A Haunting in Venice
Venedig im Nebel der Nachkriegsjahre, ein verbarrikadierter Meisterdetektiv, eine Séance am Rande des Okkulten – „A Haunting in Venice“ markiert einen spürbaren Bruch in Kenneth Branaghs Agatha-Christie-Filmreihe. Der dritte Poirot-Film wagt sich in ungewohntes Terrain: weg vom gepflegten Luxusthriller, hin zu einem Gruselfilm, der seinen Helden mit dem Irrationalen konfrontiert. Branagh inszeniert das Venedig der späten 1940er Jahre als labyrinthischen Schauplatz, in dem Rationalität und Übernatürliches miteinander ringen.

| Dauer: | 104 Min. |
|---|---|
| FSK: | 12 (DE) |
| Jahr: | 2023 |
| Kategorien: | Mystery, Thriller |
| Regie: | Kenneth Branagh |
| Produzenten: | Judy Hofflund, Ridley Scott, Simon Kinberg, Kenneth Branagh |
| Hauptdarsteller: | Kenneth Branagh, Kyle Allen, Camille Cottin |
| Nebendarsteller: | Jamie Dornan, Tina Fey, Jude Hill, Ali Khan |
| Studio: | 20th Century Studios, Scott Free Productions, Genre Films, Agatha Christie, Mark Gordon Pictures |
Dabei stellt der Film eine ungewohnte Frage an seinen Protagonisten – und damit auch an das Genre selbst: Was geschieht, wenn der Detektiv die Kontrolle über seine eigene Wahrnehmung verliert? Kann Logik den Schrecken bezwingen, wenn die Mauern des Palazzo zu atmen scheinen? „A Haunting in Venice“ sucht seine Antworten in einer dichten Atmosphäre, die sich von den Vorgängerfilmen deutlich unterscheidet – und gerade darin ihr größtes Versprechen trägt.
Besetzung, Regie und Drehorte
„A Haunting in Venice“ ist ein US-amerikanischer Mysterythriller aus dem Jahr 2023, der lose auf Agatha Christies Roman „Die Schneewittchen-Party“ von 1969 basiert. Regie führte Kenneth Branagh, der auch die Hauptrolle des Hercule Poirot übernahm; das Drehbuch stammt von Michael Green. Als Produzenten fungierten neben Branagh auch Ridley Scott, Simon Kinberg und Judy Hofflund. Die Filmmusik komponierte die isländische Oscarpreisträgerin Hildur Guðnadóttir, die Kameraarbeit übernahm Haris Zambarloukos.
Die Besetzung vereint ein internationales Ensemble: Tina Fey spielt die Schriftstellerin Ariadne Oliver, Kelly Reilly die Gastgeberin Rowena Drake. Michelle Yeoh verkörpert das Medium Joyce Reynolds, Jamie Dornan den kriegsversehrten Arzt Dr. Leslie Ferrier, dessen Sohn Leopold von Jude Hill gespielt wird. Riccardo Scamarcio ist als Leibwächter Vitale Portfoglio zu sehen, Camille Cottin als Haushälterin Olga Seminoff. Kyle Allen, Emma Laird und Ali Khan komplettieren das Ensemble.
Der Film hat eine Laufzeit von 103 Minuten und ist ab zwölf Jahren freigegeben. Gedreht wurde an Originalschauplätzen in Venedig sowie in den Pinewood Studios bei London, wo das zentrale Spukhaus nach dem Vorbild des Palazzo Grioni als Studiokulisse errichtet wurde. Das Produktionsbudget betrug rund 60 Millionen US-Dollar. Bei den Hollywood Music in Media Awards 2023 wurde Hildur Guðnadóttir für ihre Filmmusik ausgezeichnet; das Szenenbild erhielt den British Film Designers Guild Award 2024.
Handlung & Inhalt vom Film „A Haunting in Venice“
Zwei Jahre nach Kriegsende hat sich Hercule Poirot in Venedig zur Ruhe gesetzt. Dennoch schützt ihn sein Leibwächter Vitale Portfoglio konsequent vor aufdringlichen Klienten. Trotzdem gelingt es der Kriminalautorin Ariadne Oliver, zu ihm vorzudringen. Sie berichtet von der Wahrsagerin Joyce Reynolds, einem angeblichen Medium, das sie zwar für eine Schwindlerin hält, dessen Tricks sie jedoch nicht vollständig durchschaut hat. Schließlich erklärt sich Poirot bereit, den Fall zu untersuchen.
Am Abend besuchen die drei gemeinsam einen alten Palazzo, in dem Opernsängerin Rowena Drake eine Halloween-Party für Waisenkinder veranstaltet. Gleichzeitig kursiert der Ruf, dass das Anwesen von den Seelen verstorbener Waisen heimgesucht wird. Kurz darauf beginnt Joyce Reynolds eine Séance, um Kontakt mit Rowenas verstorbener Tochter Alicia aufzunehmen, die angeblich durch den Spuk wahnsinnig wurde und sich das Leben nahm.
Zwischen Séance und Mord
Zunächst entlarvt Poirot die Séance als Inszenierung von Desdemona und Nicholas Holland. Doch dann kippt die Situation, als Joyce Reynolds scheinbar echte Visionen erlebt und mit der Stimme eines Kindes spricht. Dadurch gerät Poirot ins Zweifeln. Kurz darauf überlebt er einen Anschlag, während Joyce Reynolds wenig später von der Loggia stürzt und tödlich aufgespießt wird.
Daraufhin verriegelt Poirot alle Ausgänge und beginnt systematisch mit den Verhören. Unterstützt von Ariadne Oliver und bewacht von Vitale, deckt er nach und nach Spannungen und Motive auf. Im Kreis der Verdächtigen befinden sich unter anderem Olga, Dr. Leslie Ferrier und Maxime Gerard. Zudem gestehen Desdemona und Nicholas einen Diebstahl, während Ariadne ihre Manipulation der Séance für ein Buchprojekt offenbart.
Rowena erhielt daraufhin eine Erpresserpost. In ihr Medium Joyce Reynolds und Dr. Leslie Ferrier die möglichen Täter vermutend, brachte sie beide um. Den Anschlag auf Poirot verantwortete sie ebenfalls, da sie ihn in der Dunkelheit für Reynolds gehalten hatte. Als Rowena die Vorwürfe in wachsender Hysterie bestreitet, stürzt sie vom Balkon in den Tod. Am nächsten Morgen enthüllt Poirot, dass der wahre Erpresser Leopold war, Alicias enger Freund und Sohn des Hausarztes. Der kluge Junge hatte alle Fakten kombiniert und seine Schlussfolgerungen bestätigt. Das Geld setzte er ein, um Desdemona und Nicholas die Auswanderung zu finanzieren; er selbst bleibt in Olgas Obhut. Poirot entscheidet sich, wieder neue Fälle anzunehmen.
Filmkritik und Fazit zum Film „A Haunting in Venice“
„A Haunting in Venice“ ist der ungewöhnlichste Film der Branagh-Poirot-Reihe – und das verdient Anerkennung. Kameramann Haris Zambarloukos arbeitet mit unruhigen, schrägen Perspektiven, die den Palazzo zu einem Ort des Misstrauens machen, lange bevor der erste Mord geschieht. Das reduzierte Seitenverhältnis von 1,85:1 verstärkt die Enge bewusst. Hildur Guðnadóttirs Score setzt auf atonale Texturen und vereinzelte „schreiende“ Klarinetten, die den inneren Konflikt Poirots hörbar machen, ohne je ins Plakative abzugleiten. Branagh selbst spielt konzentrierter als in den Vorgängerfilmen – ein Poirot, dem die Gewissheit abhandenkommt.
Zwei Schwächen mindern den Eindruck dennoch. Die Verhörszenen, ein unvermeidliches Stilmittel des Whodunit-Genres, verlieren an Tempo, sobald das Palazzo-Setting in den Hintergrund tritt und die reine Dialogkonfrontation übernimmt. Michelle Yeoh als Medium Joyce Reynolds bleibt trotz eines fesselnden Séance-Auftritts eine Randfigur, deren früher Abgang Potenzial verschenkt. Andererseits gelingt dem Film etwas, das die Vorgänger nicht erreichten: eine echte Genrehybridisierung. Das Spukhaus entwickelt in bestimmten Szenen eine eigenständige Bedrohlichkeit, die über die rationale Auflösung hinausweist.
Wer einen klassischen Christie-Krimi erwartet, wird überrascht sein. Wer sich auf die Verschiebung einlässt, findet einen atmosphärisch dichten Thriller, der in seiner besten halben Stunde echte Spannung erzeugt. Für Freunde des Mystery-Genres lohnt sich der Film vor allem wegen seiner Inszenierung – auch wenn die Auflösung weniger Wucht entwickelt, als der Aufbau verspricht.