Moon
Es gibt Filme, die das Genre der Science-Fiction nicht durch Schauwerte erweitern, sondern durch das, was sie weglassen. „Moon“ von Duncan Jones gehört unzweifelhaft zu dieser raren Kategorie. Das britische Regiedebüt aus dem Jahr 2009 verzichtet auf das übliche Bombast-Vokabular der Weltraum-Spektakel. Stattdessen setzt es auf Stille, auf Mondstaub, auf einen einzelnen Mann in einer leeren Station. Die Kamera atmet, das Tempo verharrt. Erzählt wird eine Geschichte, die mit jedem Bild leiser wird und gerade deshalb umso mehr Gewicht entfaltet.

| Dauer: | 97 Min. |
|---|---|
| FSK: | 12 (DE) |
| Jahr: | 2009 |
| Kategorien: | Mystery, Science-Fiction |
| Regie: | Duncan Jones |
| Produzenten: | Stuart Fenegan, Trudie Styler, Nicky Bentham, Mark Foligno, Alex Francis, Steve Milne, Deepak Sikka, Justin Lanchbury |
| Hauptdarsteller: | Sam Rockwell, Kevin Spacey, Dominique McElligott |
| Nebendarsteller: | Rosie Shaw, Adrienne Shaw, Kaya Scodelario, Benedict Wong |
| Studio: | Lunar Industries, Liberty Films, Xingu Films, Limelight Fund, Independent |
Sam Rockwell verkörpert den Astronauten Sam Bell als Mehrfachrolle, deren Tragik sich erst allmählich entfaltet. Begleitet wird er nur von der künstlichen Intelligenz GERTY, der Kevin Spacey eine seltsam neutrale Stimme verleiht. Helium-3 ist hier kein bloßes Drehbuch-Requisit, sondern Ausgangspunkt für eine philosophische Versuchsanordnung. Jones inszeniert keinen Action-Plot, sondern eine Versuchsanordnung über Identität und Erinnerung. Was bleibt vom Menschen, wenn man ihm seine Geschichte nimmt – und sie tausendfach kopiert?
Besetzung, Regie und Drehorte
Hinter „Moon“ steht der Brite Duncan Jones, der mit diesem Werk sein Spielfilmdebüt vorlegte. Das Drehbuch verfasste Nathan Parker auf Grundlage einer Idee von Jones selbst. Produziert wurde der Film von Stuart Fenegan und Trudie Styler, die Kamera führte Gary Shaw, den Schnitt verantwortete Nicolas Gaster. Die musikalische Untermalung stammt von Clint Mansell, einem langjährigen Wegbegleiter von Darren Aronofsky. Gedreht wurde an lediglich 33 Tagen in den traditionsreichen Shepperton Studios bei London. Jones bevorzugte praktische Modelle gegenüber digitaler Animation.
In der Hauptrolle agiert Sam Rockwell als Sam Bell und füllt nahezu jede Einstellung des Films aus. Kevin Spacey leiht der künstlichen Intelligenz GERTY seine markante Stimme. Dominique McElligott verkörpert Sams Ehefrau Tess, Kaya Scodelario übernimmt die Rolle der erwachsenen Tochter Eve, während Rosie Shaw die jüngere Eve gibt. In Nebenrollen sind Benedict Wong als Thompson, Matt Berry als Overmeyers und Malcolm Stewart als Techniker zu sehen. Robin Chalk fungierte als Body-Double für Rockwells zweite Klon-Inkarnation.
Mit einer Laufzeit von 96 Minuten und einer Altersfreigabe ab zwölf Jahren bleibt der Film angenehm kompakt. Das Produktionsbudget von etwa fünf Millionen US-Dollar zählt für einen Genre-Film zur unteren Kategorie. Die Premiere fand im Januar 2009 auf dem Sundance Film Festival statt. Ausgezeichnet wurde „Moon“ unter anderem mit dem British Independent Film Award, dem BAFTA für die beste Nachwuchsleistung und dem Hugo Award 2010.
Handlung & Inhalt vom Film „Moon“
In einer nicht näher datierten Zukunft deckt die Erde rund siebzig Prozent ihres Energiebedarfs durch Helium-3. Der Rohstoff stammt vom Abbau auf der erdabgewandten Mondseite. Riesige Maschinen, sogenannte Harvester, fördern das Material weitgehend automatisiert. Nur ein einziger menschlicher Bediener steuert die Abläufe. Diese Aufgabe übernimmt Sam Bell im Auftrag von Lunar Industries, dem weltweit größten Konzern für Fusionsenergie. Ausschließlich die künstliche Intelligenz GERTY begleitet ihn dabei. Seit fast drei Jahren lebt Sam völlig isoliert. Vierzehn Tage trennen ihn noch von seiner Ablösung. Mit Frau Tess und Tochter Eve auf der Erde hält er nur über Videobotschaften Kontakt – eine Live-Übertragung verhindert ein defekter Satellit.
Sams körperlicher und seelischer Zustand verschlechtert sich zusehends. Er erlebt immer häufiger Halluzinationen, während seine Konzentration gleichzeitig nachlässt. Während eines Außeneinsatzes verursacht ein Harvester einen schweren Unfall. Sam erwacht anschließend in der Krankenstation, doch er erinnert sich nicht an die genauen Umstände. Er weiß nicht, dass ihn ein drei Jahre jüngerer Klon gerettet hat, den GERTY zwischenzeitlich aktiviert hatte. Die erste Begegnung der beiden Sams verläuft konfliktreich. Beide reagieren mit Misstrauen und Aggression aufeinander. Nach und nach erkennen sie jedoch, dass ihre Mission auf dem Mond ein grundlegendes Geheimnis verbirgt.
Im Schatten der eigenen Existenz
Mit Hilfe von GERTY entdecken die beiden Männer schließlich einen geheimen Bereich der Basis. Dort lagern hunderte weitere Klone in Stasis-Kammern, wobei jeder von ihnen ein potenzieller Sam Bell ist. Der angebliche Drei-Jahres-Vertrag entpuppt sich dadurch als zynisches Konstrukt: Er entspricht exakt der Lebenserwartung der Klone. Jeder Vorgänger wurde außerdem nach Ablauf seiner Dienstzeit in einer vermeintlichen Rückkehrkapsel vernichtet. Auch die Erinnerungen an Tess und Eve sind eine Manipulation, denn sie stammen vom Original-Sam, der seit fünfzehn Jahren auf der Erde lebt. Tess ist längst tot. Lunar Industries hat somit aus einem Menschen eine endlose Ressource gemacht.
Das Unternehmen reagiert zudem auf den Unfall mit der Entsendung des Rettungsteams ELIZA. Beide Sams begreifen jedoch sofort: Diese Einheit kommt nicht zur Hilfe, sondern soll Spuren beseitigen. Während der ältere, bereits zerfallende Sam dem Tod nahe ist, fasst der jüngere Klon deshalb einen Plan. Der Sterbende wird zurück in den verunglückten Rover gebracht, damit das Rettungsteam ein konsistentes Unfallszenario vorfindet. GERTY lässt sich außerdem auf eigenen Wunsch neu booten, damit die Konzernleitung keinen Zugriff auf seine Speicher erhält.
Der jüngere Sam zerstört schließlich mit den Harvestern jene Störsender, die bislang den direkten Funkverkehr zur Erde blockiert hatten. Ein dritter Klon wird daraufhin in der Basis aktiviert, soll jedoch erst nach der Abreise des Rettungstrupps erwachen. Bevor dies geschieht, gelingt dem jüngeren Sam allerdings die Flucht in einer Helium-3-Transportkapsel zur Erde. Im Epilog berichten Nachrichtensender weltweit über seinen Fall, während der Aktienkurs von Lunar Industries einbricht. Der Klon sagt anschließend vor einem Aufsichtsgremium in Seattle aus. Eine telefonische Stimme behauptet jedoch, der Mann sei lediglich ein Hochstapler oder illegaler Einwanderer – ein letzter Vertuschungsversuch, der die Korruption des Konzerns letztlich nur unterstreicht.
Filmkritik und Fazit zum Film „Moon“
Was „Moon“ auszeichnet, ist die Disziplin seiner Mittel. Duncan Jones inszeniert mit einer Ruhe, die in der heutigen Genre-Landschaft fast subversiv wirkt. Sam Rockwell trägt den Film in einer Doppelrolle, deren Differenzierung zur darstellerischen Glanzleistung wird. Beide Klone wirken als ähnliche, doch nie identische Figuren – der eine erschöpft und resigniert, der andere energisch und naiv. Kevin Spacey verleiht GERTY eine bemerkenswerte Ambivalenz zwischen Drohung und Fürsorge. Die Kamera von Gary Shaw bleibt nüchtern, ohne kalt zu erscheinen.
Bemerkenswert ist die handwerkliche Konsequenz der Inszenierung. Jones verzichtet weitgehend auf computergenerierte Effekte und arbeitet stattdessen mit Modellen, die dem Film eine taktile Materialität verleihen. Die Mondoberfläche wirkt nicht wie eine digitale Spielwiese, sondern wie ein realer Raum aus Staub und Stille. Clint Mansells Score begleitet das Geschehen mit melancholischer Zurückhaltung – ein wiederkehrendes Klaviermotiv strukturiert die Erzählung, ohne sich aufzudrängen. Lediglich der dramaturgische Bogen verliert nach dem zentralen Twist an Spannungsdichte. Die Auflösung bleibt konsequent, jedoch arm an emotionalen Zuspitzungen.
Wer Science-Fiction als Reflexionsraum versteht und nicht als Effektkulisse, wird dieses Debüt zu schätzen wissen. Jones gelingt eine seltene Verbindung aus klassischer Genre-Tradition und eigenständiger Handschrift. Anhänger von Werken wie „Solaris“ oder „2001″ finden hier eine zeitgemäße Verwandte – kleiner im Budget, doch nicht im Anspruch. Eine klare Empfehlung für alle, die das Nachdenken im Kino noch nicht aufgegeben haben.