiter zu.
Anschließend versucht Henry, das Unaussprechliche in Worte zu fassen, und zwar auf die einzige Art, die er beherrscht: Er schreibt ein Drehbuch. Außerdem nennt er es „Kokowääh“, nach dem einzigen Gericht, das er wirklich kochen kann. Daraufhin schickt er es Katharina. Diese liest es schließlich, versteht seine Botschaft und sucht daraufhin das Gespräch. In der Folge versöhnen sich die beiden und setzen ihre Arbeit wieder fort. Gleichzeitig kehrt Charlotte aus New York zurück. Schließlich findet sie einen Kompromiss, der Magdalena das scheinbar Unmögliche ermöglicht: beide Väter zu behalten, sowohl den biologischen als auch den Ziehvater.
Filmkritik und Fazit zum Film „Kokowääh“
„Kokowääh“ ist kein Film, der seine Absichten verbirgt. Til Schweiger inszeniert mit einer Unmittelbarkeit, die manchmal rau wirkt, aber selten unaufrichtig. Die Kamera von Christof Wahl wählt warme Berliner Innenräume als Schauplätze für kleine Katastrophen des Alltags, und der Schnitt hält ein Tempo, das dem Tonfall der Geschichte entspricht: leicht, aber nie flüchtig. Emma Schweiger trägt als Magdalena weite Teile des Films, und sie tut dies mit einer Natürlichkeit, die eine Besetzungsentscheidung rechtfertigt, die zunächst nach Nepotismus aussieht. Samuel Finzi als Tristian liefert dabei die stillste und überzeugendste Leistung des gesamten Ensembles.
Was den Film von einer reinen Familienkomödie unterscheidet, ist sein ehrliches Interesse an der Patchwork-Konstellation. Die Szene, in der Katharina ahnungslos auf Magdalena trifft und die Wahrheit erfährt, trägt echtes emotionales Gewicht – weil der Film sich die Zeit genommen hat, die Beziehung zwischen Henry und dem Mädchen glaubwürdig aufzubauen. Weniger überzeugend sind episodische Einschübe, die bestimmte Randfiguren mit einer Herablassung behandeln, die zum versöhnlichen Grundton des Films nicht passt. Diese Momente wirken wie Fremdkörper in einem Film, der es eigentlich besser weiß.
Wer deutsche Komödien mit Substanz schätzt – und damit keine Widerspruch in sich vermutet – findet in „Kokowääh“ einen Film, der mehr Haltung zeigt, als sein Unterhaltungsanspruch vermuten lässt. Er ist kein makelloses Werk, doch er ist ein aufrichtiges. Das ist im Heimkino-Komödienformat eine seltenere Qualität, als es scheint.