Knowing – Die Zukunft endet jetzt

Eine Zeitkapsel, versiegelt 1959, geöffnet 2009 – und dazwischen liegt ein Zahlencode, der das Unfassbare bereithält. „Knowing – Die Zukunft endet jetzt“ von Regisseur Alex Proyas spinnt aus dieser Prämisse einen Endzeit-Mystery-Thriller, der früh unter die Haut geht. Das Unheimliche sitzt hier nicht in Schockeffekten, sondern in der Stille zwischen den Ereignissen, in jenen Momenten, in denen ein Mensch begreift, dass er gegen etwas kämpft, das längst entschieden ist.

Knowing - Die Zukunft endet jetzt
Dauer: 116 Min.
FSK: 12 (DE)
Jahr: 2009
Kategorien: Mystery, Thriller
Regie: Alex Proyas
Produzenten: Steve Tisch, Todd Black, Alex Proyas, Jason Blumenthal
Hauptdarsteller: Nicolas Cage, Rose Byrne, Chandler Canterbury
Nebendarsteller: Ben Mendelsohn, Nadia Townsend, Terry Camilleri, Lara Robinson
Studio: Summit Entertainment, Escape Artists, Mystery Clock Cinema, Kaplan/Perrone Entertainment, Wintergreen Productions, Goldcrest

Proyas, bekannt durch düstere Bilderwelten wie „Dark City“ und „The Crow“, zieht mit diesem Film eine Frage auf, die philosophisch weit in die Tiefe reicht: Ist die Zukunft veränderbar, wenn man sie kennt? Diese Frage berührt das Kernparadox des Determinismus – und sie stellt sich mit einer Ernsthaftigkeit, die man von einem Hollywood-Blockbuster kaum erwartet. Ob der Film dieser Schwere gerecht wird, ist eine andere Frage.

Besetzung, Regie und Drehorte

Knowing – Die Zukunft endet jetzt“ ist ein amerikanisch-britischer Endzeit-Mystery-Thriller aus dem Jahr 2009. Regie führte Alex Proyas, das Drehbuch stammt von Ryne Douglas Pearson, Juliet Snowden und Stiles White – ursprünglich war Richard Kelly, Autor von „Donnie Darko“, für das Skript vorgesehen. Die Musik komponierte Marco Beltrami, die Kameraarbeit übernahm Simon Duggan. Produziert wurde der Film unter anderem von Steve Tisch, Jason Blumenthal, Todd Black und Proyas selbst.

In der Hauptrolle des Astrophysikprofessors John Koestler ist Nicolas Cage zu sehen. Seinen Sohn Caleb spielt Chandler Canterbury, der kurz zuvor bereits in „Der seltsame Fall des Benjamin Button“ aufgetreten war. Rose Byrne verkörpert Diana Wayland, Lara Robinson übernimmt die Doppelrolle als Lucinda Embry und Abby Wayland. Ben Mendelsohn ist als Johns skeptischer Kollege Phil Beckman besetzt, Alan Hopgood als Reverend Koestler.

Gedreht wurde hauptsächlich in Australien, einige Szenen entstanden in Massachusetts. Die Dreharbeiten dauerten lediglich drei Monate – eine Kürze, die Proyas dem umfangreichen Einsatz digitaler Technik zuschrieb. Der Film läuft 122 Minuten und trägt in Deutschland eine FSK-Freigabe ab 12 Jahren. Die Flugzeugabsturz-Sequenz erhielt eine Nominierung für den VES Award 2010, und der Film wurde für den Saturn Award 2010 als Bester Science-Fiction-Film nominiert.

Handlung & Inhalt vom Film „Knowing – Die Zukunft endet jetzt“

Im Jahr 1959 wird an einer Grundschule in Lexington eine Zeitkapsel vergraben. Auf Initiative der Schülerin Lucinda Embry füllen die Kinder die Kapsel mit Zeichnungen, die ihre Vorstellungen von der Zukunft zeigen. Lucinda jedoch schreibt kein Bild, sondern füllt ihr Blatt mit dichten Zahlenreihen. Fünfzig Jahre später, im Jahr 2009, wird die Kapsel bei einem Schulfest wieder geöffnet. Die Zeichnungen werden unter den Schülern verteilt. Der junge Caleb Koestler erhält Lucindas Blatt mit den Zahlen. Beim Berühren des Papiers bemerkt er einen fremden, finster gekleideten Mann, der ihn aus der Ferne beobachtet.

Calebs Vater John, Astrophysikprofessor am MIT, entdeckt in den Zahlenreihen ein System. Er erkennt, dass die Sequenz „911012996″ Datum und Opferzahl der Anschläge vom 11. September 2001 codiert. Weitere Recherchen ergeben, dass sämtliche großen Katastrophen der letzten fünfzig Jahre in der Liste stehen – mit exakten Daten und Opferzahlen. Sein Kollege Phil begegnet dieser Theorie mit Skepsis und spricht von Apophänie. Doch John wird beim nächsten vorhergesagten Ereignis unmittelbar Zeuge: Er steht auf dem Highway, als ein Flugzeug direkt neben ihm abstürzt. Die Opferzahl stimmt haargenau. Jetzt zweifelt er nicht mehr.

Wenn die Zahlen aufhören zu schweigen

John versucht, die nächste Katastrophe zu verhindern. Er warnt die Behörden anonym und reist nach Manhattan – doch ein U-Bahn-Entgleisung, verursacht durch einen technischen Defekt, trifft dennoch ein. Parallel dazu häufen sich beunruhigende Ereignisse rund um Caleb: Bleiche, schwarz gekleidete Männer tauchen wiederholt auf, flüstern dem Jungen etwas zu. John sucht Diana Wayland auf, die Tochter der inzwischen verstorbenen Lucinda. Auch Dianas Tochter Abby steht in Kontakt mit den Fremden, die sie schlicht „Flüstermenschen“ nennt. Die letzten Zahlen auf Lucindas Blatt entziehen sich zunächst jeder Deutung.

John und Diana entschlüsseln schließlich die letzten Zeichen: Zwei spiegelverkehrte „E“ stehen für „everyone else“ – alle anderen. Die fehlende Opferzahl ist die gesamte Menschheit. Es gibt keine Koordinaten für dieses letzte Ereignis. Die Wissenschaft bestätigt Johns Schluss: Eine gewaltige Sonneneruption wird die Ozonschicht zerstören und alles Leben auf der Erde vernichten. Die Regierung ruft zur Schutzsuche unter der Erde auf. Panik bricht aus, Städte versinken in Chaos und Gewalt.

John glaubt, dass Lucindas letzte Koordinaten auf ihr abgelegenes Waldhaus verweisen – dort könnte Rettung liegen. Diana flieht jedoch mit den Kindern in Berghöhlen ihrer Kindheit. Die Flüstermenschen entführen Caleb und Abby an einer Tankstelle. Bei der Verfolgung verunglückt das Auto, Diana stirbt an der Unfallstelle. John findet Caleb und Abby bei Lucindas Anwesen. Dort offenbart sich die Wahrheit: Die Flüstermenschen sind außerirdische Wesen. Die Kinder gehören zu den Auserwählten, die in einem Raumschiff von der sterbenden Erde fortgebracht werden. Caleb muss seinen Vater zurücklassen. John fährt nach Boston, um die letzten Stunden mit seiner Familie zu verbringen. Als die Erde in einem Flammenmeer endet, sagt sein Vater, ein Pfarrer, dies sei nicht das Ende. John antwortet: „Ich weiß.“ Caleb und Abby landen auf einem fremden Planeten, laufen durch goldene Felder auf einen großen Baum zu.

Filmkritik und Fazit zum Film „Knowing – Die Zukunft endet jetzt“

Knowing – Die Zukunft endet jetzt“ eröffnet mit einer Stärke, die den Film lange trägt: seiner Prämisse. Proyas etabliert den Konflikt zwischen Determinismus und freiem Willen mit einer Leichtigkeit, die philosophisch interessant bleibt, ohne akademisch zu wirken. Nicolas Cage spielt John Koestler zurückgenommen und glaubwürdig – ein besorgter, rational denkender Mann, den die Erkenntnis langsam zermürbt. Die Kameraarbeit von Simon Duggan und Marco Beltramis Partitur, die zweimal Beethovens Siebte einbindet, geben dem Film eine melancholische Würde, die seinen Ambitionen gerecht wird.

Die Inszenierung der Katastrophenszenen schwankt jedoch deutlich. Die Flugzeugabsturz-Sequenz – als scheinbar durchgehende Einstellung konzipiert – leidet unter erkennbar digitalen Effekten, die den angestrebten dokumentarischen Sog untergraben. Der Mittelteil verliert das philosophische Fundament zunehmend aus den Augen und verlässt sich stärker auf Mystery-Konventionen. Erst im letzten Drittel gewinnt Proyas wieder Boden: Die apokalyptischen Bilder entwickeln eine beklemmende Konsequenz, die man von einer Produktion dieser Größenordnung kaum erwartet hätte. Die religiöse Symbolik – der Baum am Ende, die Flügelwesen, die alttestamentarische Rahmung – wirkt an manchen Stellen zu direkt ausgestellt, um subtil zu bleiben.

Für Freunde des Endzeit-Mystery-Thrillers ist der Film dennoch sehenswert – nicht trotz, sondern wegen seiner Widersprüche. Wer sich auf die apokalyptische Stimmung des letzten Akts einlässt, findet hier ein seltenes Hollywoodprodukt, das seinen Figuren das Scheitern zugesteht. Die Frage nach dem Sinn von Vorherwissen, wenn die Zukunft unveränderbar bleibt, stellt der Film mit einer Ernsthaftigkeit, die nachwirkt.

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