Jurassic World
Zweiundzwanzig Jahre ist es her, dass Steven Spielberg mit seinem Ur-Meisterwerk das Blockbusterkino neu definierte. Nun kehren die Dinosaurier zurück und mit ihnen die Frage, ob ein Franchise, das auf Staunen gebaut ist, dieses Staunen überhaupt noch erzeugen kann. „Jurassic World“ versucht genau das: den Geist des Originals mit den Mitteln der Gegenwart neu zu beschwören, größer, lauter, spektakulärer. Regisseur Colin Trevorrow betritt damit ein Terrain, auf dem jeder Schritt zugleich Hommage und Überwältigung sein muss.

| Dauer: | 124 Min. |
|---|---|
| FSK: | 12 (DE) |
| Jahr: | 2015 |
| Kategorien: | Action, Science-Fiction |
| Regie: | Colin Trevorrow |
| Produzenten: | Frank Marshall, Patrick Crowley |
| Hauptdarsteller: | Chris Pratt, Bryce Dallas Howard, Irrfan Khan |
| Nebendarsteller: | Vincent D'Onofrio, Ty Simpkins, Nick Robinson, Jake Johnson |
| Studio: | Amblin Entertainment, Universal Pictures, Legendary Pictures |
Der vierte Teil der Reihe ist ein Film, der sein eigenes Dilemma auf der Leinwand ausspielt. Ein Charakter im Film erklärt, dass Kinder heute kaum noch zwischen einem Elefanten und einem Dinosaurier unterscheiden, denn die Urzeitgiganten haben ihren Schrecken als Attraktion verloren. Was wie eine Randnotiz wirkt, ist in Wahrheit die schärfste Selbstbeschreibung, die das Drehbuch zu bieten hat. Kann ein Blockbuster, der sich dieser Erschöpfung bewusst ist, ihr trotzdem entkommen?
Besetzung, Regie und Drehorte
„Jurassic World“ entstand unter der Regie von Colin Trevorrow, der das Drehbuch gemeinsam mit Derek Connolly, Rick Jaffa und Amanda Silver verfasste. Die Produktion übernahmen Frank Marshall und Patrick Crowley. Für die Musik zeichnet Michael Giacchino verantwortlich, die Kamera führte John Schwartzman. Die Dreharbeiten begannen im April 2014 auf Hawaii und führten anschließend nach New Orleans, wo unter anderem im verlassenen Freizeitpark Six Flags gedreht wurde.
Die männliche Hauptrolle übernahm Chris Pratt als Wildhüter Owen Grady, an seiner Seite spielt Bryce Dallas Howard die Parkleiterin Claire Dearing. Vincent D’Onofrio mimt den Sicherheitschef Vic Hoskins, Irrfan Khan den Parkbesitzer Simon Masrani. Die Jungdarsteller Ty Simpkins und Nick Robinson spielen Claires Neffen Gray und Zach Mitchell. B. D. Wong kehrt in seiner Rolle als Chefgenetiker Dr. Henry Wu aus dem ersten Teil zurück. Omar Sy, Jake Johnson und Lauren Lapkus vervollständigen das Ensemble in tragenden Nebenrollen.
Der Film hat eine Laufzeit von 124 Minuten und trägt in Deutschland die FSK-Freigabe ab 12 Jahren. Er startete am 11. Juni 2015 in den deutschen Kinos, einen Tag vor dem US-amerikanischen Kinostart. Als vierter Teil der Jurassic-Park-Reihe bildet er den Auftakt der Jurassic-World-Trilogie, die mit „Jurassic World: Das gefallene Königreich“ (2018) und „Jurassic World: Ein neues Zeitalter“ (2022) fortgesetzt und abgeschlossen wurde. Mit „Jurassic World: Die Wiedergeburt“ (2025) folgte drei Jahre später der siebte Film der Reihe, der ein neues Kapitel innerhalb des Jurassic-World-Universums eröffnet.
Handlung & Inhalt vom Film „Jurassic World“
Auf der pazifischen Isla Nublar, wo einst John Hammonds Traum in blutiger Katastrophe endete, ist 22 Jahre später ein neuer Park entstanden. Jurassic World hat alles, was der ursprüngliche Jurassic Park versprach, aber nie einlösen konnte: funktionierende Attraktionen, Tausende von Besuchern täglich, eine Magnetschwebebahn, autonome Glaskugeln zur Erkundung des Geländes. Parkleiterin Claire Dearing empfängt ihre Neffen Gray und Zach Mitchell, die sie seit Jahren kaum gesehen hat. Weil Claires Kalender voll ist, übergibt sie die Kinder ihrer Assistentin Zara Young. Gleichzeitig präsentiert sie Parkbesitzer Simon Masrani die neue Attraktion im Bau: den Indominus Rex, einen genetisch konstruierten Hybridsaurier.
Masrani beauftragt den Wildhüter und Ex-Navy-Soldaten Owen Grady, das Gehege des Indominus Rex auf Sicherheitsmängel zu prüfen. Grady trainiert im Park vier Velociraptoren und gilt als deren Alphatier – ein Umstand, den Sicherheitschef Vic Hoskins für militärische Zwecke nutzen möchte, sehr gegen Gradys Willen. Bei der Inspektion zeigen die Wärmebildkameras den Saurier nicht an. Kratzspuren an der Innenwand legen einen Ausbruch nahe, doch der Indominus Rex hat sich nur versteckt. Er tötet zwei Techniker, bricht aus dem Gehege aus und entzieht sich dem Ortungssender, den er sich selbst herausgerissen hat. Masrani weigert sich zunächst, den Park zu evakuieren, und schickt ein Sicherheitsteam in den Wald. Der Indominus Rex tarnt sich wie ein Chamäleon und tötet nahezu alle Männer.
Ausbruch ohne Wiederkehr
Gray und Zach sind ihrer Aufpasserin entwischt und erkunden mit einer Gyrosphäre das Freigelände, als der Indominus Rex sie überrascht und die Kapsel zerstört. Den Brüdern gelingt jedoch die Flucht. Während Claire Grady um Hilfe bittet, entdecken sie eine Herde getöteter Apatosaurier, die der Hybride aus reiner Jagdlust erlegt hat. Im überwucherten Besucherzentrum des ursprünglichen Parks finden die Jungen einen Geländewagen und machen ihn wieder fahrtüchtig. Masrani versucht unterdessen, den Indominus Rex aus einem Hubschrauber zu erschießen, doch der Saurier durchbricht dabei die Kuppel des Flugsaurier-Geheges.
Die freigelassenen Pterosaurier bringen den Hubschrauber zum Absturz, wobei Masrani stirbt. Anschließend attackieren sie die Besucher im Hauptbereich, während Zara dem Mosasaurus zum Opfer fällt. Nach Masranis Tod übernimmt Hoskins die Kontrolle und setzt die trainierten Velociraptoren auf den Indominus Rex an. Grady nimmt widerwillig an der Jagd teil. Als die Raptoren den Hybriden finden, erkennen sie jedoch dessen Raptor-Gene und wechseln daraufhin die Seiten.
Unter dem Kommando des Indominus Rex greifen die Raptoren die Menschen an und töten zahlreiche Männer von Hoskins, während Dr. Wu mit den Dinosaurier-Embryos ausgeflogen wird. Als Grady schließlich Blue gegenübersteht, gewinnt er dessen Vertrauen zurück. Im finalen Kampf wird Blue zunächst vom Hybriden ausgeschaltet. Daraufhin öffnet Claire das Gehege des Tyrannosaurus und lockt ihn zum Indominus Rex. Obwohl der Hybride zunächst die Oberhand gewinnt, kehrt Blue zurück. Gemeinsam drängen sie ihn zum Becken des Mosasaurus, der ihn schließlich in die Tiefe zieht. Danach werden Gray und Zach von ihren Eltern abgeholt, während Grady und Claire beschließen zusammenzubleiben. Abschließend blickt der Tyrannosaurus über den verlassenen Park und brüllt in den Morgen.
Filmkritik und Fazit zum Film „Jurassic World“
„Jurassic World“ tritt selbstbewusst in die Fußstapfen seines Originals und vergisst dabei nie, dass diese schlicht zu groß sind. Colin Trevorrow inszeniert mit sicherem Gespür für Tempo und Schauwerte, zeigt jedoch Schwächen bei der Figurenzeichnung. Während Chris Pratt den Film mit lässiger Überzeugung trägt und besonders in den Szenen mit den Velociraptoren überzeugt, bleibt Bryce Dallas Howard in einer Rolle gefangen, die ihr nur selten erlaubt, über funktionale Reaktionsmuster hinauszuwachsen. Dennoch funktioniert die Chemie zwischen beiden, auch wenn das Drehbuch ihnen wenig Spielraum lässt.
Inszenatorisch setzt Trevorrow vor allem auf Überwältigung, während Michael Giacchinos Filmmusik geschickt das emotionale Gedächtnis des Publikums anspricht. Dabei greift er John Williams‘ ikonische Themen auf und verbindet Nostalgie mit modernem Blockbusterkino. Auch John Schwartzmans Kamera liefert einige schwelgerische Einstellungen, die dem Park eine beeindruckende Glaubwürdigkeit verleihen. Der Indominus Rex erfüllt zwar seine Funktion als bedrohlicher Antagonist, bleibt jedoch erstaunlich beliebig, weil seine besonderen Fähigkeiten häufig nur kurz eingesetzt werden. Der finale Showdown mit T-Rex, Raptor und Mosasaurus ist dagegen spektakulär und mitreißend, zeigt aber zugleich, dass der Film am Ende stärker auf Größe als auf Präzision setzt.
Als kurzweiliger Sommerblockbuster erfüllt der Film seinen Auftrag dennoch überzeugend. Wer die Dino-Franchise liebt und große Unterhaltung erwartet, dürfte auf seine Kosten kommen. Wer dagegen den stillen Schauder des Originals sucht, etwa jenen Moment, in dem ein Brachiosaurus eine ganze Figur und zugleich das Publikum zum Verstummen bringt, wird ihn hier kaum finden. Das ist jedoch weniger ein Versagen als die Konsequenz aus 22 Jahren Abstand und einem Blockbusterkino, das inzwischen gelernt hat, nahezu alles zu zeigen.