Angel Has Fallen

Dreimal ist Ausnahme, oder zumindest die Hoffnung, die sich an jede Franchise-Trilogie heftet. „Angel Has Fallen“ aus dem Jahr 2019 führt den Secret-Service-Agenten Mike Banning in eine Lage, die für Actionreihen dieser Art geradezu obligatorisch ist: Der Beschützer wird selbst zum Beschuldigten. Ric Roman Waugh übernimmt die Regie von seinen Vorgängern und setzt auf einen anderen dramaturgischen Rahmen, mit weniger Hochburgschutz und mehr Hetzjagd.

Angel Has Fallen
Dauer: 122 Min.
FSK: 16 (DE)
Jahr: 2019
Kategorien: Action
Regie: Ric Roman Waugh
Produzenten: Alan Siegel, Matthew O'Toole, John Thompson, Yariv Lerner, Gerard Butler, Les Weldon
Hauptdarsteller: Gerard Butler, Morgan Freeman, Jada Pinkett Smith
Nebendarsteller: Nick Nolte, Danny Huston, Tim Blake Nelson, Lance Reddick
Studio: Campbell Grobman Films, Eclectic Pictures, G-BASE, Millennium Media

Was dieser Strukturwechsel bedeutet, ob er dem Film die nötige Eigenständigkeit verleiht oder lediglich bekannte Versatzstücke in neuer Reihenfolge arrangiert, ist die eigentliche Frage, mit der man die 121 Minuten Laufzeit bestreitet.

Besetzung, Regie und Drehorte

Angel Has Fallen“ ist der dritte Teil der „Has Fallen“-Reihe und wurde im August 2019 in den US-amerikanischen Kinos veröffentlicht. Regie führte Ric Roman Waugh, der damit Antoine Fuqua und Babak Najafi beerbt. Das Drehbuch entstand in Zusammenarbeit von Robert Mark Kamen, Katrin Benedikt und Waugh selbst. Die Musik komponierte David Buckley, der Trevor Morris als Serienkomponisten ablöste. Kameramann Jules O’Loughlin zeichnet für die visuelle Gestaltung verantwortlich, der Schnitt lag bei Gabriel Fleming.

Gerard Butler kehrt als Mike Banning zurück und fungiert erneut auch als Produzent. An seiner Seite steht Morgan Freeman als Präsident Allan Trumbull. Jada Pinkett Smith verkörpert FBI-Agentin Helen Thompson, die Banning als Verdächtigen verfolgt. Tim Blake Nelson spielt Vizepräsident Kirby, Nick Nolte gibt Mikes entfremdeten Vater Clay Banning, und Danny Huston übernimmt die Rolle des Antagonisten Wade Jennings. Piper Perabo trat als Leahs Darstellerin an die Stelle von Radha Mitchell, die aus Termingründen ausfiel.

Die Dreharbeiten begannen am 7. Februar 2018 im Vereinigten Königreich und erstreckten sich zudem über Bulgarien. Zu den genutzten Produktionsstandorten zählten Pinewood Studios, Bray Studios, Longcross Studios sowie Nu Boyana Film Studios. Der Film ist ab 16 Jahren freigegeben und hatte ein Produktionsbudget von rund 80 Millionen US-Dollar. „Angel Has Fallen“ (2019) ist der dritte Teil der „Has Fallen“-Reihe und folgt auf „Olympus Has Fallen“ (2013) sowie „London Has Fallen“ (2016). Eine weitere Fortsetzung mit dem Titel „Night Has Fallen“ wurde angekündigt.

Handlung & Inhalt vom Film „Angel Has Fallen“

Einige Jahre nach den Ereignissen in London agiert Mike Banning (Gerard Butler) unter einem falschen Namen in ärztlicher Behandlung. Dabei leidet er unter Migräne, Schlafmangel und einer Wirbelsäulenerkrankung und ist deshalb dauerhaft auf Medikamente angewiesen. Dennoch hat er weder seiner Frau Leah noch seinen Vorgesetzten noch Präsident Allan Trumbull (Morgan Freeman) davon erzählt. Trumbull selbst bietet Banning bei einem gemeinsamen Angelausflug den Posten des Secret-Service-Direktors an. Doch das Gespräch nimmt eine abrupte Wendung, als eine Schwadron ferngesteuerter Minidrohnen den Bereich angreift. Während alle Agenten sterben, überleben nur Banning und der Präsident, allerdings schwer verletzt und bewusstlos.

Im Krankenhaus erwacht Banning unter dem Verdacht des versuchten Attentats auf den Präsidenten. Dabei präsentiert FBI-Agentin Helen Thompson (Jada Pinkett Smith) erdrückende Beweise: ein Darknet-Profil, ein geheimes Konto mit zehn Millionen Dollar, gespeist von einer russischen Staatsbank. Während Trumbull im Koma liegt, übernimmt Vizepräsident Kirby (Tim Blake Nelson) die Amtsgeschäfte. Als Banning schließlich in ein Bundesgefängnis verlegt werden soll, werden die Transportfahrzeuge per Hacking gestoppt, alle Agenten liquidiert und Banning entführt. Allerdings kann er sich befreien und erkennt dabei in einem der Angreifer einen Mitarbeiter des Sicherheitsunternehmens Salient Global, geführt von seinem früheren Kameraden Wade Jennings (Danny Huston).

Flucht, Verrat und Vaterschatten

Banning flieht in die Wälder von West Virginia und sucht seinen entfremdeten Vater Clay (Nick Nolte) auf. Der ehemalige Vietnam-Veteran lebt dort als Einsiedler in völliger Isolation und verarbeitet das Verlassen seiner Familie. Doch Jennings‘ Männer entdecken den Rückzugsort. Clay führt seinen Sohn durch einen geheimen Tunnel und zündet vorbereitete Sprengladungen, die ihre Verfolger töten. Danach trennen sich ihre Wege. Mike kehrt zum Krankenhaus zurück, während Clay dessen Familie schützt.

Unterdessen arbeitet Jennings für Vizepräsident Kirby. Nach Rückschlägen im Irak bekommt er nur noch kleine Trainingsaufträge. Deshalb wollen beide Russland den Anschlag anlasten und Salient Global milliardenschwere Rüstungsaufträge verschaffen. Thompson hat bereits im Irak gegen Jennings ermittelt und sucht nun dessen Unternehmen auf. Dort erschießen Jennings‘ Männer sie und ihren Kollegen. Anschließend befiehlt Kirby Jennings, den langsam erwachenden Trumbull zu töten. Gleichzeitig versucht ein weiteres Team, Leah und Lynne Banning zu entführen, doch Clay vereitelt den Angriff.

Banning stellt sich vor der Intensivstation freiwillig den Sicherheitskräften und gelangt zu Trumbull. Der Präsident bestätigt, dass Banning ihm das Leben gerettet hat. Gemeinsam erkennen sie den Angriff auf die Krankenhaussysteme. Die Täter lassen Gas und Sauerstoff ausströmen und wollen das Gebäude durch einen Kurzschluss sprengen. Banning organisiert die Evakuierung, bevor Jennings den Konvoi stoppt und das Krankenhaus explodiert. Danach verfolgt Banning seinen ehemaligen Kameraden bis in ein Bürogebäude. Im finalen Gefecht schießt er den Fluchthubschrauber ab und tötet Jennings. Die Behörden verhaften Kirby vor dem Weißen Haus. Clay zieht anschließend bei der Familie ein, während Banning Trumbulls Angebot annimmt und neuer Secret-Service-Direktor wird.

Filmkritik und Fazit zum Film „Angel Has Fallen“

Angel Has Fallen“ macht zunächst etwas richtig: Der Drohnenangriff am See ist die stärkste Sequenz der gesamten Reihe. Praktische Explosionen, eine räumlich kohärente Inszenierung und ein spürbares Gefahrenpotenzial zeigen, dass Regisseur Waugh das Genre beherrscht, wenn er es darf. Doch diese formale Kompetenz verliert sich im weiteren Verlauf. Der Schnitt von Gabriel Fleming zerhackt die Nachtjagden in handlungsfremde Splitter, Kameramann O’Loughlin wechselt in bewegte Unruhe, wo Klarheit geboten wäre. Nick Nolte rettet als Clay Banning mehrere Szenen durch schiere Präsenz, mit einem Auftritt, der das Vater-Sohn-Drama trägt, obwohl das Skript ihm kaum Substanz gibt.

Das Drehbuch versucht, Mike Banning erstmals greifbar zu machen, indem es Trauma, Medikamente und Schweigen thematisiert. Die Ansätze verschwinden jedoch nach den ersten fünfzehn Minuten spurlos. Was bleibt, ist der gewohnte Berserker ohne spürbare körperliche Einschränkung. Der politische Subtext mit Söldnerkapitalismus, konstruierten Feindbildern und Kriegsgewinnlern ist vorhanden, wird aber vom Film selbst konterkariert. Dieselben Militärgerätschaften, die Jennings‘ Gier symbolisieren, werden in Zeitlupe zelebriert. David Buckleys Score liefert ein verlässliches Krawall-Fundament, ohne je eigene Akzente zu setzen. Die Inszenierung bleibt damit in einer merkwürdigen Schwebe zwischen gewollter Schwere und ungewollter Ironie.

Wer mit den Vorgängern einverstanden war, wird auch hier auf seine Kosten kommen, zumal der Eröffnungsakt echte Qualität zeigt. Wer hingegen erwartet, dass die Reihe mit dem dritten Teil zur Reflexion ansetzt, wird enttäuscht. Der Film ist solides Genrekino ohne Eigengewicht: handwerklich kompetent in Momenten, strukturell vorhersehbar im Kern und letztlich ein Film, der mehr verspricht, als er einzulösen bereit ist.

X