Blues Brothers

Es gibt Filme, die ihre eigene Mythologie schaffen, noch bevor der erste Akkord verklingt. Ein schwarzer Hut, eine schwarze Sonnenbrille, ein abgewracktes Polizeiauto im Morgengrauen über Chicago. Mehr braucht es nicht, damit „Blues Brothers“ sofort wiedererkennbar wird. John Landis inszenierte 1980 keine bloße Komödie, sondern ein chaotisches Liebeslied an den schwarzen amerikanischen Sound. Aus einem Sketch der Show Saturday Night Live wurde dabei ein eigener kosmischer Auftrag.

Selten hat ein Film derart unbekümmert die Genres ineinander verschoben. Musical, Roadmovie, Slapstick und Action verzahnen sich zu einem Werk, das seinen Stolperrhythmus zur Methode erhebt. Dan Aykroyd und John Belushi liefern dabei kein Schauspiel im klassischen Sinn, sondern eine Pose, die zur Haltung wird. Die Sonnenbrillen bleiben auf, die Mienen unbewegt, die Welt um sie herum zerlegt sich. Wie kann ein Film, der sich permanent selbst sprengt, so erstaunlich präzise bleiben?

Blues Brothers
Dauer: 133 Min.
FSK: 12 (DE)
Jahr: 1980
Kategorien: Komödie, Musical
Regie: John Landis
Produzenten: Robert K. Weiss
Hauptdarsteller: John Belushi, Dan Aykroyd, James Brown
Nebendarsteller: Cab Calloway, Ray Charles, Aretha Franklin, Steve Cropper
Studio: Universal Pictures

Bemerkenswert wirkt heute vor allem die Verbindung von anarchischer Energie und musikalischer Andacht. Wo andere Komödien laut werden, hält der Film inne, sobald jemand zu singen beginnt. Aretha Franklin, James Brown, Cab Calloway und Ray Charles erscheinen nicht als Gastfiguren, sondern als Gravitationszentren. Sie verleihen der Erzählung eine Würde, die das umgebende Chaos kontrastiert. Genau in dieser Spannung liegt das eigentliche Versprechen. Was geschieht, wenn ein Genre, das man begraben glaubte, plötzlich wieder atmet?

Besetzung, Regie und Drehorte

Die Regie von „Blues Brothers“ übernahm John Landis, der auch gemeinsam mit Dan Aykroyd das Drehbuch verfasste. Aykroyd lieferte zunächst eine Fassung von 324 Seiten ab, gebunden in einen Telefonbuchumschlag des San Fernando Valley. Erst Landis straffte das Material zur drehfähigen Größe. Produziert wurde der Film von Robert K. Weiss, Bernie Brillstein und George Folsey junior. Die Musikleitung lag bei Ira Newborn und Elmer Bernstein. Stephen M. Katz führte die Kamera, der Schnitt stammt von George Folsey junior.

Im Zentrum stehen John Belushi als Joliet Jake Blues und Dan Aykroyd als sein Bruder Elwood. Die Nebenrollen besetzte das Studio mit ungewöhnlichem Aufwand: Cab Calloway als Ziehvater Curtis, Aretha Franklin als Imbissbesitzerin, James Brown als Reverend Cleophus James, Ray Charles als Musikalienhändler. Carrie Fisher tritt als rätselhafte Bewaffnete auf, John Candy als Bewährungshelfer. Frank Oz, Charles Napier, Henry Gibson, John Lee Hooker, Twiggy, Joe Walsh, Chaka Khan und sogar Steven Spielberg in einem kurzen Cameo runden das Ensemble ab.

Die Kinofassung von „Blues Brothers“ läuft 133 Minuten, der Director’s Cut umfasst 142 Minuten, eine limitierte Extended Collector’s Edition brachte 2016 schließlich 148 Minuten. Die Altersfreigabe beträgt FSK 12. Gedreht wurde überwiegend in Chicago und Umgebung, unter anderem in der eigens reaktivierten Dixie Square Mall in Harvey. 1981 erhielt der Film den Golden Reel Award für seinen Tonschnitt, 2020 wurde er ins National Film Registry aufgenommen.

Handlung & Inhalt vom Film „Blues Brothers“

Joliet Jake Blues verlässt nach mehrjähriger Haft das Staatsgefängnis. Sein Bruder Elwood holt ihn ab, am Steuer eines ausgemusterten Streifenwagens, dem sogenannten Bluesmobil. Wie versprochen fahren beide zunächst zum katholischen Waisenhaus ihrer Kindheit. Die strenge Mutter Oberin, von den Brüdern „der Pinguin“ genannt, eröffnet ihnen die schlechte Nachricht: 5000 Dollar Steuerschulden bedrohen die Existenz des Hauses. Ihr Angebot, das Geld auf kriminelle Weise zu beschaffen, weist sie scharf zurück. Auch ihr Ziehvater Curtis bestätigt die Lage. Ohne rasche Zahlung wird die Einrichtung geschlossen.

Bei einem mitreißenden Gottesdienst des Predigers Cleophus James trifft Jake eine Erleuchtung. Die Lösung scheint plötzlich klar: Die alte Band muss zurück auf die Bühne. Ein Konzert soll die Steuerschuld einspielen, im Auftrag des Herrn. Elwood zweifelt, weil die ehemaligen Mitstreiter längst geregelte Berufe haben. Trotzdem ziehen die Brüder los und überzeugen jeden Musiker einzeln. Während dieser Tournee durch Chicago ziehen sie Polizei, Bewährungshelfer und Verkehrsbehörden auf sich. Bei einer Verfolgungsjagd verwüsten sie ein komplettes Einkaufszentrum.

Verfolgung, Konzert und göttliche Mission

Die Liste der Verfolger wächst dabei beständig. Eine Demonstration der American White People Party, einer Persiflage auf die NSPA, lösen die Brüder unkonventionell auf, indem sie die Marschierer in einen Fluss treiben. Fortan jagen deshalb auch die Nationalsozialisten das Bluesmobil. Zudem taucht eine namenlose Frau mit schweren Kriegswaffen auf, wobei ihre Anschläge ganze Hotels in Schutt legen. Dennoch wird niemand verletzt. Später stellt sich schließlich heraus, dass Jake sie einst am Traualtar stehen ließ. Ihren ersten Auftritt absolviert die Band dann in Bob’s Country Bunker. Dabei geben sie sich als angekündigte Country-Truppe „The Good Ole Boys“ aus und prellen den Wirt zugleich um die Getränkerechnung.

Mit einigem Druck überredet Jake schließlich den ehemaligen Manager Maury Sline, damit er ein größeres Konzert organisiert. Eine ungewöhnliche Werbeaktion füllt den Saal tatsächlich. Allerdings verspäten sich die Brüder durch eine Panne bei der Promotion-Fahrt erheblich. Deshalb übernimmt Curtis mit „Minnie the Moocher“, bevor die beiden eintreffen. Im Publikum sitzen unterdessen Polizei, Bewährungshelfer Mercer, die gedemütigten Country-Musiker und der wütende Wirt. Während des zweiten Songs setzt sich die Band jedoch ab, wobei sie einen Vorschuss eines begeisterten Plattenproduzenten in der Tasche hat.

Im unterirdischen Kanal lauert währenddessen die Verflossene mit einem Sturmgewehr. Sie eröffnet zwar das Feuer, trifft aber erneut niemanden. Jake nimmt seine Sonnenbrille ab, betört sie mit blanker Ausstrahlung und entkommt dadurch. Eine ausufernde Verfolgungsjagd nach Chicago aktiviert schließlich Polizei, Feuerwehr, Armee und Nationalgarde. Währenddessen verschwinden die Nationalsozialisten zu den Klängen von Wagners Walkürenritt im Asphalt. Gerade noch zahlen die Brüder die Steuerschuld bar ein, bevor jedoch eine massive Übermacht sie verhaftet. Die Schlussszene zeigt schließlich die gesamte Band im Gefängnis, wobei sie vor den Mitgefangenen den Jailhouse Rock darbietet.

Filmkritik und Fazit zum Film „Blues Brothers“

Was John Landis in „Blues Brothers“ gelingt, ist ein präzise choreografierter Kontrollverlust. Die Inszenierung wirkt anarchisch, folgt jedoch einer strengen rhythmischen Logik. Stephen M. Katz‘ Kamera fängt das ruinöse Chicago der Spätsiebziger mit ungewöhnlich kühlem Blick ein, der die Slapstick-Eskalationen umso komischer wirken lässt. Belushis Spiel lebt vom Minimalismus, Aykroyd liefert den ruhigen, fast bürokratischen Gegenpol. Dass die Brüder nahezu durchgehend hinter ihren Sonnenbrillen verschwinden, erweist sich als Geniestreich. Aus Anonymität wird Ikonografie.

Bemerkenswert ist die Verschmelzung von Aktion und Musik. Während die Verfolgungsjagden mit echten Fahrzeugen und realer Architektur arbeiten, gewinnen die Konzertszenen ihre Wucht aus weitgehend live eingespielten Aufnahmen. James Browns Predigt, John Lee Hookers „Boom Boom“ und Aretha Franklins „Think“ entfalten eine zwingende Energie, die den Film aus jeder Genrekategorie herauskatapultiert. Tempo und Sounddesign greifen ineinander. Wenn das Bluesmobil später Manöver vollführt, die jeder Physik widersprechen, wirkt selbst dieser Bruch konsequent. Der Film vertraut seinem eigenen Übermut.

Schwächen lassen sich benennen. Die zweieinhalb Stunden Laufzeit dehnen sich an manchen Stellen, einige Stationen wirken austauschbar. Diese Längen werden jedoch durch die musikalische Substanz aufgewogen. Wer Komödie als reine Pointenlieferung versteht, dürfte irritiert sein. Wer dagegen Inszenierung, Soundkultur und ikonisches Schauspiel in einem Film schätzt, findet hier ein Werk, das seine Aura nicht eingebüßt hat. Eine klare Empfehlung für alle, die Musikfilm und Slapstick in höchster Form erleben wollen.

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