Super 8

Ein Sommer der siebziger Jahre, eine Kleinstadt in Ohio, eine Gruppe Kinder mit einer Kamera. Das klingt nach Nostalgie – und ist es auch. „Super 8“ von J.J. Abrams aus dem Jahr 2011 ist ein Film, der aus dem Gedächtnis des Kinos schöpft, ohne darin zu versinken. Er beschwört eine Ära, in der Abenteuer noch ohne Smartphone begann und das Unbekannte am Ende der Straße wartete.

Super 8
Dauer: 112 Min.
FSK: 12 (DE)
Jahr: 2011
Kategorien: Science-Fiction
Regie: J.J. Abrams
Produzenten: J.J. Abrams, Bryan Burk, Steven Spielberg
Hauptdarsteller: Joel Courtney, Elle Fanning, Riley Griffiths
Nebendarsteller: Kyle Chandler, Noah Emmerich, AJ Michalka, Ryan Lee
Studio: Paramount Pictures, Amblin Entertainment, Bad Robot

Was Abrams hier versucht, ist durchaus riskant: ein Familienfilm, der gleichzeitig Science-Fiction, Coming-of-Age-Drama und Mystery-Thriller sein will. Gelingt der Spagat? Das Jahrzehnt seiner Entstehung hat diese Frage beantwortet – mit beachtlichem Kassenerfolg. Doch ob das Werk auch ästhetisch und erzählerisch standhält, verlangt einen genaueren Blick.

Besetzung, Regie und Drehorte

Super 8“ entstand unter der Regie und nach dem Drehbuch von J.J. Abrams und wurde gemeinsam von Abrams, Steven Spielberg und Bryan Burk produziert. Die Kamera verantwortete Larry Fong, den Schnitt übernahmen Maryann Brandon und Mary Jo Markey. Michael Giacchino, langjähriger Vertrauter von Abrams, komponierte die Filmmusik. Die Dreharbeiten fanden zwischen September und Dezember 2010 in Weirton, West Virginia statt.

In den Hauptrollen sind Joel Courtney als Joe Lamb, Elle Fanning als Alice Dainard und Kyle Chandler als Hilfssheriff Jackson Lamb zu sehen. Courtney war ein Kinodebütant, den Abrams nach einer Talentsuche verpflichtete. Fanning war hingegen bereits für ihre Arbeit in Sofia Coppolas Werk bekannt. Die Nebenrollen der jugendlichen Gruppe übernahmen Gabriel Basso, Riley Griffiths, Ryan Lee und Zach Mills. Erwachsene Figuren werden von Noah Emmerich, Ron Eldard und Glynn Turman verkörpert.

Der Film hat eine Laufzeit von 112 Minuten und ist in Deutschland ab FSK 12 freigegeben. Er wurde weltweit an über 260 Millionen US-Dollar eingespielt, bei Produktionskosten von rund 50 Millionen Dollar. Bei den Saturn Awards 2012 gewann der Film drei Preise, darunter Beste Regie für Abrams, Beste Musik für Giacchino und Beste Nachwuchsdarstellung für Courtney.

Handlung & Inhalt vom Film „Super 8“

Im Sommer 1979 dreht eine Clique von Teenagern in der fiktiven Kleinstadt Lillian, Ohio, einen Zombie-Kurzfilm auf einer Super-8-Kamera. Der ehrgeizige Charles führt Regie, sein bester Freund Joe übernimmt Maske und Requisite. Für eine nächtliche Szene am Bahnhof rekrutieren sie Alice, ein Mädchen aus der Nachbarschaft, in das sich Joe still verliebt. Die Gruppe büxt aus, filmt in der Nacht – und wird ungewollte Zeugin eines Ereignisses, das ihr Leben verändern wird.

Während der Dreharbeiten entgleist ein Militärzug nach einer gezielten Kollision mit einem Pick-up. Die Explosion ist gewaltig, die Kinder entkommen nur knapp. Der Fahrer des Trucks entpuppt sich als Dr. Woodward, ihr Biologielehrer, der sie eindringlich zur Verschwiegenheit mahnt. Joe nimmt am Unglücksort einen der zahlreichen kleinen Metallwürfel mit, die über die Gleise verstreut liegen. Die Kamera hat das gesamte Geschehen aufgezeichnet – ohne dass die Gruppe ahnt, was dabei wirklich festgehalten wurde.

Das Unsichtbare zeigt sich

In den folgenden Tagen verändert sich Lillian auf beunruhigende Weise. Alle Hunde verschwinden aus der Stadt. Elektrische Bauteile, Motoren und Maschinen werden entwendet – spurlos, nächtens, ohne Erklärung. Das Militär sperrt den Unglücksort ab und durchkämmt die Stadt. Joes Metallwürfel beginnt sich eigenständig zu bewegen und wird magnetisch zum lokalen Wasserturm hingezogen. Dann verschwinden Menschen: zuerst der Sheriff, schließlich Alice. Joes Vater, Hilfssheriff und alleinerziehend seit dem Tod seiner Frau, versucht die Vorfälle aufzuklären, stößt dabei aber auf eine Mauer des Schweigens.

Das Militär inszeniert einen Flächenbrand und evakuiert die Stadt unter einem Vorwand. Die Teenager kehren zurück, entwickeln ihren Film und entdecken darauf eine riesige Kreatur, die beim Zugunglück aus den Waggons entkam. Recherchen an der Schule enthüllen: Dr. Woodward hatte seit 1963 Kontakt zu einem außerirdischen Wesen, das von der Air Force gefangen gehalten wurde. Er verstand, dass die Kreatur nicht feindselig, sondern gefangen ist – und wollte ihr mit dem Zugunglück zur Flucht verhelfen. Die Jungen werden vom Militär verhaftet, doch der Konvoi wird von dem Wesen angegriffen und sie entkommen.

Im Finale kehren die Teenager ein letztes Mal in die besetzte Stadt zurück. Unter dem Friedhof finden sie Alice und weitere Bewusstlose in einem weitverzweigten Höhlensystem. Die Kreatur hat aus den gestohlenen Metallgegenständen eine Maschine gebaut. Als Joe ihr direkt begegnet und ihr klar macht, dass er kein Feind ist, lässt sie von ihm ab. Die Maschine springt an, alle Metallteile werden magnetisch zum Wasserturm gezogen, die Würfel fügen sich zu einem Raumschiff zusammen – und die Kreatur verlässt die Erde. Im Abspann zeigt der Film das fertige Zombie-Werk der Teenager, inklusive der Szene vom Bahnhof.

Filmkritik und Fazit zum Film „Super 8“

Super 8“ ist vor allem eines: ein Film über das Filmemachen. Abrams verankert seine Geschichte in der Super-8-Ästhetik der späten Siebziger und macht daraus mehr als ein Stilmittel – es ist eine Haltung. Larry Fongs Kameraarbeit atmet den Geist der Vorlage, ohne zum Pastiche zu gerinnen. Die jungen Darsteller tragen den Film mit einer Natürlichkeit, die schwer zu inszenieren ist: Joel Courtneys stille Verliebtheit und Elle Fannings Präsenz ergänzen sich in gemeinsamen Szenen fast wortlos. Michael Giacchinos Partitur verstärkt die emotionalen Bögen, ohne sie zu überlagern.

Das Tempo des Films ist ungleich verteilt. Der erste Akt investiert Zeit in Figuren und Milieu – zu viel, meinen manche; zu wenig, findet man im Rückblick. Die Zugentgleisung markiert einen Bruch in der Erzählung, der fast zu abrupt kommt. Danach zieht das Mysterium an, und das Sichtbarmachen der Kreatur folgt der klugen Spielbergschen Logik der Zurückhaltung: Was man nicht sieht, fürchtet man mehr. Das finale Spektakel – metallische Teile, die in die Luft gerissen werden, das Raumschiff, das sich vor dem Wasserturm zusammensetzt – ist bildgewaltig konzipiert, aber emotional bezieht der Film seine Stärke aus kleinen Momenten, nicht aus den großen.

„Super 8″ ist kein Film, der neue Wege beschreitet. Er beschreitet bekannte Wege mit Sorgfalt und Stil. Wer das Kino der späten Siebziger und frühen Achtziger kennt und liebt, findet hier eine ehrliche Hommage, die nicht nur zitiert, sondern versteht. Science-Fiction-Liebhaber, die spektakuläre Alienkonzepte erwarten, werden eher enttäuscht sein – das Wesen bleibt Mittel, nicht Zentrum. Für alle anderen ist dieser Film eine stille, gut gebaute Erinnerung daran, warum Kino manchmal nach Sommer riecht.

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