Brick

Eine schwarze Wand, die sich über Nacht um ein Mietshaus legt und jede Flucht verunmöglicht – schon die Prämisse von „Brick“ klingt nach Klaustrophobie im Labor. Philip Kochs Mystery-Thriller siedelt seine Versuchsanordnung in Hamburg an, beginnt mit privater Stille und endet in kollektiver Panik. Der Film sucht das Kammerspiel und flirtet zugleich mit Science-Fiction. Diese Mischung verspricht viel. Sie verlangt jedoch auch einiges von Regie, Drehbuch und Ensemble.

Brick
Dauer: 99 Min.
FSK: 16 (DE)
Jahr: 2025
Kategorien: Science-Fiction, Thriller
Regie: Philip Koch
Produzenten: Philip Koch, Quirin Berg, Katrin Goetter, Benjamin Munz, Max Wiedemann
Hauptdarsteller: Matthias Schweighöfer, Ruby O. Fee, Frederick Lau
Nebendarsteller: Salber Lee Williams, Murathan Muslu, Sira-Anna Faal, Axel Werner
Studio: Leonine Studios, Nocturna Productions, Wiedemann & Berg Television

Das Szenario folgt einer vertrauten Linie, die bereits internationale Vorbilder ausgelotet haben. Netflix setzt hierzulande erkennbar auf Genre, auf zugespitzte Räume und zugespitzte Figuren. Dass ein deutscher Thriller nun mit einer prominenten Besetzung, einer erzählbaren Hochspannungsidee und einem klaren formalen Rahmen antritt, ist bemerkenswert. Kochs Film will Beziehungsdrama und Mystery in einem Atemzug denken. Die entscheidende Frage lautet daher: Trägt die Wand das Gewicht, das ihr die Erzählung aufbürdet?

Besetzung, Regie und Drehorte

Brick“ ist ein deutscher Mystery-Thriller aus dem Jahr 2025, für den Philip Koch sowohl das Drehbuch verantwortet als auch die Regie führt. Produziert wurde der Film unter anderem von Quirin Berg, Katrin Goetter, Benjamin Munz, Max Wiedemann und Koch selbst. Für die Kamera zeichnet Alexander Fischerkoesen verantwortlich, den Schnitt übernahm Hans Horn. Die Filmmusik stammt von Anna Drubich, Martina Eisenreich und Michael Kadelbach. Diese Konstellation bündelt vertraute Namen des deutschen Produktionsbetriebs.

Matthias Schweighöfer verkörpert den Spieleentwickler Tim, Ruby O. Fee spielt an seiner Seite Olivia. Murathan Muslu tritt als zwielichtiger Yuri auf, Frederick Lau als Marvin und Salber Lee Williams als Ana. Den bewaffneten Rentner Oswalt gibt Axel Werner, dessen Enkelin Lea wird von Sira-Anna Faal verkörpert. Alexander Beyer spielt den Vermieter Friedmann, Nader Ben-Abdallah, Josef Berousek, Daniele Rizzo, Daniela Galbo und Markus Ransmayr ergänzen die Besetzung.

Der Film läuft 100 Minuten und wird für Zuschauer ab 16 Jahren empfohlen. Gedreht wurde zwischen Ende Januar und März 2024 in den Barrandov-Studios in Prag, wo sämtliche Sets errichtet wurden. Die Weltpremiere fand am 2. Juli 2025 auf dem Filmfest München statt. Seit dem 10. Juli 2025 ist der Film international über Netflix abrufbar.

Handlung & Inhalt vom Film „Brick“

Im Zentrum steht die Beziehung von Tim und Olivia, zwei Jahre nach einer Fehlgeburt. Während Tim das Geschehene verdrängt hat, fühlt sich Olivia mit ihrem Verlust zunehmend allein. Deshalb hat sie ihren Job gekündigt, einen alten VW-Bus gekauft und plant, nach Paris aufzubrechen. Tim hingegen, der als Entwickler kurz vor einem wichtigen Release steht, lehnt die Auszeit ab. Stattdessen einigen sich beide auf ein gemeinsames Abendessen. Auf dem Heimweg begegnen sie ihrem Vermieter, der Renovierungsarbeiten am Haus durchführen lässt. Gleichzeitig steigt am Horizont Rauch aus dem Hamburger Hafen auf. Am nächsten Morgen zieht Olivia schließlich die Konsequenz und kündigt die Trennung an.

Allerdings kommt es anders als erwartet. Als die beiden ihre Wohnung verlassen wollen, stellen sie fest, dass das Gebäude von einer schwarzen Mauer umschlossen ist und das Treppenhaus nicht mehr erreichbar ist. Selbst ein Bohrhammer kann die Außenhülle nicht durchbrechen. Kurz darauf werden sie durch panische Stimmen aus der Nachbarwohnung abgelenkt. Da sich die Innenwände zerstören lassen, arbeiten sie sich dorthin vor und treffen auf Ana und Marvin, ein Paar, das über Airbnb in dem Haus wohnt. Daraufhin wird ein Vorschlaghammer zum wichtigsten Werkzeug der Gruppe. Außerdem erinnert sich Olivia, die als Architektin arbeitet, an einen Bunker im Keller, der möglicherweise mit einem U-Bahn-Tunnel verbunden ist. Daher beschließen die vier, sich Stockwerk für Stockwerk nach unten vorzuarbeiten.

Der Weg durch die Stockwerke

Zunächst werden sie im ersten Obergeschoss vom Rentner Oswalt mit vorgehaltener Waffe gestoppt. Dank seiner Enkelin Lea beruhigt sich die Situation jedoch, sodass die Gruppe bleiben darf. Während ihrer weiteren Erkundung entdecken sie, dass die Rauchmelder in Wahrheit Überwachungskameras enthalten. Folglich gerät der Vermieter unter Verdacht. Wenig später stoßen sie auf die Leiche von Friedmann, dem beide Hände abgetrennt wurden, sowie auf einen versteckten Monitorraum. Im Erdgeschoss begegnen sie anschließend Yuri, der angeblich den verstorbenen Anton besuchen wollte. Dieser hatte einen Herzschrittmacher. Yuri berichtet von Nanotechnologie, einem militärischen Schutzsystem und giftigem Gas. Dennoch schenkt ihm zunächst niemand Glauben.

Im Keller treffen die Bewohner schließlich auf die schweren Bunkertore. Allerdings wird schnell klar, dass auch dort die schwarze Wand den Ausgang versperrt. Daraufhin entreißt Marvin Oswalt die Pistole und feuert auf die Barriere. Doch statt sie zu zerstören, schleudert ein Magnetfeld die Kugeln zurück, wodurch Oswalt stirbt. Anschließend erkennt die Gruppe eine beunruhigende Gemeinsamkeit: Jeder von ihnen trägt eine Verbindung zum Tod in sich. Marvin hat gerade einen Menschen getötet, Lea ihren Großvater verloren, Ana war klinisch tot, Yuri erschoss während seines Dienstes jemanden, und Tim sowie Olivia verloren ihr ungeborenes Kind. Gleichzeitig deuten Aufzeichnungen darauf hin, dass ein Lichtcode die Mauer deaktivieren könnte.

Lea erkennt Würgemale an Antons Hals und stellt Yuri zu – zu spät. Er tötet sie. Die Übrigen sichten das Videomaterial und überwältigen Yuri, fesseln ihn mit Klebeband. Antons Handy verflüssigt die Wand, doch Ana wird hineingezogen; als das Material erstarrt, trennt es ihren Unterleib ab. Marvin erschießt scheinbar den lachenden Yuri und sich selbst. Olivia und Tim finden die korrekte Lichtsequenz, öffnen die Mauer, kämpfen mit dem überlebenden Yuri und entkommen durch die Tiefgarage. Die letzte Einstellung zeigt die gesamte Stadt betroffen, ausgelöst durch den Hafenbrand.

Filmkritik und Fazit zum Film „Brick“

Brick“ arbeitet mit einer starken Grundidee und einer soliden handwerklichen Ausstattung. Alexander Fischerkoesens Kamera nutzt die Enge der Kulisse für klare, bisweilen schmerzhaft ausgeleuchtete Kompositionen. Der dreifache Score von Anna Drubich, Martina Eisenreich und Michael Kadelbach setzt auf tiefe Drones und sparsame Akzente, statt auf Effekthascherei. Schweighöfer spielt zurückgenommen, Ruby O. Fee trägt die emotionale Last des Paarkonflikts. Murathan Muslu agiert als Yuri mit unheimlicher Präsenz, bleibt dramaturgisch jedoch Funktionsfigur. Das Ensemble ist besser als sein Stoff.

Die Inszenierung findet ihren stärksten Moment in der vertikalen Durchquerung des Hauses. Jede neue Zwischendecke wird zur Grenze, jede Wohnung zu einem kleinen Panoptikum aus Biografien. Dieses Grundmotiv hätte getragen. Kochs Drehbuch überfrachtet es jedoch mit einer Traumaformel, die jedem Überlebenden einen Tod zuordnet und die Figuren dadurch auf Chiffren reduziert. Das Tempo schwankt, logische Verknüpfungen wirken mitunter konstruiert, der finale Twist um die nanotechnologische Stadt fährt eine Erklärung auf, die mehr Fragen stellt als beantwortet.

Als Genrebeitrag ist der Film ambitioniert, technisch ordentlich und stellenweise visuell beeindruckend. Seine Prämisse verdient Beachtung, seine Figuren hätten mehr verdient. Für Mystery-Interessierte lohnt sich ein Blick, weil das Szenario allein Spannung erzeugt und das Ensemble das Beste aus dem Material holt. Wer psychologische Tiefe erwartet, wird dagegen vertröstet. „Brick“ bleibt ein bemerkenswerter Versuch mit spürbaren Grenzen.

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