Ich bin immer für Dich da!

Wenige Genres verstehen es so kompromisslos wie das Bollywood-Kino, dramaturgische Register binnen Minuten zu wechseln. Politthriller, Familiendrama, Campus-Komödie und Musicalrevue verschmelzen zu einem dreistündigen Gesamtkunstwerk, das westliche Sehgewohnheiten auf die Probe stellt. Farah Khans Regiedebüt aus dem Jahr 2004 ist ein exemplarischer Vertreter dieser Erzählform. „Ich bin immer für Dich da!“ vereint die Vorzüge und Brüche eines Kinos, das nichts weglassen mag. Shah Rukh Khan trägt das Werk als Produzent und Hauptdarsteller gleichermaßen.

Main Hoon Na - Ich bin immer für Dich da!
Dauer: 179 Min.
FSK: 12 (DE)
Jahr: 2004
Kategorien: Romantik
Regie: Farah Khan
Produzenten: Gauri Khan, Shah Rukh Khan, Bharat Shah
Hauptdarsteller: Shah Rukh Khan, Sushmita Sen, सुनील शेट्टी
Nebendarsteller: Zayed Khan, Amrita Rao, Boman Irani, Satish Shah
Studio: Red Chillies Entertainment, Venus Films

Die Regisseurin kommt aus der Choreografie. Das merkt man dem Film in jeder Sequenz an. Nicht nur die Musicalnummern sind präzise arrangiert, auch die Dialogszenen folgen einem rhythmischen Grundgefühl. Farah Khan verbeugt sich dabei unübersehbar vor Hollywood, vor „Mission: Impossible“, vor „Matrix“, vor dem John-Woo-Pathos fliegender Tauben. Was dabei herauskommt, ist weniger Hommage als Aneignung. Ob diese Mischung aufgeht oder ins Zuviel kippt?

Besetzung, Regie und Drehorte

Hinter „Ich bin immer für Dich da!“ steht ein produktionsstarkes Team. Farah Khan führte erstmals Regie und verfasste das Drehbuch gemeinsam mit Rajesh Sathi und Abbas Tyrewala. Produziert wurde der Film von Gauri Khan, Shah Rukh Khan, Sanjiv Chawla und Ratan Jain. Die Musik komponierte Anu Malik, für die Kameraführung zeichnete Manikandan verantwortlich. Den Schnitt übernahm Shirish Kunder. Als indische Produktion kam der Film am 30. April 2004 in die heimischen Kinos.

Shah Rukh Khan verkörpert Major Ram Prasad Sharma, den pflichtbewussten Offizier im Zentrum der Erzählung. An seiner Seite spielt Zayed Khan den jugendlichen Halbbruder Laxman, der sich lieber Lucky nennen lässt. Amrita Rao übernimmt die Rolle der Generalstochter Sanjana, Sushmita Sen jene der Chemielehrerin Miss Chandni. Als Antagonist Raghavan tritt Sunil Shetty auf. Kabir Bedi, Naseeruddin Shah, Kirron Kher und Boman Irani ergänzen das Ensemble in Nebenrollen.

Mit 179 Minuten Laufzeit bewegt sich der Film im oberen Bereich klassischer Bollywood-Produktionen. Die FSK-Freigabe liegt bei 12 Jahren. Bei den Filmfare Awards erhielt das Werk zehn Nominierungen, prämiert wurde am Ende allein Anu Malik für die Beste Musik. Zusätzlich gewann Farah Khan den IIFA Award sowie den Zee Cine Award für das beste Regiedebüt.

Handlung & Inhalt vom Film „Ich bin immer für Dich da!“

Im Zentrum steht zunächst das politische Projekt Milaap, in der deutschen Fassung „Versöhnung“ genannt. Dabei plant Indien, fünfzig pakistanische Gefangene freizulassen, von denen die meisten harmlose Dorfbewohner sind, die lediglich versehentlich die Grenze überschritten haben. Gleichzeitig tritt General Amarjeet Bakshi als öffentliches Gesicht dieser Initiative auf. Sein erklärtes Ziel ist es, einen ersten Schritt in Richtung Versöhnung zwischen den beiden verfeindeten Nachbarstaaten zu setzen. Doch während einer live übertragenen Fernsehsendung kommt es abrupt zur Eskalation, als der Terrorist Raghavan Datta das Studio stürmt. Folglich versucht er, den General zu töten und damit die gesamte Initiative zu sabotieren. In letzter Sekunde wirft sich Brigadier Shekhar Sharma schützend vor die Kugel. Während er im Sterben liegt, offenbart er seinem Sohn Ram ein lange verborgenes Familiengeheimnis.

Daraufhin erfährt Ram von einem Halbbruder namens Laxman, der in Darjeeling am Fuße des Himalaya studiert. Gleichzeitig verpflichtet ihn der letzte Wille seines Vaters dazu, dessen Asche gemeinsam mit Laxman in den Ganges zu streuen. Zusätzlich droht jedoch erneut Gefahr durch Raghavan, der nun gezielt Sanjana ins Visier nimmt, die Tochter des Generals. Aus diesem Grund bittet Bakshi Ram persönlich, seine Tochter zu beschützen. Durch einen glücklichen Zufall überschneiden sich die Verpflichtungen, denn Sanjana und Laxman besuchen dasselbe College. Folglich entschließt sich Ram, beide Aufgaben gleichzeitig zu erfüllen, und schreibt sich selbst als Student am St.-Pauls-College ein.

Zwischen Undercover-Mission und Familienbande

Zunächst fällt es ihm schwer, sich in das neue Umfeld einzufügen, da er als deutlich älterer Major unter Studenten auffällt. Daher verspottet ihn die Studentenschaft anfangs offen. Allerdings ändert sich die Stimmung schlagartig, als Ram seinem Halbbruder Lucky das Leben rettet. Infolgedessen akzeptieren ihn die Kommilitonen, während er zugleich in die Chemielehrerin Chandni verliebt. Parallel dazu zieht er in das Haus von Luckys Mutter ein, die ihn jedoch nicht als Sohn ihres verstorbenen Mannes erkennt. Somit entsteht eine zunehmend ambivalente Situation, in der Ram zwischen militärischer Pflicht, familiärer Suche und persönlicher Liebe hin- und hergerissen ist.

Unterdessen bleibt Raghavan weiterhin aktiv und gibt sich nicht geschlagen. Deshalb schleust er sich heimlich als Lehrkraft an das College ein, um Ram systematisch auszuspionieren. Nach und nach sammelt er belastendes Material, bis er schließlich genug Informationen besitzt. Daraufhin enttarnt er Ram öffentlich, was unmittelbar dazu führt, dass Mrs. Sharma ihn aus ihrem Haus wirft. Folglich nutzt Raghavan die Situation aus und nimmt Schüler sowie Lehrer als Geiseln, wobei er Ram als Austausch fordert.

Schließlich eskaliert die Situation im Finale, das sich in die Schulgebäude verlagert. Dort kommt es unmittelbar zum blutigen Showdown zwischen Ram und Raghavan. Nachdem der Konflikt seinen Höhepunkt erreicht, entscheidet eine Handgranate die Auseinandersetzung und reißt den Antagonisten sowie Teile des Gebäudes mit sich. Dennoch überleben die Geiseln. Abschließend schließen Ram und Lucky das College regulär ab, während die Familie wieder zusammenfindet und die politische Initiative letztlich bestehen bleibt. Somit endet der Film in dem versöhnlichen Grundton, den sein Titel bereits vorwegnimmt.

Filmkritik und Fazit zum Film „Ich bin immer für Dich da!“

Farah Khans Regiedebüt „Ich bin immer für Dich da!“ zeigt bereits in den ersten Minuten, wo die Stärken dieser Inszenierung liegen. Die choreografische Präzision schlägt sich nicht nur in den Musicalnummern nieder, sondern auch in Actionpassagen wie der brennenden Rikscha-Verfolgung. Shah Rukh Khan trägt den Film mit routinierter Präsenz, ohne dass seine Mimik je zur Masche erstarrt. Zayed Khan setzt ihm ein jugendlich-ungestümes Gegenbild entgegen. Die Tonalität kippt hingegen mehrfach. Dramatische Augenblicke weichen abrupt euphorischen Tanzsequenzen.

Das Tempo bleibt über die beachtliche Laufzeit erstaunlich konstant. Anu Maliks Kompositionen tragen erheblich zu dieser Dynamik bei, und die prämierten Songs fügen sich meist organisch in die Dramaturgie. Visuell bedient sich die Regisseurin unverhohlen bei Hollywood, was dem Film eine eigentümliche Doppeldeutigkeit verleiht. Matrix-Zitate und Woo-Referenzen wirken stellenweise wie stilistische Selbstvergewisserung, stellenweise wie respektvolle Hommage. Die Figur des verkleideten Terroristenpädagogen bleibt dramaturgisch fragwürdig. Seine Motivation wird spät offenbart, überzeugt dann aber durchaus.

Bleibt die Frage nach dem Gesamteindruck. Farah Khan gelingt ein Werk, das westliche Zuschauer als Einstieg ins Bollywood-Kino nutzen können. Die politische Grundierung verleiht der Geschichte eine Ernsthaftigkeit, die dem Genre selten zugetraut wird. Wer sich auf die Mischung aus Pathos, Ironie und Tanzritual einlässt, wird belohnt. Für Genre-Liebhaber ist der Film eine Empfehlung mit wenigen Abstrichen.

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